Archiv für Postings mit dem Tag ‘Literatur’

Sonntag, 28.09.2003

»Ungewöhnlich« ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt.

»Wenn du das hier lesen willst, spar dir die Mühe.
Nach ein paar Seiten wirst du nur noch weglaufen wollen. Also vergiss es. Geh. Verschwinde, solange du noch kannst.
Rette dich.
Im Fernsehen läuft bestimmt was Besseres. Oder vielleicht solltest du, wenn du schon so viel Zeit übrig hast, zur Abendschule gehen. Arzt werden. Du könntest etwas aus dir machen. Gönn dir einen Restaurantbesuch. Färb dir die Haare.
Du wirst schließlich auch nicht jünger.
Was sich hier abspielt, wird dich erst einmal ankotzen. Und von da an wird es immer nur noch schlimmer.«

Es lohnt sich dennoch, nach der einleitenden Warnung von Chuck Palahniuk in seinem Buch weiterzulesen. Im Urlaub las ich »Der Simulant« von ihm, das ich mir bereits vor dem Urlaub gekauft habe.
»Der Simulant« handelt von einem Typen namens Victor Mancini, dessen Leben von zwei Wünschen beherrscht wird: Schnelles Geld und schneller Sex. Er hat äußerst ungewöhnliche Methoden entwickelt, um von beidem möglichst viel zu bekommen, heißt es im Klappentext. Geld verdient Victor auf zwei Arten: Erstens als Mitarbeiter in einem Freilicht-Museum, das ein Dorf aus dem 18. Jahrhundert nachbildet. Zweitens, indem er in Restaurants Erstickungsanfälle vortäuscht (daher der Titel »Der Simulant« bzw. im englischen Original »Choke«): Seine Retter schicken ihm anschließend Geld, um ihn nach seinem Beinahe-Tod zu unterstützen. Das Geld braucht er, um einen Pflegeheimplatz für seine psychisch kranke Mutter bezahlen zu können.
Den Sex holt er sich in einer Selbsthilfegruppe der Anonymen Sexsüchtigen:

»Diese Leute sind Legende. Von jedem dieser Männer und Frauen hast du schon jahrelang gehört.
In den Fünfzigerjahren wurde von einem Staubsaugerhersteller eine kleine technische Neuerung eingeführt, ein winziger, rasiermesserscharfer Propeller, der, ins vordere Ende des Schlauchs eingebaut, von der einströmenden Luft in Rotation versetzt wurde und Flusen, Fäden oder Haustierhaare zerkleinern sollte, die sonst den Schlauch verstopfen könnten.
So jedenfalls war es gedacht gewesen.
Aber viele dieser Männer hier sind mit zerfleischtem Schwanz in die Unfallstationen der Krankenhäuser gekommen.
Jedenfalls den Gerüchten nach.
Oder nehmen wir die alte Stadtlegende von der Überraschungsparty für die hübsche Hausfrau: Ihre Freunde und Angehörigen verstecken sich in einem Zimmer, und als sie rausplatzen und "Glückwunsch zum Geburtstag" rufen, liegt die Frau auf dem Sofa und lässt sich von ihrem Hund gerade Erdnussbutter zwischen den Beinen weglecken…
Tja, diese Frau gibt es wirklich.
Oder die sagenumwobene Frau, die ihrem Freund beim Fahren einen bläst; plötzlich verliert er die Kontrolle über den Wagen und tritt so hart auf die Bremse, dass sie ihm ein Stück abbeißt. Ich kenne die beiden.
Diese Männer und Frauen sind alle hier.
Diese Leute sind der Grund, warum es auf jeder Notstation einen Bohrer mit Diamantspitze gibt. Damit werden die dicken Böden von Sekt- und Seltersflaschen angebohrt. Um den Unterdruck aufzuheben.
Das hier sind die Leute, die nachts ins Krankenhaus wanken und behaupten, sie seien ausgerutscht und auf eine Zucchini gefallen, auf eine Glühbirne, eine Barbiepuppe, auf Billardkugeln, auf eine Wüstenspringmaus.
Siehe auch: Billardstock.
Siehe auch: Kuschelhamster.
Sie sind in der Dusche ausgerutscht und haargenau auf eine glitschige Shampooflasche gestürzt. Ständig fallen irgendwelche Unbekannten über sie her und attackieren sie mit Kerzen, Basebällen, hart gekochten Eiern, Taschenlampen und Schraubenziehern, die dann entfernt werden müssen. Hier sind sie, die Männer, die in der Zulaufdüse ihes Whirlpools stecken bleiben.«

[...]

