Sonntag, 17.06.2007
Die WCAG Samurai – eine Initiative des kanadischen Accessibility-Experten Joe Clark – haben die lang erwartete Korrektur zum W3C-Standard für Accessibility veröffentlicht.
Die Errata präzisieren und modernisieren die Guidelines (Beispiel: keinen Platzhaltertext in Formularelementen verwenden). Sie sind meines Erachtens eine sinnvolle Ergänzung.
Die Peer-Reviews stammen von Gian Sampson-Wild und Alastair Campbell (nicht der Politiker).
Gian Sampson-Wild betreibt ein Accessibility-Beratungsunternehmen und war bis August 2006 Mitglied der WCAG-Arbeitsgruppe.
Alastair Cambell ist »Director of User Experience« im Beratungsunternehmen Nomensa.
Link: WCAG Samurai (via accessBlog)
Erschienen am Sonntag, 17.06.2007 @ 23:07
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Tags: accessibility, Web, webdesign
Donnerstag, 21.06.2007
Accessibility-Experte Joe Clark hielt auf den @media-Konferenzen in San Francisco und London je einen Vortrag zu seinem Thema: »When accessibility is not your problem«. Die Notizen hat er online gestellt.
Zusammenfassung in einem Satz:
»If a browser or adaptive technology can or should handle an accessibility issue, I won’t.«
Harter Tobak.
Im Großen und Ganzen stimme ich ihm zu: Wer schlecht sieht und Text in IE7 nicht vergrößern kann, soll sich »von seinem Enkel Firefox installieren lassen oder sich bei seiner IT-Abteilung beschweren« (Zitat Joe Clark). Wer eine Abkürzung nicht kennt, solle sie bei Google nachschlagen.
Aber zum Beispiel auf Zoom-Layouts zu verzichten, obwohl noch kein Browser seine Alternative unterstützt, halte ich für ziemlich gewagt.
Erschienen am Donnerstag, 21.06.2007 @ 20:28
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Tags: accessibility
Dienstag, 18.03.2008
Das Institut für Medizinische Lehre der Uni Bern hat ein sehr aufschlussreiches Video produziert: »Wie bedient ein sehbehinderter oder ein blinder Mensch das Web?« zeigt 2 Internet-Nutzer, wie sie mit Hilfsmitteln im Web surfen.
Thomas Lanter ist stark sehbehindert und verwendet einen Screenreader – der Texte vorliest – und eine Bildschirmlupe, um sich Seiteninhalte vergrößert darstellen zu lassen. Menschen wie ihm helfen Kontrastansichten: einspaltige CSS-Layouts mit vergrößerter Schrift auf dunklem Untergrund. Man beachte auch seine Hinweise zum Ausfüllen von Formularen: Wegen des starken Zooms ist es für ihn wichtig, dass Formular-Labels rechtsbündig neben den Eingabefeldern stehen statt linksbündig.
Jürg Cathomas ist blind und verwendet zum Lesen von Bildschirminhalten eine Braillezeile und einen Screenreader. Für ihn sind semantisch korrekt ausgezeichnete Inhalte wichtig. Dadurch werden zum Beispiel bei Tabellen auch die Tabellenüberschrift vorgelesen. Und bei Webseiten kann er von Überschrift zu Überschrift springen, um sich so nur die für ihn relevanten Seiteninhalte vorlesen lassen – vergleichbar mit dem »Überfliegen« einer Seite.
Das Video selbst ist ein exzellentes Beispiel, wie Videos barrierefrei gestaltet werden können: Für Blinde gibt es Audio-Beschreibungen (»Er macht sich in der Küche mit dem Kaffeeautomaten einen Kaffee«), für Hörgeschädigte ist der Film mit Untertiteln ausgestattet. Da ich mit Schwyzerdütsch so meine Probleme habe – Sprachbarriere! – sind die Untertitel auch für mich als Sehenden nützlich. :-)
Erschienen am Dienstag, 18.03.2008 @ 22:43
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Tags: accessibility, Barrierefreiheit, konzeption
Freitag, 14.11.2008
Heute Abend war ich auf dem IA InfoCamp in Berlin: Rund 80 Konzepter aus Berlin – aber auch aus ganz Deutschland und sogar aus Dänemark – haben sich zu einem BarCamp im Newthinking Store getroffen, um zu fachsimpeln und den Tag bei einem Bier ausklingen zu lassen.
