Sonntag, 05.01.2003
Eine kleine Einführung in den Kult um die Mac-Messen für Nicht-Macianer
Apples größte Stärke ist die Innovation. Vielleicht ist das der Grund, weswegen ein Standard-Spruch von Apple-Managern dieser ist:Von Apple ist nie zu erfahren, wann welches Produkt mit welchen Spezifikationen zu welchen Preisen erscheint. Wenn es fertig ist, wird es von Apple-CEO Steve Jobs vorgestellt, fast schon zelebriert und es ist kurz darauf zu haben, bei Software durchaus bereits eine Stunde später, bei Hardware kann es auch mal eine Woche dauern.
Andere Firmen, wie Microsoft, kündigen ihre Produkte Jahre im Voraus an und können dann kaum den angekündigten Termin halten (siehe Windows95). Das führt dazu, dass sich manche Gazetten schon Jahre vor der Veröffentlichung zu Schlagzeilen wie »Das beste Windows aller Zeiten« hinreißen lassen oder dass man ewig auf Produkte wartet.
Der Nachteil von Apples Geheimhaltungsstrategie ist freilich, dass man schlecht (Anschaffungen) planen kann, da man ja nicht weiß, ob nicht vielleicht zwei Wochen später ein besseres Produkt erscheint oder das eben gekaufte Produkt im Preis gesenkt wird. Ein Anhaltspunkt sind die regelmäßig stattfindenden Mac-Messen, die durch eine Keynote (Schlüsselrede) von Apple-Chef Steve Jobs eröffnet werden. Unter Mac-Usern ist bekannt: Kaufe niemals kurz vor einer Mac-Messe, man weiß nie, ob Steve nicht vielleicht das Ei des Kolumbus aus dem Hut zaubert. Solche Messen finden immer im Januar statt (Macworld Expo San Francisco, MWSF), sowie im Juli (Macworld Expo New York, MWNY). Außerdem gibt es noch kleinere Messen in Tokio (für dieses Jahr abgesagt) und in Paris (im Herbst). Dazwischen gibt es noch spezielle Events wie die WWDC (World Wide Developers Conference) und die Seybold (Fachmesse für die Druckindustrie). Auf all diesen Messen wurden in Steve Jobs’ Keynote bereits neue Produkte, Hardware wie Software, vorgestellt.
Diese Geheimniskrämerei ist natürlich der ideale Nährboden für Gerüchte. Zu den besseren Gerüchtesites gehören macrumors.com und thinksecret.com. Während Thinksecret eigene Gerüchte lanciert und recherchiert, fasst Macrumors auch Gerüchte von anderen Sites (einschließlich Thinksecret) zusammen und führt Buch über die Trefferquoten. Als deutsche Site, nicht nur für Gerüchte sondern zum Mac generell, kann ich Mac-TV empfehlen. Jeden Sonntag um 21 Uhr gibt es sogar eine Live-Sendung (und das hat nichts mehr mit ruckelnden Bildchen wie früher zu tun). Ich glaube, dass dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen Apple und seinen Usern, der Community, auch stark zum Zusammenhalt dieser Gemeinschaft beiträgt, oder, etwas sachlicher ausgedrückt, zur Markentreue (siehe dazu auch die Wired-Artikel »It’s all about the Brand« und »For Mac Users, it takes a Village«).
Ebenfalls legendär ist Jobs’ »One more thing«, bei dem er kurz vor Schluss seiner Rede noch ein großes Ding aus dem Hut zieht.
Wie dem Leser dieses Weblogs nicht ganz entgangen sein dürfte, findet in Kürze wieder eine Macworld statt, und zwar die MWSF am kommenden Dienstag.
Wenn Steve Jobs am 7. Januar um zehn Uhr Ortszeit (Pacific Time, 18 Uhr deutscher Zeit) in San Francisco die Bühne betritt, wird Apple die ca. zweistündige Keynote live per Quicktime-Stream übertragen. Die Adresse ist apple.com/quicktime/qtv/mwsf03
Mac-TV wird ab 17 Uhr senden und nach Abschluss der Keynote für eine Sondersendung zurück sein.
