Sonntag, 28.09.2003
- Letzte Zigarette: Die beiden ersten und letzten Züge auf einer Party, als ich 14 war. Ziemlich genau elf Jahre her.
- Letzte Autofahrt: Keine Ahnung. Irgenwann letzte oder vorletzte Woche? Letzte Radfahrt: Vor acht Stunden aus der Stadt nach Hause, mit defektem Frontstrahler. Muss ich Mittwoch reparieren lassen und bis dahin doch nochmal ein Akkulicht aufschrauben.
- Letzter Kuss: Länger her. :-(
- Letzter Weinkrampf: Juli.
- Letztes Buch: Durchgelesen: »Flug 2039« von Chuck Palahniuk. Aktuell: DWWS von Jeffrey Zeldman. Komme gut voran; auf einer Zugfahrt Erlangen-München lassen sich 50 bis 70 Seiten lesen.
- Letzter Film: »Fluch der Karibik«, fand ich schlechter als erwartet.
- Letztes benutztes Schimpfwort: Scheiße.
- Letztes Getränk: O-Saft.
- Letztes Essen:: Bolognese-Pizza.
- Letzter Anruf: Habe meine Mailbox angerufen.
- Letzte Sendung im TV: »24« am Freitag-Abend, die Folgen 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr. Allerdings nicht direkt, sondern auf Video in den Morgenstunden des Samstag, bevor ich nach München gefahren bin (bin am Freitag um 23 Uhr aufgestanden).
- Letzte Dusche: Samstag früh um 05:45 Uhr. Die nächste in ein paar Stunden (heute muss ich niemanden damit wecken).
- Letzte CD: Gekauft: Die Single von Mel Cs neuem Song »Yeh! Yeh! Yeh!«. Hat Drive. Aktuell spielt iTunes die Scheibe »The Art of Trio Vol. 3« von Brad Mehldau. Sonntag-früh-aufsteh-Musik. Letzte CD im CD-Player gehört: Vor ein paar Monaten.
- Letzter gekaufter Gegenstand: Eine Halbliter-Glas-Mehrwegflasche Original-Spezi in der SAE in München.
- Letztes Mal aufgeregt wegen: Dass inzwischen sogar schon Maxi-CDs mit einem Kopierschutz versehen sind (Mel C, siehe oben).
- Letzte Enttäuschung: Weiß ich nicht mehr. Ich bin nicht all zu nachtragend.
- Letzte Worte: Gestern um 20:30 Uhr: »Ich geh’ jetzt ins Bett, weckt mich bitte nicht mehr.«
- Letzte sexuelle Fantasie: Die Freundin einer Freundin.
- Letzte merkwürdige Begegnung: Auf Klaus’ Party, Samstag vor einer Woche.
- Letztes Mal amüsiert: Gestern in der SAE ging’s ziemlich lustig zu. :-)
- Letztes Mal verliebt: Diesen Sommer, im Juni/Juli.
- Letztes Mal umarmt: Kürzlich erst, Verabschiedung unter Freunden.
- Letztes Mal getanzt: Mit 14 bei meinem Versuch, einen Tanzkurs mitzumachen. Wir wollen’s dabei bewenden lassen, ist besser für die Menschheit.
- Letztes Konzert: Uhh, ganz lange her, paar Jahre. Ich bin nicht so der Konzertgänger. Könnte Mark Knopfler in der Fürther Stadthalle gewesen sein. 1996. War gut!
- Letzte Website besucht: Daring Fireball.
Gesehen bei dekaf, Neunvolt-Blog und Snap Stuff.
Erschienen am Sonntag, 28.09.2003 @ 4:38
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Tags: diverse, Film-und-Fernsehen
Ich war diese Woche weder Montag noch Dienstag in der SAE: Am Montag bin ich zehn Minuten zu spät aufgestanden, und das hat bei meinem Anreiseweg gleich enorme Auswirkungen (Stunde später ankommen, und dann ist eben schon eine von drei Stunden Unterricht weg). Am Dienstag ging es meinem Magen und mir nicht so prima.
Aber glücklicherweise gibt es ja noch eine zweite CMD-Klasse am Samstag, die den selben Stoff durchnehmen wie die Montag-Dienstag-Leute, nur dass sie es in sechs Stunden am Stück durchziehen.
Gestern gab es die zweite und letzte Woche DTP-Unterricht bei Caro, die uns in die Geheimnisse von InDesign einführte. Am Vormittag stand eine längere Übung auf dem Plan: Wir konnten wahlweise Geschäftspapiere (Briefpapier, Visitenkarten…) oder etwas in Richtung Flyer basteln. Ich fing einen Geschäftsbrief an, aber wechselte dann doch schnell das Thema und versuchte mich an einem Veranstaltungsplakat.