Accessibility – Missverständnisse und häufige Fragen
Ich hatte die Ehre, die Sessions mit meinem Vortrag zu Barrierefreiheit zu eröffnen.
Der Vortrag sollte 2 Kernaussagen vermitteln:
- Barrierefreiheit ist nicht nur für Blinde wichtig: Es betrifft auch Menschen mit anderen physischen Einschränkungen; außerdem spielen auch technische Hürden eine Rolle.
- Bei Barrierefreiheit kommt es nicht nur auf sauberen Code in den Templates an: Inhalte müssen barrierefrei aufbereitet werden.
Die Folien findet Ihr bei Slideshare: einmal als Präsentation mit Notizen und einmal als Präsentation ohne Notizen.
Hier noch einige Links: Das Video des Instituts für Medizinische Lehre der Uni Bern kann auf usability.iml.unibe.ch/film angesehen oder heruntergeladen werden. Bezüglich Accessibility und Web 2.0/AJAX seien nochmals die Stichwörter ARIA und Progressive Enhancement genannt. Henning Grote wies in der anschließenden Diskussion auf das Programm Color Oracle hin, mit dem sich Farbfehlsichtigkeiten nachstellen lassen. Plug-ins für Photoshop sind Vischeck und Colorfield Insight. Wir haben auch darüber diskutiert, Accessibility über SEO oder Standardkonformität »mitzuverkaufen«. Zur Frage der Kosten kann ich die beiden Artikel »Accessibility costs too much« einer neuseeländischen Firma bzw. »Factors Affecting Cost of Implementation« des W3C empfehlen – generell gilt: Je früher Accessibility berücksichtigt wird desto günstiger, allerdings fällt in der Pflege auch etwas Zeit für Schulung der Redakteure und die Aufbereitung der Inhalte an. Zur Frage »Wer macht was in der Agentur?« gibt es eine gute Matrix von einfach-fuer-alle.de. Es kam auch noch die Frage »separate Textversion?« auf – hier gibt es wie gesagt eine klare Anforderung des W3C: Nur wenn gar nichts anderes mehr geht, sollte eine alternative Version erstellt werden die barrierefrei ist, den gleichen Stand an Informationen, die gleiche Funktionalität und die gleiche Aktualität hat wie die nicht zugängliche Variante (Checkpoint 11.4). Dass eine Website trotz gefälligem Layout barrierefrei sein kann, beweist die Postbank mit ihrem Online-Banking.
Präsentationsmagie
Samuel Woitinski stellte 3 Killer von guten Präsentationen vor, und was man dagegen unternehmen kann:
- Überlasten des menschlichen Arbeitsspeichers (zu viele, zu schnelle und zu komplexe Informationen; dagegen helfen: vereinfachen, visualisieren, animieren)
- Text überlagert die Tonspur (eine Präsentation sollte wie ein spannender Film sein, das Publikum hört sich beim Lesen selbst zu und nicht dem Redner, illustrative Bilder statt Text verwenden)
- Bulletpoints (immerhin kürzer als Fließtext, dennoch besser illustrative Grafiken verwenden)
Online- und Offline-Cardsorting
Frank Hohenschuh von SirValUse demonstrierte Online-Cardsorting. SirValUse führte diese Variante von Cardsorting ein, da Papier-Cardsorts mit 10 oder 12 Teilnehmern nur Trends/Tendenzen liefern – Kunden möchten jedoch oft eine breitere Datenbasis haben. Die Software beherrscht sowohl offene Cardsorts (Namen von Clustern sind nicht vorgegeben) als auch geschlossene Cardsorts. Online-Cardsortings sind sehr günstig, da die Auswertung automatisch geschieht. Relevante Ergebnisse erzielt man ab etwa 250 Teilnehmern. Henning schlug optimalsort.com als Lösung für den Freelancer vor.
Patterns für Produktkonfiguratoren
Markus Drews von D-LABS stellte seine Patternsammlung für Konfiguratoren vor: flickr.com/photos/konfiguratorpatterns/sets – begleitende Infos gibt’s in seinem Konferenzpaper Interaction Patterns für Produktkonfiguratoren.
