Archiv für Juli 2005

Freitag, 01.07.2005

»Everything perfect.«

Von Montag bis Freitag war ich in München, um auf einem Kongress als Messebunny zu arbeiten. Der Job ist zwar besser bezahlt als ein 400-Euro-im-Monat-Studentenjob, aber es kommt nicht so viel bei rum, wie mit selbstständiger Arbeit. Die 10-Stunden-Tage sind geistig nicht besonders herausfordernd – aber dennoch durchaus anstrengend, weil man sich die Füße platt läuft.
Warum mache ich das? Weil es wahnsinnig viel Spaß macht!

Diesmal war es der Welt-Allergie-Kongress der WAO und der EAACI, der im ICM der Münchner Messe stattfand. Während des Kongresses gibt es für die teilnehmenden Mediziner Poster-Ausstellungen, Firmenausstellungen – wie bei einer normalen Messe auch – und haufenweise Vorträge, diese Woche ungefähr 600 Präsentationen in elf Sälen. Die Vorträge werden thematisch zusammengefasst, zu 90-minütigen »Sessions« mit rund fünf bis acht Einzelbeiträgen.

Damit nicht jeder Redner erst sein Notebook anstöpseln muss, werden alle Präsentationen auf einen zentralen Server kopiert. Der Server verteilt die Powerpoint-Dateien dann an die richtigen Räume, so dass sie dort in der jeweiligen Session nur noch mit einem Doppelklick gestartet werden müssen.
Meine Aufgabe ist es, die Redner im »Check-In« beim Überprüfen und Hochladen ihrer Powerpoints zu unterstützen. Hier und da gibt es Probleme zu bewältigen (Video läuft nicht, komische Zeichen wegen eines anderen Fonts), aber meistens geht alles glatt. Und wenn es im Check-In läuft, dann läuft es auch im Saal, da die Hardware identisch ist (Celeron-Thinkpads).
Die meisten Dozenten bringen ihre Präsentationen auf USB-Sticks mit – ich habe inzwischen alle Bauarten von USB-Sticks gesehen, die es auf diesem Erdenrund gibt. Ganz selten hat mal jemand eine CD dabei. Dieses Mal gab’s auch Kuriositäten: Zwei Fälle von 3,5″-Disketten und ein Magazin mit Dias.   :-)

Es ist mal was anderes, auf so einem Kongress zu arbeiten, statt immer nur im Büro zu sitzen: Man lernt in sehr kurzer Zeit sehr viele Leute kennen: Die Kollegen im Check-In und in den Sälen, die netten Hostessen, und selbst zu den Rednern baut man eine Beziehung auf, wenn sie öfter vorbeischauen, weil sie mehr als einen Vortrag halten. Es bleibt Zeit, um Gespräche zu führen (»Wenn ihr euch jetzt wieder über Unterwäsche unterhalten hättet, hätte ich geglaubt, dass ihr seit heute morgen nichts anderes gemacht habt.«) und abends geht’s noch in einen Biergarten.
Mit den Rednern wird Englisch gesprochen; eine gute Gelegenheit, um seine Kenntnisse mal wieder in freier Wildbahn zu testen. Die Redner kommen aus allen Teilen der Welt, ob aus Japan, den USA, Australien, Frankreich oder Russland. Die Deutschen erkennt man wegen des Akzents schnell, so dass nach zwei gewechselten Sätzen in Deutsch weitergesprochen werden kann.   :-)

Ein Kongress ist auch eine gute Kontaktbörse: Ein Check-In-Kollege, Medizin-Student, bekam von einem Mitglied des Board of Directors der WAO nicht nur die Visitenkarte, sondern auch die Einladung, bei ihm im Labor zu arbeiten, wenn er gute Referenzen vorweisen kann. [Gut, das bringt mir jetzt nichts; persönlich gehe ich auch eher auf andere Konferenzen.]
Die meisten Teilnehmer sind sehr nett, und bedanken sich für die Zusammenarbeit auch schon mal mit einer kleinen Aufmerksamkeit: Am letzten Tag hat das Team eine Flasche »Dragonfly Rosé« von Willow Bridge aus Westaustralien der Vernichtung zugeführt – ich mag ja keinen Wein, aber der Tropfen war wirklich nach meinem Geschmack. Vom deutschen Importeur werde ich mir mal ein paar Flaschen ordern. Obwohl es ein Cabernet ist, den man ja, wir wissen das nach »Sideways«, nicht trinken darf.

Die geleerte Flasche Dragonfly Rosé

Der nächste Kongress der WAO ist 2007 in Bangkok, 2009 in Bueons Aires. Zwei-, dreimal im Jahr bin ich auf solchen Veranstaltungen dabei. Letztes Jahr war es der größte wissenschaftliche Kongress überhaupt, der Kardiologie-Kongress der ESC in München mit 3.000 Vorträgen in 30 Sälen und 25.000 Teilnehmern. Im September bin ich beim ESC 2005 wieder dabei, dann in Stockholm.

Erschienen am Freitag, 01.07.2005 @ 23:57 | Kommentare deaktiviert
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Samstag, 02.07.2005

Podcasting

Podcasts sind nichts Neues. Doch seit Apple diese Woche Version 4.9 von iTunes vorgestellt hat (1, 2), ist das Handling wesentlich leichter als zuvor, so dass ich auch mal reingeschnuppert habe.

Was ist ein Podcast? Kurze Version: Es handelt sich um eine selbst produzierte Audiodatei. Wenn man in diese Datei Sprachbeiträge und vielleicht Musik packt, und das mit einer gewissen Regelmäßigkeit betreibt, könnte man von einem eigenen Radiosender sprechen. Oder wie Apple-Chef Steve Jobs meinte: »Wayne’s World für alle.« Das Wort Podcast, oder Podcasting, ist eine Kombination aus dem Produktnamen von Apples mp3-Player iPod – da man sich die Stücke auf den iPod lädt und unterwegs anhört – und dem englischen »Broadcasting«.
Für mein Erstes Mal als Podcast-Hörer habe ich mich ganz schnöde an der Top10 in iTunes orientiert und »Kino im Kopf« von Timo Hetzel sowie »Schlaflos in München« von Annik Rubens gewählt.

