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»Es ist von allen Wegen der Gefährlichste. Er erfordert höchste Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit.«
Such a Surge, Schatten

16. Januar 2000

Artikel von Stefan Freimark

Taxi

Schonmal mit dem Taxi gefahren? Lohnt sich nachzuholen, wenigstens einmal sollte man eine Fahrt in einem Taxi mitgemacht haben. Wenn man mit der doppelten der (berechtigterweise) zulässigen Geschwindigkeit durch die Stadt brettert, führt das schonmal zum einen oder anderen Adrenalin-Schub.

Ich selbst fahre hauptsächlich Fahrrad, ich habe aber auch einen Führerschein (Klasse 3 hieß das damals noch, also gewöhnliche Automobile und Lastwagen bis 7,5 Tonnen). Sowohl mit zwei als auch vier Rädern unter mir lege ich zugegebenermaßen einen recht flotten Fahrstil auf die Straße, aber mein Erlebnis von heute morgen war da doch etwas ganz anderes.

Kurze Vorgeschichte
Wie aufmerksame Leser wissen, leiste ich derzeit meinen Zivildienst im Erlanger Universitätklinikum ab, in einem Labor, also eher Back Office. Dieses Labor ist auch für den Hol- und Bringedienst des Hauses zuständig (»Springer«) und es kommt schonmal vor, dass die Zivis Schichten untereinander tauschen. Ein Kollege bat mich, Samstag-Nacht für ihn zu übernehmen. Ist in Ordnung, ich kann Überstunden gebrauchen, mit Freunden habe ich mich gestern getroffen und für my two cents muss ich noch etwas recherchieren, das macht mit einem 150 K/sec-Internetzugang mehr Spaß als zu Hause.
Problem: Zu mir nach Hause sind's etwa 16 Kilometer und sonntags fährt kein direkter Bus, die Eltern um sieben Uhr morgens wach zu klingeln ist genau so wenig das Wahre, wie bei minus zwei Grad Celsius eine halbe Stunde mit dem Rad zu fahren. Lösung: Mit dem Bus in einen nicht ganz so weit entfernten Vorort und von dort mit einem sogenannten »Linientaxi« weiter zur Endhaltestelle, die heute nicht bedient wird. Ist im Preis für die Busfahrkarte inbegriffen.

Nothing to fear
Der Bus fährt pünktlich ab und kommt zehn Minuten zu spät an: zehn Minuten Fahrzeit für diese Strecke waren auch in den vergangenen Jahren nicht realistisch. Die Taxi-Zentrale hat sich inzwischen darauf eingestellt und sagt einem bei der Bestellung des Linientaxis gleich, »Sieben Uhr siebenundvierzig«, statt 07:37 Uhr, dann passt die Sache wieder.
Ich steige ins Taxi, unterschreibe den Zettel für die (für mich) unentgeltliche Beförderung zwei Orte weiter und verkünde meinen gewünschten Zielort.
In der Nacht hat es leicht geschneit, aber auch etwas geregnet, die Straße wird von einer dünnen Schneematsch-Schicht überzogen. Dann geht's los: Ein kleiner Hügel mit erlaubten 30 (wegen einer angrenzenden Schule) wird mit 60 angegangen. Noch nicht so dramatisch, Sonntag-früh um zehn vor acht gibt's weder Schüler noch andere Menschen auf der Straße. Vor der Kreuzung die sich anschließt, ein beherzter Tritt in die Bremsen. Es gibt keine andere Kreuzung in der gesamten Region, die dümmer angelegt wurde; für den Architekten vielleicht ein Gesamtkunstwerk, der Rest der Bevölkerung verflucht sie. Die Kurve mit flotten 50 gekratzt, und ob der Fahrbahnbeschaffenheit denke ich an ein früheres Taxi-Erlebnis zurück: es hatte Eisregen und das Heck des Mercedes schlitterte zwei Meter in eine Richtung, in die es nicht sollte. Mein Griff an der Tür wird etwas stärker, aber wir kommen gut durch, der Wagen beschleunigt wieder. Kein Gegenverkehr weit und breit, was angesichts der nächsten Engstelle (wieder sind nur dreißig Stundenkilometer erlaubt) auch gut so ist. Alles unter Kontrolle.
Raus auf die schmale Landstraße, die derart schmal ist, dass sie seit ich denken kann eine Geschwindigkeitsbegrenzung von siebzig Kilometern pro Stunde hat, und das mit Recht. Sie ist sowas von schmal, dass nicht mal Platz für eine mittige, unterbrochene Linie ist. Und seit Monaten steht an jedem Ende ein »Straßenschäden«-Schild, das ist eben billiger, als die tiefen Schlaglöcher auszubessern (sinnvoll wäre eigentlich nur, den Landwirten der Umgebung etwas Land abzukaufen und die Straße komplett neu zu bauen, breiter allerdings). Nur noch diese Straße, nur noch diese eins Komma eins Kilometer und es ist geschafft. Ich bin todmüde, bekomme zum Glück nur noch die Hälfte mit. Das sind im wesentlichen zwei Dinge: die Geschwindigkeit und die Art, wie der Fahrer das Lenkrad zu halten pflegt. Ich schaue mich im Beifahrer-Raum um: Wo ist das »Airbag«-Schildchen? Ich kann keines entdecken! Der Wagen ist bereits ein älteres Baujahr. Es sind 70 erlaubt, der Fahrer fährt 90. Einhändig. Mit locker angewinkeltem Arm, der auf der Armlehne aufliegt. Jetzt bloß kein Gegenverkehr, ich sehe mich schon im Graben. Das nächste Mal fahre ich doch mit dem Rad.
Geschafft: Mit siebzig fahren wir in den Ort ein, in dem durchgehend nur 30 gestattet sind. »An der Bushaltestelle is' ok« sage ich. Nochmals eine ordentliche Bremsung, dann steht der Wagen. Ich wünsche einen guten Tag und steige aus.

Schlusswort
Abschließend möchte ich noch einen Link empfehlen, hinter dem sich ein paar sehr lesenswerte Seiten finden, geschrieben von einem Taxifahrer. Besondere Empfehlung: Die Seite »Wie falle ich blöd auf?« erklärt, was Taxifahrer an Fahrgästen nervt. Beim nächsten Mal also bitte beachten, was zu vermeiden ist.
>> Taxi-Seite von Jan Stühler

 

 

Linkliste
Taxi-Seite von Jan Stühler http://www.fen.baynet.de/jan.stuehler/i003.html
 

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