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Samstag, 26.04.2003

Mehr Altruismus, bitte!

Ich wollte eigentlich schon länger mal was zum Thema RSS schreiben, an sich schon nach dem Interview auf Daring Fireball mit Brent Simmons, dem Macher des RSS-Readers NetNewsWire (NNW), der auf OS X eine Monopolstellung inne zu haben scheint.

Holger hat einige gute Links zum Thema RSS zusammengefasst, daher nur in aller Kürze, worum es geht, bevor ich zu meinen two cents komme. Die Abkürzung RSS steht für drei verschiedene Begriffe, wobei »Really Simple Syndication« der am häufigsten verwendete ist. Bei einer RSS-Datei handelt es sich um eine XML-Datei, in der die neuesten Einträge einer Newssite oder einem Blog aus dem Web stehen. Einen RSS-Feed kann man, da es XML ist, zwar im Klartext lesen, aber sinnigerweise bietet sich ein RSS-Reader (eigentlich »Aggregator«) an, der einem das XML-File parst und hübsch lesbar ausgibt.
Um sich das mal vorstellen zu können, hier nun ein Screenshot von meinem NNW (Klick auf’s Bild lädt eine größere Version als PNG-Bild):

NetNewsWire in Aktion

Im Bild links sind die derzeit abonnierten Feeds, rechts oben sind die Einträge des gerade ausgewählten Feeds und rechts unten wird der aktuell markierte Eintrag angezeigt. Der Clou bei der Sache ist, dass man ohne einen Browser sehr schnell einen Überblick über neue Einträge auf Websites bekommt, und diese Inhalte auch gleich noch lesen kann.
Das Potential von RSS ist meiner Ansicht nach enorm, denn es erleichtert sehr den Konsum von vielen Web-Ressourcen, ohne dass man sich mit hundert Browser-Fenstern oder Browser-Tabs herum schlagen muss.
So weit, so prima.

Es gibt allerdings drei Dinge bei RSS, die mich derzeit noch massiv stören und die mich derzeit davon abhalten, NNW regelmäßig einzusetzen:

  1. Noch zu wenige RSS 2.0-Feeds.
    RSS 2 ist aktuell Stand der Technik, viele Sites erzeugen aber noch 0.91-, oder 0.92-Feeds. Die älteren Versionen warten mit einer Reihe von Nachteilen auf: Keine Links, keine Zeilenumbrüche, keine Bilder. Ein Eintrag eines solchen Feeds wird zu einem einzigen, unstrukturierten Buchstabenbrei (wegen der fehlenden Zeilenumbrüche), bei dem man im Zweifelsfall wieder den Browser starten muss, um dort den Original-Text zu lesen, damit man von dort aus die Links anklicken kann, die im Feed fehlen.

  2. RSS ist nicht urlaubstauglich.
    Man bekommt immer nur so viele Einträge angezeigt, wie einem der Feed liefert, zum Beispiel 15 beim Feed des Heise-Newstickers. Egal ob man den Feed täglich liest oder ihn zwei Wochen nicht lesen konnte, man bekommt maximal 15 Einträge übermittelt. Wenn ich also nichts verpassen will und den Feed nicht täglich abfragen kann, muss ich also doch wieder die Website bemühen.
    Das ist bei Usenet Newsgroups besser gelöst: Mein Newsreader zeigt mir immer die Postings an, die seit dem letzten Aufruf des Programms neu hinzugekommen sind, egal ob ich den Reader zuletzt gestern oder vor drei Tagen gestartet habe, egal ob mittlerweile 10 neue Texte hinzugekommen sind oder 10.000. Vom Prinzip her sind Newsgroups und RSS aber sehr ähnlich: Auch bei den News werden nur so viele Postings übertragen, wie vorhanden sind, bloß werden Usenet Newsgroups deswegen »urlaubstauglich«, weil die Vorhaltezeit auf den Newsservern im Monatsbereich liegt. Wenn ich ein halbes Jahr im Urwald abtauche, habe ich bei meiner Rückkehr das gleiche »Problem« wie bei RSS.