Auf die tägliche »Sendung« der 29-jährigen Annik passt ein bisschen das Motto von Seinfeld: »A show about nothing.« [Das ist nicht negativ gemeint; diejenigen, die Seinfeld kennen, werden das als Kompliment verstehen.] Sie erzählt mit einer sehr angenehmen Stimme, was ihr so widerfährt, von Ikea über Murphy’s Law bis zum Wetter. Ihr Podcast kommt recht professionell rüber: Die Sprachaufzeichnung genügt vielleicht keinen Toningenieur-Ansprüchen, ist aber besser als mit einem Mikrofon vom Grabbeltisch. Ihre Beiträge leitet sie mit einem kleinen Jingle ein und am Schluss verabschiedet sie die Hörer wieder mit einem Jingle. Der Sound stammt von der Indie-Band The Rantings of Eva, die handgemachten Melodic Rock erzeugen.
Fazit: Macht Spaß, zuzuhören!

Timo Hetzel berichtet jeden Donnerstag, welche Filme neu im Kino anlaufen, und was sich lohnt und was nicht. Ohne zu viel zu verraten, vermittelt er einen guten Eindruck von neuen Filmen, auch abseits der Blockbuster.

Bislang ist es bei mir aber nur bei diesen beiden Abonnements geblieben: Ich habe mal etwas im Verzeichnis in iTunes gestöbert, aber mich hat sonst nichts weiter interessiert.   :-(
Macht sich etwa bereits Ernüchterung breit? Falls jemand noch andere gute Podcasts kennt, dann her damit! In den nächsten Tagen werde ich noch bei einigen reinhören. Und ich wünsche mir einen Podcast von Axel Hacke
Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt. Nach der Veröffentlichung von iTunes 4.9 gingen die Abo-Zahlen der (kostenlosen) Podcasts durch die Decke (3, 4). Bei Annik verfünffachte sich der Traffic, bei Timo verzehnfachten sich die Zugriffszahlen.

Selbst einen Podcast zu produzieren, ist nicht schwer: Bei Annik gibt es einige Tipps für Einsteiger. Im Prinzip braucht man nur ein etwas besseres Mikrofon, ein kleines Mischpult und die kostenlose Audioschnitt-Software Audacity (kostenlos, da Open Source). Mit rund 100 Euro ist man dabei.
Mich würde das schon reizen, aber ich bin im Moment ganz froh, mit my two cents wieder auf dem Laufenden zu sein und zu bleiben. Außerdem fällt mir Schreiben denke ich leichter, als etwas zu erzählen (es soll ja nicht langweilig sein). Vielleicht ist das aber auch eine Übungssache: Bei Annik meine ich schon eine Verbesserung herausgehört zu haben, von ihren ersten Ausgaben bis jetzt zur Nummer 100.
Und natürlich höre ich nicht gerne meine eigene Stimme, aber das geht glaube ich den meisten Leuten so. Wobei mir schon öfter gesagt wurde, dass ich am Telefon angeblich »gut klinge«. Micha meinte mal, ich klänge wie Manuel Andrack.   :-)

Erschienen am Samstag, 02.07.2005 @ 23:12 | Kommentare deaktiviert
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Sonntag, 03.07.2005

Du merkst, dass Du zu lange am Computer sitzt, wenn…

Gutes Posting von Jonathan Rentzsch woran man erkennt, dass es Zeit ist, sich vom Computer abzuwenden.
Mit einer Story aus dieser Rubrik kann ich auch dienen, schon ein paar Jahre her: Ich bat meine Schwester, mich zu einer bestimmten Zeit zu wecken, bevor ich schlafen ging. Das tat sie auch, aber ich wollte nicht so recht:

»Stefan, aufstehen.«

Meine Antwort im Halbschlaf:

»Du musst auf ‘Ok’ klicken!«

Erschienen am Sonntag, 03.07.2005 @ 18:21 | Kommentare deaktiviert
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Dienstag, 05.07.2005

»Here’s a little song for anyone who has ever hated. In the key of: Grr.«

Honda hat nach dem legendären »Cog«-Spot schon wieder einen genialen Werbefilm produziert. Diesmal dreht sich in 90 Sekunden alles um den Diesel-Motor (via K10k, Dank an Holger). Selbst beim fünften Mal Anschauen (man muss diesen Spot einfach jedem im Büro zeigen), entdeckt man noch neue, kleine Details. Abgesehen davon ist die Idee einfach geil – mal wieder ein gutes Beispiel für den Satz »Design is a good idea.«

Erschienen am Dienstag, 05.07.2005 @ 17:12 | Kommentare deaktiviert
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Mittwoch, 06.07.2005

11:14

Heute in der Sneak: »11:14« von Greg Marcks (Buch und Regie, mit Hilary Swank und Rachael Leigh Cook. Der Film ist für eine Sneak überraschend alt, denn er stammt aus dem Jahr 2003. Grund dafür ist, dass er zunächst über diverse Festivals tingelte (u.a. 2003 auf dem Münchner Fantasy Filmfest), und erst zum 1. September dieses Jahr in deutsche Kinos kommt. In anderen Ländern hat es noch nicht mal zu einem späten Starttermin gereicht, denn er bekam mehrfach eine Beerdigung zweiter Klasse in Form einer Videopremiere – unverdient, denn »11:14« ist ein wirklich guter Film. Auf dem Sneak-Bewertungsbogen habe ich ihm fünf Sterne gegeben, meine IMDB-Wertung waren acht Punkte (im Schnitt hat es beim Erlanger Sneak-Publikum allerdings nur für 3 Sterne gereicht).

In 95 Minuten wird erzählt, was alles nachts um 23:14 Uhr auf einer Kreuzung passieren kann (nicht ale Figuren erleben das Ende des Films). Die Geschichte wird aus der Sicht der verschiedenen Beteiligten erzählt, und erst nach und nach wird dem Zuschauer klar, wie die Ereignisse und die Personen zusammenhängen.

Die Story ist sehr gut, vor allem, wie sich alles nach einiger Zeit passgenau zusammenfügt. Mitunter ist »11:14« etwas derb und brutal, aber immer gewürzt mit einem ordentlichen Schuss Schwarzen Humors.
Etwas unschön ist die dunkle Szenerie (kombiniert mit zum Teil schlechtem Filmmaterial), denn hauptsählich spielt die Geschichte draußen in der Dunkelheit.

