Archiv für Sonntag, 19.10.2003

Sonntag, 19.10.2003

Anmerkungen zur vom Kabinett beschlossenen (faktischen) Rentenkürzung

Das Bundeskabinett hat heute beschlossen, die Rentenbeiträge bei 19,5% stabil zu halten. Wie stabilisiert man die Einnahmenseite, wenn andererseits ein zehn Milliarden Euro großes Loch klafft und ohne Gegenmaßnahmen der Beitragssatz auf 20,3% steigen müsste? Man kürzt die Ausgaben, sprich, die Rentenzahlungen.
Die Kabinettsklausur an diesem Sonntag war mit einiger Spannung erwartet worden, denn die Fakten waren bekannt und von den Medien wurden verschiedene Lösungsansätze durchgespielt, nicht ohne zu betonen, dass die grüne Bundestagsfraktion und der SPD-Wirtschaftsminister größten Wert auf stabile Beiträge legen.

Dass es nun tatsächlich bei 19,5% bleiben soll, ist fast etwas überraschend.
Statt höheren Beiträgen gibt es nun bei den Rentenempfängern im Wesentlichen folgende Einschnitte:

  • 2004 keine Rentenerhöhung (»Nullrunde«)
  • 2005 nur eine Erhöhung mit »Nachhaltigkeitsfaktor« (Renten steigen langsamer)
  • Ab April 2004 alleinige Bezahlung des Pflegeversicherungsbeitrags, ohne Beteiligung der Rentenversicherer
  • Absenkung der Schwankungsreserve von 50% auf 20% einer Monatsausgabe
  • »Neurentner« erhalten ihre Renten künftig im Nachhinein (zum Monatsende)
  • Nach einer »langen Umstellungszeit« Besteuerung der Renten und Steuerfreiheit der Beiträge (Umsetzung eines Verfassungsgerichts-Urteils)

Von »Rentenkürzung« wollte die Regierung nicht sprechen, aber faktisch ist es genau das (Nullrunde, langsamerer Rentenanstieg, alleinige Bezahlung der Beiträge zur Pflegeversicherung). Ich finde das sehr positiv. Und mich betrifft das ja gleichfalls, wenn ich mal mit 70 in Rente gehe (ich bin jetzt 24).
Die Probleme von zu hohen Lohnnebenkosten sind ja bekannt, die muss ich hier nicht wiedergeben, auch wenn es noch nicht jeder begriffen hat.

Ich finde was anderes interessant: Wann, wenn nicht jetzt? Im Jahr 2040 wird über die Hälfte der Bürger über 50 Jahre alt sein (Quelle, S. 124). Ein enormes Wählerpotential, das dann in zehn oder zwanzig Jahren Parteien wählen soll, die über noch radikalere Kürzungen ihrer Altersbezüge entscheiden sollen? [Da fällt mir ein, dass man in Zukunft wohl auch anders über die »werberelevante Zielgruppe« der 14- bis 49-jährigen denken wird.]

Dosenpfand-Angie – die, wir erinnern uns, als Bundesumweltministerin unter Kohl durch eine Änderung an Töpfers Verpackungsordnung für das heutige Chaos verantwortlich ist, das sie jetzt selbst anprangert – ließ sich von Spiegel-online zu den heutigen Beschlüssen der Koalition zitieren:

»Wir können und werden zu diesen Maßnahmen nicht die Hand reichen.«

Das wollen wir uns mal merken, wenn die nächste Unions-Regierung selbst die Renten kürzt, weil sie gar nicht anders kann.

Nachtrag (20.10.03, 19:16 Uhr): Meine Vermutung von gestern bzgl Wählerpotential und so scheint ja gar nicht so abwegig gewesen zu sein. Aus einer Meldung bei Spiegel-online:

»Der Chef des Sozialverbandes VdK droht unverhohlen: "Ich kann den 20 Millionen Rentnern nur raten, sich ihre Stimmzettel genau anzusehen."
Der Vdk-Präsident Walter Hirrlinger sagte: "Es werden wieder einmal die Menschen getroffen, die Deutschland nach dem Krieg aufgebaut und Jahrzehnte lang Beiträge gezahlt haben." Hirrlinger drohte den Regierungsparteien mit Abstrafung bei den nächsten Wahlen. "Die Rentner werden bei den nächsten Wahlen die Rechnung für die Einschnitte präsentieren", sagte er der "Financial Times Deutschland".«

Erschienen am Sonntag, 19.10.2003 @ 18:43 | Kommentare deaktiviert
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Smile

Das Smile in Erlangen.

Heute Abend ein spontanes Treffen mit Micha, sie rief mich an. Wir gingen ins Smile und quatschten ein wenig miteinander. Treffen in nächster Zeit werden leider wieder selten sein, wir haben beide so viel zu tun.   :-(
Ich habe auch was gelernt: Martini ist bäh. Außerdem wurde mein jahrealtes Vorurteil nach damals einem Schluck Wodka bestätigt: Riecht und schmeckt wie Isopropylalkohol.
War wieder sehr schön, danke Micha!

Erschienen am Sonntag, 19.10.2003 @ 23:10 | Kommentare deaktiviert
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Quit playin’ games with my time

Danke Kai, für diesen Link: »The Activation Game« von Todd Dominey in seinem Blog »What do I know?«.
Es geht um die Zwangsaktivierung, die Macromedia Mitte Juli in den neuen Versionen (»MX2004«) ihrer Programme eingeführt hat: das Studio, Dreamweaver, Flash, Fireworks… Adobe zog vor einiger Zeit mit den neuen Versionen von Photoshop, InDesign, Illustrator und GoLive (»Creative Suite«) nach, allerdings zunächst nur bei den Windows-Versionen; Mac-Anwender bleiben vorerst noch davon verschont.

Macromedia ist nicht nur durch diesen Schritt enorm in der Gunst der Käufer gesunken. Zu immer teurer werdenden Vollversionen und Updates kommen weitere Mankos wie der Verzicht auf gedruckte Handbücher (die jedoch schon seit einiger Zeit, im wahrsten Sinne, »für’n Arsch« waren), Übersetzungsfehler, immer langsamer werdende Programme, Trägheit bei den Bugfixes (v.a. bei nicht-englischen Programmversionen) oder die Benachteiligung der Mac-Kundschafts (das Windows-Studio enthält beim gleichen Preis mehr).
Wenn es neben all diesen Dingen noch etwas gebraucht hat, um sich endgültig bei den Kunden unbeliebt zu machen, dann war es die Software-Aktivierung.

Todd schreibt von meinen schlimmsten Befürchtungen: Eine Software einmal per Mausklick zu »aktivieren« macht zwar nicht viel Arbeit.
Aber bevor man auf die Idee kommt, in den Rechner eine neue Festplatte einzubauen oder das System neu aufzusetzen, sollte man die Software wieder deaktivieren, sonst gibt’s Probleme. Probleme, von denen Todd erzählt.

P.S.: In der Diskussion zu Todds Eintrag nimmt auch John Dowdell teil, Produktmanager für Flash bei Macromedia.

Erschienen am Sonntag, 19.10.2003 @ 23:48 | Kommentare deaktiviert
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