NetNewsWire 2
Meine drei Haupt-Kritikpunkte waren:
- Viele Feeds haben keine Bilder, Links und Absätze.
- Nicht »urlaubstauglich«: Wenn ich mal zwei Tage offline bin, verpasse ich alles, was dazwischen liegt, anders als z.B. bei Usenet Newsgroups.
- Es gibt oft keine vollen Feeds, sondern nur Anrisstexte oder noch nicht mal das (dann gibt es nur Überschriften).
Vor allem der letzte Punkt wurmt mich: Ich will einen RSS-Reader statt eines Web-Browsers benutzen und nicht nach wie vor auf einen Browser angewiesen sein. Bei kommerziellen Seiten, die von Banner-Einblendungen leben, kann ich das ja noch nachvollziehen, aber bei verkrüpelten Feeds von privaten Weblogs fehlt mir für sowas jedes Verständnis (außer, die Weblog-Software generiert per default solche »Un-Feeds« und der Betreiber weiß nicht, wie er das beheben kann).
Beim Feed der tagesschau gibt es gnädigerweiße Teaser-Texte, so dass man sich überlegen kann, ob der ganze Artikel lohnt. Bei Spiegel-online und Heise gibt es nur Überschriften. Und gerade bei SPON weiß man nach dem Lesen der Überschrift nicht, worum es in dem Artikel geht, da SPON-Überschriften oft aus Zitaten oder Wortspielen bestehen.
Das bremst die Lust auf’s Abonnieren des RSS-Feeds schon sehr.
Inzwischen hat sich die Situation etwas gebessert, allerdings nur, was Punkt 1 anbelangt: Die Feeds werden besser, denn es werden vermehrt auch Links, Bilder und Absätze mitgeschickt (mein Feed hat alle diese Features). Bei den anderen beiden Punkten hat sich leider nichts geändert – allerdings sind die RSS-Reader besser geworden, zumindest NetNewsWire 2.
NetNewsWire (NNW), für alle, die es nicht wissen, ist der RSS-Reader auf dem Mac schlechthin. Okay, es gibt noch ein paar andere Programme, aber mal ehrlich: Über die spricht keiner, denn NNW ist die Macht.
[Übrigens stammen die neuen Icons von Jon Hicks.]
Es gibt nun die Möglichkeit, runtergeladene Texte eines Feeds für eine einstellbare Dauer zu behalten. Das ist nützlich, wenn man nicht gleich zum Lesen kommt. Aber: Es hilft nur bedingt, wenn, wie beispielsweise bei Heise, den Tag über sehr viele Nachrichten eintrudeln.
Beispiel: Ich aktualisiere den Feed am Morgen, rühre tagsüber den Mac nicht an, und aktualisiere nochmal am Abend. Der Heise-Feed schickt immer die letzten 15 Nachrichten, auch wenn seit dem Morgen 20 oder 30 erschienen sind.
NNW2 bringt die Rendering-Engine von Safari mit: NNW ist dadurch auch ein Web-Browser, und man kann Feed-Einträge oder Links aus einem Feed in einem neuen Tab öffnen. Das ist nützlich, da ich nicht erst in Safari wechseln muss (Remember? Ich will einen RSS-Reader statt eines Browsers benutzen). Das ist zwar noch nicht optimal, dazu müssten alle Feeds volle Inhalte liefern, aber besser als noch letztes Jahr.
Bonus: NNW ignoriert target="_blank", was speziell bei den »Druckversion«-Links bei SPON nervt – mit NNW wird die Druckversion im gleichen Fenster geöffnet, wie sich’s gehört.
Extra-Bonus: Was Safari immer noch nicht geschafft hat, kann NNW: Es merkt sich die Tabs. Nach einem Programmabsturz oder dem regulären Beenden des Programms sind alle Tabs beim nächsten Start wieder da! Endlich… Für OS X 10.4 »Tiger« im nächsten Jahr habe ich die Hoffnung noch nicht aufgehoben, dass Safari das nach Opera, OmniWeb und (?) Firefox auch noch lernt.
[Wer's genau wissen will: Die Tabs werden in der XML-Datei Tabs.plist im Verzeichnis ~/Library/Application Support/NetNewsWire gespeichert.]
Die beiden genannten Verbesserungen – Feed-Archiv und integrierter Browser inklusive Tab-Sicherung – sind sehr vielversprechend. Kann gut sein, dass ich mir NNW2 kaufen werde – sofern es nicht die Lite-Version tut.
Die Unterschiede zur kostenlosen Lite-Version kann man in einer Vergleichstabelle nachsehen (allerdings noch auf die 1.x-Version gemünzt).
Nachtrag (10.10.04): Von Matthew Maber gibt es ein Spotlight-Theme; sieht sehr gefällig aus. Allerdings habe ich den Eindruck, dass dadurch NNW bei mir etwas behäbiger wird.
Erschienen am
Dienstag, 05.10.2004 @ 9:34
Tags: Medien, netzwelt
