Trainspotting

Hier nun die Ereignisse von gestern und vorgestern.

Montag, 31. Juni 2003
Die zweite Woche Audiotechnik in der SAE bei Armand (letzte Woche: siehe Eintrag vom 25.06.03). Über die Hinfahrt gibt’s nichts besonderes zu erzählen. Am Morgen drehte ich mich natürlich noch fünfmal um, ging kurz vor knapp unter die Dusche (mit Sandalen, die mussten einfach mal gewaschen werden) und ging spät aus dem Haus, 10:40 Uhr. An sich zu knapp, um den ICE nach München um 11:09 am Erlanger Bahnhof zu erwischen, aber ich sah mir im Web die Pünktlichkeitsabfrage für meinen Zug an. Der brachte von Saalfeld her fünf Minuten Verspätung mit, was mir entgegen kam. Trotzdem pünktliche Ankunft im Münchner Hauptbahnhof um 13 Uhr zerquetschte (13:08?). Schnell den Bahnsteig vorgelaufen, einen Stock tiefer, eine MVV-Tageskarte für den Innenraum gekauft (4,50) und am Stand neben den Treppen ins S-Bahn-Tiefgeschoss zwei Brezeln zum Frühstück. Die kosten dort nur 50 Cent das Stück; ein Stockwerk höher bei den Bahnsteigen kann man für die selben Brezeln auch jeweils einen Euro ausgeben. Überhaupt sind die Geschäfte direkt in der Bahnhofshalle sehr teuer, nicht nur, was Brezeln betrifft. 2 Euro 20 für einen halben Liter Cola sind schon horrend. Bei Yorma’s an der Außenseite des Bahnhofs gibt’s das für 1,75 und anderswo für noch weniger (z.B. im Karstadt am Stachus oder Marienplatz, aber mit Gepäck ist es nicht gerade angenehm, dort einzukaufen).

Es war heiß an diesem Montag; ich war in kurzen Hosen und frisch gewaschenen Sandalen unterwegs. Nach dem Brezelkauf direkt zur SAE; ich erreichte sogar noch die S-Bahn um 13:14 im Hauptbahnhof-Tiefgeschoss. Beim Audio-Supi ließ ich mir erstmal meine vom Buchungscomputer automatisch eingetragene Sperre rausnehmen, da ich ja nichts dafür konnte, dass ich letzten Mittwoch nicht zum gebuchten Zeitpunkt am Schnittcomputer in der Edit Lounge erschien; der Ostbahnhof war ja wegen einer Bombendrohung geschlossen. Ich nutzte die Gunst der Stunde und buchte mir einen Platz in der Edit Lounge für morgen von 12 bis 14 Uhr, vor dem Unterricht; da war zufällig noch was frei (sogar beide Schnittplätze).
Zu Beginn des Unterrichts machteAlex, unser Course Coordinator, noch ein paar organisatorische Ansagen, verteilte einen Packen Unit Outlines und kündigte einen Gastvortrag eines früheren SAE-Absolventen an (namentlich Holger).
Der 1. Level der SAE, der BMC (Basic Media Certificate), neigt sich schnell und unaufhaltsam dem Ende. Diese Woche noch Audio-Technik bei Armand, nächste Woche, 7./8. Juli, Einführung in 3D (Cinema4D soweit ich weiß und übernächste Woche, 14./15. Juli, Web-Animation/Flash bei Matthias. Dann ist die SAE zwei Wochen geschlossen. Am 4. August geht’s weiter. Hier gerade nochmal die Übersicht der BMC-Übungen:

  • Graphics: CD-Cover in Photoshop (Abzeichnung bis 19.07.03)
  • HD-Recording: Pop-Song in Wavelab gemäß Vorlage zusammenschneiden (Abzeichnung bis 19.07.03)
  • Mixdown: Ein bisschen am Mischpult spielen (keine Abzeichnung; freiwillige Übung)
  • Sprachaufnahme (Abzeichnung bis 09.08.03)
  • Multimedia: Kleine Website als Endprojekt des BMC; Note taucht im BMC-Zeugnis auf (Abgabe bis 09.08.03)

»Abzeichnung« heißt, dass es bis dahin von den Supervisoren für »gut« befunden worden sein muss. Wer seine Arbeit zur Nachbesserung nochmal zurückbekommt, kann noch zweimal nachbessern, aber wer erst zwei Tage vor dem letzten Abzeichnungstermin abgibt, hat’s natürlich enger. Am 11. August ist dann die BMC-Abschlussprüfung: 70 Multiple Choice-Aufgaben mit knapper Zeitvorgabe.