Klare Empfehlung für alle, denen »Memento«, »Go!«, »Magnolia« oder »Wild Things« gefallen haben. Übrigens hat »11:14« nette Opening Titles.

Erschienen am Mittwoch, 06.07.2005 @ 23:27 | Kommentare deaktiviert
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Donnerstag, 07.07.2005

Du merkst, dass Du zu viel arbeitest, wenn…

…Du zwei Nächte hintereinander im Büro übernachtest und ernsthaft überlegst, künftig einen Kulturbeutel mitzunehmen.

Bezüglich der Preise für Reise-Kopfkissen (als Kompagnon zur Liegematte) habe ich mich schon mal informiert: 10 bis 20 Euro. Und es kommt gerade recht, dass es neuerdings diese Fingerhüte als Einmal-Zahnbürsten gibt, »Brush Aways« von Oral-B. Ein Dutzend davon sind mit knapp über 3 Euro sauteuer (und ein Haufen Plastik, da einzeln verpackt), aber sie können auf Reisen oder für Not-Übernachtungen sehr praktisch sein.

Erschienen am Donnerstag, 07.07.2005 @ 8:10 | Kommentare deaktiviert
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Aus dem Leben eines TV-Junkies: Auf Entzug

Ende Mai wurde das analoge terrestrischen Fernsehen in Nürnberg abgeschaltet und durch DVB-T ersetzt. Bei mir zu Hause gab es eine Mischung aus analogem Antennenfernsehen und einer Sat-Schüssel (fragt mich nicht, was das für ein Konstrukt ist, irgendwie wird das an die drei Parteien im Haus verteilt). Seit der Umstellung bekomme ich hier über die alte Sat-Anlage nur noch ARD, ZDF, diverse Dritte sowie RTL2, Kabel1 und VOX rein. Kein RTL, Sat.1 oder Pro7 mehr, bis der Vermieter im August die Sat-Anlage erneuert und uns dann 64 Programme zur Verfügung stehen (deswegen habe ich auch nicht die Umstellung auf DVB-T mitgemacht).

Meine Programmierliste des HDD-Recorders hat jetzt keine 16 Einträge mehr, sondern nur noch zwei: Täglich die Tagesschau und werktäglich den »King of Queens« auf Kabel1. Harald Schmidt (ARD) ist in der Sommerpause. Abgesehen davon, dass ich wegen meiner selbstständigen Arbeit eh nicht mehr die Zeit für mehr Fernsehkonsum habe: Ich vermisse irgendwie auch nichts.

Gut, ich bin froh, dass ich noch Kabel1 empfange, denn seit sie vor einigen Wochen mit der Wiederholung der ersten Staffel vom King of Queens begannen, verpasse ich keine Folge (»Dad, wir haben uns doch schon mal unterhalten, über deine Drinnen-Stimme und deine Draußen-Stimme.«). Aber sonst? Ich habe mittlerweile alle Polizei- und Abschleppdienst-Reportagen gesehen. Und wenn ich im Fernsehprogramm entdecke, dass RTL mit Sendungen wie »Die 10 erotischsten Männer« weiter zur Volksverdummung beiträgt denke ich mir: »Die Zuschauer bekommen das Programm, das sie verdienen.«
Andererseits hat mich ein Sender wie Pro7 nicht als Zuschauer verdient, wenn sie ausgezeichnete Serien wie »Lost« oder »Scrubs« mitten in der Staffel in die Sommerpause schicken, und preisgekrönte Serien wie »Seinfeld« oder »Frasier« (auf Sat.1) jahrelang nur nach Mitternacht zeigen. RTL unterbricht »Monk« ebenfalls mitten in der Staffel und hat die Dreistheit, mit »Herrn Sand« einen öden Abklatsch vorzusetzen.
Ok, die Serien die mich interessieren, habe ich inzwischen sowieso alle im englischen Original gesehen.

Vor ein paar Jahren noch habe ich mir gewünscht, mal einen Musikkanal empfangen zu können; aber seitdem die Klingelton-Werbung nur noch sporadisch von Musikvideos unterbrochen wird, habe ich auch dafür keinen Bedarf mehr.
Ab August habe ich 64 Kanäle, und ich weiß noch nicht genau, wozu. Kann mir mal einer sagen, was ich derzeit im Fernsehen verpasse?

Erschienen am Donnerstag, 07.07.2005 @ 22:20 | Kommentare deaktiviert
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Freitag, 08.07.2005

Neues aus Erlangen

Der Platz vor dem Kaufland im Altstadtmarkt entwickelt sich an Freitag- und Samstag-Abenden immer mehr zum Aufmarschgebiet der Teenie-Punks.

Erschienen am Freitag, 08.07.2005 @ 19:47 | Kommentare deaktiviert
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textro.com: A new Kid on the Blog.

Michael Wilfer aus Erlangen betreibt seit einigen Tagen sein eigenes Weblog, textro.com. Michael ist Werbetexter. In Kategorien wie »Kurz & scherzlos« oder »PhantASYL« gibt es »Absurdes für Absurde«. Eines meiner Lieblingspostings befasst sich mit der Demographie: »Welchen Rentner muss ich durchfüttern?«

»Vielleicht sollte man das Kindergeld verdreifachen, um mehr Anreiz fürs Kinderkriegen zu schaffen.
[...]
Clevere Mamis und Papis nutzen dann auch noch den Skaleneffekt aus (je mehr man produziert, desto kleiner werden die Stückkosten). Sprich: Je mehr Kinder man hat, desto weniger kostet das einzelne.«

Reinschauen, Marsch, Marsch!

Erschienen am Freitag, 08.07.2005 @ 23:09 | Kommentare deaktiviert
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Samstag, 09.07.2005

»Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen.«

Das habe ich gestern ernsthaft zu Holger am Telefon gesagt. Tatsächlich bin ich gedanklich schon im September (mein Kontostand leider noch nicht). In 39 Tagen beginnt der knapp zweiwöchige Sommerurlaub, kurz darauf bin ich für 8 Tage in Stockholm. Und dann sind wir schon mitten im September. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in diesem Jahr einen halben Regalmeter Bücher zu lesen, aber ich hinke den Planungen hinterher: Keine Zeit, muss Geld verdienen.

