Sonntag, 05.09.2004
Digital Presentations Management System: </hassle>
Wie angekündigt herrschte hier in den letzten Tagen etwas Flaute: Ich war für einen Auftrag in München. Genau gesagt war ich auf der Messe München auf dem Kardiologie-Kongress der ESC (European Society of Cardiology).Zugegeben: Da denkt man sich erstmal: »Schön.« Tatsächlich ist dieser Kongress der größte Kongress Europas: Zwischen 28. August und 1. September kamen 30.000 Ärzte auf den Kongress, auf dem in knapp 30 Vortragsräumen über 3.000 Vorträge gehalten wurden. In zwei angrenzenden Messehallen wurde das neueste Handwerkszeug für den Kardiologen von Welt gezeigt.
Meine Aufgabe bestand darin, mit rund einem Dutzend Kollegen der SAEn Berlin und München im »Check-In« zu helfen: Etwa 1.800 Präsentationen liefen über das »DPMS« genannte System der Münchner Firma M-Events. Jede dieser Powerpoint-Dateien nebst etwaiger Videos musste ins System kopiert werden. Der jeweilige Redner saß daneben und sah sich die Präsentation auf einem Notebook von M-Events an: Funktionieren die Übergänge und die Videos, tauchen wegen fehlender Schriften komische Symbole auf? Wenn alles klar war, wurden die Dateien mit einem Mausklick auf den Server geladen.
Sinn der Übung: Die Präsentation wird vor der Rede vom Server auf das Thinkpad im Saal kopiert. Da die Dateien zuvor auf identischen Systemen getestet wurden ist sichergestellt, dass es während des Vortrags zu keinen Problemen kommt. Die Redner können sich ganz auf ihre Ausführungen konzentrieren und müssen sich nicht um die Technik kümmern. Zudem sparen alle Beteiligten Zeit und Probleme, da nicht vor jeder Präsentation mitgebrachte Notebooks umgesteckt werden müssen.
Ohne hier Werbung betreiben zu wollen, aber ich finde das System schlichtweg genial. Es ist absolut einfach zu bedienen, sieht gut/professionell aus und stellt – von der technischen Seite her – reibungslose Vorträge sicher. Jeden Tag haben allein mir 3 bis 5 Redner gesagt, dass sie das Sytem cool finden und bereits zur Genüge gegenteilige Erfahrungen auf anderen Kongressen machen mussten.
Falls jemand mal einen Kongress zu organisieren hat: M-Events anrufen. Das »M« steht übrigens nicht für München, sondern für »Marquardt Brothers«; M-Events hat auch schon Kongresse in Hamburg und Athen durchgeführt, demnächst steht eine Veranstaltung in Paris an.
Für mich als SAEler waren auch die Innereien recht interessant. So ganz wollte der Programmierer nicht mit den Infos rausrücken, aber ich kann mir im Großen und Ganzen zusammenreimen, wie die Software entstand. Nur so viel: Es ist sehr beeindruckend, was man mit Flash und Director machen kann…
Während des ESC-Kongresses kam ich bei Holger unter (danke!). Aufstehen war um kurz vor 6 Uhr angesagt, denn wir mussten bereits um 7 in der Messe sein. Feierabend war gegen 18 Uhr.
Holger und ich wussten die kurzen Abende zu gestalten: Seinfeld, Daily Show und Homestar Runner!
Wir testeten einen Griechen und sahen mal wieder beim Schnitzelmann vorbei: Den Griechen »Wotrys« kann ich sehr empfehlen, und würde ich noch meine Griechen-Top-5 führen, hätte er womöglich einen Platz in den höheren Rängen sicher. Die Adresse: Neureuther Str. 8 in 80799 München. Telefon: 089-27375731. Großes Spezi für 2,70, die Dolmades (eigentlich kaltes Dolmadakia) für 3,90 und das Souvlaki für 9,80 Euro. Die Bedienungen sind freundlich, die Weinblätter sind lecker, der Tzatziki ist scharf und das Souvlaki ist ebenfalls 1A.
Der Schnitzelmann heißt eigentlich »Steinheil« und befindet sich in der Steinheilstraße 16 in 80333 München. Telefon: 089-527488. Wofür das Steinheil berühmt ist, sind die extrem großen Schnitzel Wiener Art, die im Sekundentakt aus der Küche getragen werden. Sie bedecken fast den ganzen Teller, und darunter verstecken sich lecker Bratkartoffeln.
Beide Etablissements sind leicht per U-Bahn zu erreichen.

