Live vom BarCamp München: Usability & User Experience
Florian Bailey über Kernpunkte, häufige Fehler, FAQ
»Betriebsblindheit fängt nach 3 Tagen an, nach 2 Monaten ist sie komplett.«
Erwartungen des Users erfüllen
Wenn ich etwas verspreche geht der Nutzer davon aus, dass er diesen Inhalt findet oder diese Aufgabe erfüllen kann. Und er hat Erwartungen, wie das Web funktioniert: Suchfunktion rechts oben (nicht oben in der Mitte, nicht mit »Finden« bezeichnen, nicht an der Stelle die Newsletter-Anmeldung), Back-Button, falscher Kontext. Frage aus dem Publikum: F-shaped pattern? Antwort: »Es kommt auf das Design an, es gibt kein Patentrezept. Aber prinzipiell liest man in einer Navigationszeile am Anfang und am Ende, weil man dazwischen lesen müsste. Man kann mit dem F-shaped pattern auch spielen.« Wo meine User herkommen sagt mir auch viel darüber welche Interface-Patterns sie gewohnt sind. »Ich muss mir bewusst sein was der Standard ist, bevor ich ihn ändere.« Thema Trennschärfe: »Support, Hilfe, Kontakt: Was soll der Nutzer da anklicken?«
Keine falschen Erwartungen wecken
Falscher Kontext, nicht deskriptiver Text: häufig sind Texte einfach zu lang: »alte Regel sagt 50% wegstreichen, meiner Erfahrung nach sind es 80%.« Häufige Annahme von Unternehmen: der Kunde kann was mit internen Begriffen oder Marketing-Wordings anfangen. » [...] Das Problem: Mit jedem weiteren Element schwindet die Aufmerksamkeitsschwelle. Mit jedem Element mehr muss der Nutzer seine Kernelemente suchen, die er braucht. Ist einer der Erfolgsfaktoren von vielen Web-2.0-Websites, dass sie es so simpel machen.« Beispiel Apple: Sie haben ein Produkt, das sie gerade featuren möchten. Wenn man weitere Elemente hinzufügt, geht der Fokus verloren. Bottom-Up-Prozess: Die Homepage als letztes gestalten.
Frage aus dem Publikum: Redundanz?
»Kommt drauf an – wenn die Nutzung so ist, kann man Begriffe doppeln. Man darf es aber auch nicht übertreiben.«
Flow nicht durchbrechen
»Spiegel-online hat keinen Flow, bei einer Social-Anwendung ist das anders. Ein Spiel ist ein schönes Beispiel. Wenn der Nutzer etwas gemacht hat, was tun wir?« Beispiel: Profilfoto hochladen bei StudiVZ, Xing, etc. – wenn der Nutzer mit dem Dateibrowser ein Foto ausgewählt hat, passiert nichts. Die 13-jährige die sich bei SchülerVZ anmeldet weiß nicht, dass sie noch auf den Button ‘Hochladen’ klicken muss. Kann technischer besser gelöst werden (siehe Google Mail). Feedback auf eine Interaktion geben!
Web = Text
»Gute Texte sind eine gute Website. Eine Website kann hässlich sein und erfolgreich existieren, wenn sie gute Texte hat. Beispiel: Craigslist. Hat nur ein grafisches Element: ein Favicon.« Zusammenstreichen, die kürzestmögliche Information, hohe Informationsdichte. »Keine toten Texte ohne Aussage und Inhalte. Ein schlechter Text ist bösartig gegenüber dem User: Man setzt ihm einen Brei vor und er soll sich herauspicken was für ihn relevant ist.« Leute anrufen und abfragen, was sie z.B. unter »Check-in« verstehen; Buttonlabels abfragen.
Frage aus dem Publikum: Multivarianten-Tests
Bei Google gibt es in den Webmaster-Tools ein kostenloses Programm für MVT. Arbeitet mit CSS-Polls (?), wobei verschiedene Varianten per CSS angezeigt bzw. versteckt werden. Google übernimmt komfortabel die Auswertung.
Frage aus dem Publikum: Umfragen?
An ausgewählten Interaktionspunkten nachfragen. Beispiel: Warum möchtest Du Deinen Account löschen?
Frage aus dem Publikum: Usability-Tests?
Testen ist nicht aufwändig. Mit Silverback kann man das auch remote machen. Beispiel für Guerilla-Testing: Mit einem Notebook ins Café gehen und Leute fragen, ob sie bei einem Test mitmachen wollen (Kaffee ausgeben!). Offenen Test machen: Bei Social-Applications nicht die Aufgaben vorgeben, sondern sich anschauen was die Leute an der Website nutzen. Oder 3-Sekunden-Test: Die Homepage für 3 Sekunden zeigen, dann das Notebook zuklappen und fragen: »Worum geht es auf der Seite?« Ist zwar nicht wissenschaftlich, aber mit 5-7 Leuten findet man die gröbsten Fehler.
Erschienen am
Sonntag, 12.10.2008 @ 16:01
Tags: barcamp, bcmuc08, IA, konzeption, methoden, usability, ux

12.10.2008 @ 17:27 Link
Wow, vielen Dank für diese Serie!
13.10.2008 @ 22:34 Link
Gerne!
13.10.2008 @ 23:28 Link
Hallo Stefan!
Danke für den netten Kontakt am Barcamp und für die tolle Mitschrift hier!
Bist du wieder gut in Berlin angekommen? Mußte leider früher raus aus der Session, sonst hätte man sich ja noch weiter austauschen können! Aber vielleicht sieht man sich ja mal wieder auf einer ähnlichen Veranstaltung… ;) Und wenns Probleme oder Fragen zur Planung eines Events gibt, kannst du mich natürlich auch kontaktieren… Wir haben da ja so ein nettes Tool für… *g*
BTW, hast du vielleicht noch den Kontakt zu den beiden anderen an unserem Tisch?
Schöne Grüße aus dem heute sonnigen München,
Patrick
13.10.2008 @ 23:36 Link
@ Patrick: Vielleicht ja schon Ende November auf dem Barcamp in Hamburg? :-)
Ich komme aber auch bestimmt mal wieder nach München – habe dort ja 2 Jahre gearbeitet.
Kontaktdaten von Dirk und Andreas schicke ich Dir via Xing-Vorstellung.
14.10.2008 @ 23:41 Link
Hmm. Hamburg wäre zwar eine Überlegung wert, um mal wieder einen Freund zu besuchen. Allerdings feiert meine alte Schule ihr zweijähriges Schulfest an dem Wochenende. Da kommen haufenweise Ehemalige und es ist meist die einzige Möglichkeit, die meisten davon wiederzusehen… Wünsche dir aber viel Spaß, wenn du hingehst! Habe gesehen, daß die Anmeldung erst Ende Oktober freigeschaltet wird?! Planungssicherheit ist was anderes… ;)