Archiv für Postings mit dem Tag ‘iainfocamp’

Freitag, 14.11.2008

IA InfoCamp

Heute Abend war ich auf dem IA InfoCamp in Berlin: Rund 80 Konzepter aus Berlin – aber auch aus ganz Deutschland und sogar aus Dänemark – haben sich zu einem BarCamp im Newthinking Store getroffen, um zu fachsimpeln und den Tag bei einem Bier ausklingen zu lassen.

Accessibility – Missverständnisse und häufige Fragen
Ich hatte die Ehre, die Sessions mit meinem Vortrag zu Barrierefreiheit zu eröffnen.

Der Vortrag sollte 2 Kernaussagen vermitteln:

  1. Barrierefreiheit ist nicht nur für Blinde wichtig: Es betrifft auch Menschen mit anderen physischen Einschränkungen; außerdem spielen auch technische Hürden eine Rolle.
  2. Bei Barrierefreiheit kommt es nicht nur auf sauberen Code in den Templates an: Inhalte müssen barrierefrei aufbereitet werden.

Die Folien findet Ihr bei Slideshare: einmal als Präsentation mit Notizen und einmal als Präsentation ohne Notizen.

Hier noch einige Links: Das Video des Instituts für Medizinische Lehre der Uni Bern kann auf usability.iml.unibe.ch/film angesehen oder heruntergeladen werden. Bezüglich Accessibility und Web 2.0/AJAX seien nochmals die Stichwörter ARIA und Progressive Enhancement genannt. Henning Grote wies in der anschließenden Diskussion auf das Programm Color Oracle hin, mit dem sich Farbfehlsichtigkeiten nachstellen lassen. Plug-ins für Photoshop sind Vischeck und Colorfield Insight. Wir haben auch darüber diskutiert, Accessibility über SEO oder Standardkonformität »mitzuverkaufen«. Zur Frage der Kosten kann ich die beiden Artikel »Accessibility costs too much« einer neuseeländischen Firma bzw. »Factors Affecting Cost of Implementation« des W3C empfehlen – generell gilt: Je früher Accessibility berücksichtigt wird desto günstiger, allerdings fällt in der Pflege auch etwas Zeit für Schulung der Redakteure und die Aufbereitung der Inhalte an. Zur Frage »Wer macht was in der Agentur?« gibt es eine gute Matrix von einfach-fuer-alle.de. Es kam auch noch die Frage »separate Textversion?« auf – hier gibt es wie gesagt eine klare Anforderung des W3C: Nur wenn gar nichts anderes mehr geht, sollte eine alternative Version erstellt werden die barrierefrei ist, den gleichen Stand an Informationen, die gleiche Funktionalität und die gleiche Aktualität hat wie die nicht zugängliche Variante (Checkpoint 11.4). Dass eine Website trotz gefälligem Layout barrierefrei sein kann, beweist die Postbank mit ihrem Online-Banking.

Präsentationsmagie
Samuel Woitinski stellte 3 Killer von guten Präsentationen vor, und was man dagegen unternehmen kann:

  1. Überlasten des menschlichen Arbeitsspeichers (zu viele, zu schnelle und zu komplexe Informationen; dagegen helfen: vereinfachen, visualisieren, animieren)
  2. Text überlagert die Tonspur (eine Präsentation sollte wie ein spannender Film sein, das Publikum hört sich beim Lesen selbst zu und nicht dem Redner, illustrative Bilder statt Text verwenden)
  3. Bulletpoints (immerhin kürzer als Fließtext, dennoch besser illustrative Grafiken verwenden)

Online- und Offline-Cardsorting
Frank Hohenschuh von SirValUse demonstrierte Online-Cardsorting. SirValUse führte diese Variante von Cardsorting ein, da Papier-Cardsorts mit 10 oder 12 Teilnehmern nur Trends/Tendenzen liefern – Kunden möchten jedoch oft eine breitere Datenbasis haben. Die Software beherrscht sowohl offene Cardsorts (Namen von Clustern sind nicht vorgegeben) als auch geschlossene Cardsorts. Online-Cardsortings sind sehr günstig, da die Auswertung automatisch geschieht. Relevante Ergebnisse erzielt man ab etwa 250 Teilnehmern. Henning schlug optimalsort.com als Lösung für den Freelancer vor.

Patterns für Produktkonfiguratoren
Markus Drews von D-LABS stellte seine Patternsammlung für Konfiguratoren vor: flickr.com/photos/konfiguratorpatterns/sets – begleitende Infos gibt’s in seinem Konferenzpaper Interaction Patterns für Produktkonfiguratoren.