  3. Keine Feeds mit vollen Texten.
    Das ist mein größtes Problem. Viele RSS-Feeds übermitteln die kompletten Texte von neuen Eintragungen und Nachrichten auf der betreffenden Website, aber bei manchen, wie z.B. beim Feed von Zeldman, werden nur verkürzte Texte übertragen, bei Heise sogar nur die Überschriften. Die Argumentation bei kommerziellen Sites wie Heise geht so: Die Site finanziert sich (auch) durch Werbung, und wenn die Leute die Website nicht mehr ansurfen, brechen die Werbeeinnahmen ein, deswegen bieten wir nur »halbe« Feeds (ich nenne sie »Un-Feeds«, kleiner Insider), damit Surfer trotzdem noch auf die Seite kommen und sich brav der Werbung aussetzen. Wenn’s der Finanzierung dient, hätte ich nichts dagegen, in vollen Feeds alle zehn Einträge einen Werbeeintrag zu sehen (aber bitte nicht nur Überschriften und trotzdem Werbung, das ist völlig daneben). Man darf auch nicht vergessen, dass RSS-Leser dem Sitebetreiber Traffic-Kosten einsparen, da das ganze HTML-Tabellen-Markup nicht mitübertragen wird. Bei kommerziellen Sites finde ich Un-Feeds recht ärgerlich aber bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar; solche RSS-Feeds schmeiße ich aber wieder aus NNW raus, denn in NNW haben sie bei mir keinen Platz, wenn ich eh wieder den Browser anwerfen muss, dann kann ich sie auch gleich dort laden. Bei privaten Sites oder Weblogs habe ich für halbe Feeds allerdings kein Verständnis, denn dort sollte IMHO die Maxime »Visits erzeugen, Besucherzahlen erhöhen« keine oder keine so hohe Priorität haben. Zeldman argumentiert, dass er sich wünscht, dass die Leser auch das Design seiner Seite sehen. Ich sage: Ich lese Zeldman nicht, weil das Design seiner Seite so gefällig ist, sondern weil mich die Inhalte interessieren (gerade bei einem Weblog!). Ich kenne das Design inzwischen. Zeldman verschwindet auch wieder aus meinen NNW-Abonnements, denn bei einer Site, die ich eh täglich lese, brauche ich keine verkürzten Inhalte, nur um danach eh wieder den Browser zu starten. Mir geht es bei der Benutzung von RSS darum, den Browser nicht extra aufrufen zu müssen, denn der Vorteil eines RSS-Readers ist ja gerade, dass er schnell für Übersicht sorgt und mir Fenster-/Tab-Clutter erspart (s.o.). Bei Sites, die ich nur wöchentlich ansurfe, wäre ein verkürzter Feed aber ok für mich, nur um zu sehen, dass sich auf der Site was Neues getan hat.
    Siehe auch einen entsprechenden Aufruf von Kalsey Consulting (gesehen bei inluminent). John Engler (inluminent) hat sich bereits mehrfach pro full RSS-feeds geäußert (More on Full vs. Incomplete RSS Feeds, More complete RSS feed discussion, No full RSS feed = No read for John, Something Hung – half-assed RSS feed isn’t good enough).
    Also, nochmal die Kurzfassung: Ich, und ich bin nicht allein, benutze einen RSS-Reader als Alternative zum Browser und will deswegen so wenig wie möglich einen Browser benutzen müssen. Ich habe mich nicht für einen RSS-Reader entschieden, um dann doch wieder einen Browser zu verwenden.

Ich sehe das Potential von Content Syndication mit RSS, hoffe aber sehr, dass es sich noch in die richtige Richtung entwickelt (mehr in Richtung der Interessen der RSS-Benutzer, weniger in Richtung Interessen der RSS-Erzeuger).

Erschienen am Samstag, 26.04.2003 @ 10:06 | Kommentare deaktiviert
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Sonne inbegriffen

Ganz kurz der gestrige Tag, denn um kurz nach halb acht breche ich hier schon wieder auf, zur Wohnungs-Einweihungsfeier von Steffi, Nina, Klaus und Georg. Hoffentlich hält sich das Wetter noch ein wenig. Der Himmel ist dunkel, es hat sich zugezogen und der Wind ist kräftiger geworden. Lieber mit der GoreTex-Jacke fahren.