»Und die Cheerleaderin, aus der man, als man ihr den Magen auspumpt, ein Pfund Sperma zu Tage fördert. Sie heißt LouAnn.«

[...]

»Und dann die Ratgeber für Sexsüchtige, die sie hier verkaufen: Da werden Praktiken beschrieben, von denen man schon immer geträumt hat. In Wirklichkeit soll einem das natürlich zu erkennen helfen, dass man sexsüchtig ist. Es gibt da so eine Art Checkliste, ähnlich wie: Wenn Sie eine der folgenden Verhaltensweisen haben, sind Sie vermutlich Alkoholiker. Ich denke da an hilfreiche Hinweise wie diese:
Entfernen Sie das Futter aus Ihrem Badeanzug, damit Ihre Genitalien besser zu sehen sind?
Gehen Sie mit offener Hose oder Bluse in eine Telefonzelle, führen dort Scheingespräche und stellen sich dabei so hin, dass man von außen sehen kann, dass Sie keine Unterwäsche tragen?
Joggen Sie ohne BH oder Suspensorium, um Sexualpartner anzulocken?
Meine Antwort auf das alles ist: Ja, jetzt schon!«

Chuck Palahniuk spielt mit Tabus, und das durchaus humorvoll und detailreich ausgeschmückt (überhaupt schreibt Palahniuk sehr bildlich und beobachtet genau).
Victor erzählt dem Leser, was passiert, während es passiert. Der Leser erfährt eine Menge aus Victors Leben: seinen Tagesablauf, was er mag und was ihn abstößt, die Leute um ihn herum, seine drei Ticks. Einen davon habe ich oben schon zitiert: Victor Mancini zählt zu einem Beispiel oft zwei oder drei weitere auf und sagt: »Siehe auch«, häufig im Zusammenhang mit irgendwelchen Krankheiten und Krankheitsverläufen (er hat ein Medizinstudium begonnen, aber abgebrochen). Eine weitere ist zum Beispiel, dass er öfter irgendeine Handbewegung macht (z.B. zwei hochgestreckte Finger in Richtung Kneipenwirt) und im Buch heißt es: »Internationales Zeichen für: "Wir nehmen noch zwei."«
Außerdem beschreibt er oft etwas und versucht, ein passendes Wort zu finden, um dann zu sagen:

»"Held" ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt.«

In seinem Job als Dorfbewohner geht es nicht minder kurios zu und noch weniger keusch (»Die ganze Geschäftszeit über ist sie eine blaublütige Yankeefrau, das schon, aber hinter ihrem Rücken weiß jeder, dass sie auf der High-School in Springburg bei der ganzen Footballmannschaft als Aphrodite Saugglocke bekannt war.«). Sein Kumpan heißt Denny: Er arbeitet ebenfalls im Museumsdorf – er steht dort meistens am Pranger – und ist auch bei den Anonymen Sexsüchtigen. Er muss es sich fünfzehn Mal am Tag selbst besorgen, um den Tag zu überstehen. Mit der Zeit kommt er allerdings darauf, dass Steine zu sammeln eine gute Ablenkung ist.

»Wie ich Denny kenne, plant er wahrscheinlich schon, einen eigenen Planeten aufzumachen.«

[...]