Zu Beginn bekamen wir von Caro allerdings noch einige Infos zum Thema Briefpapier: Wie viel Platz wir für den Lochrand berücksichtigen müssen, wo die Falzmarken stehen, wo sich das Fenster befindet und das selbe für ein DIN-lang-Kuvert.
Mein Ergebnis von Samstag-Vormittag.Die Übung war sehr nützlich, um mit InDesign etwas vertrauter zu werden: Das Arbeiten mit den Hilfslinien, dem Align-Panel (»Use Spacing« für »Distribute Objects« ist der Hammer, aber leider keine Selbstverständlichkeit) und den Textwerkzeugen.
Vor der Pause informierte uns Caro noch über den Prüfungsstoff: relativ umfangreich.
Wer mag, kann sich mein Veranstaltungsplakat von meiner »dienstlichen« Website freimark.de runterladen:
Einige Hinweise dazu:
Bitte beachten, dass das Plakat in nur rund zwei Stunden entstanden ist und ich kein InDesign-Crack bin (dafür finde ich es aber durchaus gut). Die Schriftauswahl war nicht so prickelnd; eine Helvetica gab’s nicht, daher Arial. Das Format hat nicht wirklich Plakatgröße, sondern ist nur A3. Dass viel Schrift in den Anschnitt geht (»an den Rand«), ist Absicht; bei runden Formen wie z.B. dem »e« oder dem »o« von »e-werk kino« oder der »2« des Datums unten vielleicht nicht ganz so geschickt (man kann es nicht genau bündig abschließen lassen, da immer 3 mm Beschnittzugabe berücksichtigt werden müssen; die Druckerei kann das Papier nicht auf den Milimeter genau bedrucken und zuschneiden). Die knalligen Farben sind dem CD des E-Werks Erlangen entnommen. Die vier kleinen Filmplakate selbst stammen von den DVD-Covern der jeweiligen Filme (von amazon.com)
Übrigens startet der nächste Film der Coen-Brüder, »Intolerable Cruelty« (Trailer), hierzulande am 23. Oktober. Mitwirkende: George Clooney, Catherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush.
Nach der Pause sprachen wir die Entwürfe von jedem durch (alle zehn Leute haben was gebastelt) und begannen dann eine neue Übung, die unserer Pflichtübung sehr ähnlich ist (in der wir ein Cover und ein wenig Innenteil der Zeitschrift Novum setzen müssen).
In dieser Übung am Nachmittag setzten wir einen Katalog für das dänische Möbelhaus Brøste Design – zumindest begannen wir damit. Ich schrieb viel mit, da es eine Menge an Einzelschritten gibt: Vom Beginn des Dokuments über das Zeichnen und Positionieren von Elementen, Textrahmen und den inzwischen bekannten Paragraph Styles sowie das Anlegen von Tabellen und einem automatischen Inhaltsverzeichnis.
Der Collegeblock ist bald wieder voll; im BMC-Kurs habe ich genau einen verbraucht…
Zwei Dinge habe ich gestern festgestellt:
Erstens: Es geht nichts über eine hohe Bildschirmauflösung. In der SAE wird es an den 15-Zöllern (Röhre) mit 1.024×768 bei Paletten-intensiven Programmen wie InDesign, Photoshop oder Flash schnell eng. Daheim mit 17er TFT und 1.240×1.024er Auflösung ist das schon angenehmer, aber glücklich werde ich wohl erst mit einem 20er Display mit 1.680×1.050 an meinem nächsten Rechner, wenn ich mal wieder zu Geld komme (zuvor will ich aber meinen Auszug finanzieren um nicht ewig daheim zu wohnen; sprich: das kann noch etwas dauern mit dem neuen Rechner).
Das andere: Samstags in der SAE ist es durchaus nett. Der Kurs ist nicht so voll (in diesem Kurs 10 statt 18 Leute) und es ist recht entspannt. Arbeiten unter der Woche ist wohl auch einfacher, da man prinzipiell Montag bis Freitag zur Verfügung steht. Für mich ist der CMD am Samstag dennoch keine Alternative, da ich an diversen Samstagen an der FOS in Fürth zwecks Erlangung des Fachabis mittels Telekolleg anwesend sein muss. Außerdem kann bei sechs Stunden Stoff schon mal die Aufmerksamkeit nachlassen, es gibt keine Chance einen verpassten Tag zu wiederholen (ich kann noch samstags rein, wenn ich montags oder dienstags mal nicht komme) und die Samstagler haben theoretisch für die Erledigung der Pflichtübungen vier Tage weniger Zeit. Aber es kann auch Vorteile haben, falls sich das jemand überlegt…
Letzte Worte
Von Roland zu einer offenbar zu spät gekommenen BMC-Studentin, die sich in der Tür geirrt hat:
»Du bist Biene-Maja-Curs. Hier ist Willy-Kurs.«
Erschienen am Sonntag, 28.09.2003 @ 4:47
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Tags: dtp, SAE
»Wenn du das hier lesen willst, spar dir die Mühe.