Der weitere Verlauf des Kurses ist jetzt auch bekannt: Die ersten drei Wochen (Wochen vom 11.08., 18.08. und 25.08.) Photoshop bei Alex inklusive einer Übung, dann zwei Wochen Screendesign bei Caro (01.09. und 08.09.) mit einer zweiten Photoshop-Übung), eine Woche Freehand-Grundlagen bei Caro, zwei Wochen HTML bei Alex (22.09. und 29.09.) mit der 3. Übung »HTML« und in der Woche vom 06.10. »Medienoptimierung« bei Matthias. Vom 25.08. (dritte Photoshop-Woche) bis einschließlich 06.10. läuft das »Projekt 1«.

Die zwei wichtigsten Merksätze beim Arbeiten mit Mischpulten:
»Alles von hinten.«
»Erst schalten, dann fahren.«

Heute (Montag) war der Unterricht vom Thema her ehrlich gesagt recht ätschig. Armand ist ein guter Dozent und hat auch ein offenes Ohr für unsere Probleme, aber sein Thema ist halt in erster Linie Audio. Das gehört peripher schon zu Multimedia dazu, aber für das professionelle Audio-Zeugs gibt’s den Audiokurs. Die Multimedias basteln nur alles zusammen (ganz vereinfacht ausgedrückt) und sind nicht unbedingt in einem Tonstudio heimisch.
Nach den Grundlagen letzter Woche schrieben wir zu Beginn des heutigen Unterrichts erstmal einen angekündigten Test. Wir brachten Aramand letzten Dienstag durch ein paar nicht so ernst gemeinte Äußerungen auf die Idee und nach ein bisschen quengeln bot er uns einen fairen Deal an. Zum Einen konnten wir dann mal sehen, wie potentielle SAE-Prüfungsfragen aussehen können (die Beantwortung war allerdings offen; in den offiziellen Tests gibt es Multiple Choice-Aufgaben). Zum Anderen schlug er vor, den Test nur dann in die Endnote für den BMC einfließen zu lassen, wenn sich jemand dadurch seine Abschlusstest-Note verbesern könnte. Fünf Aufgaben, wenn ich’s richtig im Kopf habe, mit jeweils zwei oder drei Teilaufgaben, Viertelstunde Zeit, Testrückgabe am Dienstag. Ich konnte nach dem Test gar nicht einschätzen, wie es für mich ausfallen würde; zwischen vier und eins hielt ich alles für möglich.
Dann weiter im Stoff. Letzte Woche gab es Audiotechnik-Grundlagen (Aufbau eines Tonstudios, Signalwege im Tonstudio und im Mischpult…), heute ging es darum, sich mal ein richtiges Mischpult anzusehen, und nicht nur ein fiktives 08/15-Pult. Wir sahen uns heute ein analoges Pult an, ein Mackie 1604-VLZ pro. Zwar auch nur auf Papier und Overhead-Folie, aber immerhin etwas näher an der Realität als nur schematische Zeichnungen. Wir erhielten als Kopien zwei komplette Abbildungen des Input- und Masterbereichs des Pults sowie eine Abbildung der Rückseite (Schalter und Anschlüsse) und eines Kanalzugs aus der Inputsektion und den Masterbereich im Detail. Anschließend sprachen wir verschiedene Szenarien durch: Einpegeln und Mixdown mit mehreren Geräuschquellen. Welche Schalter wann wieso gedrückt werden müssen und was man mit den Fadern anstellt.
Wie gesagt, mich hat’s nicht so interessiert.

