Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was berichten.
»Der Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis enthält ein paar Angaben zum Thema Handtücher.
Ein Handtuch, heißt es da, ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Einmal ist es von großem praktischem Wert – man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatemt; man kann unter den so rot glühenden Sternen in den Wüsten von Kakrafoon darunter schlafen; man kann es als Segel an einem Minifloß verwenden, wenn man den trägen, bedächtig strömenden Moth-Fluss hinuntersegelt, und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen – bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig); bei Gefahr kann man sein Handtuch als Notsignal schwenken und sich natürlich damit abtrocknen, wenn es dann noch sauber genug ist.«
Man lernt ja aus seinen Fehlern, und deswegen tat ich es am Montag-Morgen dem Anhalter gleich und packte ein kleines Handtuch mit in den Rucksack.
Der Fahrtwind kühlt, aber wehe, man wird an einer Ampel zum Anhalten gezwungen (ich habe nur drei auf meinem 10-Kilometer-Weg) oder kommt am Ziel an: Keine fünf Sekunden später rinnt der Schweiß. Ein Handtuch sorgt für Linderung.
Ich wollte mit der RE um 09:52 von Erlangen nach Nürnberg fahren (an um 10:10), dann um halb elf weiter mit dem ICE nach München. Wegen einer Baustelle bei Lichtenfels gab es auf der Strecke eine zünftige Verspätung und ich fuhr mit der RB, planmäßig 09:42, um kurz vor zehn ab. Ankunft in Nürnberg um 10:23, keine fünf Minuten Zeit um den Spiegel zu kaufen, eine Pfandflasche zurück zu tragen und ein Salami-Baguette zu besorgen. Ich beschränkte mich auf den Kauf des neuen Spiegels und stieg in den ICE ein, der pünktlich abfuhr.
Die ersten beiden Fahrten mit meiner vorläufigen BahnCard 100. Die ZuB im Bummelzug las nur »vorläufige BahnCard« und bat noch um den eigentlichen Fahrschein. Ich wies sie auf die »100« nach der BahnCard hin, das sie übersehen hatte, war ok. Der ZuB im ICE bat darum, sich den Ausdruck mal genauer ansehen zu dürfen, was ich ihm natürlich nicht verwehrte. Er las sich den Schein durch und murmelte was von »nur 20 Tage gültig« (laut ReiseZentrum wird einem die richtige BC100 aus Plastik aber nach etwa zehn Tagen zugeschickt; für die Netzkarten sind m.W. außerdem nicht die Leute in Schortens zuständig sondern welche in Offenbach, so dass es wegen Überlastung kaum länger dauern kann; falls doch, würde ich mir eine neue vorläufige BC100 ausstellen lassen).
Pünktliche Ankunft in München. Kurz vor Augsburg, die letzten vierzig Minuten, fing zwei Reihen schräg hinter mir ein Fahrgast an zu sägen. Ein infernales Geschnarche, es war unglaublich. Insekten hätten den Luftraum um sein Gesicht herum sperren müssen, denn einmal in einen Schnarcher eingesogen, hätte es für keine Mücke mehr ein Entkommen gegeben. Ich trug’s mit Fassung.
Über den Unterricht in der SAE erzähle ich in einem separaten Eintrag.
Der Rückweg: S-Bahn um 17:25 Uhr. Ein Treffen mit Holger klappte leider nicht mehr, das haben wir auf Dienstag verschoben. Die S-Bahn zuckelte im Innenstadt-Tunnel und hielt einige Minuten am Marienplatz, wegen einer Signalstörung. Da war klar: Der 17:44-ICE ist auf jeden Fall wegen, selbst wenn er auf Anschlussreisende warten würde und fünf Minuten später abfahren sollte. Ich stieg am Stachus aus und ging im Kaufhof einkaufen: Etwas zu trinken und ein neues Duschgel. Die paar hundert Meter zum Hauptbahnhof lief ich oberirdisch zu Fuß. Bei Yorma’s holte ich das Salami-Baguette nach, das vormittags aus Zeitgründen in Nürnberg nicht mehr drin war. Ich schlenderte durch den Haupteingang und die Haupthalle und aß dabei gemütlich. Ging auf die Galerie in den ersten Stock, um mir nach dem Baguette mal die hiesige Lounge anzusehen.