»"Mann", sage ich. "Was soll der Stein da im Kühlschrank."
Denny ist in der Küche, er holt warme saubere Steine aus der Geschirrspülmaschine, trocknet sie mit einem Handtuch ab und sagt: "Weil das mein Fach ist. Hast du selbst gesagt." Er sagt: "Außderdem ist das nicht einfach ein Stein. Das ist Granit."«

Wenn Victor nicht gerade auf der Arbeit oder in seiner Freizeit mit Denny rumhängt oder in irgendeinem französischen Restaurant am Ersticken ist, besucht er seine Mutter im Pflegeheim. Dort trifft er auf Dr. Paige Marshall, in die er sich rettungslos verliebt. Und sie ist seine einzige Hoffnung herauszufinden, wer sein Vater ist. Seine Besuche werden häufiger und er versucht, mehr Zeit mit ihr zu verbringen.

Im »Simulant« gibt es vier Arten von Kapiteln.

  1. Victor erzählt von seiner Sexsucht
  2. Die Arbeit im Museumsdorf und Unternehmungen mit seinem Freund Denny
  3. Seine Besuche im Pflegeheim bei seiner Mutter und bei Dr. Marshall
  4. Rückblenden auf seine Kindheit

In seiner Kindheit lebte Victor oft bei Pflegefamilien, da seine Mutter damals schon verrückt war. Ihr gelang es jedoch öfter, ihn kurzzeitig zu entführen, um ihm die wirklich nützlichen Dinge im Leben beizubringen (davon erzählt die vierte Art der Kapitel):

»"Wenn du mal im Hard Rock Café bist", erzählt sie ihm, "und es kommt die Durchsage: ‘Elvis hat das Haus verlassen’, dann bedeutet das, dass alle Kellner in die Küche kommen und sich erklären lassen sollen, welches Tagesgericht ausverkauft ist.
So was sagen dir die Leute, wenn sie nicht mit der Wahrheit rausrücken wollen.
In einem Broadway-Theater bedeutet die Durchsage: ‘Elvis hat das Haus verlassen’, dass Feuer ausgebrochen ist.
Wird in einem Lebensmittelladen Mr. Cash ausgerufen, ist in Wirklichkeit ein Wachmann gemeint. ‘Aufsicht zur Damenbekleidung’ bedeutet, dass dort jemand etwas geklaut hat. In anderen Geschäften wird eine nicht existierende Frau namens Sheila ausgerufen. ‘Sheila zum Eingang’ bedeutet, dass jemand im Eingangsbereich beim Diebstahl beobachtet wurde. Mr. Cash und Sheila und Schwester Flamingo bedeuten immer was Schlechtes."
Die Mutter stellte den Motor ab und legte eine Hand oben aufs Steuerrad; mit der anderen Hand schnippte sie und ließ den Jungen wiederholen, was sie ihm beigebracht hatte.«

[...]

»"In der Schule lernst du nur unwichtiges Zeug", sagte sie. "Aber was du hier bei mir lernst, kann dir mal das Leben retten."
Sie schnippte mit den Fingern. "Mr. Amond Silvestiri?", sagte sie. "Was musst du machen, wenn er ausgerufen wird?"
Auf manchen Flughäfen bedeutet das einen Terroristen mit einer Bombe. "Mr. Amond Silvistri, Ihre Gruppe erwartet Sie an Flugsteig 10 in Halle D" bedeutet, dass die Leute von der Spezialeinheit dort den Verdächtigen finden werden.«

Mehr sei an dieser Stelle mal nicht verraten. Das Buch lohnt sich, wenn man etwas für skurrile Charaktere und Geschichten übrig hat und man eine ordentliche Portion Sarkasmus und schwarzen Humor vertragen kann.
Man liebt dieses Buch, oder man hasst es.

In der Mitte hängt es mal durch, aber zum Schluss hin wird es nochmal richtig fulminant, mit einigen starken Kapiteln. Beispielsweise das ganze Kapitel 27 (das »Rollenspiel«) oder Kapitel 28 (der Klassenausflug ins Museumsdorf). Exzellent auch das komplette Kapitel 40 (Sex im Flugzeug).

