Archiv für Samstag, 22.05.2004

Samstag, 22.05.2004

Star Search 2 – Finale

Bekanntlich kann ich mich durchaus für Casting-Shows begeistern, sei es wegen der Jury, oder den Kandidaten, die manchmal tatsächlich gut sind. Seit dem furiosen Jury-Auftritt von Oliver Pocher im Achtelfinale schaue ich den SAT.1-Klon von DSDS, »Star Search 2«, im Schnelldurchlauf – wenn ich es nicht verpasst habe, denn der Termin Donnerstag-Abend ist für eine Samstagabend-Show etwas blöde gewählt. Diesen Donnerstag lief das Finale, und ich habe es mir vorhin auf Video angesehen.

Bei der Kinder-Kategorie und den Models habe ich gespult, aber die Comedians waren teilweise wirklich gut. Vor allem der Gewinner der Comedy-Kategorie, Oliver Beerhenke, hat wirklich was drauf; auf seine eigene Show bei SAT.1 freue ich mich! Auch der zweitplatzierte Thomas Müller wusste zu begeistern, und er hat auf jeden Fall das Zeug für einen zweiten Mirko Nontschew.
Die Hauptkategorie bei »Star Search« ist »Music Act ab 16«. Meine Favoritin, Florence-Joy Büttner, gewann das Finale trotz starker Konkurrenz. Die Frau kann nicht nur verdammt gut singen, sie sieht auch noch verdammt gut aus:

Das darf ich mal sagen: Sie entspricht wirklich zu 100% meinem Typ!   :-)
Davon ab hoffe ich sehr, dass ihr unzweifelhaft großes Talent nicht durch eine Bohlen’sche Träller-Produktion verschwendet wird.

Wer’s nicht gesehen hat: Das Finale wird am Sonntag-Vormittag um 10:30 wiederholt.

Erschienen am Samstag, 22.05.2004 @ 0:05 | Kommentare deaktiviert
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Monster unterm Bett

Am Donnerstag waren Oliver Welke und Oliver Kalkofe zu Gast bei JBK, um über ihren gemeinsamen Film »Der Wixxer« zu sprechen, eine Edgar-Wallace-Persiflage.
Oliver Kalkofe hat sich ja mit »Kalkofes Mattscheibe« um das deutsche Fernsehen verdient gemacht und ist bekannt und geschätzt (montags, 23:15 auf Pro7).
Über Oliver Welke weiß ich nicht so viel: Sportexperte (war er mal Kommentator?) und seit einiger Zeit bei »7 Tage, 7 Köpfe«. Er war mal bei Harald Schmidt zu Gast und hat da einen Brüller vom Stapel gelassen, als er über, ich glaube, Paul Breitner sprach:

»Der sah selbst in seinen besten Zeiten so aus, als hätte er sich frühmorgens nach dem Aufstehen erstmal eine mit der Bratpfanne übergezogen.«

Am Donnerstag waren die beiden wie gesagt bei Kerner zu Gast, und es gab auch was zu lachen:

Kerner: Was ist denn in der Kindheit passiert, bei Euch, bei Ihnen beiden, dass Sie jetzt so einen Film machen?

[...]

[Albträume wegen Edgar-Walace-Filmen und anderen, nicht hingucken]

Kerner: Bei mir ist das »Aktenzeichen XY ungelöst«, immer diese Filme die anfangen mit…?

Welke: Wegen Zimmermann oder was?

Kerner: Nein, nein, nicht wegen Zimmermann! Diese Filme die anfangen, und dann, dann heißt es immer: »Das ist Sonja F., noch weiß sie nicht, was heute passiert…«

Welke: Ja genau: Erika F. ahnte noch nicht, dass diese Fahrt zum Edeka ihre letzte sein würde.

Kalkofe: Da möchte man sagen: »Mensch, sagt ihnen das doch, warum hilft ihnen keiner vom Kamerateam, die wissen’s doch!«

Kerner: Gibt’s bei Dir auch so Erinnerungen an Edgar-Wallace-Filme? Nur dieses angstmäßige oder auch so dramatische, traumatische Kindheitserinnerungen?