Am Freitag-Morgen und -Vormittag surfte ich privat und dienstlich und chattete ein wenig, außerdem gab’s noch eine kleinere Sache bei einem Auftrag fertig zu machen.
Am frühen Nachmittag, gegen 15 Uhr, fuhr ich in Richtung Stadt, um einen Happen zu essen und mein Fahrrad zur Werkstatt meines Händlers zu bringen. Der Weg dorthin führte wieder über Stadeln, Blumen gießen am Friedhof. Im Drogeriemarkt Müller füllte ich meinen Bestand an Shampoo und Deo auf, dann ging’s weiter zum Freilauf. Im Winter hatte ich mir ja einen Nabendynamo gekauft und einbauen lassen, dann überwinterte mein Fahrrad in den Verbindungstunneln der Uni-Kliniken unter der Stadt. Bei der damaligen Abholung wurde mir zugesagt, dass das Laufrad nach 100 bis 200 Kilometern nochmals kostenlos neu zentriert werden würde, ich solle es nur vorbei bringen. Den Besuch in der Werkstatt hatte ich mir schon länger vorgenommen und ich bin mittlerweile auch eher 300 bis 400 Kilometer gefahren. Meinen Vorschlag, einen Termin für Dienstag zu vereinbaren wurde vom Mitarbeiter in der Werkstatt mit dem Angebot beantwortet, ich solle das Rad doch gleich hier lassen. Ich könnte es in anderthalb Stunden wieder abholen. Ich überlegte kurz und entschied mich dafür, denn es würde keinen Sinn machen, jetzt mit dem Bus nach Hause zu gondeln und am Samstag-Morgen wieder mit dem Bus in die Stadt zu fahren.
Es war 15:40 Uhr, sehr sonnig und mit 21 Grad angenehm mild. Vom MLP über den Neustädter Kirchplatz lief ich in Richtung Theaterplatz und am Schlossgarten vorbei in die Krankenhausstraße, um mir ein Lahmacun mit Schafskäse zu besorgen. Ich ging wieder ein Stück des Wegs zurück und bog in den Schlossgarten ein, setzte mich auf eine nahe Bank und aß. In weiser Voraussicht hatte ich mir den Spiegel dieser Woche eingepackt und las die Titelstory zur amerikanischen Hegemonie. Ab und an fuhren Leute auf Fahrrädern an mir vorbei, weiter in den Schlossgarten hinein, und auch Passanten kamen meinen Weg entlang. Da blieb es freilich nicht aus, ab und an von der Lektüre aufzusehen und sich die Menschen anzusehen, die an mir vorüberfuhren und -gingen. Alte und Junge, dicke, »mittlere« und dünne, Frauen und Männer, Kinder, Hunde. Häufig zu zweit, manchmal allein. Ich muss gestehen, dass einer der positiven Aspekte des Sommers ist, dass die Tops wieder kürzer werden. Baufrei scheint auch diesen Sommer wieder Trend zu sein; wohin sich die Hosenmode entwickelt, wage ich noch nicht abzuschätzen. Es war alles dabei, von der Jeans über die Stoffhose bis zur 7/8-Hose. Zwei Wege vor mir auf einer Wiese befasste sich ein Mann um die 30 konzentriert mit Dehnübungen, die direkt aus einem Lehrbuch zu fernöstlichen Entspannungs-Methoden entnommen zu sein schienen. Ein leichter Wind wehte ab und an Blüten von den Bäumen, auf mein T-Shirt, meine Zeitschrift, meinen Rucksack, den Weg. Viele Menschen hatten es sich auf den Wiesen bequem gemacht, Decken und Handtücher ausgebreitet, allein auf den Rücken gelegt oder in Gruppen zusammen gesetzt, um sich zu unterhalten.
Kurz vor 17 Uhr packte ich den Spiegel wieder ein und ging nach Westen durch den Schlossgarten, auf den Schlossplatz zu (Ausgang »Café Mengin«). Triangel-Bikini auf elf Uhr. Eher zufällig wählte ich dann den staubigsten Weg aus dem Park heraus, so dass meine braunen Lederschuhe mit einer dünnen, grauen Staubschicht überzogen wurden. Auf dem Schlossplatz (in dem früheren Schloss des Markgrafen ist heute ein Teil der Universitäts-Verwaltung untergebracht) war das Frühlingsfest bereits im vollen Gange. Ich ging in die benachbarte Filiale der Dresdner Bank, um Geld abzuheben. Vor mir am Geldautomaten stand ein älterer Mann, der zweifellos dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatte. Auf der Hauptstraße wieder zurück nach Norden, Richtung MLP und zur Werkstatt von Freilauf. 17:15, mein Rad war fertig. Die Zentrierung kostete nichts, ich verabschiedete mich und schob das Rad durch die Tür hinaus und fuhr nach Hause.
Bei einer kleinen Trinkpause im Wiesengrund unter einer der Dammbrücken fiel mir ein, dass ich das vergessen hatte, weswegen ich eigentlich zu Freilauf wollte: In engen Kurven schaltet der Schlauch der Bremse den Schalter des Frontscheinwerfers ab. Hmm. Ich sah mir die Befestigung genauer an und probierte, die Metalllasche nach vorne zu biegen. Es ging, die Bremsleitung konnte nun nicht mehr den Kippschalter berühren. Na also.
Zuhause. Die Staubschicht wusch ich von den Schuhen ab. Den Power Mac aus dem Schlaf aufgeweckt, die Standard-Websites aufgerufen und noch ein wenig mit Freunden gechattet, später mit Holger wegen eines Auftrags telefoniert. Um acht Uhr die Tagesschau und im Anschluss »Pfarrer Braun«; die zweite Folge einer sehr seichten Krimiserie mit Ottfried Fischer. Kaum war sie zu Ende, musste ich auch schon das Licht ausmachen und mich schlafen legen, ich war zu müde, um noch weiter fern zu sehen.

Erschienen am Samstag, 26.04.2003 @ 19:30 | Kommentare deaktiviert
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