Im Vordergrund: Eine 1-Euro-Münze zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse
Gleich gegenüber des Steinheil findet sich eine der Münchner Sehenswürdigkeiten:
Was gibt’s sonst noch über die Messe zu erzählen?
Die Anbindung ab Ostbahnhof ist sehr gut: Eine Station bis Innsbrucker Ring, dann umsteigen in die bereitstehende U-Bahn der anderen Linie am selben Bahnsteig gegenüber; insgesamt nur 10 Minuten Fahrt.
Die Räume waren nach europäischen Städtenamen benannt. Im ICM haben eigentlich nur kleinere Räume Namen (Schliersee, Kochelsee…), die großen Räume sind nummeriert. Die ESC hat die anderen Räume benannt: Rome, Paris, Brussels, Lisbon, Athens, Vienna, Riga, Berlin, Oslo, London, Helsinki, The Hague…
Rom, Saal 14, ist mit 3.000 Plätzen der größte Saal. Mit den Präsentationen, die ich für Rom eingecheckt habe, lief alles glatt. :-)
Überhaupt ist die Messe groß, und ich habe ja ein Faible für große Bauten. Ich kenne natürlich Messehallen, aber sie vor bzw. nach einem Kongress leer zu sehen, ist nochmal was ganz anderes. Oder die mehrere hundert Meter langen Galerien der Eingangshalle… Das ideale Fortbewegungsmittel auf der Messe sind Kickboards, man läuft sich sonst die Hacken ab.
Was sonst noch?
Englisch war natürlich Pflicht. Von den mehreren Dutzend Besuchern, die ich jeden Tag im Check-In hatte, sprachen nur drei oder vier Deutsch. Aber es ging ganz gut, und am zweiten Tag hat man natürlich einige Sätze, die man immer gebrauchen kann/muss.
Der Job selbst war zwar intellektuell nicht besonders fordernd, aber es war mal was anderes und insgesamt hat es schon Spaß gemacht (und die Bezahlung war angemessen). Am letzten Tag halfen einige von uns noch beim Abbau von Computern im Verwaltungstrakt. Dabei ergab sich eine interessante Unterhaltung mit Sascha vom französischen Dienstleister PCLoc und ich habe gelernt, wie man Kabel unterschiedlichster Länge und Dicke ordentlich aufrollt. :-)
Die Präsentationen selbst? Am ersten Tag checkten wir ungefähr 400 Präsentationen ein, an den Folgetagen runde 600. Vom design-technischen Standpunkt her war’s teilweise schon gruselig (Comic Sans stand hoch im Kurs), und von einfachen Präsentationen bis zu Gesamtkunstwerken war alles dabei. Einige haben mich aber auch beeindruckt: Übersichtlich und ansprechend gestaltet. Von denen Dingen, die ich da gesehen habe, hatte ich natürlich keine Ahnung. Manche Professoren erklärten uns aber auch kurz, was auf den Videos passierte. Einer demonstrierte beispielsweise im Zeitraffer, was innert 90 Minuten nach dem Genuss von drei Zigaretten passiert: Ich weiß nicht, was ich da gesehen habe, aber es sah nicht gut aus. :-)
Die Redner, Doktoren und Professoren waren durchweg nett, wie ich auch einem der VIPs mit roter Badge auf Nachfrage versichern konnte, als er bei mir seine Präsentation eincheckte. VIPs waren beispielsweise die Mitglieder des Executive Committee der ESC (Jacob: »Die haben nicht nur eine rote Badge, die haben eine rote Badge mit goldener Umrandung und Diamanten drauf.«)
Am 2.9. war ich wieder zurück und war erstmal hemmungslos faul. Am Freitag, 3.9., bekam ich einen Anruf, man würde mich gerne wieder auf dem nächsten Kongress haben – jetzt. Vier Stunden später war ich in München und half beim Aufbau (der Diabetes-Kongress begann offiziell erst am Samstag). Am Samstag war nur noch wenig zu tun, so dass es bei meinem zweiten Kongress nur bei einem kurzen Gastspiel blieb.
Übrigens wurden die Räume diesmal nach Persönlichkeiten benannt: »Langerhans Hall«, »Meyerhof Hall«, »Tannhauser Hall« oder »Naunyn Hall«.
Insgesamt fand ich’s ganz cool!
Nachtrag (14.09.04): Das Schnitzel im Steinheil kostet 8,80 Euro.
Erschienen am Sonntag, 05.09.2004 @ 16:13
| Kommentare deaktiviert
Tags: job, Web
