Politically incorrect
Erst vor ein paar Tagen habe ich geschrieben, dass ich kein Leser des Feuilletons bin, da dort Coneheads Filme rezensieren und ähnlich krude Dinge passieren.
Im Feuilleton der FAZ von heute dagegen ist ein Beitrag der indischen Autorin Arundhati Roy, der zu lesen Pflicht ist. Er ist überschrieben mit »Wie man einen Krieg verkauft« und prangert die Doppelmoral der amerikanischen Regierung an, ähnlich wie schon vor einigen Tagen der Artikel »«Die Doppelmoral der Bush-Krieger
« von Harald Schumann für Spiegel-online. Oder der Kommentar »Die Präventiv-Kriegstreiber« von Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein vor wenigen Wochen.
Roy beginnt ihren Beitrag mit Überlegungen, was denn eigentlich Anti-Amerikanismus sei. Denn häufig werden Leute, die es wagen die US-Politik zu kritisieren, mit diesem Attribut belegt. In der Regel hat das aber nichts mit Anti-Amerikanismus zu tun, sondern mit der Fähigkeit, klar zu denken.
Die Keule »Anti-Amerikanismus« wird gerne aus dem Sack geholt, um Kritiker zu diskreditieren und die Diskussion zu beenden. Ähnlich Gassner’s Law im Usenet: Wem keine Argumente mehr einfallen und etwas als »typisch deutsch!« bezeichnet, disqualifiziert sich selbst und hat die Diskussion verloren.
An sich wollte ich auch schon seit längerem (Mai, Juni) einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema schreiben, aber wegen der Arbeitsbelastung bis Mitte Juli und dem Tod meiner Mutter am 10.7. war mir nicht danach. Vielleicht hole ich es bei Gelegenheit noch nach.
Ich darf noch zum Ausgleich und aus gegebener Veranlassung der Harald-Schmidt-Show vom 4. Oktober 2001 zitieren:
Im Feuilleton der FAZ von heute dagegen ist ein Beitrag der indischen Autorin Arundhati Roy, der zu lesen Pflicht ist. Er ist überschrieben mit »Wie man einen Krieg verkauft« und prangert die Doppelmoral der amerikanischen Regierung an, ähnlich wie schon vor einigen Tagen der Artikel »«Die Doppelmoral der Bush-Krieger
« von Harald Schumann für Spiegel-online. Oder der Kommentar »Die Präventiv-Kriegstreiber« von Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein vor wenigen Wochen.
Roy beginnt ihren Beitrag mit Überlegungen, was denn eigentlich Anti-Amerikanismus sei. Denn häufig werden Leute, die es wagen die US-Politik zu kritisieren, mit diesem Attribut belegt. In der Regel hat das aber nichts mit Anti-Amerikanismus zu tun, sondern mit der Fähigkeit, klar zu denken.
Die Keule »Anti-Amerikanismus« wird gerne aus dem Sack geholt, um Kritiker zu diskreditieren und die Diskussion zu beenden. Ähnlich Gassner’s Law im Usenet: Wem keine Argumente mehr einfallen und etwas als »typisch deutsch!« bezeichnet, disqualifiziert sich selbst und hat die Diskussion verloren.
An sich wollte ich auch schon seit längerem (Mai, Juni) einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema schreiben, aber wegen der Arbeitsbelastung bis Mitte Juli und dem Tod meiner Mutter am 10.7. war mir nicht danach. Vielleicht hole ich es bei Gelegenheit noch nach.
Ich darf noch zum Ausgleich und aus gegebener Veranlassung der Harald-Schmidt-Show vom 4. Oktober 2001 zitieren:
Schmidt: Wir müssen noch hierauf eingehen. Haben Sie das heute morgen gesehen? [Hält Bild-Titelseite hoch] “TV-Verbot für Wickert?” [Einer im Publikum klatscht.] Sie merken, da sind Sie sehr einsam. Und zwar: Was is’ jetzt da schon wieder passiert? Wieso TV-Verbot für meinen Lieblings-tagesthemen-Moderator? Was ist da jetzt wieder passiert?
Andrack: Naja, Herr Wickert hat in der “max” einen Artikel geschrieben, in dem er sich auf eine indische Schriftstellerin, die in der FAZ einen Artikel geschrieben hat, bezieht.
Schmidt: Das klingt verwirrend, ist aber ganz einleuchtend. Schau’n Sie mal, es war so: Letzten Freitag, Feuilleton der FAZ, Riieeesen-Artikel. Wir haben ihn gelesen. Sagen: Starker Tobak, aber:
Andrack: Oh-wouw-wouw.
