Samstag, 13.11.2004
Spot on Spotlight – oder: Warum der Mac dem PC überlegen ist
Es ist Samstag, die neue c’t ist da und sie enthält einen Leserbrief, den ich kommentieren muss. Gleich.Mit Holger habe ich mich erst letzte Woche darüber unterhalten, dass viele Windows-User deswegen Windows benutzen, weil sie gar nichts anderes kennen. Sie mühen sich ab und ärgern sich über ihren Computer, arbeiten für ihn statt mit ihm ohne zu wissen, dass alles auch viel einfacher geht.
Man versucht, das »It just works«-Prinzip zu erklären und erhält als Antwort: »Das geht doch mit Windows auch.« Und dann mach’ so jemandem mal klar, warum der Mac besser ist. Der Unterschied zwischen gut gemacht und schlecht kopiert.
Und hey, ich weiß wovon ich spreche: Ich habe zehn Jahre lang mit allen Windows-Versionen zwischen Win3.1 und Win2000 gearbeitet, bevor ich zum Mac gewechselt bin. [Gut, die Aufguss-Versionen 98SE und ME habe ich ausgelassen, weil ich nach 9x natürlich W2K eingesetzt habe.]
Beispiel? Beispiel. Der Leserbrief von Rolf Keller in c’t 24/04 auf Seite 14 ist ein sehr gutes Beispiel; wahrscheinlich, ohne dass Rolf Keller das weiß. Ich erlaube mir mal, seine Zuschrift zum Artikel »Local Heroes, Google und Co. durchsuchen jetzt auch die Festplatte« zu zitieren:
»Die Suchfunktion von Windows ist in ihrem Artikel etwas zu schlecht weggekommen. Es stimmt, dass sie fürchterlich langsam ist. Zumindest in Windows XP nutzt sie aber automatisch den Indexdienst, wenn der Nutzer diesen aktiviert hat. Der Dienst verarbeitet nicht nur Text- und Office-Dateien, sondern auch HTML-Dateien, E-Mails im MIME-Format und Skript-Dateien. Über eine Schnittstelle für Indexierungsfilter können auch andere Dateien indexiert werden. Adobe bietet einen PDF-Filter zum kostenlosen Download an. Wie im Artikel richtig steht, ist der Indexdienst (zu) tief in der Systemverwaltung versteckt. Aber sobald er einmal konfiguriert ist, braucht man ja nur noch seine Abfragefunktion, der Rest läuft vollautomatisch im Hintergrund. Allerdings ist diese Suchfunktion auch nicht gerade berauschend in ihrer Funktionalität.«
Ich darf zusammenfassen: Der Indexdienst muss in der Systemverwaltung gefunden werden, er muss vom Nutzer aktiviert werden, er muss konfiguriert werden und für das Durchsuchen von PDF-Dokumenten muss ein PDF-Filter installiert werden.
Ich hätte mir das gerne selbst angesehen, aber wenn ich bei meiner WinXP-Installation in Virtual PC in Systemsteuerung/Klassisch/Verwaltung »Dienste« doppelklicke, bekomme ich eine seltsame Fehlermeldung, dass die Anwendung nicht initialisiert werden konnte.
Schauen wir uns doch mal an, wie Apple das macht. Eine Volltext-Suche gab es in Mac OS schon zu OS-9-Zeiten, mit Sherlock. Seit Version 10.3 »Panther« vom Oktober 2003 gibt es im Finder ein Eingabefeld in der Symbolleiste:
Ich muss keine Einstellungen suchen, ich muss nichts aktivieren, ich muss nichts installieren, ich muss nichts konfigurieren. Das Suchfeld ist einfach da.
Ah ja, Herr Keller hat ja noch was anderes über die Windows-Suche gesagt: »Es stimmt, dass sie fürchterlich langsam ist.« Bei Mac OS X ist das ein bisschen anders: Ich bekomme die Suchergebnisse nicht nach endlosen Minuten, während die Festplatte rödelt, sondern nach wenigen Sekunden, und zwar inkrementell: Je mehr Buchstaben ich eingebe, desto kürzer wird die Ergebnisliste. Wie in iTunes. (»Und jetzt stell’ Dir vor, Dein ganzer Computer ist so.«)
In der Info-Palette jedes Ordners gibt es auch eine Sektion für die Indizierung, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, wofür die gut ist: Ich finde alle meine Dateien über die Finder-Suche sofort, auch ohne Indizierung. Vermutlich wird das für die Inhaltssuche gebraucht, aber die benötige ich im Moment recht selten.
Noch was: Da alles, was in Mac OS X auf dem Bildschirm angezeigt wird, ein PDF ist, wird PDF natürlich auch von Haus aus vom Betriebssystem unterstützt: sowohl die Erzeugung als auch die Anzeige und die Inhaltssuche. Kein PDF-Filter notwendig.
