Luther
Das hat sich erst vor ein paar Tagen ergeben, und »Luther« tauchte eigentlich auch nicht in meiner Filmliste bis Jahresende auf. Aber ich dachte mir, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, mal wieder mit Klaus und Steffi ins Kino zu gehen, dann sollte ich sie auch wahrnehmen. Zumal der Film angeblich nicht schlecht sein sollte.
Die Story des Reformators Martin Luther und seinem Weilen in der so genannten »Lutherstadt Wittenberg« ist ja bekannt, zumindest sollte sie es in groben Zügen sein.
Letzteres schadet auch nicht, denn gerade zu Beginn des Films, während Ereignisse gerafft wiedergegeben werden, erweist sich Hintergrundwissen als nützlich. Hier wäre es hilfreich gewesen, wenn in den Film Texttafeln eingeblendet worden wären oder zumindest ein, zwei Zeilen mit Ort und Begebenheit, und was in der Zwischenzeit vorgefallen war. Insgesamt beschränkte man sich auf drei Einblendungen mit Orts- und Zeitangabe (Erfurt, Worms, Augsburg; wenn ich es recht in Erinnerung habe).
Da die Geschichte ja vorgegeben war, interessiert es, was von Regisseur Eric Till daraus gemacht wurde. Kurz gesagt: Insgesamt durchaus sehenswert, aber.
Mein Eindruck ist, dass in zwei Stunden reingepackt wurde was notwendig war, ohne all zu viel wegzulassen. Ansonsten keine großen Auffälligkeiten betreffend Musik, Kamera oder Schnitt, und auch die Schauspieler blieben eher zweidimensional. Abgesehen von Peter Ustinov als Friedrich der Weise und Uwe Ochsenknecht als Papst Leo X. trat durch die Bank die zweite Garde vor die Kamera. Der Hauptdarsteller kommt einem auch etwas vertraut vor: Es ist Joseph Fiennes, der Bruder des bekannteren Ralph Fiennes.
Etwas suspekt die Produktionsfirmen dieser deutschen Produktion, von denen man noch nie gehört hat, z.B. »Thrivent Financial Services«, dem Logo und Untertitel (»for Lutherans«) nach zu urteilen wohl ein Unternehmen mit christlicher Grundausrichtung. Einzig der Distributor UIP für Deutschland sowie das EKD-Logo im Abspann waren bekannt und gaben der Produktion wieder einen halbwegs seriösen Anstrich.
Der Abspann übrigens, ist mit zehn Minuten bald so lang wie der von »Starship Troopers«: Dass, im Gegensatz zu früheren zweiminütigen Abspännen wie dem von Alien, inzwischen nicht nur die Financial Services und Caterer aufgelistet werden, sondern auch Beleuchter-Praktikanten, ist ja mittlerweile gängig. Bei »Luther« hat man es aber arg übertrieben und anscheinend jeden Komparsen mit aufgelistet, nach dem Motto: »Wem können wir einen Gefallen tun und im Abspann verewigen?«. Hätte nur noch gefehlt, dass auch die Leute von der Buchhaltung und die Bleistift-Anspitzer genannt wurden (die Dame, die sich um die Hotels in Tschechien gekümmert hat, hat’s immerhin geschafft).
Fazit: Kann man sich ansehen, wenn man an historischem Stoff interessiert ist, muss man aber nicht.
Erschienen am
Donnerstag, 06.11.2003 @ 23:42
Tags: Film-und-Fernsehen, kinokritik
