Archiv für Montag, 28.10.2002
Montag, 28.10.2002
Es war ja schon vorgestern ziemlich windig, aber vom Sturm gestern habe ich nicht so viel mitbekommen, da ich irgendwann nachmittags eingeschlafen bin. Seit 03:17 Uhr heute morgen bin ich wieder wach.
Ich warte immer noch auf einen bestimmten Brief, ein Paket und vier E-Mails (zwei davon betreffend einer Anfrage, ob man mir gegen Gebühr meinen Power Mac leiser machen kann). Außerdem muss ich zwei Telefonate führen. Auch sonst gibt es viel zu tun: Wäsche waschen, Wohung aufräumen, einkaufen.
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 5:47
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Tags: Leben
Mit etwas Verspätung hier noch die Antworten auf Fienes fünf Fragen von letztem Freitag. Ich wollte sie eigentlich erst nicht beantworten, aber was soll’s.
1. Du willst mal wieder ins Internet. Jedoch gibt es einen Totalausfall über mehrere Stunden. Was machst du?
Zunächst mal überprüfen, ob es nicht nur wieder daran liegt, dass die Airport-Basis-Station vergessen hat, dass sie existiert. Wenn das auszuschließen ist und über meinen lokalen Carrier und auch über Internet-by-Call-Provider nichts läuft,
dann lasse ich mir Badewasser ein und verbringe den Nachmittag vor, während und nach dem Baden mit lesen (Spiegel, tagealte Ausdrucke von Artikeln aus dem Web).
2. Was sind deine liebsten Feiern?
Mir sind spezielle Feiern nicht lieber als andere.
3. Welche Feiern kannst du überhaupt nicht leiden?
Beerdigungen.
4. Welche Feier hat dich besonders beeindruckt?
Die Hochzeiten meiner Cousins. Auch schon um die zehn Jahre her.
Oder die fünf legendären Jugendheim-Parties, vor acht Jahren. Von zweien habe ich noch die Einladungsplakate von Oliver Schuck an der Wand hängen.
5. Aus welchem triftigem Grund/Anlass, war dir das letzte Mal richtig Feiern zu Mute?
Der 50. Geburtstag meiner Mutter am 13. November 2001.
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 5:55
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Tags: Leben
Es ist nicht 07:05 Uhr, sondern 07:01 Uhr. Und trotzdem muss ich in Sunlog die Zeitzone auf -1 Stunde (Zürich) stellen. Wird als Zeit die Londoner Zeit hergenommen?
Oder mit einem cron-Job einen Time-Server abfragen?
Wie dem auch sei… Holger, wie hieß nochmal das Buch von dem Menschen, der Worthülsen wie »ein Unding« kritisiert?
Wie dem auch sei, mir fällt auf, dass sehr oft die Systemzeiten falsch laufen, besonders gerne auf Windows-Systemen. Für Windows gibt’s in
SyTinem Abhilfe, habe ich selbst lange unter W2K eingesetzt. In Mac OS X kann man in den Systemeinstellungen auf der Seite für Datum und Zeit mit einem Mausklick festlegen, dass das System mit einem Zeitserver synchronisiert werden soll.
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 7:05
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Tags: Sonstiges
Noch schlimmer als die Seuche der Pop-up-Werbefenster sind Pop-unders. Sie poppen von selbst auf, verstecken sich aber hinter dem Fenster, von dem sie aufgerufen wurden.
Ich hasse diese Dinger! Ich bin sehr schnell mit Apfel-W bei der Hand, um ungefragt geöffnete Fenster abzuschießen. Bei Pop-unders erwische ich dann leider manchmal das Eltern-Fenster. Ich denke gar nicht daran, nochmal auf die Seite zu surfen, um das Fenster mit dem Content wieder aufzurufen.
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 7:14
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Tags: Web, webdesign
Es gibt Filme, bei denen ich zugeben muss, dass sie stellenweise etwas längen (=langatmig sind). Aber das tut ihrer Genialität keinen Abbruch, denn durch die Story, die Bedeutung, die Kamera oder die Schauspieler kann das in bestimmten Filmen mehr als wett gemacht werden.
Markus Kniebe
bekennt sich z.B. gestern in seinem Weblog dazu, »
Gattaca« langweilig gefunden zu haben.