Spannend fand ich die Idee der Konfliktvorwegnahme, die mir bisher noch gar nicht begegnet ist: Bei komplexen Produkten kann es zu Baubarkeitskonflikten kommen – beispielsweise kann bei einem Auto nur dann ein Sportlenkrad gewählt werden, wenn sich der Interessent auch für die Sitzheizung entscheidet (weil es vielleicht durch die Produktpolitik so vorgegeben ist). Der klassische Weg wäre, einen Fehlerhinweis zu zeigen und den Nutzer dann zwischen zwei Alternativen wählen zu lassen. Bei der Konfliktvorwegnahme werden dem Nutzer vor dem Klick – z.B. in einem Tooltip – die Konsequenzen gezeigt. Klickt der Nutzer trotzdem, bestätigt er damit zugleich die Wahl oder Abwahl von anderen Optionen und löst dadurch den Konflikt.
Ein Tipp den uns Markus gab: Mit dem Produkt in der Tiefe beschäftigen! Die Software-Entwickler müssen den Designern die Produktlogik nahe bringen.
breadcrumbs 2.0
Carsten Grandke brachte eine Diskussion zum Thema Breadcrumbs in Gang: Sind Breadcrumbs auf Web-2.0-Sites noch sinnvoll? Zählt eine Auflistung von gewählten Facets-Filtern als hierarchisches Ordnungsinstrument im weitesten Sinne zu Breadcrumbs? Fazit: Breadcrumbs haben nicht mehr die Bedeutung wie früher, als es noch stark strukturierte Websites gab. Sie schaden aber auch nicht und haben als Browsing History noch ihre Berechtigung.
User Centered Design in a Nutshell
Holger Deist von SAP erläuterte, welche Rolle UCD (inzwischen) bei SAP spielt, wie sie bei einem 6-monatigen Projekt ein riesiges Fass aufmachten, und wie sie das Thema gegen interne Widerstände voranbrachten (Tipp: Unterstützung durch den Vorstand). Sehr interessanter Einblick in ein großes Softwarehaus!
Who is the new socialware user?
Zu dem Vortrag von Barry Prendergast (Relentless) habe ich mir leider relativ wenig Notizen gemacht (ich schreibe das hier eigentlich am 18. November und kann mich nicht mehr so gut daran erinnern).
Dub Denim
Martin Rothenberger stellte Dub Denim vor, eine Prototyping-Software der University of Washington, die mit einem Tablet-PC genutzt werden kann. Interessante Ansätze um schnell Scribbles zu machen – leider wird die Software kaum weiterentwickelt – Version 2.1 ist vom April 2007 – und sie ist nur auf einem Tablet-PC sinnvoll einsetzbar.
Axure
Jan Jursa demonstrierte Prototyping mit Axure 5. Axure hat einige Vorteile wie Widget-Bibliotheken, Properties für einzelne Elemente (die auch in der generierten Spec ausgegeben werden) oder dass sich relativ leicht ein Prototyp erstellen lässt. Allerdings klickt man sich teilweise 4 oder 5 Dialogfenster tief, um Einstellungen vorzunehmen – mich wundert nicht, dass es Axure nur als Windows-Version und nicht für den Mac gibt. :-)
Noch ein Linktipp von Jan: designerstoolbox.com
Web 3.0
Willi Schroll diskutierte mit dem Publikum über den Begriff Web 3.0: Eigentlich ist der Begriff genau so wenig definiert wie schon »Web 2.0« – vielleicht wird Web 3.0 das Semantische Web, vielleicht wird es auch Ubiquitous Computing, Cloud Computing, Location Based Services…
Einen Aspekt fand ich im Zusammenhang mit Geotracking und Geräten mit GPS-Chips besonders interessant: Willi griff eines der 5 Axiome von Paul Watzlawik auf: »Man kann nicht nicht kommunizieren.« In Bezug auf Geotracking heißt das, Zitat von Willis Folie:
»Applied to location aware services with social tracking: If you decide to switch off social-local visibility then this is an act of hiding. Maybe this act itself should stay hidden, if possible.«
Gleich im Anschluss fand die 7. IA Cocktail Hour statt. Insgesamt eine tolle Veranstaltung – Dank an Sabine und Jan für die Organisation!
Erschienen am Freitag, 14.11.2008 @ 23:59
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Tags: accessibility, Berlin, IA, iac08, iainfocamp, konzeption