Schmidt:it’s a free world, it’s a free country, die FAZ ist von Männern dominiert. Warum soll da nicht ‘ne Frau aus Indien schreiben. Ja? Und es ist Arundhati Roy; ich hatte den Namen vorher nie gehört, Herr Andrack hat wieder ihre Bücher gelesen.
Andrack: Ein Buch habe ich gelesen. Das ist die bekannteste indische Schriftstellerin. Ihr Bestseller heißt »Der Gott der kleinen Dinge«.
Schmidt: Wie heißt es?
Andrack: »Der Gott der kleinen Dinge.«
Schmidt: »Der Gott der kleinen Dinge« Hier ist ein Foto von Frau Arundhati Roy, die wichtigste Schriftstellerin Indiens, ja? Einundvierzig, man kann sagen: Für Wickert zu alt. Aber: darum geht es nicht, darum geht es nicht. In diesem Artikel stehen also Sätze drin, die, sagen wir, in diesen Tagen doch den ein oder anderen irritieren könnten. Es steht zum Beispiel drin: »Jedes Land der Dritten Welt mit einer schwachen Wirtschaft und einem unruhigen sozialen Fundament müsste wissen, dass eine Einladung eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten, ganz gleich, ob die Amerikaner für länger bleiben oder nur kurz vorbei schauen wollen, fast so ist, als würde ein Autofahrer darum bitten, ihm einen Stein in die Windschutzscheibe zu werfen.« Stand am Freitag in der FAZ, keine Reaktion, keine Aufregung, nichts, man geht ins Wochenende, man hat anderes zu tun, ja? Und jetzt kommt diese Stelle, ach so, es geht um die Auslieferung von Bin Laden. Die Amerikaner sagen ja: »Ausliefern, wir haben Beweise, aber wir zeigen sie nicht.« und Frau Arundhati Roy schreibt: »Da gerade über die Auslieferung von Vorstandsvorsitzenden gesprochen wird, dürfte Indien ganz nebenbei um die Auslieferung von Warren Anderson bitten. Der Mann war als Chef von Union Carbite [?] verantwortlich für die Katastrophe von Bopal, bei der 16.000 Menschen umkamen. Wir haben die nötigen Beweise zusammengetragen, alle nötigen Dokumente liegen vor, also gebt ihn uns bitte.« Das ist natürlich ist [Schmidt zuckt mit den Schultern] etwas, wo man sagen kann: Das steht so da. Man liest es und sagt: »Tja.« Und blättert weiter. So, und jetzt, und jetzt kommt der entscheidende Abschnitt: »Wer ist Usama Bin Laden aber wirklich? Ich möchte es anders formulieren: Was ist Usama Bin Laden? Er ist das amerikanische Familiengeheimnis. Er ist der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten. Der brutale Zwilling alles angeblich Schönen und Zivilisierten. Er ist aus der Rippe einer Welt gemacht, die durch die amerikanische Außenpolitik verwüstet wurde: Durch ihre Kanonenboot-Diplomatie, ihre Atomwaffen-Arsenale, ihre unbekümmerte Politik der unumschränkten Vorherrschaft, ihre kühle Missachtung aller nicht-amerikanischen Menschenleben, ihre barbarischen Militärinterventionen, ihre Unterstützung für despotische und diktatorische Regimes. Ihre wirtschaftlichen Bestrebungen, die sich gnadenlos wie ein Heuschreckenschwarm durch die Wirtschaften armer Länder gefressen haben. Ihre marodierenden Multis, die sich die Luft aneignen die wir einatmen, die Erde auf der wir stehen, das Wasser das wir trinken, unsere Gedanken.« Freitag in der FAZ. Keine Aufregung. Bundesliga spielt ohne Schwalben. Wie gesagt. Die erfolgreichste indische Schriftstellerin. Sie schreibt auch noch: »Der Terrorismus ist in keinem Land zu Hause, er ist ein supernationales, weltweit tätiges Unternehmen, wie Coke oder Pepsi oder Nike.« Freitag in der FAZ. Nur wenige lesen es, keiner sagt was, keiner regt sich auf, nichts. Bei Christiansen, wurde was drüber gesagt?
Andrack: Nein.
Schmidt: In der Sportschau?
Andrack: Nein.
