World Press Photo
Ich blieb rund eine Stunde, um mir alle der vielleicht 200 Fotos anzusehen, und die Informationstexte zu lesen. Fazit: Absolut empfehlenswert.
Gezeigt wurden Einzelbilder und Fotoserien aus unterschiedlichen Bereichen, von der Sport- und Nachrichten-Fotografie über Natur- und Architekturaufnahmen bis zu Dokumentationen für Reportagen in Magazinen wie GEO. Die Fotos sind manchmal verstörend, oft spektakulär und fotografisch immer dermaßen exzellent, dass man sich kaum satt sehen kann.
Das Foto des Jahres ist eine Aufnahme von Jean-Marc Bouju aus Frankreich für Associated Press. Es zeigt einen gefangenen Iraker, der seinen Sohn in den Armen hält:
Ein sehr gutes Foto, aber ich hätte ein anderes Bild zum Foto des Jahres gewählt: Ein Bild des Franzosen Noël Quidu für die Agentur Gamma, der mit seiner Newsweek-Bilderserie »Liberia« den ersten Platz in der Kategorie »spot news story« gewann:
»Liberia has been wracked by on-off civil war since the 1980s. In March 2003, rebels had advanced to within 10 kilometers of the capital Monrovia, and by July fighting had intensified and government and rebel militia were battling for control of the city. After intervention of UN and US forces in August, rebels signed a peace accord and President Charles Taylor left the country.«
Eines seiner Bilder zeigt einen Rebellen, der triumphierend Menschenknochen in die Luft hält:

Eindringlicher kann man den Wahnsinn eines Krieges nicht in einem Foto festhalten.
Ebenfalls sehr berührend war die Bilderserie »Terminally Ill« des Deutschen Walter Schels. Die Fotos erschienen in der Spiegel-Ausgabe 26/2003 im Artikel »Noch mal leben vor dem Tod: Die letzten Tage von fünf Todkranken im Berliner Ricam-Hospiz.« Je ein Foto zeigt einen der Kranken vor und nach seinem Tod. Der Artikel ist übrigens sehr lesenswert.
Die Ausstellung hatte auch heitere Momente zu bieten. Mike Moore fotografierte für den Daily Mirror den unverwechselbaren Schiedsrichter Pierluigi Collina. Er hört bekanntlich 2005 auf, aber was ich nicht wusste war, dass er 45 wird und FIFA-Schiedsrichter über diesem Alter nicht länger Spiele pfeifen dürfen. Er soll gesagt haben, dass er gerne weitermachen würde, aber in seinem Beruf müsse er sich nunmal an Regeln halten. :-)
Alle Fotos kann man sich auf der Website der Organisation ansehen: worldpressphoto.nl
Im Juli erschien außerdem ein Buch mit den Fotos der 2004er Ausstellung.
Nach Nürnberg ist die Ausstellung nur noch einmal in Deutschland zu sehen: Bis 31. Oktober in Berlin im Bahnhof Friedrichstraße. Außerdem noch in zahlreichen Ländern in Asien, Europa, Amerika und Afrika. Wer sich nicht mit den kleinen Abbildungen im Web oder in dem Buch begnügen will, hat nach Berlin noch in Innsbruck Gelegenheit, vom 19.11. bis 12.12. im Congresscenter. Ich kann es nur empfehlen!
Erschienen am
Dienstag, 05.10.2004 @ 16:22
Tags: ausstellungen, Fotografie