Wenn ich nicht nur nach einem Dateinamen suchen möchte, sondern auch nach Inhalten oder anderen Kriterien, drücke ich im Finder oder auf dem Desktop Apfel-F und kann eine Menge von Kriterien angeben:
Und zwar ohne einen Assitenten wie bei WinXP, der mir im Weg rumsteht und bei dem ich einem Hund die Frage beantworten muss, ob ich nach einer Datei oder einem Bild suchen möchte. (Häh, ist ein Bild nicht auch eine Datei?)
Natürlich kann ich beim Mac auch nur nach einem Kriterium oder einer beliebigen Kombination suchen. Hier wird auch mal wieder die Liebe zum Detail deutlich, die allen Produkten von Apple innewohnt: Wenn ich mit den Plus- und Minus-Knöpfen Suchkriterien hinzufüge oder entferne, ändert sich die Fenstergröße automatisch.
Bei der WinXP-Suche verändert sich am Fenster nix automatisch und noch dazu hat man die Auswahl der Suchkriterien auf die denkbar ungünstigste Weise in das Fenster geklebt: Nicht nur die einzelnen Suchkriterien, sondern auch die Optionen der Suchkriterien sind vertikal untereinander in einem schmalen Streifen angeordnet, so dass es einen vermeidbaren Scrollbalken gibt – während ich meine Eingabe ganz oben nicht mehr sehen kann. Naja, dafür hat der Hund Platz.
Wie gesagt, die oben dargestellte Suche in Mac OS X ist Stand Oktober 2003.
Im ersten Halbjahr 2005 erscheint die Version 10.4 von Mac OS X, Codename »Tiger«. Die Suche wird Dank Spotlight noch einfacher und leistungsfähiger: Zugriff auf die Suche gibt’s dann nicht mehr nur im Finder, sondern jederzeit durch ein Lupen-Icon rechts oben in der Menüleiste.
Die Ergebnisse sind ebenfalls in Sekundenschnelle da und werden nach Dokumentart vorsortiert (Adressbucheinträge, E-Mails, Bilder…). Allerdings wird nicht wie bisher nur nach Dateinamen gesucht, sondern sofort auch nach Inhalten und anderen Meta-Daten wie Creator, Etikett oder Schlüsselwörtern. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Sekundenschnelle, inkrementelle Suche nach Datei-Inhalten.
Für Spotlight muss nicht nachts die Festplatte eine Stunde rödeln, um den Index zu aktualisieren. Apple schreibt:
»Make no mistake about it, Spotlight isn’t “bolted on” to the system. It’s a completely new search technology that is tightly integrated with a fundamental part of the OS: The file system. Every time a file is created, saved, moved, copied, or deleted, the file system automatically ensures that the file is properly indexed, cataloged, and ready for whatever search query might be issued – all in the background. These abilities build on the already impressive capabilities of the journaled HFS+ file system.«
Apple hat vor einiger Zeit einen gewissen Dominic Giampaolo angeheuert. Er war Entwickler des BFS, dem Dateisystem von BeOS. Nach dem, was man bisher von Spotlight gelesen und gesehen hat, und das, was über das BFS bekannt ist, wird Tiger rocken!
Microsoft wollte ja eigentlich Ende 2006 bei Longhorn etwas ähnliches bieten und es sollte das Killerfeature der nächsten Windows-Version sein. Doch ausgerechnet dieses Feature, »WinFS«, wird nicht in Longhorn enthalten sein…
[Ich frage mich ja, mit was Microsoft in zwei Jahren überhaupt punkten will: Die ans Internet angebundene Sidebar? Kommt mit Tiger als Dashboard. Die Bildschirmdarstellung mit Avalon nicht mehr von der CPU, sondern von der Grafikkarte berechnen lassen? Gibt es seit 10.2 »Jaguar« mit Quartz Extreme vom August 2002, und wird mit Tiger und seinem CoreImage weiter verbessert.]
Aber das ist ja noch nicht alles, was Spotlight kann. Es wird Smart Folder geben: Damit kann ich eine Suchanfrage als virtuellen Ordner abspeichern, ungefähr so wie eine E-Mail-Ansicht oder eine Playlist. Wenn neue Dateien auf die Suchkriterien zutreffen, erscheinen sie automatisch im Smart Folder. Das selbe wird es auch im Adressbuch und im Mail-Programm geben.
Entwickler haben Zugriff auf die Spotlight-API, so dass jedes Programm für Tiger eine solche Suche anbieten kann (oder die Integration in die systemweite Spotlight-Suche).
Wenn das nicht ‘n Brett ist, dann weiß ich nicht was.
Die PC-Nutzer können ja Weihnachten 2006 von Features träumen, die ihr »brandneues« Longhorn wieder nicht hat. Und die ich dann schon seit vier Jahren einsetze. Dann wird sich, wie heute auch schon, mal wieder ein Spruch bewahrheiten:
»To see tomorrow’s PC, look at today’s Macintosh.«
Nachtrag: Der Artikel erschien am 26.11. auch bei Mac-TV.
Erschienen am Samstag, 13.11.2004 @ 14:15
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Tags: Apple, get-a-mac