Ja, er hat etwas längere Stellen, aber dieser Film ist genial! Allein schon die Optik. Nicht zu vergessen die Story. Und die Bedeutung: In Gattaca geht es um eine nicht all zu ferne Zukunft, in der bei jeder Gelegenheit die Gene eines Menschen überprüft werden: Bei Straßenkontrollen, die Partnerin lässt ein Haar des Partners bei einem Date prüfen oder direkt nach der Geburt im Krankenhaus (»Stirbt mit 97%iger Wahrscheinlichkeit vor dem 30. Lebensjahr an Herzversagen.«). Die Folgen: »Invalide«, Menschen mit »schlechten« Genen werden nicht mehr in Kindergärten aufgenommen (»Die Versicherung deckt das nicht ab.«) oder sie werden in Firmen nicht mehr eingestellt, kommen bestenfalls in die Putzkolonne.
Der Film ist deswegen bedeutend, weil er einem eine Welt vor Augen führt, in der mit Gen-Screening all zu lasch umgegangen wird. Hat auch einen relativ aktuellen Bezug zur Wirklichkeit: Wer bei Bayer einen Ausbildungsplatz möchte, muss in einen Becher pinkeln und diesen dann zum Drogentest abliefern. Zu Recht hat Bayer dieses Jahr von einer Jury daher einen Preis bei den Big Brother-Awards bekommen (ich komme in einem neuen Eintrag noch auf die Awards zu sprechen).
Ein Freund, dessen Namen ich nicht nennen will, kann mit dem Film »
The Man who wasn’t there« von den Coen-Brüdern nichts anfangen. Und bei ihm hätte ich gedacht, dass ich mit dieser Empfehlung einen Volltreffer lande. Kai hat den Film in dogfood sehr schön
beschrieben. Der Film stammt aus dem Jahr 2001 und ist komplett in schwarz-weiß gehalten, denn er spielt in einer amerikanischen Kleinstadt in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts (das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen). Hauptdarsteller ist
Billy Bob Thornton (»Banditen!« und, ja, »
Armageddon«). Thornton hat eine schwierige Aufgabe: einen Friseur spielen, der sich durch Abwesenheit auszeichnet (der Mann, der gar nicht da war). Dem Film gelingt es, die Bedeutungslosigkeit glaubhaft rüberzubringen, aber gleichzeitig strahlt Thornton auch eine unglaubliche Präsenz aus, wenn er in einer Szene mitspielt. Allein schon seine Art, eine Zigarette zu rauchen ist sensationell. Und wie ich vor einem Jahr schon geschrieben habe: »Das mag ich an den Coen-Filmen die ich bisher gesehen habe: wie es die Charaktere schaffen, sich glaubwürdig in völlig unglaubwürdige Situationen zu manövrieren.«
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 7:31
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Tags: film, Film-und-Fernsehen
»Lunar Landings« von
Kalliope
Album: »
Café del Mar, Volumen Nueve«
Ein sehr sphärisches Stück mit eingängigem Rhythmus.
+++
»Something I can never have« von
Nine Inch Nails
Album: »
Pretty Hate Machine oder
Natural Born Killers (OST)
Wieder etwas ruhigeres von NIN, ähnlich zu »a warm place« (vom Album »
The Downward Spiral«). An NIN fasziniert mich das breite Spektrum: auf der einen Seite nachdenkliche Songs wie »Something…«, am anderen Ende Frust-H[ä|e]mmer wie »Just like you imagined« (vom Album »
The Fragile, left«), die man laut hören muss.
+++
»This is your life« von den
Dust Brothers
Album: »
Fight Club (OST)«
Der Film »Fight Club« lief vor ein paar Tagen im Fernsehen und erwartungsgemäß gab es kurz darauf in
de.rec.film.misc Postings von Leuten, die sich nach dem ersten Mal sehen begeistert gaben, z.B.
Daniel Schöne:
[...] kennt jemand einen ähnlichen Film oder ein ähnliches Buch wie Fight Club? Insbesondere in Sachen Gesellschaftskritik (Kontra-Konsum, Kontra-Kapitalismus…) und Lebenseinstellung (’let the chips fall where they may’, Nihilismus…) oder Erleben einer Psychose.
Mir fallen da nur 1984, Twelve Monkeys und A beautiful Mind ein…
Sind die anderen Bücher von Chuck Palahniuk zu empfehlen?
»Fight Club« ist zu Recht nicht unter 18 Jahren freigegeben. Zum Einen wegen der Brutalität, zum Anderen wegen des Inhalts, wie vielleicht auch dem zitierten Posting zu entnehmen ist. Der genannte Extra-Track auf dem Soundtrack enthält Zitate aus dem Film:
This is your life. Good to the last drop, doesn’t get any better than this.
This is your life, and it’s ending one minute at a time.