Schmidt: Nirgends. Presseclub? Nichts. Ich sage es nochmal: 41 Jahre alt, die wichtigste Schriftstellerin Indiens. So. Ulrich Wickert schreibt in “max”. Dafür sollte er sich entschuldigen, finde ich, hat er Recht. [Publikum applaudiert] Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn er sich jeden Abend am Schluss der tagesthemen für irgendwas entschuldigt. Das macht menschlich, wenn er sagt: »Meine Damen und Herren, noch ein Wort in privater Sache: Ich möchte mich entschuldigen, dass ich meine Neue erst gestern vorgestellt habe. Das Wetter.« So also, so beiläufig. Warum nicht? Bei RTL zeigen sie auch Schimpansen-Drillinge und so weiter, also, irgendwas, irgendwas Menschliches zum Schluss. Aber… Er schreibt erstmal über Berlusconi, der sich auch erstmal in der Wortwahl hat irritieren lassen, ja, da geht keiner drauf ein, und dann kommt er selbst, dann schreibt er wörtlich: »Bush ist kein Mörder und Terrorist«, verglichen mit Bin Laden, »aber die Denkstrukturen sind die gleichen.«
Andrack: Aha.
Schmidt: Und über diesen Begriff…[betont] Bricht eine Aufregung los, ja? Noch vor wenigen Tagen hätte man sagen können: Immerhin diagnostiziert einer Denkstrukturen beim amerikanischen Präsidenten. [Applaus] Moment! Vorbei! Vorbei! Vorbei. Seit dem 11. September: US-Präsident außerhalb jeder Witze, jeder Kritik, jedes Humors, alles. Ich sage nur: Denkstrukturen… Bild, Bild schreibt, schauen Sie mal, was Bild schreibt heute: »Schlimme Sprüche« Und das hat mich sehr irritiert: »Schlimme Sprüche über US-Präsident Bush und Terror-Chef bin Laden.« Das heißt doch: Der flüchtige Bild-Leser könnte am Kiosk der Meinung sein, Bild regt sich auf, dass Wickert Bin Laden beleidigt hat! Oder? Also: »Schlimme Sprüche über US-Präsident Bush und Terror-Chef Bin Laden.« Wickert hat sich mittlerweile entschuldigt.
Andrack: In seiner Sendung.
Schmidt: Wo denn sonst? Dazu sind ja die tagesthemen da, damit…ja. Und die ganze; es haben sich eine Fülle von Experten geäußert. Heute Mittag, Spiegel-online: Wolf Biermann. [Im "Acht Gottchen"-Ton] Wolf Biermann! Habe ich neulich gesehen auf Phoenix, da war ich der Einzige, der’s gesehen hat. Auf Phoenix sitzt er in einer Kirche. Er mach mittlerweile zwischen jedem Wort eine Pause, weil er es für besonders nachdenklich hält: »Wir. Kleinen. Menschenkinder. Wir Menschlein.« [Schmidt winkt ab] Biermann! Biermann sagt: »Arundhati Roy darf das, Wickert nicht.« Er sagt nicht warum, aber ist gut, dass er es sagt, finde ich. Und natürlich bleibt Wickert im Amt. Auch Angie von der CDU hat sich beschwert, ja. Und zwar hat Angie eine tolle Formulierung: »Wenn er das wirklich geschrieben hat, kann er nicht mehr weiter moderieren.« Angie. Das ist so ein Ulli Hoeneß-Vokabular: »Wenn das der Fall isch, was in der Zeitung steht, kann er nicht Bundestrainer werden.« Ja? »Wenn er das geschrieben hat.« Angie, geh’ doch zum Kiosk und kauf’ Dir die “max”, da kannst Du’s nachlesen! Und: Das steht alles da drin! Und dann kommt Dr. Guido Westerwelle, auch in Bild, sagt: »Als Wickert das geschrieben hat, muss er volltrunken gewesen sein.« Das ist zum Einen Alkoholiker-feindlich, ja? Wer soll Euch denn noch wählen, FDP?
Andrack: [lacht, Applaus im Publikum]
Schmidt: Und: Und das heißt im Grunde, dass Dr. Guido Westerwelle vollkommen, vollkommen desorientiert ist, was den Zusammenhang zwischen Alkoholismus und Literatur angeht. Denn: Die größten, die Giganten, die Nobelpreisträger: Ohne Suff keine Zeile!
Andrack: Naja, Herr Wickert hat in der “max” einen Artikel geschrieben, in dem er sich auf eine indische Schriftstellerin, die in der FAZ einen Artikel geschrieben hat, bezieht.
