Samstag, 17.01.2004
Reis und Spiele
…um mal die Überschrift »Menschenzoo reloaded« zu vermeiden. Es ist wieder Zeit für ein Outing: Ich bin einer von 7,5 Millionen Gehirnamputierten, die RTLs Dschungelshow »Ich bin ein Star, holt mich hier raus!« sehen – Der Spiegel: »Guantanamo Bay des deutschen Spaß-Fernsehens«.Ich war ja schon ein Fan von »Big Brother«, allerdings habe ich nur die ersten beiden Staffeln gesehen, dann hat es auch mich nicht mehr sonderlich gereizt. Die Dschungelshow ist quasi »Promi-Big Brother« unter verschärften Bedingungen. Die Beteiligten sind lediglich aus der Kategorie der sogenannten »B- und C-Promis« (SZ: »Have-Beens«), aber immerhin liegen sie nicht nur auf einer Couch rum.
Zwar nervt das bescheuerte Gehabe der beiden Moderatorinnen Sonja Zietlow und Dirk Bach extrem und masochistische Neigungen als Zuschauer wären hilfreich, aber von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet finde ich die Sendung durchaus amüsant. Was mir gefällt, ist nicht die von SPON-Mann Markus Brügge unterstellte Schadenfreude, der Lagerkoller, das Rumhängen im Camp, das festgetackerte Grinsen der Moderatoren oder die FSK32-Bilder einer spärlich bekleideten Lisa Fitz oder eines Werner Böhm. Alles das keinesfalls. Aber diese Dschungelprüfungen finde ich recht originell.
Was mich abseits der Show sehr fasziniert, ist das Bohei, das darum gemacht wird. Im Gegensatz zu »Big Brother« vor ein paar Jahren, das schon Monate vor der ersten Sendung unter Beschuss stand, kümmerte sich im Vorfeld von »Ich bin ein Star…« allerdings kein Beppo um die Sendung.
Erst, als die Quoten stiegen und konstant hoch blieben, und die Sendung wegen ihres, zugegeben, eher niedrigen Niveaus in die Schlagzeilen kam, brandete der Protest bei Politik, » Tier- und Küblböck-Schützern« (Brügge) auf. Die zuständige Landesmedienanstalt will prüfen, die Sendung verbieten zu lassen (was freilich nur Auswirkungen auf die von RTL mittlerweile geplante Folgestaffel hätte). Die Bild-zeitung, das Fachblatt für objektive Berichterstattung (»Schulklo-Monster, wir kriegen Dich!«) muss sich für zwei Wochen keine Gedanken um die Versorgung mit Schlagzeilen machen.
Übrigens werden für die fünfte BB-Staffel, die im März startet, noch Akademiker gesucht. Zu gewinnen gibt’s eine Million Euro.
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Weitere SPON- und SZ-Artikel der letzten Tage:
- »Die Metamorphose des Daniel K.« – Frank Patalong (Spiegel)
- »Ab in den Dschungel« – Markus Brügge (Spiegel)
- »Spiele für Brot« – Leserzuschriften an SPON
- »Für eine Handvoll Bohnen« – Hans-Jürgen Jakobs (SZ)
- »Schluss mit knusprig« – Holger Liebs (SZ)
- »Fressen und gefressen werden« – Hans Hoff (SZ)
Erschienen am Samstag, 17.01.2004 @ 23:17
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Tags: Film-und-Fernsehen, ich-bin-ein-star