Andererseits ist es für einen Freelancer wie mich IMHO überlebenswichtig, up-to-date zu bleiben. Gerade in meiner Branche tut sich in kürzester Zeit so viel, dass man schnell den Anschluss verpassen kann. Stillstand ist der Tod: Ich will mich nicht in drei Jahren umschauen und feststellen müssen, dass ich 200 Websites für Bäckereien gebaut habe. Nach einer soliden Grundausbildung (»Ihr lernt für’s Leben!«) geht das Lernen direkt weiter, um sich im eigenen Fach von der Konkurrenz abzuheben und Aufträge annehmen zu können, die einen weiterbringen.
Das rechtfertigt denke ich auch gehobene Preise, denn in der Zeit, die ich für Weiterbildung aufwende, bezahlt mich niemand.

Das Tempo der Entwicklungen ist hoch: Ich erinnere daran, wie sich der Einsatz von CSS in den vergangenen zwei Jahren entwickelt hat. Oder wie sich die Möglichkeiten mit Scriptsprachen wie beispielsweise PHP verändert haben, von PHP 3 (1998) über PHP 4 (2000: Sessions, Aufkommen von PEAR) bis jetzt zu PHP 5 (2004: SQLite-Unterstützung, SimpleXML). Oder die Weiterentwicklung von Actionscript seit Flash 5. Jede neue Version wichtiger Software erfordert eine Einarbeitung, um die Programme optimal nutzen zu können, und nicht mit Photoshop 9 noch so zu arbeiten wie mit Photoshop 5 (ich meine nicht neue Filter wie Vanishing Point, sondern Workflow-Geschichten wie Layer Comps).
Und heuer scheint es wieder zwei neue Trends zu geben: Ruby on Rails und AJAX.

Die beiden wichtigsten Dinge, mit denen ich mich im verbleibenden Jahr befassen werde, sind Flash 8 und Smarty.

Flash 8: Nach allem was man weiß, wird Flash 8 – Arbeitstitel »Eightball« – wohl im Herbst 2005 erscheinen und es wird rocken. Die verbesserte Performance, Bitmap-Effekte wie Blending-Modes und Filter in Echtzeit, die künftige Text-Engine und der Video-Alphakanal werden m.E. dafür sorgen, dass der neue Player aus dem Stand zur neuen Mindestvoraussetzung wird. Ich vermute, dass es wegen der Zahl und Relevanz der Neuerungen einiges zu lernen gibt. Wenn Flash 8 erscheint, werde ich mich für eine Woche einsperren.

Smarty ist eine Template-Engine. Es geht nicht darum, $name durch {$name} zu ersetzen, sondern um die Trennung von PHP-Programmcode und die XHTML-Struktur. Das ist immens wichtig, wenn mehrere Leute an einem Projekt arbeiten: Dank Smarty können die Designer an der Struktur und dem Layout basteln (ohne etwas am Programm kaputt zu machen), während sich die Coder mit dem eigentlichen Programm befassen. Für einen meiner Kunden ist Templating sehr wichtig, deswegen will ich mir Smarty aneignen.

Abgesehen davon interssieren mich noch folgende Themen: RegExp, HTML_QuickForm, Google Maps API, Google Sitemaps, DOM, Ruby on Rails, Flash Lite, AJAX. Und ich möchte mich näher mit aktuellen Redaktionssystemen befassen um zu wissen, welches CMS für welchen Zweck geeignet ist: Typo3, Mambo, Magnolia, Drupal.

Es gibt viel zu tun!

Nachtrag (11.07.05): In »Is Perl still relevant?« schreibt Tim O’Reilly über seine Einschätzung zur aktuellen Entwicklung (via Daring Fireball).

Erschienen am Samstag, 09.07.2005 @ 20:57 | Kommentare deaktiviert
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Sonntag, 10.07.2005

Igel

Es sind locker zehn Jahre vergangen, ohne dass ich einen Igel gesehen habe (dafür hat’s im Erlanger Wiesengrund ein Dutzend Störche). Warum sehe ich innerhalb einer Woche vier Igel?

Erschienen am Sonntag, 10.07.2005 @ 1:15 | Kommentare deaktiviert
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Was wirklich wichtig ist

Falls Ihr in der Stimmung seid, mal über den Sinn des Lebens nachzudenken, habe ich ein paar Denkanstöße. Ich hatte vor drei Jahren Anlass dazu und habe Konsequenzen gezogen – mehr möchte ich momentan nicht darüber schreiben; deswegen nur drei lesenswerte Links.

Von Mark Morford, Kolumnist des San Francisco Chronicle
Why Do You Work So Hard? Is it maybe time to quit your safe job and follow your path and infuriate the establishment?

»Work hard and the world respects you. Work hard and you can have anything you want. Work really extra super hard and do nothing else but work and ignore your family and spend 14 hours a day at the office and make 300 grand a year that you never have time to spend, sublimate your soul to the corporate machine and enjoy a profound drinking problem and sporadic impotence and a nice 8BR mini-mansion you never spend any time in, and you and your shiny BMW 740i will get into heaven.«

Von Steve Jobs, CEO von Apple und Pixar
Standford Commencement address by Steve Jobs (auch als Audio-Datei)

»When I was 17, I read a quote that went something like: “If you live each day as if it was your last, someday you’ll most certainly be right.” It made an impression on me, and since then, for the past 33 years, I have looked in the mirror every morning and asked myself: “If today were the last day of my life, would I want to do what I am about to do today?” And whenever the answer has been “No” for too many days in a row, I know I need to change something.«

Von Mary Schmich, Kolumnistin der Chicago Tribune
Wear sunscreen (schon etwas älter)

»Get to know your parents. You never know when they’ll be gone for good. Be nice to your siblings. They’re your best link to your past and the people most likely to stick with you in the future.«

Erschienen am Sonntag, 10.07.2005 @ 10:07 | Kommentare deaktiviert
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Donnerstag, 14.07.2005

1&1 Design Award

Ein Kollege aus der Bürogemeinschaft weißt mich per E-Mail auf den »Design Award« von 1&1 hin: Wessen CSS-Layout künftig Eingang in die Vorlagensammlung von 1&1 findet, kann Geldpreise gewinnen. Meine Antwort an den Kollegen:

»Danke für die Info. Im Moment fehlt mir aber die Zeit, um kostenlos für 1&1 zu arbeiten.«

Erschienen am Donnerstag, 14.07.2005 @ 16:23 | Kommentare deaktiviert
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Samstag, 16.07.2005

Flash 8 ante portas

Das Release von Flash 8 rückt näher: Vom neuen Flash-Player (Arbeitstitel »Maelstrom«) gibt es seit ein paar Tagen eine öffentliche Beta. Madokan hat im Flashforum einen Link zu einigen Beispielen gepostet, die Filter sowie Bitmap- und Text-Effekte demonstrieren. Im Flashblog gibt es weitere Beispiele sowie eine Dokumentation der neuen Actionscript-Objekte für die Filter.

