Archiv für Sonntag, 04.04.2004

Sonntag, 04.04.2004

Wenn das Wörtchen »Wenn« nicht wär’…

Diesen Sonntag mal eine Spezialausgabe des Sports in der tagesschau mit Gerhard Delling: Sowohl er selbst als auch alle Sprecher in den Einspielfilmen begannen ihren Bericht mit »Wenn«.
Es hat zwei, drei Berichte gedauert, bis ich’s geschnall hatte, denn uuerst habe ich ja noch auf meine wöchentliche Dosis »Extreme Delling« gewartet. Aber war auch mal nett.   :-)

»Wenn das kein guter Abschluss war. Geben wir zurück an Jan Hofer.«

Erschienen am Sonntag, 04.04.2004 @ 20:18 | Kommentare deaktiviert
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Meta-Diskussionen und echte Probleme

Die heutige Sabine-Christiansen-Sendung war mal wieder recht interessant. Zu Gast: Der neue SPD-General Klaus Uwe Benneter, der CDU-General Laurenz Meyer, der mittelständischer Unternehmer Marcus Schneider, stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer, Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut und Sven Giegold von Attac.
Es ging um den Stillstand in Deutschland, die Proteste gegen Schröders Agenda 2010, und wie es nun überhaupt weitergehen soll.

Leider lenkte Sabine Christiansen zwischendurch die Diskussion auf die Arbeitszeit-Debatte: Die ist zwar aktuell, aber im Vergleich zu den großen Problemen Deutschlands relativ uninteressant. Es ist zwar richtig, dass die durchschnittliche deutsche Arbeitszeit in der Woche, im Jahr und im Leben unter der anderer Industrieländer liegt, aber eigentlich ist das eine Phantomdebatte. Die Gräben verliefen wie gewohnt: Die Gewerkschaften wollen die generelle Wochenarbeitszeit eher noch senken, die Union erhöhen, Benneter und der Unternehmer plädierten für flexible Lösungen: Wenn es viel zu arbeiten gibt, sollten die Wochenarbeitszeiten höher sein, wenn die Auftragslage dünner ist, wird weniger gearbeitet. Sowohl Gewerkschaften als auch Union sind mir zu einseitig: Die einen sagen, die Arbeitszeit muss gesenkt werden, damit die frei werdende Lücke von Arbeitslosen gefüllt werden kann. Und bei der Union scheint mir, dass längere Arbeitszeiten als ein Allheilmittel angesehen werden.
Einen ausgesprochen lesenswerten Artikel zu diesem Thema erschien in der Zeit 15/2004 vom letzten Donnerstag: »Globale Stechuhr«. Marc Brost sagt darin im Prinzip auch: Es gibt wichtigere Probleme, und zwar Lohnnebenkosten.

Diese waren durchaus ebenfalls Thema in der Runde. Der Ökonom Hans-Werner Sinn erklärte sehr schlüssig, weswegen z.B. die Arbeitsplatz-Verlagerung ins Ausland – die momentan ebenfalls sehr im Gespräch ist – für ein Unternehmen betriebswirtschaftlich logisch, aber volkswirtschaftlich problematisch ist.
Sehr faszinierend war Sven Giegold, Gründungsmitglied von Attac: Das »böse Kapital« ist das Hauptübel, wenn man nur etwas mehr von oben nach unten umverteilen würde, dann würde auch alles besser. Darauf Sinn: Man könne sich nicht gegen den Prozess der Globalisierung stellen, denn diese Umwälzungen sind zu mächtig, also müsse man quasi das Beste draus machen. Giegold: In einem europäischen Rahmen ließe sich doch was bewegen. Sinn: »Auch Europa ist nur ein Teil der Welt.«

Ich weiß nicht, wie Leute wie Giegold ticken, wenn für sie das Hauptproblem »das Kapital« ist. Selbst mit meinen bescheidenen BWL- und VWL-Kenntnissen weiß ich, dass »die Arbeitgeber« sofort ihre Unternehmung einstellen würden, wenn sie keinen Gewinn abwirft. Sicher, ein Unternehmen hat soziale Verantwortung, aber es ist nicht die Caritas. Ein Arbeiter/Angestellter würde auch nicht Arbeiten gehen, würde er dafür keinen Lohn bzw. Gehalt bekommen, denn er will seinen Kühlschrank füllen und seine Miete bezahlen, ebenso wie der Unternehmer.
»Das Kapital« – wenn in der linken Szene nicht gar vom »Großkapital« die Rede ist –, ist ein Produktionsfaktor, »sonst nichts«.

An der Lage Deutschlands wird sich nichts Wesentliches ändern, wenn jeder von uns zwei Stunden mehr die Woche arbeitet oder die Krankenkassenbeiträge um 0,5 Prozentpunkte sinken. Sicher, es kann Arbeitsplätze schaffen, aber eigentlich doktert man an Symptomen herum, statt die Ursachen anzugehen.
Alles steht und fällt mit der Frage, ob es gelingt, die sozialen Sicherungssysteme umzubauen und den veränderten Realitäten anzupassen. Adenauers Spruch »Kinder kriegen die Leute immer« stimmt einfach nicht mehr.

