Lesestoff

Übernächste Woche geht’s in den Urlaub. Eventuell kommt Matthias aus Frauenaurach mit. Meine Schwester meinte:

»Dann habe ich wenigstens jemanden, der mit mir in Disco geht; du liest ja den ganzen Tag wieder.«

So sieht’s aus.   :-)
Wie jedes Jahr decke ich mich mit Strandlektüre ein. Am Mittwoch den 17. geht’s nach Westerland.
Ich habe ein Faible für subversive und nihilistische Belletristik – es kann auch gerne derb zugehen, wie bei Chuck Palahniuk (»Diese Leute sind der Grund, warum es auf jeder Notstation einen Bohrer mit Diamantspitze gibt.«). Wenn ein Buch kontrovers diskutiert wird oder vermeintlich Tabus bricht, dann wird es für mich interessant.
Die Auswahl für dieses Jahr sieht wie folgt aus:

  • »Drecksau«
    von Irvine Welsh, 456 Seiten
    Aus der Feder von Irvine Welsh stammt »Trainspotting«, das mit Ewan McGregor erfolgreich verfilmt wurde. Welsh ist bekannt dafür, dass er in schottischem Dialekt schreibt – durch die Übersetzung geht zwar Originalität verloren, dafür verstehe ich es aber auch.   :-)
    »Drecksau« handelt von einem Polizisten, der vieles im Sinn hat, nur nicht seinen Dienst. Der Klappentext spricht für sich selbst:
    »Für Sergeant Bruce Robertson gibt es Schöneres zu tun, als zu arbeiten: nette Beschäftigungen auf der Herrentoilette, kleine Intrigen gegen Kolleginnen oder auch ein Kurztrip nach Amsterdam, ins Drogen- und Sexparadies. Ärgerlich, dass er dann doch noch einen Mord aufklären soll, aber vielleicht springt ja für ihn was dabei raus. Immer tiefer sinkt Robertson in die Abgründe menschlichen Seins. Widerstand gegen das Böse kommt von unerwarteter Seite: Der Bandwurm, der den Polizisten schon seit längerem quält, kommentiert ungefragt die Schweinereien seines Wirts. Die Dinge stehen schlecht für die “Drecksau”, aber in einem Roman von Irvine Welsh ist es nie so schlimm, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte.«
  • »American Psycho«
    von Bret Easton Ellis, 549 Seiten
    Der Klassiker unter den Metzel-Romanen. Das Buch stand laut Wikipedia zwischen 1995 und 2000 auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Im Jahr 2000 hat Mary Harron das Buch mit Christian Bale in der Hauptrolle verfilmt. In Deutschland bekam der Film eine Freigabe ab 16, da er auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtete.
    Den Film habe ich vor einigen Jahren gesehen, deswegen ist mir die Story in groben Zügen bekannt: Mitte der 1980er: Patrick Bateman sitzt tagsüber in seinem Wall-Street-Büro und vermehrt seinen Reichtum. Nachts findet er seinen »Ausgleich« als Serienmörder.
    Nach allem was ich weiß, wartet da harte Kost auf mich. Mal sehen, in wie weit sich das als Strandlektüre eignet. Die Zeit schreibt:
    »Der Roman liegt immer noch schwer im Magen. Nur wenige halten ihn für gut, kaum jemand hat ihn gern gelesen, trotzdem zählt er zu den wichtigen Werken der neunziger Jahre.«
  • »Idioten«
    von Jakob Arjouni, 153 Seiten
    In diesem Buch geht es etwas harmloser zu als in »American Psycho«. Fünf moderne Märchen: Stell’ Dir vor, aus dem Nichts erscheint eine Fee und Du hast einen Wunsch frei. Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe sind leider nicht im Programm. Man sollte allerdings Vorsicht walten lassen bei dem, was man sich wünscht…
  • »Gottverdammt«
    von Manuel Pliewisch, 130 Seiten
    Eines Tages erscheint dem unauffälligen Mark Gott höchstselbst. Wie es der Zufall so will, kennt er Gott bereits: Es ist Elvis!
    Aus den Leser-Rezensionen bei Amazon:
    »Ich habe natürlich, so wie wohl jeder andere “Gottverdammt”-Leser auch, meine persönlichen Lieblingsfiguren aus dem Roman; Zange, der übergroße, lustige Hund, Marks cooler, leicht verrückter Opa und allen voran natürlich Elvis alias Gott. Vielleicht könnte man Pliewischs Roman als “Popcorn-Literatur” bezeichnen, denn es ist pure Unterhaltung.«
  • »Das Leben, die Liebe und der ganze Kram dazwischen«
    von Mike Gayle, 325 Seiten
    Hierbei handelt es sich um die deutsche Ausgabe von »Mr. Commitment«. Den Rezensionen zufolge scheint es eine Art »High Fidelity ohne Plattenladen« zu sein: »Ally Mc Beal fuer Männer«, Antworten auf drängende Fragen wie:
    »There are several questions about men that women have been struggling to answer for some time. Why must they always hold on to the remote control? Why can they only talk during commercials, even when they are watching reruns? Why do they hate shopping with us? What exactly do they do in those electronics stores for hours?«
    Falls ich mich mal veranlasst sehe, das Buch einer Frau zu empfehlen, möchte ich vorher wissen was drin steht.   :-)
  • »Die New York-Trilogie«
    von Paul Auster, 374 Seiten
    Holger sagt mir schon seit Jahren: »Lies Paul Auster.« Bislang konnte ich mich nicht überwinden (»Was soll daran so gut sein?«), aber diesmal habe ich mich breitschlagen lassen.   :-)
  • »Globalisierung«
    von Helmut Schmidt, 140 Seiten
    Irvine Welsh und Bret Easton Ellis sind das eine Extrem meiner diesjährigen Auswahl, Helmut Schmidt und André Kostolany liegen am anderen Ende des Spektrums: Zusätzlich zur Belletristik noch zwei Fachbücher über Wirtschaft (Schmidt) und Finanzen (Kostolany).
    Helmut Schmidt ist ja als Politiker mit ökonomischem Sachverstand bekannt. Er kann Zusammenhänge gut erklären – wie den Amazon-Rezensionen zu seinem Buch zu entnehmen war, und wovon ich mich anhand seines kürzlichen Zeit-Artikels zur Rente selbst überzeugen konnte.
    Das Thema Globalisierung interessiert mich, weil darüber viel debattiert wird und weil es uns alle betrifft. Ich glaube es war Hans-Werner Sinn der mal bei Sabine Christiansen gesagt hat, Globalisierung sei wie Wetter, und deswegen könne man nicht dagegen sein, sondern man müsse sich darauf einstellen. Das sehe ich auch so; wobei ich denke, dass »Globalisierungsgegner« tatsächlich nicht gegen Globalisierung sind, sondern für eine bestimmte Art, sich darauf einzustellen. Was ich mir von Schmidts Buch erwarte, ist ein Ausblick in die Zukunft und Vorschläge, wie westliche Regierungen auf die Globalisierung reagieren sollten.
  • »Die Kunst über Geld nachzudenken«
    von André Kostolany, 237 Seiten
    Das Buch steht bereits seit meiner Zeit bei der Bank (1995-2002) im Regal, aber ich habe es noch nicht gelesen. »Meine« Bank hatte kaum mit Aktienanlage zu tun, deswegen hat es mich auch damals schon eher persönlich interessiert. Aber wie das halt so ist: Wenn die Marktlage günstig ist, hat man kein Kapital, um einzusteigen.   :-)