Welke: Nee, ich hab’ mich auch wirklich richtig gegruselt. Und ich hab’s dann auch tatsächlich so gemacht, dass ich, wenn ich dann ins Bett ging, dass ich das komplette Zimmer, mein Kinderzimmer, auf irgendwelche Frösche mit Masken untersucht habe. Also bevor ich mich ins Bett gewickelt hab’, habe ich noch in den Bettkasten geguckt, in den Schrank reingeguckt. Wenn da wirklich der Frosch mit der Maske gestanden hätte, hätt’ ich ‘n Problem gehabt.

Kalkofe: Und man konnte sich ja auch nicht wehren, das war ja so albern: Man hat geguckt, aber was wär’ gewesen, wenn der Mönch mit der Peitsche wirklich im Schrank gewesen wäre?

Welke: Man hat sich ja auch immer so eingewickelt, dass wirklich nichts mehr rausguckt, also kein Zeh. Weil man dachte, es gibt so’n Monster-Ehrenkodex, dass die dann um’s Bett stehen und sagen: »Ja, hier könn’ wir nichts machen, der hat sich perfekt eingewickelt.«

Erschienen am Samstag, 22.05.2004 @ 0:12 | Kommentare deaktiviert
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Nachrichtenlage

Gibt es heute eigentlich nichts wichtigeres als 4,50 Meter lange, Elfenbein-farbene Schleppen in Madrid? Sogar in der Tagesschau ist das die Topmeldung…

Erschienen am Samstag, 22.05.2004 @ 20:02 | Kommentare deaktiviert
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Mein Gott, ist das grausam…

Ich sehe gerade neben der Hausarbeit »Die ultimativen Sommerhits« auf RTL. G-r-a-u-s-a-m! Eigentlich gehen bei mir eh alle Alarmglocken, wenn eine Show als »ultimativ« angekündigt wird. Aber das zu sehen… Immer wieder die selben Promis, die in »MAZ«-Einspieler reingepappt werden.
Und wenn der Deutsche einen Rhythmus entdeckt, dann wird geklatscht, ohne Gnade.

Naja, die Werbung ist nicht unbedingt besser:

»Reinigen Sie mit Cilit-Bang!«

Erschienen am Samstag, 22.05.2004 @ 21:50 | Kommentare deaktiviert
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Wahl des Bundespräsidenten

In rund 13 Stunden wählt die Bundesversammlung im Berliner Reichstag ein neues Staatsoberhaupt für die nächsten fünf Jahre.
Meine persönliche Präferenz ist ja Horst Köhler, obwohl ich dem bürgerlichen Lager ja sonst nicht besonders nahe stehe. Mit dem Namen Horst Köhler kann ich noch was anfangen, er ist mir aus meiner aktiven Zeit als Bankkaufmann ein Begriff, da er ja im Jahr 2000 an die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) berufen wurde.

Seine Konkurrentin Gesine Schwan war mir bis zu ihrer Ernennung als Kandidatin durch die Regierung kein Begriff, aber ich habe mich natürlich auch über sie etwas schlauer gemacht. Abgesehen davon, dass ich Köhler schon vor seiner Nominierung »kannte«, wäre er als Ökonom denke ich ein gutes Staatsoberhaupt in Zeiten des Wandels.
Andererseits steht Frau Schwan meines Wissens für eine Verständigung zwischen Politik und Bevölkerung und für eine Belebung der deutsch-polnischen Beziehungen – wenn ich das mal so blumig umschreiben darf.
Dass mit Gesine Schwan erstmals eine Frau Bundespräsidentin werden könnte, ist denke ich kein Kriterium – ich hätte nichts dagegen, es ist mir sogar egal. Und wenn Horst Köhler Frau und Gesine Schwan Mann wäre, würde ich, denke ich, trotzdem Köhler favorisieren, aus den beiden Gründen, die ich genannt habe.
[Ich denke ja, dass die Chancen auf eine Kanzlerschaft von Angela Merkel von Tag zu Tag steigen, und dann wäre ja eine Frau an der Spitze der Regierung. Wobei ich schon finde, dass ein Kanzler oder eine Kanzlerin Charisma braucht, und Angela Merkel hat die Ausstrahlung einer Trauerweide. Aber Angela Merkel wäre mir lieber als Unterschriften-Rolli, der ja momentan – zum Glück – eher weg vom Fenster ist.]