Schmidt: Das klingt verwirrend, ist aber ganz einleuchtend. Schau’n Sie mal, es war so: Letzten Freitag, Feuilleton der FAZ, Riieeesen-Artikel. Wir haben ihn gelesen. Sagen: Starker Tobak, aber:
Andrack: Oh-wouw-wouw.
Schmidt:it’s a free world, it’s a free country, die FAZ ist von Männern dominiert. Warum soll da nicht ‘ne Frau aus Indien schreiben. Ja? Und es ist Arundhati Roy; ich hatte den Namen vorher nie gehört, Herr Andrack hat wieder ihre Bücher gelesen.
Andrack: Ein Buch habe ich gelesen. Das ist die bekannteste indische Schriftstellerin. Ihr Bestseller heißt »Der Gott der kleinen Dinge«.
Schmidt: Wie heißt es?
Andrack: »Der Gott der kleinen Dinge.«
Schmidt: »Der Gott der kleinen Dinge« Hier ist ein Foto von Frau Arundhati Roy, die wichtigste Schriftstellerin Indiens, ja? Einundvierzig, man kann sagen: Für Wickert zu alt. Aber: darum geht es nicht, darum geht es nicht. In diesem Artikel stehen also Sätze drin, die, sagen wir, in diesen Tagen doch den ein oder anderen irritieren könnten. Es steht zum Beispiel drin: »Jedes Land der Dritten Welt mit einer schwachen Wirtschaft und einem unruhigen sozialen Fundament müsste wissen, dass eine Einladung eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten, ganz gleich, ob die Amerikaner für länger bleiben oder nur kurz vorbei schauen wollen, fast so ist, als würde ein Autofahrer darum bitten, ihm einen Stein in die Windschutzscheibe zu werfen.« Stand am Freitag in der FAZ, keine Reaktion, keine Aufregung, nichts, man geht ins Wochenende, man hat anderes zu tun, ja? Und jetzt kommt diese Stelle, ach so, es geht um die Auslieferung von Bin Laden. Die Amerikaner sagen ja: »Ausliefern, wir haben Beweise, aber wir zeigen sie nicht.« und Frau Arundhati Roy schreibt: »Da gerade über die Auslieferung von Vorstandsvorsitzenden gesprochen wird, dürfte Indien ganz nebenbei um die Auslieferung von Warren Anderson bitten. Der Mann war als Chef von Union Carbite [?] verantwortlich für die Katastrophe von Bopal, bei der 16.000 Menschen umkamen. Wir haben die nötigen Beweise zusammengetragen, alle nötigen Dokumente liegen vor, also gebt ihn uns bitte.« Das ist natürlich ist [Schmidt zuckt mit den Schultern] etwas, wo man sagen kann: Das steht so da. Man liest es und sagt: »Tja.« Und blättert weiter. So, und jetzt, und jetzt kommt der entscheidende Abschnitt: »Wer ist Usama Bin Laden aber wirklich? Ich möchte es anders formulieren: Was ist Usama Bin Laden? Er ist das amerikanische Familiengeheimnis. Er ist der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten. Der brutale Zwilling alles angeblich Schönen und Zivilisierten. Er ist aus der Rippe einer Welt gemacht, die durch die amerikanische Außenpolitik verwüstet wurde: Durch ihre Kanonenboot-Diplomatie, ihre Atomwaffen-Arsenale, ihre unbekümmerte Politik der unumschränkten Vorherrschaft, ihre kühle Missachtung aller nicht-amerikanischen Menschenleben, ihre barbarischen Militärinterventionen, ihre Unterstützung für despotische und diktatorische Regimes. Ihre wirtschaftlichen Bestrebungen, die sich gnadenlos wie ein Heuschreckenschwarm durch die Wirtschaften armer Länder gefressen haben. Ihre marodierenden Multis, die sich die Luft aneignen die wir einatmen, die Erde auf der wir stehen, das Wasser das wir trinken, unsere Gedanken.« Freitag in der FAZ. Keine Aufregung. Bundesliga spielt ohne Schwalben. Wie gesagt. Die erfolgreichste indische Schriftstellerin. Sie schreibt auch noch: »Der Terrorismus ist in keinem Land zu Hause, er ist ein supernationales, weltweit tätiges Unternehmen, wie Coke oder Pepsi oder Nike.« Freitag in der FAZ. Nur wenige lesen es, keiner sagt was, keiner regt sich auf, nichts. Bei Christiansen, wurde was drüber gesagt?
Andrack: Nein.
Schmidt: In der Sportschau?
Andrack: Nein.