An diesem Montag ging es Schlag auf Schlag. Aufstehen, fertig machen, in die Erlanger Innenstadt radeln, in den Zug nach München steigen, in die SAE fahren. Nach der SAE zurück in die Münchner Innenstadt zu Stefie und Holger ins Büro. Dort umziehen: Das T-Shirt war verschwitzt und die kurze Hose ist auch eher zweckmäßig als schön; die Sandalen gegen Socken und Halbschuhe eingetauscht. Ich traf mich mit Tini, die ich aus verschiedenen Gründen dieses Jahr noch gar nicht gesehen habe. Wir gingen ins Baal, aßen an einem der draußen aufgestellten Tische Nudeln und unterhielten uns gut. Details zu Gesprächsinhalten tun hier nichts zur Sache, denn es gibt Dinge, über die man nicht öffentlich sprechen muss (siehe auch den NYT-Artikel »Dating a Blogger, reading all about it«). Tini hat mal bei der gleichen Bank gearbeitet wie ich und sie war für mehrere unterschiedlich lange Zeiträume, insgesamt ein paar Monate, meine Chefin, als ich als Springer 2000 und 2001 in einer der Münchner Filialen gearbeitet habe. Mittlerweile sind wir Freunde geworden.
Später am Abend traf ich wieder auf Stefie und Holger, nur noch ein kurzer, einstündiger Stopp im »Wirtshaus zur Au«. Die Happy Hour dort (22 bis 1 Uhr, alkoholische Cocktails für 5,50 Euro) bot sich an, um mal einen Cocktail zu probieren, auf den ich es schon länger mal abgesehen habe: Long Island Ice Tea. Mehrere Rumsorten und in einigen Lokalitäten ist es durchaus üblich, in der Getränkekarte darauf hinzuweisen, dass maximal zwei pro Person ausgegeben werden. In einer Kneipe in Westerland auf Sylt trägt ein weiterer Cocktail in der Karte dieses Attribut mit sich: »Dr. Timbu’s Knock-out«, der aus zwanzig Rum-Sorten zubereitet wird. Wie hat er mir geschmeckt? So lala. Ich hab’ ihn jetzt mal probiert, aber es gibt bessere Cocktails. Um sich schnell und effizient die Kante zu geben, tut’s auch Absinth.
Ein weiterer Cocktail, der auf meiner »Noch probieren«-Liste steht ist Frozen Margarita, den das Wirtshaus jedoch nicht führt. Heimweg zu Fuß; inzwischen kenne ich den oberirdischen Weg vom Isartor zum Rosenheimer Platz, vorbei am Veranstaltungszentrum Gasteig.

Um 5:38 wurde ich am Dienstag geweckt, auf der Straße fünf Stockwerke weiter unten ging’s hoch her. Müllabfuhr oder ähnliches, das weckte mich letzte Woche schon in etwa zur gleichen Zeit. Ich schlief nochmal ein und Holger weckte mich um 9 Uhr irgendwas wieder. Als letzter ins Bad, fertig gemacht und dann ins Büro. Stefie und Holger fuhren per Rad, ich kaufte mir im gegenüberliegenden Plus ein Zivi-Frühstück (Bahlsen Butter-Kekse mit Vollmich-Schokoladenfüllung) und im Ostbahnhof was zu trinken (der Plus führt nur 2-Liter-Partybomben). Mit dem 53er Bus vom Ostbahnhof wenige Haltestellen bis »Friedensengel«, zweimal über die Prinzregentenstraße ins Büro. Dort angekommen eben die Startseite von entervisions.de aktualisiert.
Kaum eine halbe Stunde war vergangen, machte ich mich wieder auf den Weg zur SAE.

Mein Studentenausweis hat auf der Rückseite einen Barcode: Einmal durch den Leseschlitz des Barcode-Lesers gezogen und ich war für die gebuchte Übung angemeldet. Frühestens eine halbe Stunde vor und eine halbe Stunde nach Beginn eines zweistündigen Übungsblocks kann man dem Buchungscomputer gegenüber sein Erscheinen mitteilen. Wer dieses einstündige Zeitfenster verpasst, zahlt fünf Euro Strafe. Außer er kann gute Gründe für eine Verhinderung vorbringen, zum Beispiel die Sperrung des Ostbahnhofs wegen einer Bombendrohung und in Folge dessen Ausfall der S-Bahn-Verbindung raus nach Perlach. Ich muss mal HAFAS befragen, ob theoretisch auch ein Bus nach Perlach raus führe, aber ich nehme mal an, dass das einer Weltreise gleich kommt (inzwischen mal nachgesehen: 37 Minuten mit 1x umsteigen statt 7 Minuten).
Ich begann meine Wavelab-Übung. Ein Kürzungsschnitt des Songs »Never be the same again« von Mel C von rund sechs Minuten auf eine halbe Minute. Aber nicht irgendwie, sondern die halbminütige Fassung sollte sich so anhören wie eine von einem SAE-Dozenten geschnittene halbminütige Vorlage, in der hier und da noch Sounds aus dem Song hineinkopiert wurden. Meine Mitschriften vom 2. Juni waren zum Glück recht ausführlich (Armand ging die Übung mit uns durch), ich hatte mir auch die Shortcuts aufgeschrieben und konnte mich noch gut an den Selektionsvorgang und das Hinein- und Hinaus-Zoomen erinnern. Ich kam daher recht gut voran, aber nach anderthalb Stunden war’s dann trotzdem genug; da muss ich demnächst nochmal ran, werde es dann aber hoffentlich fertig machen können. Die restliche Zeit bis zum Unterrichtsbeginn verbrachte ich im Multimedia-Übungsraum im zweiten Stock mit ein wenig Surfen (spiegel.de und spiggl.de) sowie Mails lesen an einem Lampen-iMac.

