Archiv für Postings mit dem Tag ‘alltag-eines-konzepters’

Montag, 12.02.2007

Alltag eines Konzepters

Es ist Zeit für kleines Update: Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?
Seit ein paar Monaten arbeite ich als Konzepter in der Münchner Online-Agentur Phase 4.

Was macht ein Konzepter?

Einfach gesagt: Ich überlege mir, welche Inhalte eine Website haben sollte, damit sie spannend für die Besucher ist. Außerdem überlege ich mir, wie diese Inhalte strukturiert sind, damit sie von den Besuchern einfach gefunden werden: Welche Navigationspunkte gibt es, wie sind diese Navigationspunkte benannt und wo werden Seiten eingeordnet? Und wenn der Besucher mit der Website interagieren soll, beispielsweise mit einem Formular, muss das Formular nicht nur leicht auffindbar, sondern auch einfach bedienbar sein.

All diese Überlegungen fließen in ein Grobkonzept ein, das ich zusammen mit dem Projektleiter beim Kunden präsentiere. Wenn dem Kunden das Grobkonzept gefällt, arbeite ich es in einem Feinkonzept weiter aus.
Das Konzept besteht nicht nur aus einer PowerPoint-Datei (oder, je nach Projekt, einem Textdokument): Dazu kommen noch ein Zentraldokument sowie Scribbles. Eventuell werden diese Dokumente noch durch einen Strukturbaum und ein Produktionshandbuch ergänzt – zu all diesen Dingen erzähle ich ein andermal mehr.

Was ist daran so spannend?

Es ist abwechslungsreich! Ich muss (darf) mich alle paar Wochen oder Monate in ein neues Thema einarbeiten: Ein neuer Kunde mit neuen Bedürfnissen, mit neuen Endkunden, in einer anderen Branche. Und bis ein Projekt abgeschlossen ist, habe ich viele verschiedene Aufgaben zu erledigen.
Dazu kommt, dass ich mit vielen Menschen zusammenarbeite, da ich als Konzepter die Schnittstelle zwischen den Kollegen in der Agentur und dem Kunden draußen bin (dort habe ich meistens mit Mitarbeitern der Marketing- oder Kommunikationsabteilung zu tun). Als Konzepter habe ich in erster Linie das Wohl des Benutzers im Auge, aber ich muss in der Regel Kompromisse machen: Das was ich mir ausdenke, muss von den Grafikern, Webdesignern und Backend-Programmierern auch im gesetzten Zeit- und Kostenrahmen umgesetzt werden. Auf Seiten des Kunden gibt es häufig politische Entscheidungen, an denen ich nicht vorbei komme.

Was ist nicht so gut?

Zwei Dinge:

  1. Kunden treffen Entscheidungen manchmal »gegen ärztlichen Rat«
  2. Microsoft PowerPoint, unser Hauptarbeitsmittel. Keine Woche vergeht ohne diesen Fluch: »Dass dieses Produkt überhaupt noch verkauft werden darf!«

Die Arbeit als Konzepter eignet sich also für Leute, die …

  • … neugierig sind.
  • … einfache Lösungen für komplexe Dinge erkennen, wenn sie diese sehen.
  • … Abwechslung lieben und brauchen.
  • … anderen gerne von ihren Ideen erzählen (und Kompromisse eingehen können).

In Zukunft wird sich hier bei my two cents der Fokus der Themen etwas mehr in Richtung Informationsarchitektur verschieben. Ich werde ab und an ein bisschen erzählen und das Weblog teilweise als Linkblog führen.

Erschienen am Montag, 12.02.2007 @ 19:57 | Kommentar schreiben
Tags: , ,

 

Donnerstag, 07.02.2008

Deliverables: Dokumente und Methoden in der Konzeption

Was macht ein Konzepter eigentlich genau? Damit meine Schwester diese Frage im Freundeskreis beantworten kann, habe ich ihr folgenden Elevator-Pitch als SMS geschickt:

»Der arbeitet bei einer Medienagentur in der Konzeption.Da überlegt er sich,welche Inhalte auf eine Website kommen, damit sie interessant + leicht bedienbar ist.«

Ein Website-Konzept besteht jedoch nicht nur aus einer Worddatei in der beschrieben ist, was so passieren soll. Im Laufe der Konzeptionsphase wird eine ganze Reihe von Dokumenten – »Deliverables« – produziert, die alle einen bestimmten Zweck erfüllen.

Die Konzeptionsphase selbst lässt sich in 3 kleinere Abschnitte unterteilen:

  1. Kreativkonzept bzw. Strategisches Konzept
    Mit welchen Kommunikationsmaßnahmen erreicht der Kunde am besten die Ziele bei seinen Zielgruppen?
  2. Grobkonzept
    Mit welchen Inhalten und Funktionen werden die Kommunikationsmaßnahmen realisiert?
  3. Feinkonzept
    Wie sehen die Inhalte und Funktionen im Detail aus?

Nach der Konzeptionsphase folgt die Umsetzung: Die Grafik erstellt Layouts und die Technik setzt die Layouts in HTML-Templates um (und kümmert sich um das Backend, z.B. die Anbindung an eine Datenbank). Der Konzepter ist von Anfang an mit allen Kollegen im Gespräch, um sich abzustimmen. Beispiel:

Konzepter: »Können wir eine Rechtschreibprüfung in Flash machen?«

Flasher: »Eher würde ich mir die Hand abhacken.«

Nach der Umsetzung folgt die Qualitätssicherung, bevor das Projekt vom Stapel gelassen wird – »Golive« oder »Launch« genannt.

