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Mittwoch, 10.12.2003

Vollgas

In der gestrigen ersten Sendung nach Bekanntwerden des Auslaufens der Schmidt-Show in diesem Jahr gab sich die gesamte Mannschaft bei der HSS zugeknöpft: Suzanas Newsletter fiel extrem kanpp aus (nur die heutige Aktion und der Gast, sie schrieb nichts persönliches, wie sonst ünlich). Die Zeitungen bekamen keine Kommentare von Harald Schmidts Produktionsfirma Bonito und in der Sendung wurde es nur in der letzten Minute von Harald Schmidts Gast Claus Kleber thematisiert.
Die Sendung vom Dienstag war dagegen gut wie lange nicht mehr: Man scheint sich bei Bonito nicht nur gefangen zu haben, vielmehr wirkte die Masse der Anspielungen so, als hätten sie erst in der Dienstag-Sendung auf den Putz hauen können und als seien sie am Montag dafür mit den Vorbereitungen noch nicht fertig gewesen.

Einen Vorgeschmack gab Suzanas Newsletter von Dienstag, 19:15 Uhr:

»Als ich heute Morgen die Bonito-Hallen betrat, bot sich mir folgendes Bild: Rechts und links waren die Wände buchstäblich tapeziert mit Zeitungsmeldungen – natürlich die jüngsten Show-Ereignisse betreffend. Von links tönte es dann noch in französischem deutsch: "Of die rechte Seite ängen die normale Artikle und links Du kannst finden die Titelartikle!" Und man glaubt es kaum: Cheffe hat persönlich tapeziert! Ich hätt’s echt gern gesehen, aber ich musste vorher noch zum Arbeitsamt, um mich als "demnächst arbeitssuchend" registrieren zu lassen. Wenn man als Arbeitssuchender bis dahin noch nicht jegliche Hoffnung verloren hat – spätestens da passiert’s garantiert. "Wie frustriert können Frauen eigentlich sein?", fragte ich mich, als ich meine Sachbearbeiterin kennen lernte. Ihr seht also, neue Lebenssituation eröffnen einem ganz neue Sichtweisen auf diese Welt und wollen einem sagen: Es könnte echt schlimmer sein!«

Als die Sendung begann, kündigte Natalie im Vorspann an:

»Hier kommt der Erfinder der kreativen Pause: Harald Schmidt!«

Sein erster Standup-Gag hatte eine lange Einleitung: Die meisten hätten es im Laufe des Tages erfahren, die meisten wären entsetzt gewesen, Ungläubigkeit, aber nun wird er selbst etwas dazu sagen: In Hamburg ist die Koalition geplatzt.

»Wie konnte das passieren? Ole von Beust hat gesagt: Sein Partner, Senator Schill, nimmt immer mehr psychopathische Züge an. Das hat man nicht wissen können, oder? Wenn jemand von Anfang an in dieser Koalition normal gewirkt hat, war es Senator Schill! Und jetzt das!«

Dann stellt er am Schreibtisch seinen heutigen Gast Sasha vor und wunderte sich, dass sein Redaktionsleiter Manuel Andrack nicht am Platz saß und der Scharfe Sven nicht das Wasser reinbrachte.

»Ja, also ich meine: Wir ham noch ‘n bisschen, oder? Was ist denn?«

Harald stand auf und ging durch das Gebäude, frug ab und an Mitarbeiter: »Wisst Ihr, wo der Manuel ist?«
Ein paar Stockwerke höher geht im Hintergrund Natalie mit gepackten Koffern durch’s Bild. Nach einigen Minuten findet er im letzten Eck des Hauses Manuel Andrack und den Scharfen Sven: Manuel an einem Schreibtisch wie Schmidt ihn hat, mit einer LED-Laufschrift »Die Manuel-Andrack-Show«, rechts daneben an einer kleinen Schulbank, auf Manuels normaler Position, Sven als Manuels Sidekick. Beide probten gerade ihre eigene Show. Genial!!

Werbung, und im zweiten Teil alles wieder auf Anfang: Harald sitzt wieder an seinem Schreibtisch, Manuel an seinem Nebentisch, der Gast wurde nochmal angekündigt und Sven brachte das Wasser rein. Anschließend ein Einspieler der zeigte, dass sich der Chef um seine Mitarbeiter kümmert, wenn sie von Arbeitslosigkeit bedroht sind: Er ruft persönlich bei der Bundesanstalt für Arbeit an, lässt einen BMW vorfahren und scheucht zwei seiner Mitarbeiter, die sich an einer brennenden Tonne die Hände wärmen, in den Wagen, der dann gen Arbeitsamt abfährt.

Es folgte eine Attacke auf Patrick Lindner, der wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde.

