Archiv für Sonntag, 19.06.2005

Sonntag, 19.06.2005

»The conference is about to begin in a few minutes. So grab a seat – and relax.«

Badge für den Eintritt zur Toca Me 2005

Am Samstag fand in der Münchner Reithalle die zweite »Toca Me«-Designkonferenz statt – für mich der erste Besuch.
Matthias holte mich um 11 Uhr zu Hause ab und wir fuhren in Karins altem Polo nach München – er holte alles raus, was in dem Hobel drin war (1:45 von Erlangen bis München, mit Baustelle). Kurz ein Sprung ins Büro und einen Happen gegessen, dann zu Fuß von Matthias’ Wohnung zur Reithalle.

Um 14 Uhr öffneten die Tore. Jeder Besucher bekam eine Badge und ein »Package« (Plastiktüte mit dem Programm und je einer Ausgabe von Novum, Style und de:bug). Bis alle eintrudelten, konnte man sich an der Bar mit Getränken versorgen und eine kleine Ausstellung ansehen: Video-Installationen, ein Shop und ein Info-Tisch des Hardware-Sponsors.

Der offizielle Teil startete um 15 Uhr mit Niko Stumpo aus Amsterdam. Niko zeigte hauptsächlich seine Comic-Figuren, die er auf einer riesigen Stoffbahn druckte, um dann Taschen und T-Shirts daraus nähen zu lassen. Außerdem gab es in der knappen Stunde noch ein paar Video- und Flash-Projekte von ihm zu sehen.

Nach einer Viertelstunde Pause ging es weiter mit Rob Chiu aus Manchester. Sein Schwerpunkt sind Motion Graphics, doch zunächst gab er einen Überblick über seine Printprojekte und Artikel von ihm, die beispielsweise im Computer Arts Magazine erschienen sind (»After Effects for Print«). Anschließend sprach er ausführlich über seinen Trailer für das Leeds International Film Festival: Die Idee, die Umsetzung und die Schwierigkeiten während der Produktion.
Als Appetithappen zeigte er noch seine neue Website, die noch im Juni live gehen soll (die Actionscript-Umsetzung stammt allerdings nicht von ihm, sondern von Danny). Robs Präsentation dauert auche rund eine Stunde.

Florian Schmitt und Alexandra Jugovic, die in London Hi-Res! gegründet haben, sind bekannt durch die Websites für Massive Attack oder zu den Filmen »Saw«, »Donnie Darko« und »Requiem for a Dream« (übrigens neben »Trainspotting« einer der besten Drogenfilme; man merkt allerdings, dass die Site schon fünf Jahre alt ist).
Während der Toca Me zeigten sie allerdings nur die Site zu »Saw«. Sehr cool war auch das Projekt für BMW: Mit Mausgesten kann der Besucher eine kleine Landschaft malen, in der sich allerhand bewegt. Oder auch »For All Seasons«.
Das Hauptthema ihres Auftritts war das »Hijack«-Projekt, der Styleguide für MTV International. Noch besser gefallen hat mir aber das gleiche Konzept für die PSP – mit einem Ausblick auf mögliche Werbeformen in Europa ab September. Für die Kampagne gab es zwei Ideen: Erstens, die Form der PSP ist überall zu finden (man kann’s schlecht beschreiben). Nett, aber hat man ähnlich schon gesehen. Genial dagegen die zweite Idee: Mit der PSP zu spielen macht derart abhängig, dass die Spieler mit der PSP in der Hand nur noch auf den Boden schauen. Konsequenz: Vor dem Drehkreuz zur U-Bahn steht auf dem Boden »Press Pause.« Oder vor einem Denkmal: “Obstacle ahead”, mit einer Schlangenlinie um das Hindernis herum. Eine weitere Marketing-Idee sind T-Shirts, die etwas ausgebleicht erscheinen, mit Ausnahme der Stellen, an der die Heavy User gewöhnlich ihre Arme, Hände und die PSP haben.
Danach zeigten Florian und Alexandra noch die neue Website für Grey Goose Vodka. Zum Schluss kündigten die beiden an, dass sie mit »Nanika« ein neues Unternehmen gründen, das hauptsächlich Installationen macht.