Wahrscheinlich werde ich nicht alle Bücher lesen können; ich hätte nicht gedacht, dass »Drecksau« und »American Psycho« einen Umfang von 450 bzw. 550 Seiten haben. Dass bei Amazon.de seit einiger Zeit bei den meisten Büchern die Angabe zur Seitenanzahl fehlt, geht mir ziemlich auf die Nerven.
Nächstes Jahr lese ich vielleicht mal Klassiker wie »Krieg der Welten« von H.G. Wells, »Schöne neue Welt« von Aldous Huxley oder »Dr. Jekyll & Mr. Hyde« von Robert L. Stevenson. Von Holger wurden mir außerdem »Neues von Gott«, »Risiko des Ruhms« und »Kings of Infinite Space« empfohlen.
Wenn mir »Drecksau« von Irvine Welsh gut gefällt, lese ich evtl auch noch »Klebstoff« und »Porno« von ihm.

Über die Amazon-Links

Auf my two cents hat es noch nie Werbung gegeben, abgesehen von begeisterten Huldigungen des ein oder anderen Produkts. Werbebanner wären hier fehl am Platz, sowohl optisch als auch inhaltlich. Beginnend mit diesem Posting werde ich jedoch Links zu Amazon um eine Affiliate-ID erweitern: Wenn Du auf einen Amazon-Link klickst und innerhalb von 24 Stunden etwas bei Amazon bestellst, erhalte ich ein paar Cent Gutschrift.
Ich verlinke eh des öfteren auf Amazon und diese Links stören nicht beim Lesen der Seite. Das Produkt, das Du bei Amazon bestellst, wird nicht teurer für Dich. Ich sehe auch nicht, wer was bestellt. Reich werde ich dadurch auch nicht; es geht nur um einen kleinen Gefallen: Das Geld das ich dadurch einnehme, werde ich in Kinobesuche investieren.   :-)
Wer das nicht möchte, dem steht natürlich immer noch frei, die Adresse von Amazon direkt in die Adressleiste seines Browsers einzutippen oder einen anderen Händler eigener Wahl aufzusuchen. Vielen Dank.

 
Erschienen am Freitag, 05.08.2005 @ 16:46
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