»Warengutscheine sind verpönt. Bestehen Sie auf gleichwertige
Artikel, lassen Sie sich beraten! Sollte das Verkaufspersonal unfroh reagieren,
rufen Sie den Geschäftsführer. Beziehen Sie die umstehenden Massen
in die entfachte Diskussion ein und wenn es zu ersten Tumulten kommt, stellen
Sie erstaunt fest, dass Sie den Umtauschartikel sowieso in einem anderen Geschäft
erstanden haben.«
Der Frustclub gibt Tipps zum Umtausch von Weihnachtsgeschenken.
31. Dezember 1999, Ausgabe 3/99
In dieser Ausgabe:
freimark's favorites
Willkommen zur dritten Ausgabe meiner favorites!
Diesmal geht es um amüsante, interessante und nützliche Seiten:
Auf der Speisekarte stehen die Darwin Awards (diesen Award will niemand wirklich
gewinnen), der Frustclub, die wissenschaftlichen Arbeiten zur Gummibären-Forschung,
die »Stimmt's?«-Rubrik der Wochenzeitung Die Zeit und
die wahrscheinlich weltgrößte Rezeptsammlung.
Es ist angerichtet, guten Appetit!
Dumm ist der, der Dummes tut
Die Darwin-Preise sind benannt nach Charles Darwin (1809-1882), auf den Zitate
wie »natürliche Selektion« und »nur die Stärksten
überleben« zurückgehen. Ein Darwin Award wird an Leute verliehen,
die den menschlichen Genpool durch außergewöhnliche Dummheit von
ihren eigenen Genen befreit haben, entweder durch Tod oder Sterilisation.
Wenn jemand eine unfassbare Dummheit begeht und trotzdem weiterlebt und sich
fortpflanzt, kommt er/sie somit nicht für eine Auszeichnung in Betracht.
Beispiele gefällig?
Im Mai 1999 starb ein deutsches Ehepaar in einem spanischen Wildtierpark.
Trotz Warnschildern und mehrsprachigen Hinweisen auf den Eintrittskarten verließen
sie nicht nur ihr Auto, sie sperrten es außerdem ab und entfernten sich
einige Meter. Die Tiger im Park sorgten für einen qualvollen Tod. Nach
Angaben der Parkleitung gab es in den zwanzig Jahren des Bestehens noch keine
ernsten Zwischenfälle.
1998 starb eine 67-jährige Frau aus Texas bei dem Versuch, ihre Schuhe
zu putzen. Sie behielt die Schuhe an, während sie diese mit Benzin reinigte;
die danebenstehende Kerze machte der Prozedur schnell ein Ende.
Tod durch Urinieren von Brücken auf die Oberleitungen von Schienenfahrzeugen
gilt inzwischen nicht mehr als außergewöhnlich, mit solch einer
Aktion sichert man sich bestenfalls einen Platz im Lokalteil der regionalen
Zeitung, für einen Darwin-Award reicht das schon lange nicht mehr.
>> Darwin Awards (Hauptseite)
>> Darwin Awards (Hauptseite, europäischer Mirror)
>> Darwin Awards (deutsch)
»Morgen kommt der Nikolaus und
meckert rum«
Der Frustclub ist ein gefährlicher Ort: Wer schlechte Laune hat und diese
Seiten ansteuert, wird womöglich aufgeheitert, vielleicht wird die Laune
aber noch schlechter.
Auf jeder der in verschiedenen Grau-Tönen gehaltenen Seiten schwebt in
der rechten oberen Ecke eine schwarze Regenwolke (endlich mal ein sinnvoller
Einsatz von Animated GIFs), außer auf den Seiten des Adventskalenders
1999: da werden wir von einem ausgetrocknetem, schwarzen Nadelbaum aufgemuntert.
Der Frustclub hat verschiedene Aktionen im Programm, zum Beispiel die Wahl
zu Mr. und Mrs. Mißmut (Kandidaten unter anderem: Marvin, Garfield,
Peppi), erste Ideen zur Gründung der Frust-Partei (»Einheitlicher
Steuersatz von 90% für alle.«) oder der Verpackungs-Frust. »Wenn
Sie wirklich Frischmilch brauchen: Kaufen Sie sich eine Kuh. Die ist wenigstens
griffig.« Daran schließt ein Wehklagen über die kleinen Portionsdöschen
an und mit welchen Konsequenzen man rechnen muss, wenn man versucht diese
zu öffnen.
Wenn schlechte Laune um sich greift, helfen die Texte des Frustclub. Und wenn
alle Stricke reißen, kann man sich im Forum immer noch ausheulen.
>> Frustclub
Und so
weich!
Ernstzunehmende Wissenschaftler und Gummibären-Forschung? Freilich, wenn
man aus Langeweile in eine Tüte dieser Tierchen greift, kann man auf
die unglaublichsten Ideen kommen, wenn man die Gedanken schweifen lässt.
Von diversen Leuten gibt es seit 1995 wissenschaftliche Beiträge, die
sich mit Gummibärchen befassen, beispielsweise »Einfluss der Tütenzugehörigkeit
auf das Sozialverhalten der Gummibärchen« (je kleiner die Tüte,
desto aggressiver die Bärchen) oder »Die sexuellen Phantasien der
Gummibärchen« (für diesen Aufsatz hat sich jemand sehr viel
Zeit genommen).
Reich bebildert ist die Arbeit »Krafttraining für Gummibärchen«
mit interessanten Ergebnissen (»Morphologische Veränderungen einer
VP der Versuchsgruppe (vor und nach der Trainingsphase)«).
