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Samstag, 11.10.2003

»Lex Stefan«

Verdammt! Verschlafen. Das passt ja prima, heute, da zum Beginn des Kollegtages 120 Minuten Englisch-Feststellungsprüfung anstehen. Wenn ich um ein paar Minuten zu spät aus dem Haus komme, hat das bei mir gleich große Auswirkungen: Samstags fahren die Busse nur einmal die Stunde von Vach gen Fürth, deswegen kam ich heute eine Stunde zu spät zur Prüfung (Bus um 08:17 statt 07:19 Uhr; Ankunft um 9 statt 8 Uhr).
Aber Frau K. drückte ein Auge zu und ich begann die Prüfung eine Stunde nach den anderen. Nachdem die Mitkollegiaten abgegeben hatten, erhielten sie fünf Minuten Pause bevor es bei Frau K. mit Geschichte weiterging, und währenddessen setzte sie mich ein Stockwerk höher in die Bibliothek, um mir Verlängerung zu geben. Eine Ausnahme, die in so einem Falle bei der Abiturprüfung nicht möglich sei.

Die Prüfung lief gut: Ich hätte eigentlich auch, wie die anderen, zwei Stunden schreiben können (für mich dann bis elf Uhr), aber ich war schon eine halbe Stunde vor der Zeit fertig. Ich sah sicher fünfmal die Unterlagen durch, ob es nicht noch eine Aufgabe E gibt, aber da war nichts.
Eine genaue Prognose, wie viele der 128 Punkte ich erreichte, wage ich nicht, aber ich habe ein gutes Gefühl. Nur so viel:

Note 1möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich
Note 2wahrscheinlich
Note 3wahrscheinlich
Note 4unwahrscheinlich

Die einzelnen Aufgaben waren:

54 zeiliger Text (auf A4), der Basis für die Aufgaben A und B war.
Aufgabe AQuestions on the text (6 Stück, insgesamt 48 Punkte)
Aufgabe BComposition or Letter (150 Worte mit je zwei Argumenten zu schreiben; 30 Punkte)
Aufgabe C»Structures and idioms« (Blatt musste mit abgegeben werden, war eine Einsetzaufgabe; 20 Punkte)
Aufgabe DVersion (Übersetzung Englisch-Deutsch eines elf-zeiligen Textes auf einem A4-Blatt; 30 Punkte)

Heute gab ich wieder drei Englisch-Hausaufgaben-Bögen ab, so dass ich jetzt auch da wieder laufend bin (waren die letzten drei des dritten Trimesters, die erste des laufenden vierten Trimesters sowie die rückständige erste des dritten Trimesters und letzte des zweiten Trimesters hatte ich schon letztes Mal abgegeben).

Von der heutigen Rest-Geschichtsstunde bekam ich nichts mit, zu BWL um kurz nach halb elf war ich wieder da. Wir beschlossen kollektiv auf Vorschlag von Herrn K., heute zwei Stunden abzuhalten und nächste Woche nur eine. Außerdem einigten wir uns darauf, die Pause ausfallen zu lassen, so dass für uns um 12 Schluss war.

Herrn K.s Unterricht ist sehr gut, muss man so sagen: Anschaulich, mit vielen Beispielen aus dem Leben und anschließender Übertragung auf die Unternehmenswelt erarbeiten wir uns die Lernziele. Er kaut uns weder was vor, noch muss er uns alles aus der Nase ziehen (denn seine Fragen sind nicht trivial). Durch seine Vorgehensweise wird die Materie verständlich und erschließt sich uns leicht.
Das Buch dagegen ist gräßlich, da nehmen sich weder BWL noch VWL aus dem dritten Trimester etwas. Deswegen habe ich die Erledigung der Hausaufgaben etwas vor mir her geschoben. Ich denke nicht, dass es all zu trockener Materie liegt, denn dass es auch anders geht, zeigt Herrn K.s Unterricht. Das Buch ist schwammig, weichgespült und bleibt unkonkret. Beispiel:

»

Gegenwärtiger Zustand des Unternehmens

Wesentlichen Einfluss auf die Unternehmenspolitik nimmt das aktuelle Unternehmensgeschehen. Der erste Schritt zur Ausgestaltung der Politik ist deshalb eine gründliche Untersuchung der Situation. Das Top Management muss sich bei der unternehmenspolitischen Entscheidungsfindung im Klaren darüber sein, welche Stärken und Schwächen das Unternehmen hat.
Wichtige Ergebnisse der Unternehmensanalyse sind die strategischen Erfolgsfaktoren. Strategische Erfolgsfaktoren sind Größen, die den Unternehmenserfolg erheblich beeinflussen. Beispiele hierfür sind eine günstige Markt- und Wettbewerbsposition, eine gut durchdachte Organisations der Arbeitsabläufe, Innovationsfähigkeit, das Image des Unternehmens oder eine hohe Motivation der Mitarbeiter. Aufgabe der Unternehmensleitung ist es, mit ihrer Politik die erkannten strategischen Erfolgsfaktoren zu unterstützen und auszubauen und so die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu stärken.«

Die Frage zu diesem Thema ist die Nummer Acht auf dem ersten Hausaufgaben-Bogen:

»Inwiefern beeinflusst der gegenwärtige Zustand eines Unternehmens die Unternehmenspolitik?«

Suuuhper. Bei so einer Frage und entsprechenden Vorgaben im Buch schaltet mein Hirn in den Durchzugs-Modus, und das kommt als Antwort dabei raus:

»Der aktuelle Zustand des Unternehmens hat wesentlichen Einfluss auf die Unternehmenspolitik. Ein Unternehmen am Rande der Zahlungsunfähigkeit wird anders agieren als ein Unternehmen mit gutem Wachstum, vollen Auftragsbüchern und hohen liquiden Mitteln.«

Naja, vielleicht habe ich es auch einfach nur nicht verstanden. Es gibt aber noch mehr so prima Fragen, zum Beispiel Nummer Sechs vom gleichen Bogen:

»Welchen Stellenwert hat Information in einem Unternehmen?«

Antwort von Radio Eriwan: Einen wichtigen, nächste Frage.
Ich habe mich dann aber doch überwunden und eine Buch-konforme Antwort hingeschrieben:

»Informationen sind die Grundlage von sorgfältig getroffenen Entscheidungen. Fehlende oder falsche Informationen können zu falschen Entscheidungen mit nicht beabsichtigten Konsequenzen führen Informationen müssen zweckorientiert und zielgerichtet sein, also für eine Entscheidung relevant sein.«

So hatten wir das auch zuvor im Unterricht besprochen, nachdem die Frage bereits zu allgemeiner Heiterkeit führte.
Da sind mir Fragen wie die Nummer 9 lieber, auch wenn man in beiden Fällen für die Hausaufgaben wortwörtlich aus dem Buch abschreiben könnte:

»Was sind Stakeholder? Nennen Sie drei Beispiele.«

Stakeholder? Begriff schon mal gehört, ist bekannt, hab’ ich verstanden. *zack*, *bäng*:

»Stakeholder stellen Ansprüche an ein Unternehmen und beeinflussen dadurch die Unternehmenspolitik. Einige Beispiele: Kunden, Mitarbeiter, Verbände und Gewerkschaften, politische Entscheidungsträger, Mitarbeiter, Lieferanten…«