Spannend fand ich die Idee der Konfliktvorwegnahme, die mir bisher noch gar nicht begegnet ist: Bei komplexen Produkten kann es zu Baubarkeitskonflikten kommen – beispielsweise kann bei einem Auto nur dann ein Sportlenkrad gewählt werden, wenn sich der Interessent auch für die Sitzheizung entscheidet (weil es vielleicht durch die Produktpolitik so vorgegeben ist). Der klassische Weg wäre, einen Fehlerhinweis zu zeigen und den Nutzer dann zwischen zwei Alternativen wählen zu lassen. Bei der Konfliktvorwegnahme werden dem Nutzer vor dem Klick – z.B. in einem Tooltip – die Konsequenzen gezeigt. Klickt der Nutzer trotzdem, bestätigt er damit zugleich die Wahl oder Abwahl von anderen Optionen und löst dadurch den Konflikt.

Ein Tipp den uns Markus gab: Mit dem Produkt in der Tiefe beschäftigen! Die Software-Entwickler müssen den Designern die Produktlogik nahe bringen.

breadcrumbs 2.0
Carsten Grandke brachte eine Diskussion zum Thema Breadcrumbs in Gang: Sind Breadcrumbs auf Web-2.0-Sites noch sinnvoll? Zählt eine Auflistung von gewählten Facets-Filtern als hierarchisches Ordnungsinstrument im weitesten Sinne zu Breadcrumbs? Fazit: Breadcrumbs haben nicht mehr die Bedeutung wie früher, als es noch stark strukturierte Websites gab. Sie schaden aber auch nicht und haben als Browsing History noch ihre Berechtigung.

User Centered Design in a Nutshell
Holger Deist von SAP erläuterte, welche Rolle UCD (inzwischen) bei SAP spielt, wie sie bei einem 6-monatigen Projekt ein riesiges Fass aufmachten, und wie sie das Thema gegen interne Widerstände voranbrachten (Tipp: Unterstützung durch den Vorstand). Sehr interessanter Einblick in ein großes Softwarehaus!

Who is the new socialware user?
Zu dem Vortrag von Barry Prendergast (Relentless) habe ich mir leider relativ wenig Notizen gemacht (ich schreibe das hier eigentlich am 18. November und kann mich nicht mehr so gut daran erinnern).

Dub Denim
Martin Rothenberger stellte Dub Denim vor, eine Prototyping-Software der University of Washington, die mit einem Tablet-PC genutzt werden kann. Interessante Ansätze um schnell Scribbles zu machen – leider wird die Software kaum weiterentwickelt – Version 2.1 ist vom April 2007 – und sie ist nur auf einem Tablet-PC sinnvoll einsetzbar.

Axure
Jan Jursa demonstrierte Prototyping mit Axure 5. Axure hat einige Vorteile wie Widget-Bibliotheken, Properties für einzelne Elemente (die auch in der generierten Spec ausgegeben werden) oder dass sich relativ leicht ein Prototyp erstellen lässt. Allerdings klickt man sich teilweise 4 oder 5 Dialogfenster tief, um Einstellungen vorzunehmen – mich wundert nicht, dass es Axure nur als Windows-Version und nicht für den Mac gibt.   :-)
Noch ein Linktipp von Jan: designerstoolbox.com

Web 3.0
Willi Schroll diskutierte mit dem Publikum über den Begriff Web 3.0: Eigentlich ist der Begriff genau so wenig definiert wie schon »Web 2.0« – vielleicht wird Web 3.0 das Semantische Web, vielleicht wird es auch Ubiquitous Computing, Cloud Computing, Location Based Services…

Einen Aspekt fand ich im Zusammenhang mit Geotracking und Geräten mit GPS-Chips besonders interessant: Willi griff eines der 5 Axiome von Paul Watzlawik auf: »Man kann nicht nicht kommunizieren.« In Bezug auf Geotracking heißt das, Zitat von Willis Folie:

»Applied to location aware services with social tracking: If you decide to switch off social-local visibility then this is an act of hiding. Maybe this act itself should stay hidden, if possible.«

Gleich im Anschluss fand die 7. IA Cocktail Hour statt. Insgesamt eine tolle Veranstaltung – Dank an Sabine und Jan für die Organisation!

Erschienen am Freitag, 14.11.2008 @ 23:59 | 2 Kommentare
Tags: , , , , ,

 

+++

Archiv
RSS-Feeds: Einträge und Kommentare (zu allen Einträgen).