Ich weiß, dass ich hier nur Postulate aufstelle, ohne Begründungen zu liefern. Man könnte Bücher mit Begründungen füllen, und ratet mal, das haben Leute sogar schon getan. Ein Buch das ich empfehlen kann ist »Deutschland – Der Abstieg eines Superstars« von Spiegel-Redakteur Gabor Steingart. Ich werde in Bälde noch eine ausführliche Rezension schreiben.
Weitere Bücher zum gleichen Thema stammen zum Beispiel vom grünen Haushaltsexperten Oswald Metzger (»Einspruch! Wider den organisierten Staatsbankrott«, ab Juli als Taschenbuch), vom bereits erwähnten Hans-Werner Sinn (»Ist Deutschland noch zu retten?«) oder vom früheren Grünen-Vorsitzenden Fritz Kuhn (»Nachrichten für Optimisten«). [Ich habe bislang nur die Bücher von Gabor Steingart und Oswald Metzger gelesen.]

Nachtrag (06.04.04, 17:10 Uhr): Ein sehr lesenswerter Artikel bei Spiegel-online von Severin Weiland: »Überalterte Gesellschaft: Das Tabu Bevölkerungspolitik«.
Im Artikel ist auch davon die Rede, dass es wegen der viel zitierten »demographischen Entwicklung« in West-Deutschland bald so aussehen wird wie in Ost-Deutschland: Ein Land, das zunehmend vergreist. Nützliches Vorwissen zum Zustand Ost-Deutschlands liefert der aktuelle Spiegel-Titel, der über die Ergebnisse einer bislang geheimen Regierungskommission berichtet (das Cover ist etwas reißerisch, aber der Artikel lohnt sich). Ein Kommissions-Mitglied sagte: »Der Osten verdummt, er verarmt und er vergreist.« Und der meint das nicht abwertend, sondern nur als nüchterne Feststellung.

»Unsere Prognosen laufen ab wie ein Uhrwerk, Überraschungen gibt es nicht.«

Erschienen am Sonntag, 04.04.2004 @ 23:11 | Kommentare deaktiviert
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Ein beinahe perfektes Programm

Foto der InDesign-SchachtelInDesign rockt! Ich bin gerade dabei, ein Portfolio zusammen zu stellen, in dem meine bisherigen Projekte vorgestellt werden (um es dann als PDF potentiellen Auftraggebern zu schicken). Um solche Sachen zu layouten, greift man natürlich zu einem DTP-Programm, und nicht zu Word.

In der SAE habe ich den Umgang mit InDesign von Adobe gelernt. InDesign ist leistungsfähiger (1, 2), einfacher (1, 2) und billiger als der Konkurrent QuarkXPress von Quark (InDesign kostet die Hälfte, und bei Lizenzkosten von über 2.000 Euro pro Stück für Quark macht das was aus).
Manche Leute behaupten sogar (1, 2), dass der Marktführer Quark auf dem absteigenden Ast ist, und ich neige dazu, dem zu glauben. Man erinnere sich: Einst war Aldus Pagemaker der Platzhirsch, ehe Quark antrat, dem eingeschlafenen Riesen die Marktführerschaft streitig zu machen. 1994 wurde Aldus von Adobe aufgekauft, Pagemaker ist seither ein Adobe-Produkt, das allerdings im Sommer 2001 nochmal überraschend neu aufgelegt wurde (überraschend, da es seit 1999 InDesign gibt). Auf adobe.com gibt es ein PDF-Dokument, das die drei Publishing-Produkte aus dem Hause Adobe miteinander vergleicht (lokale Kopie). Seit einigen Jahren ist Quark träge und ruht sich auf seinen Lorbeeren aus: Neue Versionen kommen nur noch alle Jubeljahre, bringen wenige neue Features mit, die InDesign längst hat und kosten horrende Update-Gebühren.
Im Sommer 2003 erschien Version 6 von Quark und es war meines Wissens eines der letzten großen Programme, dass mehrfaches Undo einführte, um mal ein Beispiel zu nennen. Als QXP6 erschien, war Mac OS X bereits über zwei Jahre am Markt, und Mac OS ist die Standard-Plattform in der DTP- und Druck-Industrie. Quark schob Apple die Schuld in die Schuhe, indem sie sagten, OS X sei noch nicht reif genug. Quark verschwieg freilich, dass sämtliche anderen großen Programme der wichtigsten Hersteller längst für OS X erhältlich waren und einwandfrei funktionierten (diverse Macromedia- und Adobe-Produkte, Microsoft Office).