»Auf dem Spiegel entdeckst Du einen Fußabdruck, in zwei Metern Höhe, oben am Rand des Spiegels den gewölbten Abdruck eines kleinen nackten Frauenfußes, die fünf runden Zehen, und du fragst dich: Was war denn hier los?«

Mir hat das Buch sehr gefallen (es wurde mir von einem früheren Kollegen aus der Bank empfohlen) und ich habe mir daraufhin auch »Flug 2039« vom selben Autor gekauft sowie anschließend das englische Original von »Fight Club«. Zuvor kannte ich nur den gleichnamigen Film (zweimal im Kino gesehen und als Code 1- sowie Code 2-DVD bei mir im Regal), und den fand ich grandios. Wem »Fight Club« gefallen hat, kommt um den »Simulant« nicht herum: Genauso abgefahrene Typen in irrwitzigen Geschichten, präzise beobachtet und brillant erzählt.
Oder, wie es jemand in der Amazon.de-Rezension zu »Flug 2039« formulierte:

»Dieser Mann, Chuck Palahniuk, ist jeden Cent wert, den man zahlt, um an seine Bücher zu kommen. Er liebt Tabuthemen und er stampft darin herum, wie ein wild gewordener Elefant. Jede neue Veröffentlichung eine weitere skurrile Idee.«

Chuck Palahniuk, »Der Simulant«
Titel der englischen Original-Ausgabe: »Choke«
Goldmann-Manhatten; München, Mai 2002
318 Seiten, Paperback; 8,90 Euro
ISBN: 3-442-54166-2

Erschienen am Sonntag, 28.09.2003 @ 7:31 | Kommentare deaktiviert
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Samstag, 27.12.2003

Kant

An sich bin ich ja kein Fan von nicht-politischen Titelthemen des Spiegel, aber die nächste Ausgabe wird am Montag gekauft. Titel: Kant.
Der Philosoph aus Königsberg ist dieser Tage wieder etwas mehr in Mode, da sich Geburts- und Todestag jähren: Geboren am 22.04.1724 und gestorben vor knapp 200 Jahren am 12.02.1804. Letzte Woche stellte Wolfgang Herles im ZDF-Morgenmagazin (zufällig drüber gezappt) drei neue Bücher zu Kant vor:

»KANT«, Biographie von Manfred Kühn, erschienen im C. H. Beck Verlag.
639 Seiten. Preis: 29,90 Euro. ISBN: 3-406-50918-5

»Zum 200. Todestag und 280. Geburtstag Immanuel Kants im nächsten Jahr porträtiert der Autor souverän und detailreich den großen Denker und stellt dessen philosophisches Werk verständlich vor. Manfred Kühn räumt in seiner glänzenden Biographie mit der Legende von Kants ereignislosem Professorenleben gründlich auf und zeichnet das Bild eines geistreichen Gentlemans, der eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben spielte. Man nannte ihn den "eleganten Magister". Er galt als beliebter Universitätslehrer, war charmant und kontaktfreudig, von Freunden umgeben und gern auf Gesellschaften.«

Das zweite Buch:

»Kants Welt«, Biographie von Manfred Geier, erschienen im Rowohlt Verlag.
350 Seiten. Preis: 24,90 Euro. ISBN: 3-498-02491-4

»Manfred Geier erzählt darüber, wie Professor Immanuel Kant aus Königsberg die Philosophie revolutionierte. Er versteht es meisterhaft, die Lebensgeschichte dieses weltweisen und menschenklugen Philosophen mit dessen wichtigsten Werken zu verbinden, die einen Höhepunkt in der Geschichte des modernen Denkens bilden.«

Das dritte Buch:

»Immanuel Kant«, Biographie von Steffen Dietzsch, erschienen im Verlag Reclam Leipzig.
368 Seiten. Preis: 24,90 Euro. ISBN: 3-379-00806-0

»Der Autor konzentriert sich auf Kants Philosophenkarriere in Königsberg. Jüngste Funde im Archiv der dortigen Universität bilden die Grundlage dafür. Der Leser erhält interessante Einsichten in das Leben Kants als Hochschullehrer.«

Was Philosophie betrifft, bin ich ein Kant-Fan, auch wenn ich seine Original-Texte nicht verstehe und mich ihnen nur mit Sekundärliteratur nähern kann. Sehr empfehlen kann ich zwei Taschenbücher aus der kurzen Reihe »Kant für Anfänger«, beide verfasst von Ralf Ludwig und erschienen im dtv-Verlag:

Weniger hilfreich ist »Kant in 90 Minuten« von Paul Strathern aus dem Eichborn-Verlag. Anscheinend ist die Auflage auch vergriffen.