Erschienen am Samstag, 16.07.2005 @ 16:39 | Kommentare deaktiviert
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Sonntag, 17.07.2005

Krieg der Welten

Vor ein paar Tagen war ich mit Klaus und Steffi in Spielbergs Neuauflage von »Krieg der Welten« (IMDB, Trailer). Ich muss gestehen, ich kenne weder das Buch noch das Hörspiel von H.G. Wells. An den Film aus den 50ern kann ich mich nur vage erinnern; vor Jahren habe ich ihn mal im Fernsehen gesehen. Das Buch ist frei verfügbar (englisch, deutsch, englisches Hörbuch).

Die Story ist kurz und knapp erzählt und sollte hinlänglich bekannt sein: Marsianer greifen die Erde an.

Über die 2005er Verfilmung mit Tom Cruise habe ich im Vorfeld fast nur Negatives gehört: Plot-Holes, Pathos, Knebelverträge mit den Kinos und natürlich der obligatorische Scientology-Vorwurf gegen Tom Cruise. Ich habe meine Erwartungen niedrig gehängt und das ist wohl ein Grund, weswegen sich meine Enttäuschung in Grenzen hält.
Was ich ganz gut fand war die Stimmung, die rübergebracht wurde: Außerirdische greifen plötzlich die Erde an, keiner weiß was los ist, Menschen auf der Flucht. Das alles aus der Sicht von drei Leuten: Tom Cruise nebst Töchterchen und Sohnemann. In dieser Hinsicht besser als gedacht, aber hier hören die guten Eigenschaften des Films auch schon wieder auf.
Was macht eine gute Story aus? Tiefgang, Suspense, Erotik, Action, Humor? »Krieg der Welten« kann sich leider mit keinem dieser Attribute schmücken, und deswegen bleibt er in meinen Augen auch ein belangloser Film. Jede Folge der Dreibeinigen Herrscher war spannender. Dazu kommen zwei nervende Dinge: Der Sohn, der unbedingt in den Krieg ziehen will; der Pathos triefte von der Leinwand nur so runter. Das Gör kreischt bis zum Schluss des Films durch und natürlich hat auch Tom Cruise noch seinen heldenhaften Einsatz.

Das Ende will ich nicht verraten. Ich weiß nicht, wie das Original ausgeht (wie gesagt, ich hab’s nicht gelesen), aber ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht. Der Zuschauer wird auch noch unnötigerweise mit klugen Weisheiten aus dem Film entlassen. »Mars Attacks!« von Tim Burton war in allen Belangen der wesentlich sympathischere Film und selbst Klaus, der »Mars Attacks!« hasst, fand ihn besser als diesen »Krieg der Welten«.

Erschienen am Sonntag, 17.07.2005 @ 22:11 | Kommentare deaktiviert
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Montag, 18.07.2005

Madagascar

Letzten Samstag stand »Madagascar« mit Martin und Tanja auf dem Programm (IMDB, Trailer), im AD1. Kurze Version: Mir hat er nicht gefallen. Anders als »Shrek« war »Madagascar« zu sehr Kinderfilm mit zu wenigen Gags für Erwachsene.

Erschienen am Montag, 18.07.2005 @ 15:43 | Kommentare deaktiviert
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Donnerstag, 21.07.2005

Boudu

Gestern in der Sneak: »Boudu« mit Gérard Depardieu, der am 28. Juli anläuft. Französische Filme sind immer heikel (nur deutsche Filme sind gefährlicher), und so wundert es mich nicht, dass das Sneak-Publikum erstens gespalten und zweitens dem Film nicht wohlgesonnen war: 52% vergaben durchschnittlich 3 Sterne und 48% vergaben nur einen Stern.

Der Galerist Christian Lespinglet retten den Obdachlosen Boudu aus einem Kanal. Dieser wollte eigentlich Selbstmord begehen, lässt in den Folgetagen jedoch den lieben Gott ‘nen guten Mann sein: Boudu (Depardieu) nistet sich bei Christian und seiner Frau ein und bringt frischen Wind in die Bude. Christian passt das gar nicht in den Kram, im Gegensatz zu den Damen im Hause. Er versucht deswegen mit allen Mitteln, Boudu wieder loszuwerden.

Ich gehörte zu den Leuten, die 3 Sterne vergeben haben. »Boudu« war nett; uns wurde schon Schlimmeres in der Sneak kredenzt, aber auch schon Besseres. Der Film hat seine Momente, aber darüber kommt er leider nicht hinaus. Ich bin fast versucht zu sagen, »Boudu« sei ein typisches Franzosen-Drama.   :-)
Wer mal eine richtig gute französische Beziehungskiste sehen möchte, greift zur »Serial Lover«-DVD. Aus der Schublade »wirklich skurile Franzosenfilme« immer noch am besten: »Delicatessen«. Amelié ist kein guter Vergleich, denn sie ist zu harmlos: Boudu ist teilweise schon recht derb.   :-)
Und wer es ganz derb mag, wird bei »Das große Fressen« von Ferreri fündig.

Erschienen am Donnerstag, 21.07.2005 @ 23:14 | Kommentare deaktiviert
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Freitag, 22.07.2005

Das Kürzelsystem

Jeder Freelancer muss sich mal Gedanken machen, welche Systematik er bei Rechnungsnummern anzuwenden gedenkt und wie er seine Dokumente sortiert. Ich habe mir gedacht: »Kunde Nummer 2, Rechnung Nummer 1« kommt nicht so gut.   :-)
Und da ich auch keine Lust hatte, mir irgendwelche Zahlencodes zu merken, habe ich bei mir das Kürzelsystem eingeführt. Jeder Kunde bekommt von mir ein Kürzel aus drei Ziffern verpasst. Beispiel: Die erste Rechnung für meinen Kunden enterVisions in diesem Jahr hat die Rechnungsnummer »ENT-2005-001«. So weit, so unspektakulär.