Nach ein paar Seiten wirst du nur noch weglaufen wollen. Also vergiss es. Geh. Verschwinde, solange du noch kannst.
Rette dich.
Im Fernsehen läuft bestimmt was Besseres. Oder vielleicht solltest du, wenn du schon so viel Zeit übrig hast, zur Abendschule gehen. Arzt werden. Du könntest etwas aus dir machen. Gönn dir einen Restaurantbesuch. Färb dir die Haare.
Du wirst schließlich auch nicht jünger.
Was sich hier abspielt, wird dich erst einmal ankotzen. Und von da an wird es immer nur noch schlimmer.«
Es lohnt sich dennoch, nach der einleitenden Warnung von Chuck Palahniuk in seinem Buch weiterzulesen. Im Urlaub las ich »Der Simulant« von ihm, das ich mir bereits vor dem Urlaub gekauft habe.
»Der Simulant« handelt von einem Typen namens Victor Mancini, dessen Leben von zwei Wünschen beherrscht wird: Schnelles Geld und schneller Sex. Er hat äußerst ungewöhnliche Methoden entwickelt, um von beidem möglichst viel zu bekommen, heißt es im Klappentext. Geld verdient Victor auf zwei Arten: Erstens als Mitarbeiter in einem Freilicht-Museum, das ein Dorf aus dem 18. Jahrhundert nachbildet. Zweitens, indem er in Restaurants Erstickungsanfälle vortäuscht (daher der Titel »Der Simulant« bzw. im englischen Original »Choke«): Seine Retter schicken ihm anschließend Geld, um ihn nach seinem Beinahe-Tod zu unterstützen. Das Geld braucht er, um einen Pflegeheimplatz für seine psychisch kranke Mutter bezahlen zu können.
Den Sex holt er sich in einer Selbsthilfegruppe der Anonymen Sexsüchtigen:
»Diese Leute sind Legende. Von jedem dieser Männer und Frauen hast du schon jahrelang gehört.
In den Fünfzigerjahren wurde von einem Staubsaugerhersteller eine kleine technische Neuerung eingeführt, ein winziger, rasiermesserscharfer Propeller, der, ins vordere Ende des Schlauchs eingebaut, von der einströmenden Luft in Rotation versetzt wurde und Flusen, Fäden oder Haustierhaare zerkleinern sollte, die sonst den Schlauch verstopfen könnten.
So jedenfalls war es gedacht gewesen.
Aber viele dieser Männer hier sind mit zerfleischtem Schwanz in die Unfallstationen der Krankenhäuser gekommen.
Jedenfalls den Gerüchten nach.
Oder nehmen wir die alte Stadtlegende von der Überraschungsparty für die hübsche Hausfrau: Ihre Freunde und Angehörigen verstecken sich in einem Zimmer, und als sie rausplatzen und "Glückwunsch zum Geburtstag" rufen, liegt die Frau auf dem Sofa und lässt sich von ihrem Hund gerade Erdnussbutter zwischen den Beinen weglecken…
Tja, diese Frau gibt es wirklich.
Oder die sagenumwobene Frau, die ihrem Freund beim Fahren einen bläst; plötzlich verliert er die Kontrolle über den Wagen und tritt so hart auf die Bremse, dass sie ihm ein Stück abbeißt. Ich kenne die beiden.
Diese Männer und Frauen sind alle hier.
Diese Leute sind der Grund, warum es auf jeder Notstation einen Bohrer mit Diamantspitze gibt. Damit werden die dicken Böden von Sekt- und Seltersflaschen angebohrt. Um den Unterdruck aufzuheben.
Das hier sind die Leute, die nachts ins Krankenhaus wanken und behaupten, sie seien ausgerutscht und auf eine Zucchini gefallen, auf eine Glühbirne, eine Barbiepuppe, auf Billardkugeln, auf eine Wüstenspringmaus.
Siehe auch: Billardstock.
Siehe auch: Kuschelhamster.