Die Spekulationen schießen ins Kraut
Die neuesten Gerüchte bei Thinksecret besagen, dass es zur MWSF keine neuen iMacs, emacs oder Displays geben wird. Das wäre schon ein Schock: mit neuen Power Macs hat niemand ernsthaft gerechnet. Aber die iMacs sind überfällig für einen sogenannten »Speed-Bump« (etwas höhere Geschwindigkeit). Die neuen TFT-iMacs wurden vor genau einem Jahr (zur MWSF 2002 am 7. Januar 2002) vorgestellt, mit Prozessortaktungen von 700 und 800 Megahertz. Im Juli, auf der MWNY 2002, kam zum ursprünglichen 15-Zoll-Modell noch eines mit 17-Zoll und SuperDrive (DVD-Brenner) hinzu. Aber ansonsten blieb der iMac unverändert, weswegen ein Speed-Bump fast schon zwingend ist. Für den eMac (alter iMac, aber mit 17-Zoll-Röhrenmonitor) interessiere ich mich nicht so, deswegen kein weiterer Kommentar dazu. Neue Displays sind eigentlich auch fällig. Die jetzige Reihe sieht so aus: 15 Zoll, 17, 22 und 23. Das 15-Zoll-Modell kauft kein Mensch. Zwischen 17er und 22er ist die Lücke zu groß, da muss noch ein 19-Zöller rein. Die neue Reihe könnte also so aussehen: 17, 19, 22, 23. Wenn es wirklich so kommt, würde mich das schon enttäuschen, denn ich sitze hier seit Ende November nur mit einem 12-Zoll-iBook (1.024×768er Auflösung, G3-500-Prozessor und 256 MB RAM) und wollte mir nach der Keynote eigentlich einen 17-Zoll-iMac (1.440×900 Pixel) mit SuperDrive kaufen. Das iBook ist ein geniales Rucksack-Notebook, aber als Desktop-Ersatz etwas ungeeignet. Ich müsste meinen Kauf noch um einen Monat aufschieben. Dass tatsächlich keine neuen iMacs kommen, ist freilich nur ein Gerücht. Das Problem ist: Thinksecret hat eine überdurchschnittlich gute Trefferquote. Zum Beispiel hat Thinksecret alle von ihnen als »sicher« vorhergesagten Ergebnisse der MWNY 2002 richtig getippt und auch in Bezug auf Software-Ankündigungen (inkl. Screenshots) liegt Thinksecret in der Regel richtig.
Ein weiteres Rumor lautet: Apple wird für die nächsten Updates von iDVD, iPhoto und iMovie Geld verlangen. Alle drei Updates sollen als Bundle für 50 USD angeboten werden, evtl mit einem Nachlass für .Mac-Abonennten. Wenn das zutrifft, dann ist die gute Nachricht: es wird Updates für diese drei Anwendungen geben, und das ist insbesondere bei iDVD und iMovie mehr als reif. Die schlechte Nachricht, dass man für die Updates in die Tasche greifen muss, erschreckt erstmal, weil Mac-User bei der Vorstellung von neuen »iApps« Steve Jobs’ Worte »How much do we charge for this application? It’s a free download.« gewohnt waren. Und auch Updates von z.B. iTunes oder iCal waren bislang kostenlos. Aber bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass das auch bei den bisherigen Updates von iDVD und iMovie so war und das jetzt eben nur iPhoto dazu kommt. Bei neuen Macs werden die aktuellen Versionen natürlich kostenlos beiliegen.
Man darf dennoch gespannt sein, was am Dienstag passieren wird. Meine Erwartungen an die MWSF habe ich bereits am 09.12.02 aufgeschrieben.
Erschienen am Sonntag, 05.01.2003 @ 17:40
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Tags: Apple, Mac