Es kam anders: Ich sah auf die Anzeigetafel über dem ServicePoint: Neben dem ICE mit der Uhrzeit 17:44 stand »etwa 20 Min. später«. Ich sah nochmal genau hin: Tatsächlich, der ICE über Augsburg in Richtung Hamburg, den ich eigentlich vor, ich sah auf die Uhr, einer halben Stunde nehmen wollte. Und der ICE1 stand tatsächlich noch immer auf Gleis 14, das war kein Fehler in der Anzeige. Nu ja, ich ging runter ins Erdgeschoss und zu Gleis 14 – schnellen Schrittes, denn »etwa 20 Min. später« waren schon abgelaufen. In dem Moment eine Durchsage: Die Abfahrt des ICE verzögert sich um weitere fünf Minuten »wegen Zugfolge«. Ich ging an den Lokführern vorbei, die neben der Lok standen (muss wohl noch einer von einem anderen Zug gewesen sein) und bestieg den Zug direkt am Kopfende des Bahnhofs; rein in einen Wagen der ersten Klasse. Dann durch zur zweiten Klasse und gerade als ich die erste Klasse, den 1.-Klasse-Raucherwagen, das BordRestaurant und den 2.-Klasse-Raucherwagen hinter mir hatte, schlossen sich die Türen und der Zug fuhr ab.
Nachdem ich in zwei oder drei Großraumwagen keinen Fensterplatz bekommen konnte, sah ich im nächsten Wagen in die Abteile. In einem war nur eine Frau mit einem Kind. Das Abteil war auch als »Kleinkindabteil« ausgezeichnet. An sich ein ganz normales Abteil, dass durch die Deklarierung mittels Papierschildchen in den Plastik-Reservierungsschlitzen zu einem solchen gemacht wurde, »ggf. freigeben«. Ich öffnete die Tür und fragte, ob noch frei sei, was bejaht wurde. Daraufhin nahm ich an der Tür Platz, während Mutter und Kind die beiden gegenüberliegenden Fensterplätze belegten. In Pasing stieg zufällig eine weitere Familie mit Anhang ein und kam zu uns ins Abteil. Vater, Mutter und ebenfalls ein kleines Kind.
Die folgenden zwei Stunden mit Sophie (3) und Pauline (2) waren recht unterhaltsam, denn die beiden erfrischend-quirligen Kinder verwandelten das Abteil in einen Abenteuerspielplatz und bezogen alle Anwesenden mit ein, was recht witzig war. Sophie unterhielt mehr uns als sich mit einem Kopfhörer: Statt sich das Kinderband aus der Armlehne anzuhören, reichte sie allen den Kopfhörer weiter (auch an mich) und erkundigte sich, ob die Lautstärke angenehm sei (»Laut?«). Mit Pauline krabbelte sie über unsere Beine hinweg und darunter durch. Später zog sie sich selbst die Sandalen aus und machte sich dann auch daran, bei den anderen für Frischluft im Schuhwerk zu sorgen. Die treibende Kraft bei diesen Unternehmungen war die ein Jahr ältere Sophie. Pauline war von sich aus eher ruhig, ließ sich aber von Sophie begeistern und mitziehen. Faszinierend auch, dass Sophie von ihrer Spielgefährtin immer von »der« sprach und sich trotz wiederholter Korrektur von ihrer und Paulines Mutter nicht von der Verwendung des falschen Artikels abbringen ließ.