This isn’t a seminar and this isn’t a weekend retreat. Where you are now you can’t even imagine what the bottom will be like.
Only after disaster can we be resurrected. It’s only after you have lost everything that you are free to do anything. Nothing is static, everything is appalling, everything is falling apart.
This is your life (repeat) it doesn’t get any better than this. This is your life (repeat) and it’s ending one minute at a time.
You are not a beautiful and unique snowflake. You are the same decaying organic matter as everything else. We are all a part of the same compost heap, we are the all-singing, all-dancing crap of the world.
You are not your bank account.
You are not the clothes you wear.
You are not the contents of your wallet.
You are not your bowel cancer.
You are not your Grande Latte.
You are not the car you drive.
You are not your fucking khakis.
You have to give up, you have to give up. You have to realize that someday you will die, until you know that you are useless.
I say let me never be complete.
I say may I never be content.
I say deliver me from Swedish furniture!
I say deliver me from clever art.
I say deliver me from clear skin and perfect teeth.
I say you have to give up. I say evolve, and let the chips fall where they may.
This is your life (repeat) it doesn’t get any better than this. This is your life (repeat) and it’s ending one minute at a time.
You have to give up. You have to give up.
Grenzt schon am Rande des Wahnsinns, hat aber auch ein paar interessante Aussagen, oder?
Jetzt geht’s mir besser.
+++
»Sunday (The Day Before My Birthday)« von Moby
Album: »18«
Wenn man sich durch »Something I can never have« und »This is your life« hat runterziehen lassen, kann man sich mit »Sunday« von Moby wieder aufbauen lassen. Idealer Song, wenn es früh morgens ist und die Sonne durch’s Fenster scheint, so wie jetzt.
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 8:22
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Tags: Sonstiges
Neulich habe ich ja darüber
berichtet, dass Studenten in der Stadt Unterschriften für kuriose Projekte sammeln.
Eben
bei Kniebes gelesen: Es gibt eine Unterschriftensammlung gegen 0190-Dialer. Seine Antwort darauf:
»Also ich geh gleich los und sammle Unterschriften für den Weltfrieden und gegen Idioten. Ich habe NULL Verständnis für Leute, die nicht bemerken, daß Software auf ihren Rechner gelangt und dort irgendetwas tut.«
Ganz so drastisch würde ich es nicht ausdrücken (Markus hat vielleicht weniger Verständnis dafür, weil er ein Linux-Geek ist). Ich würde sagen: »Get a Mac.«
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 8:39
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Tags: Apple, Mac
Es hat sich herausgestellt, dass zur Beendigung des Moskauer Geiselnahme ein Giftgas eingesetzt wurde. Durch den Gaseinsatz
starben 116 der rund 700 Geiseln. Ein ziemlich hoher Preis. Gerüchten zu Folge wurden die durch das Gas betäubten Geiselnehmer durch Spezialeinheiten des russischen Polizei »sicherheitshalber« durch Kopfschüsse getötet. Das ziehmt sich nicht für einen Rechtsstaat, Kriminelle ohne ein Gerichtsverfahren hinzurichten (bitte nicht aus dem Umkehrschluss schließen, dass ich für die Todesstrafe wäre, das ist falsch). Westliche Politiker haben erstmal zur Geiselbefreiung gratuliert, nur Amnesty International
forderte eine Untersuchung darüber, ob der Gaseinsatz angebracht zur Lösung des Problems und rechtmäßig war. Ich darf in diesem Zusammenhang auch auf einen
Telepolis-Artikel hinweisen (Link bei Kai
gesehen).
Wenn man einem Spiegel-online-
Artikel Glauben schenken will, ist die russische Regierung alles andere als zimperlich im Tschetschenien-Krieg vorgegangen und es hat massive Kriegsverbrechen gegeben.
Interessiert das hierzulande jemanden? Nein, denn wie so oft kommen die guten Beziehungen vor den Menschenrechten.
Das soll aber die Falschheit der Moskauer Geiselnahme durch tschetschenische Rebellen nicht relativieren.
Soweit zur Politik.
Daneben ergibt sich aus der Sache ein klassisches philosophisches Dilemma aus dem Bereich der Ethik: Nehmen wir mal an, der Einsatz des Giftgases zur Geiselbefreiung war das einzige Mittel (was ich nicht glaube): Der Staat stand vor der Wahl, hundert Zivilisten zu töten, um 600 andere zu befreien. Würde er nicht handeln, hätten die Geiselnehmer eine Geisel nach der anderen erschossen und alle wären gestorben. Die Alternative, auf die Forderungen der Geiselnehmer einzugehen, scheidet aus, da sich der Staat nicht erpressen lassen darf, um keinen Präzedenzfall zu schaffen.