»Vor allem wünsch’ ich mir, dass die ARD weiter zu ihm halt. Weißt, nicht dass sie ihn jetzt kurz vor Weihnachten rausschmeißen. Aber ich mag den Paddi so, wenn’s an rausschmeißen täten, tät’ ich auch für ihn den BMW anrufen.«

Danach eine weitere Aktion: Das nächste Türchen des Adventskalenders öffnete sich. In diesem Jahr wird Harald an jedem Tag von seinen Mitarbeitern überrascht (in Vorjahren haben die Zuschauer etwas geschenkt bekommen). Kabelhilfe Frank (»Auf der Bühne und im Bett möchte ich "Fränk" genannt werden.«) imitierte seinen Chef.

Fränk: Wenn’s Dir absolut nicht gefallen sollte, fände ich’s schön, wenn ich den Monat noch zu Ende arbeiten dürfte.

Harald: Ich sag’ mal so Frank: Ob das ist weiß ich nicht, aber ich kann Dir eins versprechen: Du darfst im BMW vorne sitzen.

Er hat das ziemlich gut gemacht!   :-)
Es folgten die Original-Socken von Guido Westerwelle und eine kurze Zuschaueraktion (Harald schrieb eine Weihnachtskarte für die Freundin einer Zuschauerin aus dem Publikum), bevor der Gast (Sasha) auftrat. Sasha tourt derzeit als »Dick Brave and the Backbeats« durch’s Land und tritt momentan nicht als Sasha auf.

Harald: Wie reagieren Deine Fans drauf? Ich meine: Sasha findet ja zur Zeit gar nicht statt, außer…

Sasha: Wir machen eine Pause.

Harald: Ja, Du machst ‘ne Pause!

[Lachen]

Harald: Ja was ist denn der wahre Grund, sag’ doch mal? Ich mein’ mit der Pause, das sagst Du jetzt so!

[Lachen, Applaus]

[...]

Sasha: Ich find’s ganz schön kalt hier. Habt Ihr die Heizung schon abgestellt?

Harald: Äh, wir nicht!

[Lachen]

Erschienen am Mittwoch, 10.12.2003 @ 0:33 | Kommentare deaktiviert
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Schmidt-Nachhall

Die gestrige Sendung erzielte sehr gute Quoten (mein Standardspruch: »Falls jemand an Quoten glaubt«): Laut quotenmeter.de sahen 1,79 Millionen Zuschauer zu (17,5% Marktanteil bzw. 20,9% in der "werberelevanten Zielgruppe"). Indessen ist bekannt, wie SAT.1 die entstehende Lücke im nächsten Jahr füllen will: Kress berichtet, dass bis April Schmidt aus der Konserve gesendet werden soll (kein Direktlink mangels Permalink, daher wieder quotenmeter.de als Quelle): Vom 19. Januar bis 16. April montags bis freitags um 23:15 Uhr läuft »Die Harald Schmidt Show – Die legendärsten Sendungen«.

Das Medienecho am Dienstag war enorm – und mit dieser unsortierten Linksammlung will ich’s damit vorerst auf sich beruhen lassen:

In allen Medien, auch auf dieser Seite, macht es etwas den Eindruck, als gäbe es kein Wiedersehen: Aber Harald Schmidt ist nicht tot. Es ist doch schade, dass mit seiner Show nach acht Jahren Schluss ist.
Ich denke, dass er in ein paar Wochen irgendwo wieder auftaucht: Vielleicht bei SAT.1 mit einem besseren Vertrag, evtl bei einem anderen Sender (nur bitte nicht Premiere, das krieg’ ich nicht rein). Diverse Sender haben laut dem SPON-Artikel »Alle buhlen um Harald Schmidt« großes Interesse an ihm, sogar seine alte Wirkstätte ARD.

Mir gefällt an Schmidt nicht nur sein tadelloses Auftreten – mal drauf achten: immer Manschetten-Knöpfe, er setzt sich immer nach dem Gast und ist generell sehr höflich, auch wenn er keine zwei Sekunden später auf die Sahne haut.
Was ich sehr schätze, ist seine unübertroffene Schlagfertigkeit. Leider werden all die »Schmidts beste Sprüche«-Seiten dem nicht gerecht, denn die geben fast ausschließlich nur Zitate aus dem Standup-Teil zu Beginn der Sendung wider, die ihm seine Autoren schreiben. In Hochform ist er im Gespräch mit anderen bei spontanen Antworten. Das erfordert aber meistens eine Vorgeschichte oder ein längeres Zitat, und sowas eignet sich natürlich nicht für »Schmidts beste Sprüche«-Seiten.
Hoffentlich dauert seine »kreative Pause« nicht all zu lang. Und die letzten zwei Wochen bitte noch viele Sendungen wie die gestrige.

Erschienen am Mittwoch, 10.12.2003 @ 15:13 | Kommentare deaktiviert
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