Interessant anzuschauen war nicht nur das Verhalten der beiden Kinder den Erwachsenen gegenüber, sondern auch der Erwachsenen gegenüber den Kids. Nicht, dass es da was zu bemängelnd gäbe; alle haben sich prima verstanden. Paulines Mutter sprach auch Sophie an oder bot ihr Essen an. Sehr nett. Paulines Vater las in der SZ (ich las im aktuellen Spiegel, sah mir aber eigentlich mehr das bunte Treiben im Abteil an). Ich konnte ganz schlecht vermuten, was die beiden für ein Typ sein könnten. Da haben wir den Vater mit lockiger, aber doch kurzer Frisur, der die SZ liest aber auch aussieht, als wäre er einer ZDF-Vorabendserie entstiegen, in der er einen jungen, sonnengegerbten Yuppie spielt, Yachtbesitzer. Als Abendessen gab es einen Salat in transparenter Plastikschale (also so ein fertiger Salat), mit Mais. Teilweise reagierte er mit einem genervten Blick und stellte sich stur, wenn Sophie seine Beine verknoten wollte (meint: übereinander schlagen), machte dann andererseits aber wieder alles andere mit. Paulines Mutter machte auf mich auch einen seltsamen Eindruck, da sie mir, wie der Vater, Rätsel aufgab. Wenn sie mit den beiden Kindern sprach wirkte es so, als sei jedes Wort genauestens überlegt. Sie achtete auf eine deutliche Aussprache, sprach langsam und betonte jedes der handverlesenen Wörter: »Sophie, Du wolltest eine Pause machen.« oder: »Nein, Pauline ist für den Kopfhörer noch zu jung.« Zu ihrem Mann sprach sie in einem »normalen« Tonfall und in normaler Geschwindigkeit: »Eigentlich eine gute Idee mit dem Kopfhörer, wenn sie älter ist.« Irgendwas passte bei all dem nicht zusammen. Gut verdienende Yuppies mit gleichzeitigem Öko-Anstrich, auf eine gute Erziehung ihres Kindes achtend und mit silbrig-grau schimmernder Polyamid-Unterwäsche (die Frau hat Geschmack).
Über Sophies Mutter kann ich nicht viel erzählen, sie hielt sich sehr im Hintergrund, achtete vor allem darauf, dass ihre Tochter nicht all zu sehr über die Stränge schlug (wobei dafür auf eine apodiktische aber gleichzeitig liebe Art auch Paulines Mutter sorgte). Blue Jeans, weißes T-Shirt, Brille und ansonsten eben eher ein zurückhaltender Typ.
Die ZuBine kam einige Zeit nach Augsburg. Da sie mit der Kontrolle des Online-Tickets von Sophies Mutter etwas länger beschäftigt war, packte Sophie ihren Kinderfahrschein wieder in die Tasche (den sie wohl in einem anderen Zug bekommen hat), nachdem die ZuBine nicht zur Kontrolle des selben kam (»Dann pack’ ich ihn wieder weg, wenn Du ihn nicht sehen magst.«). Die ZuBine gab jedem von uns einen 10-Euro-Verspätungsgutschein für die 30-minütige Verspätung.
Insgesamt anscheinend Großkampftag bei der Deutschen Bahn: Im morgendlichen ICE gab es weder Reservierungen noch »Faltblätter "Ihr Reiseplan"«. Die Faltblätter fehlten ebenfalls im Zug nach Hause. Durch die verspätete Abfahrt geriet auch einiges Durcheinander: Durchsage des ZuB, dass man bei der Transportleitung um einen Halt in Treuchtlingen gebeten habe, dass dies aber von der Transportleitung nicht genehmigt wurde und alle Fahrgäste Richtung Treuchtlingen in Donauwörth umsteigen müssten. Später hielten wir dann in Treuchtlingen. Durchsage des ZuB vor Nürnberg: »Anschlusszüge kann ich Ihnen leider keine nennen, bitte achten Sie auf die Durchsagen am Bahnsteig.« Ich nahm’s locker, ich bin eh nicht auf diese Durchsagen angewiesen. Was ich noch nicht wusste: Der ZuB konnte keine Anschlusszüge nennen, da in Nürnberg das Chaos ausgebrochen war.
Ich wünschte den mitreisenden Eltern im Abteil einen schönen Abend und sagte »Tschüss, Ihr zwei.« zu den beiden laufenden Metern.