Das ist ein großes Problem bei diesen VWL- und BWL-Büchern: Das Buch nervt durch Schwammigkeit, die Fragen der Hausaufgaben-Bögen sind pille-palle, bei denen nur auswendig gelerntes Wissen abgefragt wird, ohne selbst nachdenken zu müssen. Gefährlich für die Prüfung, da ich dann naürlich kein Buch zum Abschreiben habe, deswegen muss ich mich wohl oder übel durch das Buch durchlangweilen das ich habe und die Begriffe trotzdem lernen. Die Arbeitsbögen in Geschichte und Deutsch sind da anspruchsvoller, in denen man wenigstens selbst noch ein bisschen nachdenken muss.
Damit ich nicht vor Langeweile vom Stuhl kippe, während ich die BWL-Hausaufgaben mache, habe ich mir selbst Beispiele ausgedacht oder bei der Frage nach Beispielen für Unternehmens-Leitbilder mal nach originellen Sprüchen wie diesen gegoogelt:

»Wir haben das Ziel, unsere führende Marktposition in dem Segment der Gebäudedienstleistungen in den einzelnen Regionen weiter auszubauen. (http://www.piepenbrock.de/unt_leitbild.html

Klingt gut wenn man sich dabei vorstellt, dass es von Atze Schröder vorgetragen wird.

Im Unterricht erarbeiteten wir uns die Lernziele zu den Themen:

  • Materialwirtschaft
    (Unterteilung der Werkstoffe, die vier Hauptfragen im Zusammenhang mit der Beschaffung, ABC-Analyse, »optimale Bestellmenge«, Sicherheitsbestand, Meldebestand; die Sache mit dem Meldebestand bekommt ein Supermarkt bei mir in der Nähe nicht so gut hin)
  • Produktion
    (Reihenfertigung und Werkstattfertigung, Einzel-, Massen- und Serienfertigung)
  • Marketing
    (Produktpolitik, Kommunikationspolitik, Kontrahierungspolitik, Verteilungspolitik, »Marketing-Mix«)
  • Kurz das Thema Finanzierung angeschnitten (wichtigste Ziele eines Finanzchefs: Liquidität, Rendite und Unabhängigkeit des Unternehmes)

Wiedersehen nach vielen Jahren

Mittags um zwölf, nach dem Kollegtag, war erstmal Essen fassen angesagt. Meine Stamm-Anlaufstelle für Samstage ist dabei seit einiger Zeit »Palast-Döner« am Fürther Rathaus (ehemals »Rathaus-Imbiss«). Ich traute meinen Augen nicht, als ich einen alten Bekannten sah: Der Mann vom »City Kebap-Haus« am Hauptbahnhof, das mit ihm eröffnet hat, nach seinem Weggang aber enorm nachgelassen hat. Ich wusste nicht, wohin es ihn verschlagen hat, aber ich habe mich schon daran gewöhnt, das CKH abzuschreiben. Dass ich auf meinem Döner keine Tomaten wünsche, brauchte ich ihm nicht zu sagen, dass wusste er auch nach Jahren noch.   :-)
Palast-Döner hat seine Produktmatrix umgestellt: Es gibt keinen normal-großen Döner mehr, sondern nur noch Mini (der auch mini ist) und »groß«. Ich entschied mich heute mal nicht für Lahmacun (die dort überdurchschnittlich groß ist und etwa einem normalen Döner entspricht), sondern für den großen Döner zu drei Euro, plus fünfzig Cent Aufschlag für den Käse.
Und »groß« ist groß: Um das längliche, etwa 25 Zentimeter lange Teil bewältigen zu können, sind jahrelange Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Dönertypen notwendig; Kenntnisse in der Handhabung von McRibs und BigExtras von McDonald’s sind auch hilfreich. Lecker!

Was steht heute sonst noch an? Jetzt gleich werde ich mal zu Klaus fahren, ein bisschen über Betriebssysteme fachsimpeln und bei der Gelegenheit Nina und Georg die Friends-Staffeln 1 bis 4 mitbringen (sie sind nun auch süchtig).
Ansonsten steht gepflegte Langeweile auf dem Programm: Die nächsten Kapitel im BWL-Buch.

Erschienen am Samstag, 11.10.2003 @ 16:41 | Kommentare deaktiviert
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