Im Unterricht bekamen wir von Armand den korrigierten Test von gestern zurück. Der Grat zwischen einer guten und einer schlechten Note war schmal, da es nur 15 Punkte gab (quasi für jede Teilaufgabe einen Punkt, entweder richtig oder falsch). Ich konnte daher nicht einschätzen, wie der Test bei mir ausfällt und rechnete mit allem zwischen eins und vier. Mein Ergebnis: 13,5 von 15 Punkten, 90 Prozent. Aber es hätten auch genausogut 80, 70 oder 60 Prozent sein können.
Nachdem wir uns gestern ein analoges Mischpult ansahen, ging es heute an ein digitales: Das ProMix01 von Yamaha. Wird laut Armand gerne von Alleinunterhaltern verwendet, da es relativ günstig ist, außerdem kompakt, es sind Effekte mit drin und Pult-Einstellungen sind speicherbar. Der Nachteil des ProMix01 ist, dass einem der große Überblick fehlt; man muss alles über ein Display einstellen. Digitale Pulte, die die Vorteile beider Welten vereinigen und ebenso viele Knöpfe und Fader haben wie herkömmliche analoge Pulte, kosten gerne mal eine Million Dollar. Wir besprachen die generelle Funktionsweise (damit wir’s mal gesehen haben) und die Einstellunsmöglichkeiten mit Hilfe des Displays. Eine der BMC-Übungen lautet »Mixdown«. Das ist zwar eine freiwillige Übung, aber Armand empfahl uns, dass wir uns ruhig mal an eines der Pulte in den Studios im Keller setzen sollten, um einen praktischen Bezug herzustellen; das kann für die Prüfung nur von Vorteil sein.
Nach der Pause gingen wir das Thema Sprachaufnahme durch. Worauf bei einer Sprachaufnahme generell zu achten ist, welche Mikrofone verwendet werden, der Popschutz, wohin die Zischlaute gehen, wie das ganze aufgebaut wird usw. Abschließend zeigte er uns das SAE-eigene Sprachstudio im Erdgeschoss (das ebenso über den Buchungscomputer gemietet wird wie die Wavelab-Schnittplätze mit angeschlossenen MD-Recordern in der Edit Lounge). Die Sprachaufnahme ist auch eine Übung, die abgegeben werden muss (siehe oben).

Armand überzog 20 Minuten und wir erwischten die S-Bahn noch knapp: vor dem Zug über die Gleise auf den Bahnsteig (aber keine Gefahr, der Zug fuhr am anderen Ende der Station gerade in den Bahnhof ein und hält vor der Stelle, an der wir rüber gingen).
In München war es nach einem heißen Dienstag am Mittwoch merklich abgekühlt, nur noch 20 Grad. Mittags begann es dann zu regnen, abends regnete es dann nicht mehr, es pisste.
Mein Rückweg führte über den Stachus, um bei McD das Mittagessen nachzuholen. Das Abendessen folgte eine halbe Stunde später in Form eines kleinen Salami-Baguettes von Yorma’s, das ich im Zug aß. Der Zug war eine halbe Stunde vor Abfahrt leer, so dass ich mir meinen Lieblingsplatz aussuchen konnte, aber bei Abfahrt recht voll, fast jeder Platz besetzt; vielleicht wegen der ISPO?
Im Zug Musik gehört, geschrieben (diesen Eintrag bis »Mein Studentenausweis hat auf der Rückseite einen Barcode«). In Erlangen die leere Wasserflasche von Yorma’s München bei Yorma’s Erlangen abgegeben, das Pfand zurückbekommen, zum Rad gegangen, heim gefahren. Meine Ahnung, dass das Wetter 200 Kilometer weiter nördlich besser wäre, bewahrheitete sich: die Erde war zwar auch nass und der Himmel bedeckt, aber es regnete nicht mehr.
Es tat gut, wieder daheim zu sein, und wieder meinen Vater und meine Schwester um mich zu haben. Meinem Vater zeigte ich alle meine Bergbilder, die er durchaus gut fand. Verena war wieder mit dem Telefon verwachsen und amüsierte sich über ein Flash-Movie von irgendwo aus dem Web.

 
Erschienen am Mittwoch, 02.07.2003 @ 21:18
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