Sie sind in der Dusche ausgerutscht und haargenau auf eine glitschige Shampooflasche gestürzt. Ständig fallen irgendwelche Unbekannten über sie her und attackieren sie mit Kerzen, Basebällen, hart gekochten Eiern, Taschenlampen und Schraubenziehern, die dann entfernt werden müssen. Hier sind sie, die Männer, die in der Zulaufdüse ihes Whirlpools stecken bleiben.«
[...]
»Und die Cheerleaderin, aus der man, als man ihr den Magen auspumpt, ein Pfund Sperma zu Tage fördert. Sie heißt LouAnn.«
[...]
»Und dann die Ratgeber für Sexsüchtige, die sie hier verkaufen: Da werden Praktiken beschrieben, von denen man schon immer geträumt hat. In Wirklichkeit soll einem das natürlich zu erkennen helfen, dass man sexsüchtig ist. Es gibt da so eine Art Checkliste, ähnlich wie: Wenn Sie eine der folgenden Verhaltensweisen haben, sind Sie vermutlich Alkoholiker. Ich denke da an hilfreiche Hinweise wie diese:
Entfernen Sie das Futter aus Ihrem Badeanzug, damit Ihre Genitalien besser zu sehen sind?
Gehen Sie mit offener Hose oder Bluse in eine Telefonzelle, führen dort Scheingespräche und stellen sich dabei so hin, dass man von außen sehen kann, dass Sie keine Unterwäsche tragen?
Joggen Sie ohne BH oder Suspensorium, um Sexualpartner anzulocken?
Meine Antwort auf das alles ist: Ja, jetzt schon!«
Chuck Palahniuk spielt mit Tabus, und das durchaus humorvoll und detailreich ausgeschmückt (überhaupt schreibt Palahniuk sehr bildlich und beobachtet genau).
Victor erzählt dem Leser, was passiert, während es passiert. Der Leser erfährt eine Menge aus Victors Leben: seinen Tagesablauf, was er mag und was ihn abstößt, die Leute um ihn herum, seine drei Ticks. Einen davon habe ich oben schon zitiert: Victor Mancini zählt zu einem Beispiel oft zwei oder drei weitere auf und sagt: »Siehe auch«, häufig im Zusammenhang mit irgendwelchen Krankheiten und Krankheitsverläufen (er hat ein Medizinstudium begonnen, aber abgebrochen). Eine weitere ist zum Beispiel, dass er öfter irgendeine Handbewegung macht (z.B. zwei hochgestreckte Finger in Richtung Kneipenwirt) und im Buch heißt es: »Internationales Zeichen für: "Wir nehmen noch zwei."«
Außerdem beschreibt er oft etwas und versucht, ein passendes Wort zu finden, um dann zu sagen:
»"Held" ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt.«
In seinem Job als Dorfbewohner geht es nicht minder kurios zu und noch weniger keusch (»Die ganze Geschäftszeit über ist sie eine blaublütige Yankeefrau, das schon, aber hinter ihrem Rücken weiß jeder, dass sie auf der High-School in Springburg bei der ganzen Footballmannschaft als Aphrodite Saugglocke bekannt war.«). Sein Kumpan heißt Denny: Er arbeitet ebenfalls im Museumsdorf – er steht dort meistens am Pranger – und ist auch bei den Anonymen Sexsüchtigen. Er muss es sich fünfzehn Mal am Tag selbst besorgen, um den Tag zu überstehen. Mit der Zeit kommt er allerdings darauf, dass Steine zu sammeln eine gute Ablenkung ist.
»Wie ich Denny kenne, plant er wahrscheinlich schon, einen eigenen Planeten aufzumachen.«
[...]
»"Mann", sage ich. "Was soll der Stein da im Kühlschrank."
Denny ist in der Küche, er holt warme saubere Steine aus der Geschirrspülmaschine, trocknet sie mit einem Handtuch ab und sagt: "Weil das mein Fach ist. Hast du selbst gesagt." Er sagt: "Außderdem ist das nicht einfach ein Stein. Das ist Granit."«
Wenn Victor nicht gerade auf der Arbeit oder in seiner Freizeit mit Denny rumhängt oder in irgendeinem französischen Restaurant am Ersticken ist, besucht er seine Mutter im Pflegeheim. Dort trifft er auf Dr. Paige Marshall, in die er sich rettungslos verliebt. Und sie ist seine einzige Hoffnung herauszufinden, wer sein Vater ist. Seine Besuche werden häufiger und er versucht, mehr Zeit mit ihr zu verbringen.
Im »Simulant« gibt es vier Arten von Kapiteln.