Der Clou ist, dass ich das Kürzel überall verwende: Bei allen Dokumenten wie Rechnungen, Angeboten oder Gesprächsprotokollen ist es im Dateinamen enthalten. Wenn ich auf der Festplatte in meinen Ordner 2005/Angebot oder 2005/Rechnungen schaue sehe ich auf einen Blick alle Dateien, die zu einem Kunden gehören. In meinem Projekte-Verzeichnis gibt es keine langatmig beschrifteten Ordner, sondern Kürzel (also zum Beispiel ein »ENT«-Verzeichnis). Falls ich mal schnell auf dem Desktop einen Ordner anlegen muss, der beispielsweise Bilder enthält, nenne ich ihn »ENT«. Wenn mir nachts im Halbschlaf eine To-Do-Liste einfällt, kritzel’ ich Abkürzungen wie ENT, BAR, OMU, MEV oder NEO auf einen Zettel. Geht schneller und ich weiß sofort, was Sache ist. Eignet sich auch gut für Diktate am Telefon, wenn ich mal keinen Zettel bei der Hand habe und jemanden bitte, etwas für mich zu notieren.

Es ist beinahe schon genial…   :-)

Erschienen am Freitag, 22.07.2005 @ 15:04 | Kommentare deaktiviert
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Samstag, 23.07.2005

»Don’t tell me you need a bridge, show me the canyon!«

Sehr gutes Posting von Thomas Vander Wal in seinem Weblog: »Designing with a Solution is the Problem«
Er kommentiert damit den Artikel »Be Cooler by Design« von Fast Company.

Die Unterzeile des Fast Company-Artikels lautet: »Was Sie über die Arbeit mit Designern wissen müssen.« Es ist ein kleiner Ratschlag darüber, was und wie man etwas einem Designer schildern sollte, damit dieser bestmögliche Vorgaben für seinen Teil der Arbeit bekommt.
Der wichtigste Rat steht aus Thomas’ Sicht im dritten Absatz: Ein Designer von Ford, der im Gespräch mit Marketingleuten ist, wird wie folgt zitiert:

»Sagt mir nicht, dass Ihr eine Brücke braucht, zeigt mir die Schlucht!«

Das ist absolut wichtig! Oft haben Kunden konkrete Vorstellungen (»Es muss blau sein«, »Wir brauchen Technik XY«) und machen einen Schritt vor dem anderen. Stattdessen sollten Sie als Kunde möglichst genau das »Problem« beschreiben: Welches sind die Ziele Ihres Projekts, was ist der Hauptzweck? Welche Zielgruppe möchten Sie damit erreichen? Wodurch zeichnet sich die Zielgruppe aus? Und vieles andere mehr.
Sagen Sie mir bitte nicht, das Sie Typo3 als Redaktionssystem benötigen und AJAX für den Datenaustausch einsetzen wollen. Oder dass Sie genau die gleichen Animationen auf Ihrer Seite haben möchten, die es bei Konkurrent Z zu sehen gibt. Sie bezahlen mich dafür, dass ich die für Ihre Zwecke passende Technik zuerst ermittle, dann empfehle und schließlich einsetze. Sie bezahlen einen Designer dafür, dass er das Design entwirft, das zu Ihrer Situation passt. Er entwirft Ihnen die Brücke, die über die Schlucht führt.

Ich hatte mal mit einem potentiellen Kunden zu tun, der mir dauernd was von »Shop« und »Warenwirtschaft« erzählte. Ich frug ihn, welches Warenwirtschaftssystem vorhanden ist und was der Shop »können soll«. Ich bot an, ihm einen Experten zu besorgen, damit seine WWS-Experten sich mit meinen WWS-Kollegen direkt unterhalten können. Aus ihm waren keine Informationen herauszukitzeln und aus dem Treffen der WWS-Geeks wurde auch nichts. Ich sagte zu ihm:

»Sie müssen uns sagen wo der Schuh drückt, damit wir Ihnen den passenden Schuh verkaufen können.«

Nichts half, wir kamen nicht zusammen (aber ich trauere diesem Kunden auch nicht hinterher, denn die Chemie stimmte nicht).
Thomas bringt noch eine weitere, wichtige Erkenntnis genau auf den Punkt:

»Im Web hat der Geschäftskunde nicht immer Recht, dafür dessen Kunde. Ohne den Endkunden gibt es keinen Geschäftskunden.«

Wie Thomas weiter ausführt: Wir Designer/Developer haben alles über das Medium gelernt. Wir wissen, wie Besucher denken und das Medium nutzen, wie sie ihre Geräte (Desktop, Notebook, PDA, Handy…) verwenden – die alle verschieden sind –, wie wir etwas organisieren und strukturieren müssen, damit es leicht zu bedienen ist und dergleichen mehr.
Vertrauen Sie ruhig mal dem Designer, wenn er Ihnen sagt, warum er etwas so machen will, wie er es vorschlägt.   :-)
Und lesen Sie die beiden oben verlinkten Artikel, jetzt gleich. Danke!

Erschienen am Samstag, 23.07.2005 @ 14:44 | Kommentare deaktiviert
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Montag, 25.07.2005

Fragen an den Shopblogger

Vor ein paar Tagen bin ich per Google auf den Shopblogger gestoßen: Björn ist Inhaber eines Supermarkts und schreibt über die Begebenheiten, die sein Beruf so mit sich bringt. Ist interessant, das mal von der anderen Seite der Kasse mitzuerleben.   :-)
Mir ist neulich was aufgefallen und als ich auf sein Weblog gestoßen bin habe ich mir gedacht: Wenn es schon einen bloggenden Einzelhandel-Geschäftsinhaber gibt, warum ihm nicht diese Frage stellen, die mir da eingefallen ist?