Dass mit Schwan und Köhler Menschen das Amt antreten, die nicht auf eine Karriere als Politiker zurückblicken können, finde ich sehr gut, irgendwie erfrischend. Die Änderungen, die mit einem Wechsel des Amtes von Johannes Rau auf, voraussichtlich, Horst Köhler einhergehen, hat SPON-Redakteurin Severin Weiland gut umschrieben: »Abschied von der alten Republik«

Die bevorstehende Wahl ist ja überschattet von einem Streit über die Wahlmann-Nominierung des früheren baden-würrtembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger. Er trat 1978 als Ministerpräsident zurück nachdem heraus kam, dass er noch kurz vor Kriegsende als Marinerichter an Todesurteilen beteiligt war.
Ich kann die Aufregung darum nicht ganz verstehen. Dass er mit seiner Vergangenheit als Wahlmann aufgestellt wird, finde ich zwar auch höchst zweifelhaft. Allerdings kommt die Aufregung darum reichlich spät, denn er war bereits an den drei letzten Bundespräsident-Wahlen als Wahlmann beteiligt, nach der Aufdeckung seiner Tätigkeit als Marinerichter im Jahr 1978. Hinzu kommt, dass er für diese Wahl zwar von der CDU im Ländle vorgeschlagen wurde, aber seine Nominierung auch die SPD und die Grünen im baden-würrtembergischen Landtag abnickten.
»Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.«

Stein des Anstoßes war ein offener Brief von Rolf Hochhuth an Horst Köhler. Er schreibt:

»Was muß er [der neue Präsident] für eine nichtswürdige Auffassung von unserem höchstem Staatsamt haben, dass er sich von dem Gangster Filbinger in dieses Amt einführen läßt.«

Das ist albern. Hat Hochhuth vor 15 Jahren auch schon einen Brief an Richard von Weizsäcker geschrieben, oder vor zehn Jahren an Roman Herzog? Und ob es morgen auf eine Stimme eines Herrn Filbinger ankommt, wird sich zeigen. Horst Köhler, würde er von der Bundesversammlung gewählt, wird nicht nur von Hans Filbinger gewählt, sondern noch von ein paar hundert weiteren Leuten. Hochhuth tut gerade so, als würde Köhler von 20 Marinerichtern ins Amt gehievt werden.
Wie gesagt, wir werden morgen sehen, wie viele Stimmen Vorsprung der Wahlsieger haben wird. Falls alle Wahlfrauen und -männer von Union und FDP für Köhler stimmten, könnte er es schon im ersten Wahlgang schaffen. Die Wahlleute von Union und FDP haben wegen ihrer Dominanz in den Landesparlamenten 18 Stimmen über der absoluten Mehrheit in der Bundesversammlung.

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In den letzten Tagen und Wochen sind eine Reihe interessanter Artikel zu den Kandidaten und zum jetzigen Amtsinhaber erschienen (denen ich nicht immer zustimmen kann), vor allem in der Zeit:

