Quicktime VR
Da wir mit dem Cinema-Unterrichtsstoff vor der Zeit fertig wurden, besprachen wir bei Carsten bereits am 25.11. QTVR, sowie bei dann regulär bei Jochen am 2.12.
Carsten legte am 25.11. den Schwerpunkt auf »QTVR in Director mit Lingo steuern«. Doch zunächst gab es eine Erklärung, was QTVR überhaupt ist: Die Abkürzung steht für »Quicktime VR« bzw. »Quicktime Virtual Reality«. Ein Quicktime-Film ist ein normales Video, soweit bekannt. Bei QTVR gibt es zwei Arten von Filmen: Multinode-Movies und Objekt-Movies.
Bei ersteren kann durch mehrere Räume mittels Verknüpfungen (Nodes) »gegangen« werden. Dabei geht man nicht wirklich durch eine 3D-Szene, vielmehr kann sich der Betrachter um die eigene Achse drehen, den Kopf heben oder senken und in das Bild hinein oder hinaus zoomen. Durch Mausklick auf bestimmte Bereiche springt das Bild zu einer neuen Szene.
Bei einem Objektmovie kann ein Objekt um seine drei Achsen gedreht werden. Beispiele hierfür finden sich ab und an auf Apples Website (Apple hat ja Quicktime erfunden), bei der Vorstellung von neuen Produkten. Aktuell kann man beispielsweise den iPod drehen und wenden.
Nach der Begriffserklärung erläuterte uns Carsten kurz, wie prinzipiell ein QTVR erstellt wird, und gab uns entsprechende Tipps. Prinzipiell werden mehrere Fotografien gemacht, und zwar idealerweise mit einem Stativ mit Gradeinteilung und einer Spiegelreflex-Kamera (mit bestimmter Brennweite, ohne Autofocus, fester Blende). Anschließend werden die Einzelbilder von einer speziellen Software zusammengefügt, aber das wird uns Jochen am zweiten QTVR-Unterrichtstag genauer erklären.
Für die CD-ROM-Produktion wird der inzwischen sattsam bekannte Macromedia Director verwendet. Der kommt nicht nur sehr gut mit normalen QT-Videos klar, sondern kann auch QTVRs anzeigen. Die Anzeigeparameter des Movies lassen sich über Lingo steuern.
Wir gingen dabei systematisch vor: Mal in der Director-Hilfe »Lingo by Feature« nachsehen, was es zu diesem Thema so gibt. Dann mittels Message-Windows ausprobieren, was die Befehle bewirken. Im Prinzip können drei Eigenschaften beeinflusst werden: Pan (Bildausschnitt in Grad), Tilt (Neigungswinkel) und FOV (Field of View, Sichtfeld).
Wir programmierten dann eine Steuerung für die Cursortasten und befassten uns dann mit den Nodes: Wie werden Nodes abgefragt? Wie kann dafür gesorgt werden, dass ein Betrachter erst dann einen bestimmten Raum betreten kann, wenn er alle anderen gesehen hat?
Für die letzte Aufgabenstellung benötigten wir ein Array (in Director »Liste« genannt) und machten aus diesem Grund nochmal einen Ausflug in die Tiefen der Lingo-Programmiersprache.
Am 2.12. zeigte uns Jochen, wie ein QTVR-Movie erstellt wird, und zwar sowohl Multinode-Movies als auch Objektmovies. Er erklärte uns nochmals ausführlich, worauf bei den Aufnahmen zu achten ist und wie die Bilder zusammengefügt werden (dieser Vorgang wird »,stitchen« genannt).
Wir verwendeten für diese Aufgabe das Programm »VR Worx« der Firma VR Toolbox. Kostet rund 300 Euro – zwa rein sehr komfortables Programm, aber recht teuer, wenn man nicht gerade überwiegend sein Geld mit dem Erstellen von QTVRs verdient. :-(
Nach dem Auswählen der Projektart und dem Hinzufügen der Bilder folgt das Stitchen. Abgesehen von den richtigen Einstellungen kann man hier nichts falsch machen. VR Worx nimmt die Bilder und erkennt an der Überlappung automatisch, wo er sie zusammenfügen muss. Die Bilder werden nicht einfach nur aneinander geklebt: VR Worx rechnet auch die Brennweite ein, so dass ein räumlicher Eindruck entsteht (gerade Linien werden wie bei einem Weitwinkel-Objektiv verzerrt). Nach dem Stitchen können die Bilder mittels Cursortasten verschoben werden, so dass Stufen in Linien glattgebügelt werden.
Der nächste Bearbeitungsschritt heißt »Blend« und auch hier geht alles automatisch. Hier werden Helligkeitsunterschiede angepasst, falls man bei der Aufnahme Fehler bei der Belichtung gemacht hat (z.B. einmal eine Wand fotografiert und im nächsten Foto ist ein Fenster drin, so dass sich die Lichtverhältnisse ändern). Zweck dieser Übung ist einfach, harte Kanten von verschiedenen Farbtönen zu vermeiden, die durch unterschiedliche Belichtung entstanden sind.
Im Reiter »Compress« kann das ganze als QTVR exportiert werden. Auf dem Reiter »Playback« gibt es die Möglichkeit, den Film zu testen.
Wir erfuhren außerdem noch, wie QTVR-Szenen aus Cinema 4D rausgerendert werden können, und wie mit C4D die Einzelbilder für Objektmovies erstellt werden (ein Objekt aus 50 verschiedenen Perspektiven zu fotografieren ist extrem aufwändig; da ist es in der Regel einfacher, das Objekt in Cinema nachzubauen).
Abschließend zeigte uns Jochen noch, wie in VR Worx Hotspots für Nodes eingefügt werden, so dass der Benutzer zwischen verschiedenen Räumen wechseln kann (bei Multinode-Movies).
Insgesamt recht interessant muss ich sagen, auch wenn ich nicht glaube, dass ich das später täglich machen werde. Aber für einen Rundumblick einer Räumlichkeit schon sehr nett!