Andere Artikel treten etwas ernster an die Thematik heran: Die erste Fragestellung,
die laut »Neurochirurgische Eingriffe am lebenden Gummibärchen«
geklärt werden muss, ist die Krankenkassenzugehörigkeit (die Arbeit
des Neurochirurgen muss natürlich angemessen entlohnt werden). Einem
anderen ernsten Thema widmet sich der Beitrag »Gummibären, Behinderung
und Integration«.
Fazit: Wenn die Vorlesung mal wieder nichts hergibt, gehe direkt in den Computerraum,
gehe nicht über Los, ziehe keine Klausurpunkte ein.
>> Gummibären-Forschung
»Kind, zieh' dich warm an, du
holst dir ja den Tod!«
Der Zeit-Redakteur Christoph Drösser beantwortet jede Woche eine Leserfrage,
die alle eines gemeinsam haben: im englisch-sprachigen Raum bezeichnet man
sie als »urban legends«, als (etwas ungenau übersetzt) moderne
Legenden.
Dazu zählt beispielsweise die Frage, ob es ratsam ist, vor einem Urlaub
außer Haus die Stecker an allen elektrischen Geräten zu ziehen,
um sie vor den Schäden eines Gewitters zu bewahren (das sollte man allerdings,
nicht nur das Stromkabel, auch die Netzwerkverbindung oder das Telefonkabel
am Computer oder das Antennenkabel am Fernseher; das sollte man bei der Gefriertruhe
mit dem Fleisch vor dem dreiwöchigen Karibik-Urlaub aber lieber bleiben
lassen). Oder die Legende, dass eine vom Empire State Building geworfene Münze
Schädel von untenstehenden Passanten zertrümmern kann (stimmt nicht,
nur in einem Vakuum würde bei einer Fallhöhe von etwa 380 Metern
eine Geschwindigkeit von 310 km/h entstehen, in Wirklichkeit dürften
es etwa nur 40 km/h sein).
Das es in den USA teilweise sehr kuriose Gesetze gibt, kann jetzt auch Christoph
Drösser bestätigen: so ist (nehmen wir ein Beispiel aus dem Leben)
Oralverkehr in sechzehn Bundesstaaten verboten, in Michigan droht sogar lebenslängliche
Haft. Praktisch werden diese Gesetze aber kaum angewendet.
Auch im Film »The Truman Show« beging man diesen Fehler: Die Chinesische
Mauer kann man nicht aus dem Weltraum sehen.
Zwei empfehlenswerte Artikel im Stimmt's?-Archiv, für alle die sich von
ihren Eltern Predigten über spätes Essen und Erkältungen haben
anhören müssen: Vom Mitternachts-Imbiss wird man nicht dick, nur
weil man ihn zu später Stunde aufnimmt. Außerdem bekommt man vom
Frieren und Nasswerden keine Erkältung.
Christoph Drösser hat bisher ein Buch mit gesammelten Stimmt's?-Rubriken
herausgebracht, ein weiteres Buch ist geplant. Beide Werke werden im Rowohlt-Taschenbuchverlag
aufgelegt.
>> Die Zeit: Stimmt's?
This must be Heaven
Ich selbst bin ja Mikrowellen-Junkie. Es muss schnell gehen und am besten
von selbst. So schmeckt's dann aber auch. Allen, die selbst den Kochlöffel
schwingen, möchte ich dennoch das Kochbuch Online System ans
Herz legen (und spätestens in der eigenen Wohnung ohne Mikrowelle wird
diese Seite auch für mich wichtig).
KOS ist ein Internet-Angebot wie ich es liebe: Eindrucksvoller kann man die
Überlegenheit der neuen Medien gegenüber dem Althergebrachten nicht
zur Schau stellen. Oder hast Du schonmal ein Kochbuch mit fast 190.000 Rezepten
gesehen? KOS hat Rezepte in drei Sprachen: deutsch (circa 53.000), englisch
(etwa 136.000) und französisch (im Aufbau, 176 Stück). Der Einwand,
man hätte in der Küche keinen Computer zählt daher nicht, außerdem
kann man sich das Rezept zum Wunschgericht natürlich ausdrucken. Für
alle interessierten gibt es übrigens Seiten zur Geschichte dieser Datenbank
(läuft seit Oktober 1999 auf Oracle 8i) und zum Betreiber, weiterhin
im Angebot sind Nährwert-Tabellen, Beschreibungen zu Kräutern und
Gewürzen, ein Küchenlexikon und eine Liste von Lebensmittelzusatzstoffen
(E-Nummern). Unter jedem Rezept steht ein Link, der zu einer Seite mit englischen
Abkürzungen führt, da alle Rezepte (ich hab' das nicht überprüft,
aber ich gehe davon aus) im Meal-Master-Format vorliegen. Kurz zur
Erklärung: Meal-Master ist eine amerikanische Rezeptverwaltungssoftware
von Scott Welliver und de facto Standard, was Rezepte im Internet anbelangt.
Der Datenbestand ist gigantisch, Garfield wäre über 313 deutschsprachige
und 138 englischsprachige Rezepte zu Lasagne begeistert. Das Rezept für
Lasagne 'al forno' (#703979) enthält freilich eine Liste der
Zutaten, Hinweise für die Zubereitung von Nudelteig und Saucen.
Leider hakt's noch mit einigen Datenbank-Funktionalitäten, aber das bringt
einen kaum vom Vorhaben ab, eine Lasagne (um dabei zu bleiben) zuzubereiten.
>> Kochbuch Online System
>> FAQ (Frequently Asked Questions) zu Meal-Master
>> Meal-Master (Freeware)
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