Montag, 11.08.2003
A Pocket full of Kryptonite
Ich bin noch einen Eintrag zur SAE von letztem Montag und Dienstag schuldig (4. und 5. August).Über die Ereignisse abseits der SAE habe ich bereits im Beitrag »Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was berichten« geschrieben.
Es handelte sich um den letzten Unterricht im 3-monatigen BMC-Level, dem Basic Media Certificate, mit dem Thema »Video«. Zum Glück fand der Unterricht diesmal nicht in der Multimedia-Abteilung im ersten Stock ohne Klima-Anlage und zwei bis vier wegen der Hitze abstürzenden PCs statt, sondern in der DFP-Abteilung im dritten Stock. Der Unterrichtsraum bei den »Digital Film Program«-Leuten hat eine Klima-Anlage.
Wir nahmen vor AMD-PCs mit W2K und 256 MB RAM Platz und Robert (?) führte uns in die Geheimnisse von After Effects ein. Wir Multimedia-Leute behandeln Video-Themen genau wie Audio-Themen eher oberflächlich; für die Tiefe gibt es in den Bereichen Audio und Video ja eigene Kurse. Während man sich im Erdgeschoss bei den Audios zum Tontechniker ausbilden lassen kann, lernen die DFPler auch den Umgang mit verschiedenen Schnitt-, Compositing- und 3D-Programmen, von Premiere und Avid über After Effects und Shake bis hin zu Cinema 4D, Maya und Softimage.
Wir bekommen an diesem Tag nur einen kurzen Einblick in After Effects und am Dienstag in Premiere. Im CMD-Kurs ab August wird es aber längere Unterrichtseinheiten zur Vertiefung dieser beiden Programme geben (und Cinema kommt glaube ich auch nochmal kurz dran).
Zu Beginn ein wenig Theorie zu Video, Fernsehbildern und Fernsehnormen, bevor es mit der Vorstellung der Oberfläche von After Effects los ging, inklusive Erklärung des Begriffs »Compositing«. Im weiteren Verlauf erstellten wir eine einfache Animation (verschiedene Transformationen eines Balls mit einem Strich am Äquator, später auch mit Bewegung von A nach B). Nach den Grundlagen erstellten wir ein einfaches Compositing: Ein Bild eines Autos sollte in Photoshop zunächst freigestellt und dann in After Effects vor dem Bild eines Parkplatzes mit Bäumen am Rand eingefügt werden. In einer Animation fiel der Wagen aus einiger Höhe nach unten auf den Boden und wurde dabei etwas deformiert. Dann waren die drei Stunden auch schon wieder rum!
Am Dienstag den 5. ging es – wie gesagt – um Premiere. Einige Worte zu Video, DV und Kompressionen, die wichtigsten Programm- bzw. Projekt-Einstellungen und auch hier eine Vorstellung der Oberfläche. Zwischendurch schaute Alex mal rein und gab uns einige Tipps zur bevorstehenden Prüfung. Anschließend ging es in Premiere mit der Timeline weiter und einigen wichtigen Werkzeugen/Arbeitsweisen. Wir importieren einige Clips aus dem Netzwerk (zum Capturen von einer DV-Kamera kamen wir nicht mehr), arrangierten diese und versahen sie mit Überblendeffekten. In diesem Zusammenhang fielen natürlich das Stichwort »Rendern«. Kurz vor Schluss zeigte uns Jochen (heute ein anderer Dozent) noch den Titelgenerator und das Exportieren aus Premiere heraus zur Weiterbearbeitung eines, z.B. Quicktime-Films in After Effects, Flash oder wo auch immer.
Insgesamt recht interessant. Premiere hat mich positiv überrascht, da ich niemanden kenne, der Premiere verwendet (muss wohl so eine Art Corel Draw unter den Video-Programmen sein). Bekannte greifen entweder zu größeren und teureren Lösungen wie Final Cut, sei es nun FCE oder FCP, oder missbrauchen After Effects auch als Schnittprogramm. Insofern war es eben überraschend zu sehen, dass Premiere ziemlich viele Möglichkeiten bietet und auch professionell daher kommt.
After Effects hat mich begeistert. Weniger das, was wir in der SAE zu sehen bekamen, das waren ja nur Grundlagen, wenngleich das Compositing viele Möglichkeiten bietet. Hin und weg war ich, als ich am Dienstag nach der SAE noch bei Holger vorbeischaute, der mir in After Effects einige Kniffe zur Bearbeitung eines Videos für mein BMC-Abschlussprojekt zeigte. Aus einem dunklen Video mit Schatten der Raumbeleuchtung in den Ecken wurde ein helles Video ohne jegliche störende Schatten. Die aufgenommene Person wurde von einigen weißen Flächen in After Effects umgeben, anschließend etwas an Helligkeit und Sättigung gedreht, fertig. Sagenhaft!

Links die Original-Videoaufnahme, rechts nach der Bearbeitung durch After Effects (verkleinerte Darstellung).
Dank an Klaus Keppler, der sich für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt hat. Unglaublich, was man aus so einer Aufnahme noch rausholen kann. Die Aufnahmebedingungen waren ziemlich suboptimal: Ein Konferenzraum ohne besondere Ausleuchtung, nur die normalen Deckenlichter.
Nachtrag (02:45 Uhr): Alex erklärte uns auch, welche Konsequenzen ein Nichtbestehen der Prüfung hätte. Erstmal keine, das wussten wir auch schon zu Beginn des Kurses. Um mit dem CMD-Level weitermachen zu können, muss man die BMC-Abschlussprüfung nicht bestehen. Falls man nachher mit dem BA (Bachelor of Arts) weitermachen möchte, sieht das schon anders aus: Ein bestandener BMC (=Prüfung über 70%) liefert 30 credit points, die man für den BA braucht. Es gäbe aber im Falle eines Falles später noch die Möglichkeit, die Punkte über eine Art Nachprüfung wieder reinzuholen.
Wegen meiner vergeigten HD-Recording-Übung habe ich auch nachgefragt: Im Prinzip erstmal Pech, Deadlines sind Deadlines. Wie sich das konkret auswirkt werde ich sehen, wenn das Ergebnis der Abschlussprüfung vorliegt. Evtl kann mir die fehlende Übung egal sein (nicht rechtzeitig zum Termin abgeliefert bedeutet »nicht bestanden«), kommt auf das Ergebnis der Prüfung an. An sich sind 10 Prozentpunkte Abzug von der Note pro nicht abgelieferter bzw. nicht bestandener Übung vorgesehen. Wenn ich in der Prüfung 80% schreibe, ist mir das egal. Wenn nicht, hilft mir evtl noch der Audio-Zwischentest in irgendeiner Weise, in dem ich 90% gehabt habe. Falls alles Stricke reißen und ich den BMC nicht erfolgreich abschließe, wird’s wie gesagt erst wieder zum BA-Kurs interessant.
Erschienen am Montag, 11.08.2003 @ 2:18
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