Ausstieg in Nürnberg. Viel Zeit bis zum nächsten Zug Richtung Erlangen, 20 Minuten (der Zug kam gegen 19:55 in Nürnberg an). In der Mittelhalle wunderte ich mich über zwei lange Schlangen an den beiden ServicePoint-Schaltern, die bis zur Rolltreppe ins Untergeschoss reichten (das sind sicher mehr als zehn Meter). Ich ging auf Gleis 4, an dem um 20:16 die RB mit Ankunft 20:41 in Erlangen abfahren sollte sowie anschließend der ICE um 20:33 mit Ankunft 20:46. Einige Reisende am Bahnsteig, teilweise Wartende auf die RegionalBahn, aber auch Leute mit Koffern, die mutmaßlich mit dem ICE weiter in Richtung Leipzig fahren wollten. 20 Uhr 15, die Anzeige der RB-Abfahrt verschwand und die Anzeige des ICE wurde aufgeblättert; ohne, dass bisher eine RB mit planmäßiger Ankunft in Nürnberg um acht nach acht eingefahren wäre. Verwunderung. Eine Durchsage, die, wenn ich mich richtig erinnere, den Ausfall des ICE wegen eines Oberleitungsschadens bekannt gab. Kurz darauf kam ein Service-Mitarbeiter der DB auf den Bahnsteig und fragte die leicht ungehaltenen Kunden nach dem Reiseziel. Erlangen? Mit der U-Bahn U1 nach Fürth fahren und am Fürther Hauptbahnhof aussteigen; die Züge würden in Fürth warten. Ein Reisender willigte mit Vorbehalt ein: »Für die U-Bahn zahl’ ich aber nix!« Der DB-Mann: »Da müssen Sie nichts zahlen, die U-Bahnen wissen Bescheid.« Ich ging zusammen mit den anderen Fahrgästen runter vom Gleis. Wir gingen zurück in Richtung Mittelhalle und begaben uns ins Untergeschoss. Zwei Zugbegleiter folgten uns in den Untergrund und fuhren dann auch in der U-Bahn bis Fürth mit.
Mir schräg gegenüber im U-Bahn-Wagen eine Frau Mitte Dreißig, die ebenfalls auf dem Gleis für den ICE stand. Neben Ihr auf dem Boden stand ein Koffer. Offenkundig stammte sie nicht von hier: sie sah sich kaum merklich um und knetete ein wenig ihre Hände. Ich kann mir vorstellen, dass das die Situation nicht gerade angenehm für sie sein müsste: Wenn ich mit dem ICE durch fremde Städte fahre sieht ein Hauptbahnhof aus wie der andere. Durch meine 2-jährige Springertätigkeit für die Bank kam ich viel rum. Zwischen Mai 2000 und Juli 2002 kam ich mal nur für einen Tag, öfter ein oder zwei Wochen, manchmal auch bis zu drei Monate am Stück in viele Städte: Amberg, Bayreuth, Augsburg, München, Ludwigshafen, Schweinfurt, Karlsruhe und ab und an arbeitete ich sogar mal »daheim« in Nürnberg bzw. Erlangen. Von den Kollegen bekam ich bei einem ersten Besuch immer exzellente Wegbeschreibungen vom Bahnhof zur Filiale, ein Hotel wurde für mich reserviert und war manches Mal nur zwei Kreuzungen weiter; beim nächsten Aufenthalt in der selben Stadt fand ich mich selbst wieder zurecht, reservierte meine Hotels selbst und alles war problemlos. Aber wäre ich z.B. als Ortsunkundiger mal in die Situation gekommen, ich hätte von Ludwigshafen nach Mannheim mit der Straßenbahn fahren müssen, hätte ich auch erstmal geschaut. Wo wegfahren, mit welcher Linie, in welche Richtung, wie heißt die Ausstiegshaltestelle, wo muss ich dann hin? Alles handhabbar, aber erstmal ungewöhnlich (tatsächlich musste ich bei meinen Einsätzen in Ludwigshafen mit der Straßenbahn vom Mannheimer Bahnhofsvorplatz aus nach Ludwigshafen »über die Brück’« fahren, war aber problemlos).
Ausstieg in Fürth. Ich ging in Richtung der Bahngleise und sah von unten die Treppe hoch auf die Anzeigetafeln. Ein ICE wartete nirgends und so ging ich auf Gleis 1, denn dort wurde für 20:56 der RE nach Erlangen angekündigt. Viele Menschen auf dem Gleis. Es strömten noch einige hinzu, auch die Frau aus der U-Bahn war wieder da. Drei Minuten später kam es zu einem kurzen Tumult zwischen Reisenden und den ebenfalls am Bahnsteig wartenden Zugbegleitern. Eine Frau bat darum, doch endlich mal klar zu sagen, was Sache sei. Ein ZuB, bei dem die Nerven auch schon blank lagen gab zurück, man möge doch mal Lautsprecher-Durchsagen abwarten und dann zuhören, dann erführe man schon, was los sei. Sprach’s und just darauf wurde der Fahrtziel-Anzeiger aktualisiert (»Abfahrt 21:00, Ansage beachten« ohne Angabe eines Fahrtziels oder einer Zugart) und es folgte eine Ansage: Auf Gleis 1 führe in wenigen Minuten der ICE aus Nürnberg Richtung Leipzig ein. Und dass dieser Zug mit allen Fahrscheinen aufschlagsfrei benutzt werden kann. Die für den aufgerufenen Zug zuständigen ZuBs packten ihre Sachen zusammen und sagten den Leuten beim Einsteigen des kurz darauf einfahrenden ICE, dass auch die erste Klasse freigegeben sei.