Eine Stunde Pause! Nina, Matthias und ich bestellten Futter beim Abhol-Italiener und aßen in Matthias’ Wohnung. Um 20 Uhr ging es weiter mit Electronic Shadow aus Paris, bestehend aus Naziha Mestaoul und Yacine Ait Kaci. Bei ihnen geht es vor allem um »Hybrid Design«: Wie kann man Bilder, Videos und Töne mit der Realität verbinden? Konsequenterweise drehte sich viel um Installationen. Ich fand das Thema etwas dröge, vielleicht, weil ich einerseits Installationen generell nicht so abgewinnen kann. Außerdem war es für meinen Geschmack etwas zu philosophisch (»Das Bild ist der Raum.«).

Als letzter trat um halb zehn Joshua Davis aus New York die Bühne. Bei seinem Vortrag blieb kein Auge trocken! Zu Beginn lud er zum Skateboard-Fahren mit ihm und Niko am Sonntag ein:

»We want to destroy your city. With our skateboards. We don’t know were the fuck this is gonna happen, but it will be fun.«

In seiner Präsentation schilderte er anfangs ganz kurz, wie er zum Design kam: Seine Eltern meinten, er müsse Maler werden, drückten ihm Ölfarben in die Hand und er malte Dinge, die aussahen wie von einem dieser vor 500 Jahren gestorbenen »assholes«. Dann kam das Internet auf und er entdecke Flash. Damit »programmierte« er Bilder: Per Mausklick duplizierte er MovieClips, die sich an bestimmte Regeln hielten. Die anwesenden Designer triezte er mit »macht das mal in Illustrator nach, ich warte so lange.« Joshua erzählte dann von einer E-Mail, die ihm Adam von der Schwermetall-Band »Tool« schickte. Im restlichen Vortrag ging es um die Zusammenarbeit mit Tool und den Design-Prozess, von »client meetings« über »bathroom breaks« bis zu Sketchbook-Zeichnungen und Aquarium-Besuchen.
Die Zeichnungen scannte er ein, vektorisiert sie mit Illustrator und lässt sie von seinen Flash-Programmen replizieren (»try that in Illustrator«). Grundsätzlich zeigt er Kunden seine Entwürfe nur in schwarz-weiß, weil Kunden immer an den Farben rumnölen, statt sich zur Komposition selbst zu äußern. Thema Farben:

»Wenn ihr Tool erzählt, dass ich die Farben für deren Website vom Cover der Schneewittchen-DVD habe, dann jage ich Euch!«

Für die Site brauchte er rote, braune und goldene Farbtöne, und die auf der Disney-DVD waren brauchbar. Er speicherte das Cover als GIF, da das ja nur mit einer indizierten Farbtabelle von 256 Farben arbeitet. Übrig blieben 7 Farben. In Photoshop schickte er einen 10%-igen Gauß’schen Weichzeichner drüber, speicherte wieder als GIF (41 Farben) und dann das gleiche nochmal (72 Farben).
Bislang gibt es auf der Tool-Website nur den Eingang als Idee zu sehen, an der Seite dahinter arbeitet Joshua noch.

Ein T-Shirt für 15 Euro musste noch sein, wegen des geilen Logos.

Superdeluxe hat Fotos von der Toca Me geschossen und online gestellt, dito scarimango.de.

Matthias, Jochen, seine Freundin und ich beschlossen den Abend mit »Gran Tourismo 4« auf der PS2 (angeschlossen an einem Projektor), inklusive Fahrersitz und Lenkrad. 750 Fahrzeuge, 70 Strecken. Sehr zünftiges Spiel! Die Detailfülle ist der Wahnsinn: Auf dem Nürburgring kann man sogar die Graffities auf der Strecke sehen… Für mich war das schon beeindruckend, da meine letzten Rennspiele »Test Drive 2« und »Wacky Wheels« waren…

Erschienen am Sonntag, 19.06.2005 @ 17:20 | Kommentare deaktiviert
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