Wo sich Word- und Windows-Annoyances die Klinke in die Hand geben
Ich vergaß noch einen Grund, Word zu hassen. Außer dem fehlenden globalen Suchen & Ersetzen (geht maximal bei allen geöffneten Dokumenten, ein Ordner oder gar Unterordner können nicht angegeben werden) und der fehlenden Vorlagenfunktion: Es gibt keine Stapelverarbeitung. Zum Beispiel, um fünfzig Word-Dokumente reihenweise zu schützen und in Vorlagen umzuwandeln. Da ist Handarbeit angesagt. Okay, es gibt den Weg, bestehende Vorlagen nicht per Doppelklick aus dem Explorer zu öffnen (steht im Kontextmenü für »Neu«), sondern per Kontextmenü den Befehl »Öffnen« zu wählen. Bleiben dennoch fünfzig Mal einzeln Dokumentschutz aufheben und Dokumente nach der Bearbeitung wieder schützen…
»Never send a human to do a machine’s job.«
Noch was: Word merkt sich beim Speichern einer Datei als Vorlage nicht den Pfad zu dem Verzeichnis, in dem ich das haben will, er nimmt immer erst sein eigenes Vorlagen-Verzeichnis. Unnötige Mausklicks dutzendfach.
Immer noch was: Es ist extrem nervtötend, dass Word 2000 selten genutzte Menüeinträge ausblendet und sie erst mit einem Doppelklick auf die Menüleiste, einem Klick auf den Doppelpfeil im kastrierten Menü bzw. nach langem Daraufbleiben mit der Maus freigibt (letzteres, da ich die Maustaste nach einem Klick auf ein Menü nicht los lasse: Ich klicke, ziehe mit der Maus auf den Menüeintrag meiner Wahl und lasse erst dann los). Jetzt mal ehrlich: Welcher Idiot hat sich das ausgedacht? Gerade wenn ich einen selten genutzten Menüeintrag suche, kann ich es gar nicht haben, wenn mir die Hälfte vorenthalten wird.
Ich sage ja immer, dass Mac OS besser ist als Windows, weil einem der Mac beim Arbeiten nicht im Weg steht. Dies dann auf Anfrage an einem konkreten Beispiel fest zu machen ist nicht so einfach, weil einem gerade dann nichts einfällt. Außer den kranken Ausblend-Menüs aus dem vorherigen Absatz ist hier ein Beispiel:
Es sind 50 Dokumente in Word geöffnet und in der Taskleiste von Windows XP zu einem Button zusammengefasst (gilt aber auch, wenn man die Gruppierung abschaltet und jedes Dokument ein eigenes Icon in der Taskleiste bekommt). Jetzt sollte man bloß nicht den Fehler machen, mal auf das »Desktop anzeigen«-Symbol zu klicken, um zum Beispiel vom Desktop aus einen Ordner im Explorer zu öffnen (warum soll ich erst den Explorer aus der Schnellstart-Leiste oder dem Startmenü wählen, wenn’s so doch viel einfacher geht?).
An sich finde ich den Button ja gut, aber wehe, man hat in Word fünfzig Fenster geöffnet, braucht schnell was vom Desktop und will dann der Reihe nach mit den fünfzig Word-Dokumenten weiterarbeiten: Man bekommt nie wieder Word komplett in den Vordergrund, um’s Verrecken nicht.
Ich klicke auf den Word-Button in der Taskleiste, bekomme das letzte Word-Dokument, mache darin meine fünf Mausklicks, speichere und schließe es. Kommt danach das nächste Word-Dokument? Nein, dann erscheint wieder der leere Desktop! Ich muss wieder auf das Word-Icon in der Taskleiste klicken und dank der dämlichen Gruppierung erstmal aus einer langen Liste das nächste Word-Dokument auswählen, statt das ich einfach auf einen Klick die nächste Datei bekomme. Jedes Mal von vorne. Dankenswerter Weise lässt sich die Gruppierung in der Taskleiste abschalten, so dass ich einfach nur auf das nächste Icon klicken muss und so noch Mausweg und -klicks einspare. Das klingt jetzt vielleicht kleinlich, aber so was geht mir tierisch auf die Senkel, weil ich genau weiß, dass es besser geht und weil das Zeit kostet. Und bei fünfzig Dokumenten läppert sich das.
Wie ist das beim Mac? Besser, denn Windows hat mal wieder schlecht kopiert. Beim Mac gibt es das Dock: Am linken, rechten oder unteren Bildschirmrand ist eine Leiste mit meinen wichtigen Programmen. Die ziehe ich selber rein und lasse mir nicht vom Betriebssystem vorschreiben, welche Programme das sein sollen (WinXP blendet hier schon wieder die Hälfte aus). Außerdem befinden sich im Dock neben meinen Hauptprogrammen auch noch die Programme, die gerade laufen (das Applikations-Icon erscheint dann trotzdem im Dock, auch wenn es nicht zu den ständig dort abgelegten Programmen gehört). Aktuell ausgeführte Programme bekommen ein kleines schwarzes Dreieck mit, so dass man gleich sieht, welche Anwendungen gerade laufen.