Ich blieb im Eingangsbereich stehen, ich wollte ja zehn Minuten später am nächsten Halt wieder aussteigen. Mit mir nahe der Tür: Eine junge Frau um die 25, ein Mädchen um die 18 und eine ältere Frau jenseits der 60. Sie sah einen älteren Mann am Bahnsteig herumirren und fragte ihn, wo er hin wolle. »Erlangen? Steigen Sie hier ein.« Sie zog auch noch einen Ausländer in den Zug, der zögerlich nach einem Zug nach Forchheim fragte und empfahl ihm, in Erlangen auszusteigen und dort zu warten, dann sei er zumindest schon mal weiter (was richtig war, denn Erlangen ist vor Forchheim der nächste RE-Halt, aber im Nachhinein überlegte ich ob es vielleicht nicht gescheiter gewesen wäre, mit dem ICE bis Bamberg zu fahren und dann zurück nach Forchheim, wenn aus Nürnberg keine Züge mehr abfuhren. Egal.
Ankunft in Erlangen um 21:15. Ich ging zu meinem Rad, sperrte auf und fuhr heim. Noch nicht gleich; ich setzte noch den 10-Euro-Gutschein beim Griechen in Frauenaurach um (tatsächlich muss ich ihn demnächst in einem ReiseZentrum in Bargeld umtauschen). Eine laue Nacht; ich saß draußen im Hinterhof. Richtig angenehm, in Ruhe zu essen. Es waren nur noch zwei weitere Gäste anwesend und es war sehr ruhig. Alle Viertelstunde schlugen die Glocken der benachbarten Kirche die Zeit an.
Daheim gegen 22:30 Uhr. So gesehen kam ich mit einer halbstündigen Verspätung heim, hätte ich den geplanten ICE um 18:48 ab München genommen.
So war’s der verspätete 17:44-ICE, der gegen 18:15 abfuhr und ich erlebte an einem Abend eine Menge.
+++
Über die Hinfahrt am Dienstag gibt’s nichts besonderes zu berichten. Dienstags fährt auf der Strecke um die Zeit 11:09 immer nur ein ICE-T-Halbzug, montags sind’s zwei gekoppelte Halbzüge. Es war recht voll und ich stand bis Nürnberg, um nach dem Aussteigen zahlreicher Fahrgäste einen optimalen Platz zu bekommen. Mit mir im Einstiegsraum kurz vor Nürnberg: Eine ältere Frau, die sich zum Verlassen des Zuges in Nürnberg bereit machte. Ich dachte, ich sehe nicht richtig: Sie trug eine schwere Jacke, aus irgendeinem Kunststoff. Eine Jacke, in der man schon in der »Übergangszeit« schwitzt, aber heute hatte es ja 30 Grad. Für ihre Kleidung war sie aber noch recht munter. Der kontrollierende ZuB erkannte meine vorläufige BC100 auf den ersten Blick.
Im Münchner Hauptbahnhof mit plus 10 Minuten angekommen. Eine Mehrwegflasche zurückgegeben, bei Yorma’s eine neue Wasserflasche gekauft, dann runter in die S-Bahn. Fünf Minuten später fuhr die S7 Richtung Perlach ab.
Nach der SAE ein kurzer Abstecher bei Holger und Stefie in der Wohnung. In diesen Tagen klagen viele Leute über ihre Dachgeschoss-Wohnung, aber bei den beiden ist es angenehm: Frisch renoviert und neu isoliert, außerdem kann man auf beiden Seiten die Fenster so öffnen, dass es einen Durchzug gibt. Die Wohnung ist ein Traum, aber ich überlegte mir heute, ob ich sie an ihrer Stelle nicht genommen hätte. Die perfekte Wohnung, aber mit einem K.O.-Argument: Fünfter Stock ohne Aufzug (und die Treppen sind auch noch aus Holz; wenn’s da mal brennt, ist das Treppenhaus das erste, was weg ist).