Falls sich jemand an Kants Original versuchen will: Die gibt’s natürlich auch, und zwar im Reclam-Verlag, wo sonst. Seine beiden Hauptwerke heißen »Kritik der reinen Vernunft« und »Kritik der praktischen Vernunft« (KpV)
Den oft zitierten kategorischen Imperativ behandelt er in seinem Buch »Die Metaphysik der Sitten« und greift ihn in der KpV wieder auf. Eine kurze Einführung gibt es auf dem Berliner Bildungsserver.

Ich bin gespannt auf den Spiegel-Titel. Und vielleicht beschaffe ich mir mal eines der drei von Wolfgang Herles empfohlenen Bücher, evtl »Kants Welt«.
Andererseits habe ich mich nach Kant nicht mehr weiter mit Philosophie beschäftigt, und da gibt es glaube ich noch ein paar spannende Persönlichkeiten wie Wittgenstein oder Feuerbach, und natürlich Nietzsche und Schopenhauer, Heidegger, Hegel, Hume, Kierkegaard…

Erschienen am Samstag, 27.12.2003 @ 17:59 | Kommentare deaktiviert
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Freitag, 05.08.2005

Lesestoff

Übernächste Woche geht’s in den Urlaub. Eventuell kommt Matthias aus Frauenaurach mit. Meine Schwester meinte:

»Dann habe ich wenigstens jemanden, der mit mir in Disco geht; du liest ja den ganzen Tag wieder.«

So sieht’s aus.   :-)
Wie jedes Jahr decke ich mich mit Strandlektüre ein. Am Mittwoch den 17. geht’s nach Westerland.
Ich habe ein Faible für subversive und nihilistische Belletristik – es kann auch gerne derb zugehen, wie bei Chuck Palahniuk (»Diese Leute sind der Grund, warum es auf jeder Notstation einen Bohrer mit Diamantspitze gibt.«). Wenn ein Buch kontrovers diskutiert wird oder vermeintlich Tabus bricht, dann wird es für mich interessant.
Die Auswahl für dieses Jahr sieht wie folgt aus:

  • »Drecksau«
    von Irvine Welsh, 456 Seiten
    Aus der Feder von Irvine Welsh stammt »Trainspotting«, das mit Ewan McGregor erfolgreich verfilmt wurde. Welsh ist bekannt dafür, dass er in schottischem Dialekt schreibt – durch die Übersetzung geht zwar Originalität verloren, dafür verstehe ich es aber auch.   :-)
    »Drecksau« handelt von einem Polizisten, der vieles im Sinn hat, nur nicht seinen Dienst. Der Klappentext spricht für sich selbst:
    »Für Sergeant Bruce Robertson gibt es Schöneres zu tun, als zu arbeiten: nette Beschäftigungen auf der Herrentoilette, kleine Intrigen gegen Kolleginnen oder auch ein Kurztrip nach Amsterdam, ins Drogen- und Sexparadies. Ärgerlich, dass er dann doch noch einen Mord aufklären soll, aber vielleicht springt ja für ihn was dabei raus. Immer tiefer sinkt Robertson in die Abgründe menschlichen Seins. Widerstand gegen das Böse kommt von unerwarteter Seite: Der Bandwurm, der den Polizisten schon seit längerem quält, kommentiert ungefragt die Schweinereien seines Wirts. Die Dinge stehen schlecht für die “Drecksau”, aber in einem Roman von Irvine Welsh ist es nie so schlimm, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte.«
  • »American Psycho«
    von Bret Easton Ellis, 549 Seiten
    Der Klassiker unter den Metzel-Romanen. Das Buch stand laut Wikipedia zwischen 1995 und 2000 auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Im Jahr 2000 hat Mary Harron das Buch mit Christian Bale in der Hauptrolle verfilmt. In Deutschland bekam der Film eine Freigabe ab 16, da er auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtete.
    Den Film habe ich vor einigen Jahren gesehen, deswegen ist mir die Story in groben Zügen bekannt: Mitte der 1980er: Patrick Bateman sitzt tagsüber in seinem Wall-Street-Büro und vermehrt seinen Reichtum. Nachts findet er seinen »Ausgleich« als Serienmörder.
    Nach allem was ich weiß, wartet da harte Kost auf mich. Mal sehen, in wie weit sich das als Strandlektüre eignet. Die Zeit schreibt:
    »Der Roman liegt immer noch schwer im Magen. Nur wenige halten ihn für gut, kaum jemand hat ihn gern gelesen, trotzdem zählt er zu den wichtigen Werken der neunziger Jahre.«
  • »Idioten«
    von Jakob Arjouni, 153 Seiten
    In diesem Buch geht es etwas harmloser zu als in »American Psycho«. Fünf moderne Märchen: Stell’ Dir vor, aus dem Nichts erscheint eine Fee und Du hast einen Wunsch frei. Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe sind leider nicht im Programm. Man sollte allerdings Vorsicht walten lassen bei dem, was man sich wünscht…
  • »Gottverdammt«
    von Manuel Pliewisch, 130 Seiten
    Eines Tages erscheint dem unauffälligen Mark Gott höchstselbst. Wie es der Zufall so will, kennt er Gott bereits: Es ist Elvis!
    Aus den Leser-Rezensionen bei Amazon:
    »Ich habe natürlich, so wie wohl jeder andere “Gottverdammt”-Leser auch, meine persönlichen Lieblingsfiguren aus dem Roman; Zange, der übergroße, lustige Hund, Marks cooler, leicht verrückter Opa und allen voran natürlich Elvis alias Gott. Vielleicht könnte man Pliewischs Roman als “Popcorn-Literatur” bezeichnen, denn es ist pure Unterhaltung.«
  • »Das Leben, die Liebe und der ganze Kram dazwischen«
    von Mike Gayle, 325 Seiten
    Hierbei handelt es sich um die deutsche Ausgabe von »Mr. Commitment«. Den Rezensionen zufolge scheint es eine Art »High Fidelity ohne Plattenladen« zu sein: »Ally Mc Beal fuer Männer«, Antworten auf drängende Fragen wie:
    »There are several questions about men that women have been struggling to answer for some time. Why must they always hold on to the remote control? Why can they only talk during commercials, even when they are watching reruns? Why do they hate shopping with us? What exactly do they do in those electronics stores for hours?«
    Falls ich mich mal veranlasst sehe, das Buch einer Frau zu empfehlen, möchte ich vorher wissen was drin steht.   :-)
  • »Die New York-Trilogie«
    von Paul Auster, 374 Seiten
    Holger sagt mir schon seit Jahren: »Lies Paul Auster.« Bislang konnte ich mich nicht überwinden (»Was soll daran so gut sein?«), aber diesmal habe ich mich breitschlagen lassen.   :-)
  • »Globalisierung«
    von Helmut Schmidt, 140 Seiten
    Irvine Welsh und Bret Easton Ellis sind das eine Extrem meiner diesjährigen Auswahl, Helmut Schmidt und André Kostolany liegen am anderen Ende des Spektrums: Zusätzlich zur Belletristik noch zwei Fachbücher über Wirtschaft (Schmidt) und Finanzen (Kostolany).
    Helmut Schmidt ist ja als Politiker mit ökonomischem Sachverstand bekannt. Er kann Zusammenhänge gut erklären – wie den Amazon-Rezensionen zu seinem Buch zu entnehmen war, und wovon ich mich anhand seines kürzlichen Zeit-Artikels zur Rente selbst überzeugen konnte.
    Das Thema Globalisierung interessiert mich, weil darüber viel debattiert wird und weil es uns alle betrifft. Ich glaube es war Hans-Werner Sinn der mal bei Sabine Christiansen gesagt hat, Globalisierung sei wie Wetter, und deswegen könne man nicht dagegen sein, sondern man müsse sich darauf einstellen. Das sehe ich auch so; wobei ich denke, dass »Globalisierungsgegner« tatsächlich nicht gegen Globalisierung sind, sondern für eine bestimmte Art, sich darauf einzustellen. Was ich mir von Schmidts Buch erwarte, ist ein Ausblick in die Zukunft und Vorschläge, wie westliche Regierungen auf die Globalisierung reagieren sollten.
  • »Die Kunst über Geld nachzudenken«
    von André Kostolany, 237 Seiten
    Das Buch steht bereits seit meiner Zeit bei der Bank (1995-2002) im Regal, aber ich habe es noch nicht gelesen. »Meine« Bank hatte kaum mit Aktienanlage zu tun, deswegen hat es mich auch damals schon eher persönlich interessiert. Aber wie das halt so ist: Wenn die Marktlage günstig ist, hat man kein Kapital, um einzusteigen.   :-)