- Victor erzählt von seiner Sexsucht
- Die Arbeit im Museumsdorf und Unternehmungen mit seinem Freund Denny
- Seine Besuche im Pflegeheim bei seiner Mutter und bei Dr. Marshall
- Rückblenden auf seine Kindheit
In seiner Kindheit lebte Victor oft bei Pflegefamilien, da seine Mutter damals schon verrückt war. Ihr gelang es jedoch öfter, ihn kurzzeitig zu entführen, um ihm die wirklich nützlichen Dinge im Leben beizubringen (davon erzählt die vierte Art der Kapitel):
»"Wenn du mal im Hard Rock Café bist", erzählt sie ihm, "und es kommt die Durchsage: ‘Elvis hat das Haus verlassen’, dann bedeutet das, dass alle Kellner in die Küche kommen und sich erklären lassen sollen, welches Tagesgericht ausverkauft ist.
So was sagen dir die Leute, wenn sie nicht mit der Wahrheit rausrücken wollen.
In einem Broadway-Theater bedeutet die Durchsage: ‘Elvis hat das Haus verlassen’, dass Feuer ausgebrochen ist.
Wird in einem Lebensmittelladen Mr. Cash ausgerufen, ist in Wirklichkeit ein Wachmann gemeint. ‘Aufsicht zur Damenbekleidung’ bedeutet, dass dort jemand etwas geklaut hat. In anderen Geschäften wird eine nicht existierende Frau namens Sheila ausgerufen. ‘Sheila zum Eingang’ bedeutet, dass jemand im Eingangsbereich beim Diebstahl beobachtet wurde. Mr. Cash und Sheila und Schwester Flamingo bedeuten immer was Schlechtes."
Die Mutter stellte den Motor ab und legte eine Hand oben aufs Steuerrad; mit der anderen Hand schnippte sie und ließ den Jungen wiederholen, was sie ihm beigebracht hatte.«
[...]
»"In der Schule lernst du nur unwichtiges Zeug", sagte sie. "Aber was du hier bei mir lernst, kann dir mal das Leben retten."
Sie schnippte mit den Fingern. "Mr. Amond Silvestiri?", sagte sie. "Was musst du machen, wenn er ausgerufen wird?"
Auf manchen Flughäfen bedeutet das einen Terroristen mit einer Bombe. "Mr. Amond Silvistri, Ihre Gruppe erwartet Sie an Flugsteig 10 in Halle D" bedeutet, dass die Leute von der Spezialeinheit dort den Verdächtigen finden werden.«
Mehr sei an dieser Stelle mal nicht verraten. Das Buch lohnt sich, wenn man etwas für skurrile Charaktere und Geschichten übrig hat und man eine ordentliche Portion Sarkasmus und schwarzen Humor vertragen kann.
Man liebt dieses Buch, oder man hasst es.
In der Mitte hängt es mal durch, aber zum Schluss hin wird es nochmal richtig fulminant, mit einigen starken Kapiteln. Beispielsweise das ganze Kapitel 27 (das »Rollenspiel«) oder Kapitel 28 (der Klassenausflug ins Museumsdorf). Exzellent auch das komplette Kapitel 40 (Sex im Flugzeug).
»Auf dem Spiegel entdeckst Du einen Fußabdruck, in zwei Metern Höhe, oben am Rand des Spiegels den gewölbten Abdruck eines kleinen nackten Frauenfußes, die fünf runden Zehen, und du fragst dich: Was war denn hier los?«
Mir hat das Buch sehr gefallen (es wurde mir von einem früheren Kollegen aus der Bank empfohlen) und ich habe mir daraufhin auch »Flug 2039« vom selben Autor gekauft sowie anschließend das englische Original von »Fight Club«. Zuvor kannte ich nur den gleichnamigen Film (zweimal im Kino gesehen und als Code 1- sowie Code 2-DVD bei mir im Regal), und den fand ich grandios. Wem »Fight Club« gefallen hat, kommt um den »Simulant« nicht herum: Genauso abgefahrene Typen in irrwitzigen Geschichten, präzise beobachtet und brillant erzählt.
Oder, wie es jemand in der Amazon.de-Rezension zu »Flug 2039« formulierte:
»Dieser Mann, Chuck Palahniuk, ist jeden Cent wert, den man zahlt, um an seine Bücher zu kommen. Er liebt Tabuthemen und er stampft darin herum, wie ein wild gewordener Elefant. Jede neue Veröffentlichung eine weitere skurrile Idee.«
Chuck Palahniuk, »Der Simulant«
Titel der englischen Original-Ausgabe: »Choke«
Goldmann-Manhatten; München, Mai 2002
318 Seiten, Paperback; 8,90 Euro
ISBN: 3-442-54166-2
Erschienen am Sonntag, 28.09.2003 @ 7:31
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Tags: Literatur, palahniuk