Wir unterhielten uns etwas und Holger half mir bei der Nachbearbeitung eines Videos in After Effects (Helligkeit, Sättigung). Dieses Programm ist der Hammer: Würde ich mehr mit Video machen, wäre das ein ganz klares muste-have, aber sowas von.
Den 18:48-Zug erwischte ich nicht mehr. Abendessen bei McDonald’s Nähe Ostbahnhof. Mit der S-Bahn um halb sieben zurück zum Hauptbahnhof, bei Yorma’s noch schnell die Flasche vom Mittag abgegeben, und ein neues Wasser gekauft. Den ICE1 von Gleis 14 um 19:45 erreichte ich noch knapp, er fuhr pünktlich ab. Im Zug schrieb ich auf dem iBook an diesem Eintrag; links neben mir, auf der anderen Sitzbank, packte ein Mitdreißiger ebenfalls ein iBook aus, allerdings noch ein dunkelgrünes der alten Generation der Klobrillen-iBooks. Hier konnte man mal den Einwand, die Barbie-Handtasche passe nicht zu einem Geschäftsmann, live in Aktion erleben. Das Ding sieht einfach scheiße aus und Apple hat sich im Sommer 2001 mit dem neuen Tupperschachtel-iBook eines besseren besonnen (von denen habe ich eines).
Der Mann hinter mir, der mehrmals mit seinem Handy telefoniert hat, war ziemlich genervt: Irgendeine Tasche (Aktenkoffer?) blieb liegen, sein Geldbeutel ist weg und irgendein Wisch von einem Makler war in der Tasche drin, wohl wichtiger. Das Ding ist wieder aufgetaucht und er managete die Rückführung zu ihm. Zum Schluss der Fahrt war er dann fertig mit den Nerven, und auch ich war etwas ungehalten.
Das ging so: Der ICE 986 schlich über die Gleise durch die Nacht (ist Euch schon aufgefallen, dass es jetzt wieder früher dunkel wird?). Er hielt nicht nur planmäßig in Augsburg und Donauwörth, sondern auch außerplanmäßig in Treuchtlingen und Pleinfeld. Um 21:30 hätte er eigentlich in den Nürnberger Hauptbahnhof, dem Endbahnhof, einfahren sollen, aber zu der Zeit hielt er erstmal kurz vor Nürnberg, an der S-Bahn-Station Schwabach. Und hielt. Und hielt. Und hielt. Durchsage des ZuB: Wegen eingleisiger Strecke und Zugfolge verzögere sich die Weiterfahrt. Wir standen geschlagene 50 Minuten in Schwabach. Die Entscheidung der Transportleitung, erst drei entgegen kommende Bummelzüge und einen Güterzug durchfahren zu lassen, statt den ICE die letzten zehn Minuten zum Hauptbahnhof fahren zu lassen, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.
Statt um 21:32 fuhr der ICE um 22:20 in den Nürnberger Hauptbahnhof ein. Ansage des ZuB der Anschlusszüge: Nächste Reisemöglichkeit Richtung Erlangen um 22:44 Uhr. Super-geil. Um 22:44 fuhr der IC 2165 natürlich nicht ab (nett, wie sich die ZuBine bei einem Anruf auf ihrem Diensthandy meldete: »Der 2165?«). Der Zug legte um 23:11 ab und kam um kurz vor halb zwölf in Erlangen an statt um 23 Uhr. So brauchte ich für eine Strecke, die normalerweise in zwei Stunden zurückgelegt werden kann, tatsächlich knapp vier Stunden.
Die ZuBine gab mir auf Anfrage die Auskunft, dass die Strecke deswegen nur eingleisig befahrbar sei, da mittags wieder die Oberleitung runtergekommen ist, die gestern schon mal abgestürzt war (und mir eine halbe Stunde Verspätung einbrachte).
Die erste Woche mit der Netzkarte fing gut an.
Ich überlege noch, ob ich einen Beschwerdebrief an die Transportleitung schreiben soll. Höhere Gewalt schön und gut (die Oberleitung wurde doch außerdem gestern repariert?), aber musste das sein, uns über eine 3/4 Stunde kurz vor dem Zielbahnhof in der Pampa rumstehen zu lassen?
Drei Verspätungsgutscheine zu je 10 Euro sollten bei fast zwei Stunden Verspätung eigentlich drin sein.
Erschienen am
Mittwoch, 06.08.2003 @ 15:03
Tags: Leben