+++

In unregelmäßigen Abständen stelle ich die 4, 5 wichtigsten Deliverables vor. Die ganze Serie kann man über diesen Link verfolgen. Bisher erschienen:

Erschienen am Donnerstag, 07.02.2008 @ 23:52 | 2 Kommentare
Tags: , ,

 

Freitag, 08.02.2008

Deliverables: Projektdefition (Creative Brief)

Wolf hat in seinem Weblog einen etwas älteren, aber lesenswerten Artikel verlinkt: »Determine user requirements now to avoid problems later« von Jason P. Charvat.

Projekte scheitern u.a. wegen fehlender/ungenauer Zielvorgaben, oder weil während des laufenden Projekts neue Features hinzukommen (»Scope creep«).

Um das zu vermeiden, gibt es in der Kreativkonzept-Phase die Projektdefinition, auch »Creative Brief« genannt. Die Projektdefinition wird nach einem der ersten Treffen mit dem Kunden erstellt, damit alle Beteiligten auf einem Nenner sind: Haben wir den Kunden richtig verstanden? Die Inhalte – und damit der Umfang – variieren von Projekt zu Projekt. Mindestens enthalten sind:

  • Thema
    Das Projekt in einem Satz.
  • Zielgruppen
    An wen richtet sich das Projekt?
  • Ziele
    Quantitative Ziele (Generierung von Verkäufen oder Leads, Reduzierung telefonischer Anfragen…), qualitative Ziele (Imagesteigerung…), Erfolgskontrolle.

Je nach Projekt werden diese Angaben noch ergänzt durch Rahmenbedingungen: Bereitgestellte oder notwendige Unterlagen, inhaltliche Vorgaben (z.B. ein grober Ablauf: was soll passieren), wer erstellt wann welche Inhalte, technische Rahmenbedingungen (CMS, Server, Browsermatrix, Flash ja/nein), welche Websites werden positiv/negativ wahrgenommen etc.

Hier gibt es alle Teile der Serie: »Deliverables«

PS: Im O’Reilly-Verlag gibt es ein kleines E-Book, in dem auch ein Scope-Dokument empfohlen wird: »How to Keep Your Boss from Sinking Your Project«

Erschienen am Freitag, 08.02.2008 @ 16:15 | Kommentar schreiben
Tags: , ,

 

Mittwoch, 02.04.2008

Deliverables: Zentraldokument (Content Inventory)

Teil 2 der Serie »Was macht ein Konzepter eigentlich den ganzen Tag?« – diesmal geht es um das Content Inventory oder auch Zentraldokument (ZD), wie es bei uns genannt wird.

Ein ZD ist eine Tabelle und enthält eine Liste aller Seiten einer Website. Hier ein Beispiel – da ich hier natürlich kein echtes Dokument aus einem Kundenprojekt zeigen kann, habe ich auf die Schnelle ein paar Seiten der HypoVereinsbank-Website in eine Excel-Datei eingetragen:

Zentraldokument bzw. Content Inventory der HVB-Website

Jede Seite ist in eine eigene Zeile eingetragen und in den Spalten stehen verschiedene Informationen zu diesen Seiten, mindestens aber folgende:

  • Seitennummer
  • Name der Seite
  • Seitentyp

Mit der Seiten- oder auch Strukturbaum-Nummer wird jede Seite eindeutig benannt. Die Homepage heißt 0.0 und die erste Übersichtsseite ist die 1.0 – Unterseiten unterhalb der 1.0 bekommen die Nummern 1.1, 1.2 und so weiter. Bei vielen gleichartigen Seiten, beispielsweise Pressemitteilungen, muss man nicht unbedingt alle aufführen; man macht einfach einen Eintrag »1.4.n« für alle gleichartigen Seiten.

Der Seitentyp gibt an, um welche Art von Seite es sich handelt. Der Grund: Bei großen Websites ist nicht jede Seite ein Unikat. Seiten mit einem ähnlichen Aufbau werden nicht jedes Mal neu gestaltet und in HTML umgesetzt – das wäre unbezahlbar. Stattdessen wird einmal ein beispielhaftes Muster für diese ähnlichen Seiten gebaut und man sagt: »Alle Produktseiten sehen gleich aus: Überschrift, einleitender Text, Liste der Vorteile, Bild, Vergleichstabelle…«

Das Dokument kann je nach Bedarf um zusätzliche Spalten erweitert werden: Welche Infokästen (Teaser) gibt es, wer ist auf Kundenseite für die Inhalte verantwortlich, Keywords für die Suchmaschinenoptimierung, Dateinamen für Grafik und Technik etc.

Wozu das alles? Das Dokument gibt einem einen Überblick: Welche Seiten gibt es, wer ist dafür zuständig usw. Das ist nützlich bei der Überarbeitung bestehender Websites, um zum Beispiel im nächsten Schritt das Navigationssystem neu zu strukturieren. Das würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen: Zu dem Thema haben Leute schon ganze Bücher geschrieben.

Soweit. Das nächste Mal geht es um den Strukturbaum, auch »Sitemap« genannt. Den letzten Teil verpasst? Hier gibt es alle: »Deliverables«

PS: Andy Budd hat in seinem Weblog eine ähnliche Serie begonnen: »Design Artefacts«

Erschienen am Mittwoch, 02.04.2008 @ 23:57 | Kommentar schreiben
Tags: , ,

 

+++

Archiv
RSS-Feeds: Einträge und Kommentare (zu allen Einträgen).