Die Entscheidung lautet also: 100 Menschen töten, um 600 zu befreien, oder nichts tun, so dass alle sterben würden.
Wie gesagt, ein Dilemma. Man könnte sagen, dass es ein mathematisches Problem sei: Entweder es sterben »nur« 100 oder alle 700. Jemand anders könnte einwenden, dass es grundsätzlich falsch sei, Menschenleben zu opfern, unabhängig von den Konsequenzen. Aber würde sich derjenige nicht am Tod von 700 Menschen schuldig machen?
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 9:07
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Tags: Politik
Im Kultur-Ressort von Spiegel-online erschien vor ein paar Tagen ein
Artikel zu den aktuellen Entwicklungen bei »
Wallace & Gromit«. Man wird sich für einen neuen Kinofilm noch etwas gedulden müssen, aber zwischenzeitlich kann man sich mit einem neuen Kurzfilm vergnügen: Wallace & Gromit spielen Fußball (siehe Aardman-Homepage).
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 12:36
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Tags: film, Film-und-Fernsehen
Matt Brown, bei
Macromedia zuständig für
Dreamweaver, hat in seinem
Weblog gefragt, was Macromedia v.a.
in Sachen Service besser machen könnte.
Ich war so frei, ihm in einem Kommentar auf seiner Seite zu antworten:
“However that got�me to thinking what Macromedia can do better.”
Glad you aksed! :-)))
I would like to see three things at MM in the future: cross-updates, cross-updates, cross-updates:
- from one language to antoher (e.g. from German to English)
- from one system to another (e.g. from Win to Mac)
- from box versions to download versions (and vice versa, if someone wishes that)
My update from Flash MX to Studio MX was a pain. First, no 3rd level upgrade in the European Online Store in the beginnig. I had to call a service line. When I would’ve liked to switch from a box version to a download version so I could start working immediately with the MX versions but that wasn’t possible, too (I had to wait about three weeks until the package with my box arrived).
Two years ago I switched from Windows to Mac and from DW3/FW3 to the 4th versions. I had to buy the DW-FW-Studio for the full price again, there wasn’t an upgrade price from an older Win version to a Mac version!
Last: I would appreciate if you would sell hybrid CD-ROMs with the Windows and the Mac versions on the same disc, so switching would be easier (and, yes, cheaper).
I know that this isn’t usual in the industry but how about making things different?
Oh, and this one: If you want to generate a Windows projector file for a Director project you’ve created in Macintosh Director you have to buy a separate license for 1,479 Euros. Don’t take this personal, but how ill is that?!
Last one, really: Please don’t translate terms like “Windows gamma” or “onion-skinnig” to “Fenster-Gamma” or “Zwiebelschicht-Effekt” in the German version of Fireworks.
“Fenster-Gamma” means the gamma of the windows in my room, not the gamma of the Windows systems by Microsoft. And “onion-skin” is, as you know, a special term. “Zweibelschicht” has more in common with the onions in my kitchen.
Thanks for your attention.
Greetings,
Stefan
—
Addition to that translation thing: Simply leave terms like “Windows gamma” or “Onion-skin” untranslated in Non-English versions. They are technical terms which don’t need to get translated.
Thanks,
Stefan
Mal sehen, was draus wird.
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 12:46
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Tags: Web, webdesign
Heute Nacht (von MO auf DI) kommt um Mitternacht auf ZDF eine Reportage mit dem Titel »Leben nach Microsoft«. Könnte interessant werden. Aus der Info von tvtv.de:
In der Reihe “Deutschland – dokumentarisch”
“Du kannst Bill verlassen, aber du wirst ihn niemals los werden.” (Douglas Coupland: “Microslaves”)
Heute wird in fast allen Büros der Welt mit Produkten von Microsoft gearbeitet, und auch fast jeder Besitzer eines Heim-PCs verwendet Bill Gates’ Betriebssystem Windows. Seine Programme Word, Excel, Outlook sind als Arbeitsinstrumente so verbreitet wie Bleistifte und Radiergummis.
