Geständnis

Okay, ich geb’s zu. Ich bin dem »Superstar«-Fieber verfallen. Vor drei Wochen gab ich zwar noch korrekt an, mich dafür nicht zu interessieren, aber inzwischen hat’s mich erwischt.
Bislang habe ich es nicht gesehen, weil ich mit Bohlens ätzenden Wertungen nichts anfangen konnte, die ich mal in einer der frühen Sendungen beim Zappen mitbekam.
Inzwischen muss ich aber zugestehen, dass man die beiden erfolgreichen Reality Soap-Konzepte von »Big Brother« und »Popstars« geradezu genial miteinander verbunden hat. Die verbliebenen Kandidaten haben durchaus was drauf (Juliette spielte wohl vorher schon in kleineren Musicals mit und Alexander hat Big Band-Erfahrung) oder zeichnen sich durch eine gewisse Skurilität aus: Karin meinte im Dezember zu mir, dass sie davon überzeugt sei, dass eine Frau gewinnen würde und wenn es Daniel tatsächlich schafft, hätte sie Recht behalten.

Die vorletzte Sendung vor drei Wochen habe ich nur sehr am Rande verfolgt (Motto: 80er). Dann habe ich doch etwas überrascht festgestellt, dass die Sendung mit ca. 10 Millionen Zuschauern bombastische Einschaltquoten einfährt und die Retorten-Single auf Platz 1 der Charts hochgeschnellt ist (mir gefällt das Lied ja nicht). Die Entscheidung vor zwei Wochen, die Sendung auszusetzen um nicht gegen »Wetten, dass…?« zu konkurrieren war genial, ebenso die Idee, die angehenden Möchtegerns am Schluss bei »Wetten, dass…?« auftreten zu lassen. Das Special, das an diesem Tag stattdessen auf RTL gezeigt wurde und den Weg der verbliebenen fünf Kandidaten vom ersten Casting bis zur letzten Show zeigte, war meine Einstiegsdroge. Die Show vom letzten Samstag (Motto: Big Band) habe ich mir auf Video aufgenommen und im Schnelldurchlauf angesehen (noch hält sich meine Begeisterung in Grenzen). Etwas bestürzend fand ich Daniels Zusammenbruch am Schluss der Entscheidungssendung; das hätte nicht sein müssen. Aber mei, ist halt live. Inzwischen hat die Show einen enormen Bekanntheitsgrad erlangt, wenn sich sogar meine Tageszeitung (Nürnberger Nachrichten) im »Weltspiegel« (Panorma-Seite) mit der Show vom letzten Wochenende befasst, Spiegel-online in seiner Panorma-Rubrik über den Verlauf der Sendung berichtet oder einen Artikel zum SPD-Landtagswahl-Desaster von gestern mit »SPD sucht den Superstar« überschreibt. In der Spiegel-Ausgabe dieser Woche gibt es einen durchaus lesenswerten Artikel zum Thema von Thomas Tuma (»Von Bohlen und Reibach«).
Das Motto der nächsten Sendung, mit nur noch vier Kandidaten, ist »Disco/70er«.

Ach ja, ich habe natürlich auch einen Favoriten: Juliette.

 
Erschienen am Montag, 03.02.2003 @ 18:22
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