Ausschnitt meines Docks mit geöffnetem Word-Kontextmenü.
Will ich alle Fenster einer Software sehen, klicke ich einfach auf sein Symbol im Dock und alle Fenster werden in den Vordergrund geholt. Wenn ich ein Fenster schließe, erscheint nicht einfach irgendein anderes Fenster eines anderen Programms, das vielleicht zuletzt offen war (wie bei Windows), sondern das nächste Fenster der selben Applikation. Hätte ich gerne, dass bei einem Wechsel durch Klick auf das entsprechende Dock-Icon alle anderen Fenster verschwinden, halte ich beim Mausklick die beiden Tasten »Apfel« und »Wanne« gedrückt (offiziell heißen sie eigentlich »Command« und »Option«). Effekt: Das angeklickte Programm kommt mit all seinen Fenstern in den Vordergrund und alle nicht zugehörigen Fenster werden ausgeblendet. Logischerweise funktioniert das auch mit dem Finder, der Explorer des Mac: Apfel+Wanne+Mausklick auf das Finder-Icon und ich bekomme den Desktop mit einem neuen Finder-Icon (beim Mac gehört der Desktop zum Finder). Klicke ich nicht auf das Finder-Icon im Dock, sondern mit Apfel und Wanne auf den Desktop-Hintergrund, erhalte ich einen leeren Desktop ohne irgendwelche Fenster. Mit »Panther« der Version 10.3 von Mac OS X, geht das sogar noch einfacher: Einmal die F11-Taste drücken, Exposé macht’s mit Eye-Candy möglich (dafür braucht man Desktop-Compositing mit Quartz Extreme, aber »Windows Longhorn« zieht ja schon in vier Jahren mit dem Mac gleich). Anschließend kann ich eine Datei vom Desktop auf ein Icon im Dock ziehen, um die Datei in diesem Programm zu öffnen. Ein simples Feature, dass in WinXP immer noch nicht machbar ist:
»Elemente können nicht auf einer Schaltfläche in der Taskleiste abgelegt werden.«
Natürlich gibt es auch Kontextmenüs für Dock-Icons, siehe das Bild oben links. Ich kann es benutzen wenn ich möchte, aber ich muss nicht, wie bei Windows XP. Nur wenn ich bei WinXP die Gruppieren-Option für die Taskleiste deaktiviere, muss ich das in Windows halbgar umgesetzte Icon-Kontextmenü nicht verwenden, dafür habe ich dann eine unbrauchbare Taskleiste.

Der iTunes-Screenshot ist vom letzten Oktober, deswegen nicht über Unterschiede zum Bild weiter oben wundern.
Dass man das Kontextmenü der Taskleiste bzw. des Docks nicht nur optional, sondern auch sinnvoll nutzen kann, zeigt iTunes auf Mac OS X: Informationen zum aktuellen Titel und Steuerungsmöglichkeiten für das Programm – bei iTunes für die Wiedergabe, in PGP zum Beispiel für das Entschlüsseln der Zwischenablage. Die Funktionen »Im Finder zeigen« und »Beenden« sind beinahe schon selbsterklärend: »Im Finder zeigen« zeigt die Position des Programms im Dateisystem an, indem ein Finder-Fenster mit dem Verzeichnis geöffnet wird, in dem sich das Programm befindet. WinXP kann das immer noch nicht, noch nicht mal beim unsäglichen Media-Player.
Am Montag habe ich mal kurz erwähnt, dass es von der Website annoyances.org ein Buch bei O’Reilly gibt, treffenderweise mit einer Kröte auf dem Cover. Das ist meine neue Killerantwort auf die Frage, was denn bei Mac OS so viel besser sei als bei Windows: Ein Buch mit über 580 Seiten, wie man Windows XP seine lästigen Angewohnheiten abgewöhnt. Ein Buch, dass es in ähnlicher Form für den Mac nicht gibt, weil es das für den Mac einfach nicht geben muss. Der Mac steht einem von Haus aus nicht bei der Arbeit im Weg rum.
Das Inhaltsverzeichnis des Annoyances-Buchs muss man sich mal geben: Lauter Probleme, von denen ein Macianer noch nie was gehört hat.
Die Annoyances sind ja nur die schlechten Manieren, die sich Windows in stundenlanger Konfigurationsarbeit abgewöhnen lassen. Daneben gibt’s immer noch die Design-Fehler wie die nutzlosen Kontextmenüs der Taskleiste oder die ebenfalls erwähnten verkrüppelten Menüs in Office.
In de.comp.sys.mac.misc (»de.soc.mac«) haben einige Leute folgende Signatur:
»At Apple, people would often challenge design decisions on the basis of "my mom is going to call me if she can’t understand this". I don’t think many people at Sun had parents who used Sun computers, and it’s questionable whether some of the MS designers speak to their parents…«
Lässt sich nun mit einem Mac einfacher und angenehmer arbeiten, oder was?
Danke, jetzt geht’s mir besser.
Erschienen am
Sonntag, 09.03.2003 @ 23:19
Tags: Apple, get-a-mac