Und zwar ist mir aufgefallen, dass es neue Produkte bei ihrer Einführung zuerst in großen Abpackungen oder im Bundle mit anderen Produkten gibt. Zum Beispiel gibt es das (für mich) neue »Fanta Splash Orange« in meinem lokalen Supermarkt nur als 1,5-Liter-Flasche. Ich würde die neue Sorte gerne mal testweise kaufen, aber ich möchte auch nicht 1,4 Liter in den Ausguss kippen müssen, wenn es nicht taugt. Da bin ich lieber vorsichtig und kaufe nicht, dank der schlechten Erfahrung mit der unfassbar grässlichen Vanilla-Coke seinerzeit. Bei der war es damals ähnlich, dass es sie anfangs nur in großen Flaschen gab (aber ich könnte nicht beschwören, dass es nicht doch eine 1-Liter- statt 1,5-Liter-Flasche war).
Anderes Beispiel: Vor rund zwei Jahren wurden neue Sorten von Tic-Tacs eingeführt; Blaue, Grüne und Weiße. Die gab es allerdings entweder in der großen 100er Packung, oder nur zusammen mit einer weißen Packung. Die grünen Tic-Tacs habe ich erst gekauft, als es die Dinger als normale Einzelpackung gab.

Was mir auch noch aufgefallen ist: Meinen Lieblingsschmelzkäse, »Pikante« von Milkana, gibt es i.d.R. nur zusammen mit den Sorten »Sahne«, »Salami« und »Kräuter« in einer Pappschachtel. Die will ich aber nicht haben und ich kann mir vorstellen, dass Fans der drei Sorten wohl häufig auch nichts mit der Pikante-Sorte anfangen können. In einem einzigen Supermarkt der Stadt gibt es alle Sorten auch als einzelne Ecken, aber da habe ich den Verdacht, dass sie die selbst aus den Pappschachteln rausnehmen.
Oder Traubenzucker-Vitraletten: Der Supermarkt im Ort bekommt vom Hersteller eine große Kiste, in der scheinbar von jeder Sorte gleich viel drin ist: Cola, Zitrone, Kirsche und was es noch so gibt. Die Kirsch-Vitraletten sind als erste ausverkauft, und die restlichen Sorten liegen dann wie Blei im Regal. Der Händler stellt erst eine neue Packung hin, wenn sich jemand erbarmt und auch die letzte Schachtel Cola-Vitraletten gekauft hat. Wenn Kirsche offenbar so viel besser geht, warum packt der Hersteller nicht mehr Kirsche in die große Kiste, oder bietet reine Kirsch-, Cola- und Zitronen-Kisten an?

Zusammenfassende Frage: Warum machen die Hersteller das? Oder ist das gar keine Sache des Herstellers, sondern des Händlers vor Ort? Auch da dann die Frage nach dem Warum. Wäre es nicht besser für Hersteller und Händler, die Sorten einzeln und in kleinen Packungen zu verkaufen, statt auf Umsatz von Leuten wie mir zu verzichten, die mit anderen Sorten im Bundle oder einer großen Packungsgröße nichts anfangen können? Oder wird der (vermeintliche) Verlust dadurch aufgewogen, dass es für die Hersteller einfacher ist, Bundles anzubieten, wie im Käse-Beispiel? Wobei ich dann immer noch nicht verstehe, welche Strategie bei einer Produkteinführung wie den neuen Tic-Tacs dahintersteckt. Vielleicht, dass der Kunde das Neue mit etwas Bekanntem zusammen sieht? Wobei doch eigentlich das Packungsdesign für den Wiedererkennungswert zuständig ist…

Kurze Version: Bundles und neue Produkte in großen Größen nerven mich, und ich wüsste gerne, warum das so gehandhabt wird.

Antwort des Shopbloggers
[Die ich hier freundlicherweise posten darf]

»Zu den großen Abpackungen: Das ist natürlich eine Entscheidung der Hersteller. Ich als Händler kann da leider auch nur anbieten, was produziert und abgefüllt wird.

Übrigens: Klein(st)verpackungen sind/wären oft unverhältnismäßig teurer als die normale Größe. Guck Dir Cola 0,5 PET MW an. Da kostet eine Flasche im Verkauf 79 Cent. Eine 1l-Flasche gibt’s für 89-99 Cent.

Das mit den gemischten Kartons ist so eine Sache… Ich denke, daß man die meisten Produkte theoretisch auch sortenrein bekommen könnte. Die Großhandlungen (SPAR, EDEKA, Rewe etc), bzw. Handelskonzerne (W*M, Metro, Bünting, alle großen Discounter) verlangen oft die gemischten Einheiten und listen die einzelnen Sorten erst gar nicht ein. Da hat man dann in den Läden oftmals keine Chance, einzelne Artikel in größeren Mengen zu bekommen. Ein Phänomen, dem ich leider auch oft unterliege.

Andere Artikel gibt es wohl tatsächlich nur im Bundle. Milkana Mixtett… habe ich die Sorten schon jemals einzeln irgendwo gesehen? Ich kann mich nicht erinnern. Im Zweifelsfall tatsächlich mal den Hersteller ansprechen, ob es einen Artikel x auch einzeln zu kaufen gibt und wo Du ihn bekommen kannst.«

Vielen Dank, das bringt etwas Licht ins Dunkel.   :-)

Erschienen am Montag, 25.07.2005 @ 15:14 | Kommentare deaktiviert
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Mittwoch, 27.07.2005

Kritik: »My Summer of Love«

Bereits vor einigen Tagen habe ich »My Summer of Love« (IMDB, Trailer) im hiesigen Programmkino gesehen.
Erzählt wird die Geschichte von Mona (Nathalie Press) und Tamsin (Emily Blunt): Zwei Mädchen, die sich in den Ferien zufällig kennenlernen, woraus sich eine Sommerliebe entwickelt.

Meine Erwartung an den Film war, dass eine Geschichte über die Beziehung der beiden erzählt wird, und eventuell auch über Konflikte, die sich auftun. Am Ende ging ich jedoch recht enttäuscht aus dem Kino, denn das Thema wurde glatt verfehlt (obwohl der Film damit wirbt).
Es gibt zwar einen Konflikt zwischen Mona und ihrem Bruder Phil (Paddy Considine). Allerdings geht es dabei nicht um die lesbischen Erfahrungen von Mona, sondern um die ausgeprägte Religosität von Phil. Im Prinzip wird die Beziehung zwischen Mona und Tamsin fast schon nebensächlich, und es hätte genausogut eine heterosexuelle Begegnung sein können: Was bleibt ist eine langweilige Geschichte, in der die Erweckung von Phil den größten Raum einnimmt.

