Dienstag, 10.08.2004
Ladykillers
Filme der Coen-Brüder zeichnen sich durch drei Dinge aus.Erstens: Die Liebe zum Detail. Szenenbilder, Szenenzitate innerhalb des Films, die Musik: Alles fügt sich perfekt zusammen, nichts ist zufällig.
Zweitens: Die handelnden Personen, stets Leute wie Du und ich, bringen sich auf glaubwürdige Weise in völlig unglaubwürdige Situationen.
Drittens: Subtiler, aber doch schwarzer Humor, der sich aus Zweitens ergibt.
Vor allem der zweite Punkt traf besonders auf »Fargo«, »The Big Lebowski«, »O Brother, Where Art Thou?« und »The Man Who Wasn’t There« zu. »Ladykillers« geht sehr stark in Richtung »O Brother«, und wem dieser Film gefallen hat, dem wird auch »Ladykillers« zusagen.
Die Filme der beiden treffen nicht jedermanns Geschmack, denn Coen-Filme sind anders. Ihr letztes Werk, »Intolerable Cruelty« (»Ein unmöglicher Härtefall«) war IMHO ein Hollywood- und Mainstream-kompatibler Ausrutscher ins Romanzenmilieu, aber kein »echter Coen«. [Wobei ich zugeben muss, dass selbst ich als Coen-Fan »Barton Fink«, der neulich im ZDF gezeigt wurde, etwas arg seltsam fand.]
»Ladykillers« (IMDB, Trailer) ist ein Remake eines Films von 1955, damals mit Alec Guinness in der Hauptrolle. Das Buch stammt von Wiliam Rose (für das 1955er Original), während Joel Coen diesmal nur das Drehbuch geschrieben hat.
Ich kenne den Film aus den 50ern nicht, so dass ich nicht beurteilen kann, wie viel in der Neuauflage von den Coen-Brüdern stammt. Ich finde ihn jedenfalls sehr Coen’esk.
Ohne zu viel zu verraten: Tom Hanks spielt Professor G.H. Dorr, der ein Zimmer bei einer alten Witwe (Irma P. Hall als Marva Munson) anmietet. Der perfekte Gentleman nutzt den Vorratskeller, um mit einigen Bekannten Musik des Rokoko zu üben – angeblich. Tatsächlich planen sie den großen Coup.
Ich sag’ mal so: Wenn Steve Buscemi auch in diesem Coen-Film mitgespielt hätte, wäre er mit Sicherheit gestorben. Damit ist für Coen-Fans eigentlich genug gesagt. :-)
Achtung: Der Trailer verrät für meinen Geschmack zu viel!
»Ladykillers« ist ein rundum gelungener Film: Die Story ist durchdacht und wartet mit einigen Überraschungen auf, außerdem wird sie kurzweilig erzählt. Die oben angeführte Liebe zum Detail schlägt auch hier voll zu: Perfekte Kameraeinstellungen, immer passende Musik, die Bilder erzählen die Story vom Anfang bis zum Schluss.
Dann die Schauspieler: Ein Wort: Genial. Man nimmt nicht nur allen Akteuren ihre Rolle ab, jede/r hat auch noch einen ganz eigenen Charakter und den einen oder anderen Tick. [Einen guten Teil des Witzes macht aus, dass das »Ensemble« aus völlig unterschiedlichen Typen besteht.]
Fazit: Anschauen!
Studio: Touchstone Pictures. Distributor: Buena Vista.
Seitenverhältnis: 1,85:1. Dauer: 104 Minuten.
Erschienen am Dienstag, 10.08.2004 @ 1:12
| Kommentare deaktiviert
Tags: Film-und-Fernsehen, kinokritik
