Revolutions

Ich bin noch eine Filmkritik von »Matrix: Revolutions« (aka »Matrix 3«) schuldig. Zusammen mit Klaus und Steffis Bruder (Freundin von Klaus) sah ich ihn am 18.11. um 20:20 im Kino 9 des Erlanger CineStar (zweitgrößter Saal, gute Plätze in der Mitte Anfang letztes Drittel).
Kurze Version: Er war nicht so schlecht, wie ich befürchtet habe. Aber wahrscheinlich lag das nur daran, dass ich meine Erwartungen zuvor schon auf null runtergeschraubt hatte (bei »Armageddon«, »Pearl Harbor« und »Godzilla« z.B. half selbst das nichts, die waren unterirdisch). Der dritte Teil war weit davon entfernt, auch nur annährend gut zu sein. Ob er schlechter oder besser war als der zweite Teil »Matrix: Reloaded«, wage ich nicht zu beurteilen, die haben sich beide nicht viel genommen. Mein Eindruck war, dass es im Revolutions-Aufguss etwas weniger der nervtötenden Zweikämpfe gab; in »Reloaded« habe ich ja teilweise schon vor Langeweile auf die Uhr gesehen.

Das 1999er Original hatte etwas mysteriöses, es war noch vieles im Dunklen, und durch die Zugabe von einigen philosophischen Elementen und dutzenden Symbolen funktionierte der Film auch auf einer »tieferen« Ebene, statt einfach nur Actionfilm zu sein – und zwar ein guter Actionfilm.
Über die beiden Sequels ist viel geschrieben worden, und ich kann vielem zustimmen, deswegen werde ich das hier nicht wiederkauen. Eine gute Linkliste gibt’s bei Christian mit Links zu Artikeln bei Telepolis, der Zeit, Spiegel-online, der Netzeitung und der FAZ.
Matrix (1999) ist Kult: Jeder hat ihn gesehen, er hatte bahnbrechende Effekte, über ihn wurden wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. Die beiden Nachfolger sind Trash: ein müder Abklatsch des Originals, kaum besser als die dutzenden anderen Filme, die einfach nur den Bullet-Time-Effekt von »Matrix« klauten. Der zweite Teil profitierte noch etwas vom Glanz des Erstlings: keine Zeitung, kein Magazin oder Weblog, das im Sommer ohne den Zusatz »reloaded« in einer Artikelüberschrift auskam.

Ein sehr gutes Interview zu den philosophischen Aspekten der Matrix-Reihe gibt es bei Spiegel-online mit Hubert L. Dreyfus: »Der philosophische Salat der Wachowski-Brüder«. Das Gespräch endet mit einer Einschätzung von Dreyfus zu den filmischen Aspekten der Trilogie, der ich sehr zustimmen kann.

Am besten fährt derjenige, der sich nur den ersten Teil ansieht und »Reloaded« und »Revolutions« links liegen lässt. Aus diesem Grund werden die beiden letzten Teile auch keine Aufnahme in meine DVD-Sammlung finden.

 
Erschienen am Donnerstag, 04.12.2003 @ 15:57
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