Wahrscheinlich werde ich nicht alle Bücher lesen können; ich hätte nicht gedacht, dass »Drecksau« und »American Psycho« einen Umfang von 450 bzw. 550 Seiten haben. Dass bei Amazon.de seit einiger Zeit bei den meisten Büchern die Angabe zur Seitenanzahl fehlt, geht mir ziemlich auf die Nerven.
Nächstes Jahr lese ich vielleicht mal Klassiker wie »Krieg der Welten« von H.G. Wells, »Schöne neue Welt« von Aldous Huxley oder »Dr. Jekyll & Mr. Hyde« von Robert L. Stevenson. Von Holger wurden mir außerdem »Neues von Gott«, »Risiko des Ruhms« und »Kings of Infinite Space« empfohlen.
Wenn mir »Drecksau« von Irvine Welsh gut gefällt, lese ich evtl auch noch »Klebstoff« und »Porno« von ihm.

Über die Amazon-Links

Auf my two cents hat es noch nie Werbung gegeben, abgesehen von begeisterten Huldigungen des ein oder anderen Produkts. Werbebanner wären hier fehl am Platz, sowohl optisch als auch inhaltlich. Beginnend mit diesem Posting werde ich jedoch Links zu Amazon um eine Affiliate-ID erweitern: Wenn Du auf einen Amazon-Link klickst und innerhalb von 24 Stunden etwas bei Amazon bestellst, erhalte ich ein paar Cent Gutschrift.
Ich verlinke eh des öfteren auf Amazon und diese Links stören nicht beim Lesen der Seite. Das Produkt, das Du bei Amazon bestellst, wird nicht teurer für Dich. Ich sehe auch nicht, wer was bestellt. Reich werde ich dadurch auch nicht; es geht nur um einen kleinen Gefallen: Das Geld das ich dadurch einnehme, werde ich in Kinobesuche investieren.   :-)
Wer das nicht möchte, dem steht natürlich immer noch frei, die Adresse von Amazon direkt in die Adressleiste seines Browsers einzutippen oder einen anderen Händler eigener Wahl aufzusuchen. Vielen Dank.

Erschienen am Freitag, 05.08.2005 @ 16:46 | Kommentare deaktiviert
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Donnerstag, 09.10.2008

»Eure Rübe muss frei sein!«

An sich bespreche ich hier ja keine einzelnen Spiegel-online-Artikel, aber die Rezension von Reinhard Mohr zu Dieter Bohlens neuem Buch »Der Bohlenweg. Planieren statt sanieren« ist genial:

»Wir verstehen: Das Leben ist “kein Ponyhof”: “Es ist eine Baustelle”. Deshalb ist auch das Buch eine einzige Baustelle, und die Leser sollten, trotz der Aufteilung in 29 Kapitel, keine Dramaturgie oder gar ein logisches Prinzip suchen. Eher so etwas wie écriture automatique, das automatisch hervorquellende, tranceartige Schreiben des französischen Surrealismus.«

Erschienen am Donnerstag, 09.10.2008 @ 14:23 | Kommentar schreiben
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