  • Die Zeit: »Ökonomie ist nicht alles…«
    …auch nicht im Schloss Bellevue. Aber wer wirtschaftliche Kompetenz bereits für einen Charakterfehler hält, braucht sich über den Zustand unserer Politik nicht zu wundern. So viel für heute zur Wahl eines Bundespräsidenten.
  • Die Zeit 12/04: »Populär sein ist unwichtig«
    Horst Köhler will Reformen und vermisst den Stolz auf Deutschland.
  • Die Zeit 13/04: »Deutschland vom Pessimismus befreien«
    Ökonomie, Moral und die Möglichkeiten der Politik: Ein ZEIT-Gespräch zwischen Horst Köhler und Helmut Schmidt.
  • Die Zeit 21/04: »Die Wahl ist frei bis zum Schluss«
    Am 23. Mai wird der neue Bundespräsident gewählt. Die meisten Bürger kennen keinen der beiden Kandidaten. Ein Plädoyer wider die Küchenkungelei.
  • Die Zeit 22/04: »Politiker mit Gottvertrauen«
    Als Bundespräsident hatte Johannes Rau blass begonnen. Doch gewann er schnell an Profil – und zeigte, dass in diesem Amt alles von der Persönlichkeit abhängt.
  • Die Zeit 22/04: »Damenwahl? Da gäb’s noch bessere Gründe«
    Die Präsidentin der Republik muss Gesine Schwan heißen.

Zur Person Horst Köhlers brachte der Spiegel nach seiner Nominierung eine ausführliche Titelstory. Wer wissen will, wer Horst Köhler ist, kommt um diesen Titel nicht herum.

Zum Ablauf der Wahl selbst gibt es auf den folgenden Seiten umfangreiche Informationen:

Die Seiten des Bundespräsidenten gibt es in deutsch, englisch, französisch und spanisch. Wie sich die Bundesversammlung zusammensetzt, steht kurz und knapp auf einer Seite des Bundestages. Etwas ausführlicher und mit Zahlen zur Zusammensetzung findet sich auf der CDU-Seite.
Weswegen der Bundespräsident überhaupt von der Bundesversammlung gewählt wird und nicht direkt vom Volk, steht sehr ausführlich auf den Seiten des Bundestages.
Wer es ganz genau wissen will (ich bin ja so ein Freak), der sieht sich diese Seite mit dem genauen Zeitplan für die morgige Versammlung an (außerdem: Zusammensetzung, Namensliste der Mitglieder, Ersatzmitglieder).

Einfach gesagt besteht die Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten wählt, aus doppelt so vielen Mitgliedern, wie der Bundestag Abgeordnete hat. Die eine Hälfte der Versammlung besteht dann aus den Bundestagsabgeordneten. Die andere Hälfte besteht aus Delegierten der 16 Länderparlamente.
Trivia-Info: Nach dem Tod einer Abgeordneten mit Direktmandat entsendet der Bundestag 602 statt 603 Wahlleute in die Bundesversammlung. Da bereits zuvor im Januar von der Bundesregierung festgesetzt wurde, welches Bundesland wie viele Wahlleute in die Versammlung schickt, stand auch die Anzahl von 603 Wahlleuten durch die Landesparlamente fest, so dass es nun insgesamt 1.205 statt 1.206 sind.

Im Gegensatz zu irgendwelchen blaublütigen Hochzeiten ist solch ein politisches Ereignis ein TV-Highlight für mich. Ok, wenn zwischen 12:15 und 14:30 Uhr 1.205 Leute namentlich zur Stimmabgabe aufgerufen werden, kann ich bestimmt noch was nebenher machen.   :-)
So sieht’s morgen aus:
11:30 – 15:00 _ ARD: Wahl des Bundespräsidenten
11:50 – 14:25 _ ZDF: ZDF spezial (unterbrochen durch diverse Sendungen)
16:15 – 16:30 _ ARD: Farbe bekennen
19:10 – 19:30 _ ZDF: Was nun…?
21:45 – 22:45 _ ARD: Sabine Christiansen

Farbe bekennen: »Der neue Bundespräsident stellt sich den Fragen von Andreas Cichowicz und Fritz Frey«
Was nun: »Fragen an das neue Staatsoberhaupt von Nikolaus Brender und Thomas Bellut«
Bei Sabine Christiansen zu Gast: Die Ministerpräsidenten Heide Simonis und Edmund Stoiber, VW-Vorstand Peter Hartz, ein Historiker und ein früherer Verfassungsrichter.

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Am 1. Juli scheidet Johannes Rau aus dem Amt aus und sein Nachfolger nimmt seinen Platz ein.

Erschienen am Samstag, 22.05.2004 @ 23:13 | Kommentare deaktiviert
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