Bei Microsoft in Seattle schuften 30.000 Angestellte bis zu 80 Stunden in der Woche für den reichsten Mann der Welt. Bill Gates war der erste, der junge Leute direkt von der Uni auf den Firmen-Campus holte und frühkapitalistische Prinzipien mit einer neuen Lebensart verband: arbeiten auf dem Campus mit Sportplätzen, freien Getränken, legerer Kleidung, Beschwörung des Teamgeistes. Doch viele Microsofties haben mittlerweile die Nase voll. Sie sind ausgestiegen aus einem in der Realität knochenharten Job, der mit ungeheurem Leistungsdruck und erbarmungsloser Konkurrenz auch innerhalb der Firma verbunden ist. Die Aktienoptionen, mit denen ihr heroischer Einsatz belohnt wurde, machten manche von ihnen zu Millionären.
Sieben Entwickler der Programme Windows, Word und Excel erzählen von der Zeit, als eine Zeile Code ihr Lebensinhalt war, und von ihrem Ringen um eine neue, von Microsoft unabhängige Existenz. Der Mythos Microsoft wirft einen langen Schatten, er fällt auf das Leben der Ex-Microsofties.
Wie auf das von Walt, der allein und melancholisch in seiner viel zu großen Villa sitzt und sich an den gnadenlosen Kampf mit den Deadlines für die Fertigstellung der neuen Programme erinnert, bis sein Kopf “zu Gemüse wurde”. Trotzdem würde er jederzeit wieder programmieren wollen, wenn er nur könnte und dürfte.
Es scheint, als wären die Ex-Microsofties, die früher Computer programmiert haben, durch ihre Arbeit unter einer aggressiven Firmenideologie selbst so stark und nachhaltig programmiert worden, dass kaum mehr Platz für eine eigene Identität bleibt.
Mit diesem Film über Microsoft-Aussteiger werfen die Autorinnen Corinna Belz und Regina Schilling einen kritischen, ernüchternden Blick auf das Gates-Imperium und auf Arbeitsstrukturen, die die Strukturen des 21. Jahrhunderts sein werden, die in ihrer unbedingten Verpflichtung der Mitarbeiter gegenüber ihrer Firma frühkapitalistische Züge tragen.
Die in Europa durch Gewerkschaften hart erkämpften Arbeitnehmerrechte wie Arbeitszeitbegrenzung, Kündigungsschutz etc. scheinen durch die Organisation der Arbeit in der IT-Branche in Frage gestellt oder sich bereits aufzulösen. In Deutschland bilden diese Entwicklungen täglich Anlass für gesellschaftliche Diskussionen um den Stellenwert der Arbeit und die ökonomische Durchdringung des Lebens. Der Blick auf die Ex-Microsofties kann dabei wie ein Blick in die eigene Zukunft der deutschen New Economy sein, er zeigt bereits Gegenwart und Vergangenheit einer amerikanischen Vorgänger-Generation auf.
“Leben nach Microsoft” hatte seine Uraufführung bei der 25. Duisburger Filmwoche und lief danach beim Münchener Dokumentarfilmfestival.
Corinna Belz studierte Theater- Film- und Fernsehwissenschaften in Köln und Berlin, arbeitete als Script- und Regieassistentin, u. a. bei Rudolf Thom� und Helga Reidemeister, anschließend als freie Redakteurin und Autorin, u. a. von Jugendbüchern. Nach verschiedenen kürzeren Filmen, TV-Dokumentationen und Porträts, u. a. über Chantal Akermann und ihre Filme, arbeitete sie bei dem Benjamin Lebert-Porträt “Der junge Mann und sein Buch” zum ersten Mal mit Regina Schilling in Ko-Regie zusammen. “Leben nach Microsoft” ist ihre zweite filmische Zusammenarbeit und ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm. Gerade hat Corinna Belz für Arte den Dokumentarfilm “Ein anderes Amerika” fertiggestellt, in dem sie in Gesprächen mit linksliberalen amerikanischen Intellektuellen die innenpolitischen Auswirkungen des 11. Septembers in den USA untersucht.
Regina Schilling studierte Mathematik, Deutsch und Kunst in Köln. Nach neun Jahren Tätigkeit als Pressereferentin im Verlag Kiepenheuer & Witsch arbeitete sie als freie Autorin für Printmedien und Fernsehen, u. a. für Allegra, 3sat-Kulturzeit, WDR-Kulturszene und war Co-Autorin von Corinna Belz bei Jugendbüchern. Ihre erste filmische Arbeit war zugleich ihre erste Ko-Regie mit Corinna Belz bei dem Benjamin Lebert Portrait “Der junge Mann und sein Buch”. “Leben nach Microsoft” ist ihre zweite filmische Zusammenarbeit und ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm.
Dauer: 70 Minuten (bis 01:10 Uhr).
Erschienen am Montag, 28.10.2002 @ 20:11
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Tags: Apple, Mac