In der Überschrift schrieb ich von einem beinahe perfekten Programm. Mich haben eine Reihe von Dingen bei InDesign angenehm überrascht. Zum Beispiel, dass man alle nur erdenklichen Parameter für Text einstellen kann (sorry, ich bin da noch das steinzeitliche Word gewohnt). Einfache Textumfluss-Möglichkeiten, Konturoptionen, das Grundlinienraster, das Dokumentenraster, die vererbenden Masterseiten (Vorlagen), metrisches und optisches Kerning, optischer Randausgleich, automatisch passender Zeilenabstand, eingebautes Preflight, die Verknüpfungspalette (warnt z.B. vor fehlenden Bildern), einfache Einstellmöglichkeiten für zum Beispiel die Beschnittzugabe (in der Transformieren-Palette die X- und Y-Koordinaten eines Objekts mit neun verschiedenen Voreinstellungen für den Registration-Point). Sehr cool sind auch die Absatz- und Zeichenformate, quasi die Stylesheets von InDesign (Absatzformate können aufeinander aufbauen, leider kann ein Zeichenformat nicht auf einem Absatzformat basieren). Darüber hinaus alle erdenklichen Einstellungen beim PDF-Export (die sich InDesign für den nächsten Exportvorgang merkt), von der Bildkompression und -auflösung über die Sicherheits-Einstellungen bis zu den optionalen Schnittmarken.

Das Bild mit dem Dreieck befindet sich auf der Seite rechts oben. Damit es sicher gedruckt werden kann, ohne dass ein weißer Rand des Papiers sichtbar wird, muss eine Beschnittzugabe zur Position des Bildes hinzugefügt werden (3 mm).

Etwas gewöhnungsbedürftig ist es, für Objekte (Flächen, Linien, Text) Farben zu vergeben. Dazu ist ein bisschen Druckerei-Grundwissen erforderlich und man muss sich ggf. neue Farben aus den CMYK-Grundfarben erst zusammenmischen (wenn man keine Sonderfarbe von z.B. Pantone verwenden möchte, die im Druck extra Geld kostet).

Soweit gibt es eigentlich nur zwei Dinge, die mir nicht so gut an InDesign gefallen: Die Wort-Trennung und die Zuordnung von Rahmenlinien bei Tabellen-Zellen. Okay, das Anlegen von Hyperlinks ist auch etwas umständlich, aber nicht so tragisch, wenn man den Dreh raus hat.
Die Trennung arbeitet in der Regel korrekt (sie hat mir nur einmal »Screens-hot« getrennt), aber sie ist etwas übereifrig und trennt, nicht nur für meinen Geschmack, häufiger als nötig. Im Blocksatz macht sich das recht stark bemerkbar. In den Einstellungen für Absatzformate lässt sich im Bereich »Silbentrennung« jedoch festlegen, wie sehr InDesign einen Absatz mit Trennstrichen spickt.
[Ah ja, was ich schreibe, bezieht sich auf InDesign 2.0, nicht auf die neue dreier Version »InDesign CS«.]

Tabellen lassen sich sehr einfach anlegen: Einen Textrahmen aufziehen, aus dem Tabellen-Menü »Tabelle einfügen« wählen und die Anzahl von Zeilen und Spalten vorgeben. Kompliziertere Tabellen mit abweichender Zellenanzahl in verschiedenen Spalten habe ich noch nicht probiert. Abwechselndes Einfärben von Zeilen oder Spalten funktioniert problemlos.
Was mich aber Nerven kostet, ist die Funktion zur Festlegung der Linienart und -stärke. Und ich trau’s mich kaum zu sagen: In Word ist das besser gelöst (ich liebe den Tabellen-Zeichenstift!). Das Problem bei InDesigns Kontur-Palette ist, dass man nicht ablesen kann, welche Einstellungen für die aktuelle(n) Zelle(n) getroffen sind. Man sieht nicht auf einen Blick, was Sache ist: Welche Linien haben welche Strichstärke und welche Linienart? Erst wenn man die Linien genau so angeklickt hat, wie schon einmal zuvor (z.B. oben, unten und links), sieht man, welche Strichstärke die Linie aktuell hat, und ob überhaupt eine Linie eingestellt wurde.

Die Kontur-Palette in Aktion: Angezeigt wird, dass alle Linien aktiv sind (ohne Angabe der Linienstärke). Tatsächlich haben alle Zellenlinien eine Strichstärke von 1 pt, und zuvor wurde für die Spalte links der Auswahl eine Stärke von 0,5 pt für die senkrechten rechts eingestellt (die direkt an die Auswahl angrenzen).

Ok, in der Kontur-Palette ist nicht viel Platz, um neben jeder Zellenlinie je ein Drop-down für Linienart und Linienstärke unterzubringen. Im ausführlicheren Zellenoptionen-Dialog (»Konturen und Flächen«) sieht es allerdings kaum besser aus:

Abbildung verkleinert auf 75%.

Was bei mir ebenfalls keine Begeisterungsstürme hervorruft, ist das Drop-Down für die Linienart: Es enthält keine Vorschau der Linie, sondern nur Texteinträge wie »Breit-Breit« oder »Schmal-Breit«, wobei ich Einträge wie »Gepunktet« und »Gestrichelt« vermisse.
Kann jemand berichten, ob diese beiden Punkte in InDesign CS verbessert wurden?

Aber ansonsten ist InDesign über jeden Zweifel erhaben!

Erschienen am Sonntag, 04.04.2004 @ 23:50 | Kommentare deaktiviert
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