Schmidt: Nirgends. Presseclub? Nichts. Ich sage es nochmal: 41 Jahre alt, die wichtigste Schriftstellerin Indiens. So. Ulrich Wickert schreibt in “max”. Dafür sollte er sich entschuldigen, finde ich, hat er Recht. [Publikum applaudiert] Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn er sich jeden Abend am Schluss der tagesthemen für irgendwas entschuldigt. Das macht menschlich, wenn er sagt: »Meine Damen und Herren, noch ein Wort in privater Sache: Ich möchte mich entschuldigen, dass ich meine Neue erst gestern vorgestellt habe. Das Wetter.« So also, so beiläufig. Warum nicht? Bei RTL zeigen sie auch Schimpansen-Drillinge und so weiter, also, irgendwas, irgendwas Menschliches zum Schluss. Aber… Er schreibt erstmal über Berlusconi, der sich auch erstmal in der Wortwahl hat irritieren lassen, ja, da geht keiner drauf ein, und dann kommt er selbst, dann schreibt er wörtlich: »Bush ist kein Mörder und Terrorist«, verglichen mit Bin Laden, »aber die Denkstrukturen sind die gleichen.«
Andrack: Aha.
Schmidt: Und über diesen Begriff…[betont] Bricht eine Aufregung los, ja? Noch vor wenigen Tagen hätte man sagen können: Immerhin diagnostiziert einer Denkstrukturen beim amerikanischen Präsidenten. [Applaus] Moment! Vorbei! Vorbei! Vorbei. Seit dem 11. September: US-Präsident außerhalb jeder Witze, jeder Kritik, jedes Humors, alles. Ich sage nur: Denkstrukturen… Bild, Bild schreibt, schauen Sie mal, was Bild schreibt heute: »Schlimme Sprüche« Und das hat mich sehr irritiert: »Schlimme Sprüche über US-Präsident Bush und Terror-Chef bin Laden.« Das heißt doch: Der flüchtige Bild-Leser könnte am Kiosk der Meinung sein, Bild regt sich auf, dass Wickert Bin Laden beleidigt hat! Oder? Also: »Schlimme Sprüche über US-Präsident Bush und Terror-Chef Bin Laden.« Wickert hat sich mittlerweile entschuldigt.
Andrack: In seiner Sendung.
Schmidt: Wo denn sonst? Dazu sind ja die tagesthemen da, damit…ja. Und die ganze; es haben sich eine Fülle von Experten geäußert. Heute Mittag, Spiegel-online: Wolf Biermann. [Im "Acht Gottchen"-Ton] Wolf Biermann! Habe ich neulich gesehen auf Phoenix, da war ich der Einzige, der’s gesehen hat. Auf Phoenix sitzt er in einer Kirche. Er mach mittlerweile zwischen jedem Wort eine Pause, weil er es für besonders nachdenklich hält: »Wir. Kleinen. Menschenkinder. Wir Menschlein.« [Schmidt winkt ab] Biermann! Biermann sagt: »Arundhati Roy darf das, Wickert nicht.« Er sagt nicht warum, aber ist gut, dass er es sagt, finde ich. Und natürlich bleibt Wickert im Amt. Auch Angie von der CDU hat sich beschwert, ja. Und zwar hat Angie eine tolle Formulierung: »Wenn er das wirklich geschrieben hat, kann er nicht mehr weiter moderieren.« Angie. Das ist so ein Ulli Hoeneß-Vokabular: »Wenn das der Fall isch, was in der Zeitung steht, kann er nicht Bundestrainer werden.« Ja? »Wenn er das geschrieben hat.« Angie, geh’ doch zum Kiosk und kauf’ Dir die “max”, da kannst Du’s nachlesen! Und: Das steht alles da drin! Und dann kommt Dr. Guido Westerwelle, auch in Bild, sagt: »Als Wickert das geschrieben hat, muss er volltrunken gewesen sein.« Das ist zum Einen Alkoholiker-feindlich, ja? Wer soll Euch denn noch wählen, FDP?
Andrack: [lacht, Applaus im Publikum]
Schmidt: Und: Und das heißt im Grunde, dass Dr. Guido Westerwelle vollkommen, vollkommen desorientiert ist, was den Zusammenhang zwischen Alkoholismus und Literatur angeht. Denn: Die größten, die Giganten, die Nobelpreisträger: Ohne Suff keine Zeile!
Mich würde nicht wundern, wenn Harald Schmidt und Manuel Andrack heute Abend auf den neuen Artikel von Roy eingehen.
Erschienen am
Mittwoch, 02.10.2002 @ 22:35
Tags: Medien