Es gibt einige »lesbische« Filme, die sehenswerter sind als »My Summer of Love«:

  • »Aimee & Jaguar«
    Eine Beziehung zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Berlin; die Gestapo ist hinter Felice her. Ist schon etwas länger her, dass ich ihn gesehen habe, deswegen sind die Eindrücke nicht mehr taufrisch.
  • »Better than Chocolate«
    Im Film von Anne Wheeler gibt es auch Konflikte (Mutter-Tochter) und Beziehungsknatsch, aber in der Summe ist »Better than Chocolate« eine ganz passable Komödie.
  • »Bound«
    Okay, ich gestehe: Vergesst die Gefühle, hier gibt’s was zu Gucken!   :-)
    Zwei Namen: Jennifer Tilly und Gina Gershon – rrrr! Abgesehen davon ist »Bound« ein sehr spannender Mafia-Thriller, der sich hauptsächlich in einer Wohnung abspielt. Drehbuch und Regie von den Wachowski-Brüdern (»Matrix«).
  • »Chasing Amy«
    Holden (Ben Affleck) und Banky (Jason Lee) sind Comiczeichner. Alles ist cool, bis sich Holden in Alyssa verguckt (Joey Lauren Adams ). Als Holden herausfindet, dass Alyssa nicht nur lesbisch ist, sondern auch noch eine bewegte Vergangenheit hat, geraten die Dinge etwas außer Kontrolle.
    »Chasing Amy« ist nach »Clerks« und »Mallrats« der dritte Film der New-Jersey-Trilogie von Kevin Smith. Natürlich haben Jason Mewes und er selbst wieder einen Auftritt als »Jay und Silent Bob«. »Clerks« fand ich allerdings besser als »Chasing Amy«.
    Tipp: Die deutsche Übersetzung ist unerträglich; am besten auf Englisch anschauen.
  • »If these Walls could talk 2«
    Der deutsche Titel dieser HBO-Produktion lautet »Women love Women«. Erzählt werden drei Episoden, die in den Jahren 1961, 1972 und 2000 spielen. Es geht ebenfalls um Konflikte: 1961 um die gesellschaftliche Anerkennung und 1972 (mit Michelle Williams) um Konflikte in der Szene. Die 200er Episode (mit Sharon Stone) fällt etwas harmloser aus. Am eindrucksvollsten fand ich die ‘61er Geschichte.
    Der Film war im Jahr 2000 für drei Emmys nominiert und gewann einen, und unterstreicht damit mal wieder die hohe Qualität der HBO-Eigenproduktionen.

Meine Empfehlung kann ich auf drei Filme eingrenzen: Die ersten beiden Episoden von »Women love Women«, »Bound« – alleine schon wegen des Mafia-Plots – sowie »Aimee & Jaguar«.
Hier noch der Link mit weiteren Filmen des Genres.

Erschienen am Mittwoch, 27.07.2005 @ 18:11 | Kommentare deaktiviert
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Freitag, 29.07.2005

Kritik: »Batman begins«

Der neue Batman läuft bereits etwas länger, aber ich bin erst jetzt dazugekommen, ihn mir anzusehen.
»Batman begins« (IMDB, Trailer) ist das Werk von Regisseur Christopher Nolan (»Memento«, »Insomnia«) und Drehbuchautor David S. Goyer (»Dark City«, »Blade«). Die Geschichte wird erfreulicherweise im Format 2,35:1 auf die Leinwand gebracht, und um es vorweg zu nehmen: Die 141 Minuten fühlen sich so kurzweilig an, als wären es nur 90 Minuten.
Vor der Kamera geben sich die Stars die Klinke in die Hand: Christian Bale (»American Psycho«) als Bruce Wayne/Batman, Michael Cane als Butler Alfred und Liam Neeson als Mentor. In den Nebenrollen geht es mit bekannten Namen weiter: Katie Holmes als junge Staatsanwältin, Gary Oldman als Kontaktperson bei der Polizei, Rutger Hauer, Morgan Freeman…

Wie der Titel schon andeutet, geht es in diesem Film um die Hintergründe: Wie wird Bruce Wayne zu Batman? Warum wählt er die Fledermaus als Symbol? Wie kommt Batman zu seiner Höhle und den Accessories? All das wird solide, plausibel und spannend erklärt: Vom Trauma durch den Mord an seinen Eltern über seinen Absturz und das Training bei Henri Ducard (Liam Neeson). Batman startet zu seinen ersten Einsätzen, um aus der korrupten Metropole Gotham City wieder eine lebenswerte Stadt zu machen. Dennoch hat er es auch in diesem Film mit einem genialen Mastermind als Gegenspieler zu tun, der Batman vor größere Herausforderungen stellt.

Bei »Batman begins« können sich all die Cineasten zu Hause fühlen, die von »Episode III« oder dem Anhalter enttäuscht waren. Ich habe viel Gutes über den neuen Batman gehört, und meine hohen Erwartungen wurden noch übertroffen. »Batman begins« landet in der IMDB mit einer völlig berechtigten Wertung von 8,3 auf Platz 120 in der Top250.
Dieser Batman hat nichts mit dem Klamauk des 1966er »Batman hält die Welt in Atem« zu tun, oder mit dieser unsäglichen Realfilm-Comic-Serie (als Kind fand ich’s ganz ok, aber als 10-jähriger fand ich auch »Knight Rider« gut). Es gibt dankenswerterweise keinen Robin, der überall heilige Kanonenrohre sieht. Der neue Batman ist düster und spannend!

Story, Schauspieler, Technik: Hier stimmt alles. Dazu kommt der Score von Hans Zimmer (»Gladiator«, »Hannibal«, »True Romance«). Den Soundtrack kann man eigentlich nur im Kino oder in einem freistehenden Haus genießen (oder um zwei Uhr nachts im Büro): Er ist häufig hämmernd und peitschend, und bläst einem den Schmalz aus den Gehörgängen.

Alles Weitere bitte ich den wie immer exzellenten Kritik von Johannes Pietsch zu entnehmen.

Erschienen am Freitag, 29.07.2005 @ 2:06 | Kommentare deaktiviert
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