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Sonntag, 12.10.2008

Live vom BarCamp München: Podcasts für Einsteiger

Michael Praetorius von Antenne Bayern macht seit zweieinhalb Jahren Podcasts im Audio- und Videobereich. Kommt aus dem klassischen Radio: Hörfunk-Ausbildung. Er macht relativ kurze Podcasts (längstens 15 Minuten). Im Radio muss er »die Eins-dreißig« (anderthalb Minuten) einhalten. Alte Radioregel: Spontaneität muss gut überlegt sein.

Definition
Es macht keinen Unterschied, ob man eine Serie von Folgen (Podcast) aufnimmt, oder nur einmal einen Audiobeitrag: In der Produktion kommt es auf das Gleiche an. Es spielt keine Rolle, ob es auf einem iPod, im Quicktime-Player, bei YouTube oder der PSP abgespielt wird. Als Audiobeitrag ungeeignet, wenn immer nur einer spricht.

Product Placement
In Videopodcasts Logos auf dem Windschutz.

Mikrofone
Die Leute halten das Video zu weit weg. Und bei Interviews muss man mit dem Mikro nah ran. Daher: Ansteckmikro verwenden, das vergisst der Interviewpartner nach 5 Minuten! Ein Mikrofon kann auch eine Waffe sein, wenn man es Leuten nah ans Gesicht hält. Beim Mikrofon auf die Niere achten: Je nachdem was man aufnehmen will. Sennheiser E840S ist ein Mikrofon mit einer kugelförmigen Niere, die gut Sachen im Vordergrund aufnimmt und ein bisschen Hintergrundgeräusche. Lange Mikrofone sind geeignet um Geräuschquellen von weiter weg aufzunehmen.

Aufnahme
Aufnahme machen sie beim Radio in einem 5.1-Studio, aber sie hören es sich auf einem Küchenradio an: Wenn es da gut klingt, klingt es überall gut.

Software
»Die günstigsten Tools sind oft die besten: GarageBand, Audacity, Magix. Im Profi-Bereich beim Radio ist es DigAS. Soundtrack von Apple (bei Final Cut dabei) zu teuer und kompliziert. Tipp: Aufnehmen und anhören, wie einem die eigene Stimme am besten gefällt, dann als Set abspeichern. Beim Podcast zu zweit einfach zwei Spuren aufnehmen.

»Verpackung ist die halbe Miete«
Bekanntheitsgrade entsteht auch über die Verpackung. Die meisten Podcasts beginnen immer gleich: mit einem Opener. Das nervt! 50 Folgen muss man sich jedes Mal die 8 Sekunden anhören. Je skurriler desto besser; am besten nicht von den Moderatoren sprechen lassen. Er macht es bei seinem Drahtlos-Podcast so: Am Anfang kurz das Thema anreißen, dann den Opener. »Man kann auch was kaputt hauen in der Küche, das gibt schöne Trennelemente. Es tut jedem Podcast gut, wenn es Trennelemente gibt. Sehr angenehmen jemanden zu haben, der einem die Überschriften spricht. Laut und deutlich, Präsenz zeigen. Dann hast Du eine Überschrift gesprochen und dann kannst Du wieder 2 Minuten 30 labern, ohne dass es den Leuten langweilig wird.« Frage aus dem Publikum: »Was hältst Du von Soundteppichen?« Antwort: »Ja, aber sparsam. Nichts ist schlimmer als ein 24-minütiger Soundteppich.« Tipp: GEMA-freie Musik oder die Sachen die bei Programmen wie GarageBand dabei sind. Empfehlung aus dem Publikum: SoundTaxi.net, kostet was, aber man findet das Richtige. »Oder wie Annik Rubens: Jede Woche dazu aufrufen, dass sie neue Intros braucht.« Noch aus dem Publikum: Soundteppich darf nicht zu laut sein. »Ducking-Funktion von GarageBand ist ganz schlecht, geht ständig rauf und runter. Wenn Du Spam vorliest und daraus ein Hörbuch machst kann ich’s Dir empfehlen, sonst nicht.«

Frage aus dem Publikum: Script?
Ich habe 6 Monate lang Podcasts gemacht die gescriptet waren, und das ist sehr zeitaufwändig. Alle seine Freunde und Bekannten aus der Szene haben ihm gesagt sie fänden es besser wenn es ungescriptet ist, weil man es gemerkt hat. Normale Hörer fanden es witzig, aber er hat sich dann gegen Scripts entschieden da ihm die Zeit fehlte. Du musst in den Text Versprecher einbauen, unsinnige Atmer, Denkpausen. »Macht Euch das Script wo Ihr hin wollt. Dieser Raum hat 4 Ecken – wenn ich darüber Rede was das BarCamp ausmacht, kann ich mir 4 Aspekte aussuchen und die Ecken zuordnen: Spontaneität, unbekannte Leute kennenlernen, eine eigene Session halten, morgen wieder arbeiten aber das Wochenende trotzdem nicht verplempert. [...] Podcast üben heißt anderen Leuten die Mailbox vollquatschen. [...] Sprecht in diesen 4 Ecken und Ihr werdet schnell lernen in Satzbögen und Sinnschritten zu denken. Funktioniert auch beim Redenhalten, weil man sein Publikum immer wieder anschauen kann.« Er macht sich keine Karteikarten und keine Stichpunkte: »Das Schöne an einem Podcast ist, dass es ein 100% enthusiastisches Produkt ist. Wenn Du totale Begeisterung hast über ein BarCamp zu Podcasten, dann hast Du 10.000 Ideen die dabei sind. Mit Karteikarten rettest Du Dich von Karte zu Karte; arbeite lieber mit den 4 Ecken. [...] Ihr müsst auch nicht live moderieren, man kann auch einen Cut machen. Ich kann nur dann einen sinnvollen Schnitt machen, wenn ich auch mal die Schnauze gehalten hab’.« Patzer/Outtakes passieren, aber das macht es echt!

Frage aus dem Publikum: Länge?
»Trägt es das Thema? Wenn der Podcast nur noch aus dem Repetieren besteht wird es langweilig.«

Video
»Die schwierigste Übung bei einem Video-Podcast ist, dass es teuer ist: Du brauchst teure/treue Freunde oder ein professionelles Team. [...] Man braucht jede Menge Schnittbilder: Filme alles worüber Du gerade gesprochen hast nochmal, ohne dass Du oder Dein Interviewpartner zu sehen bist. Man macht viele Bilder, auf denen man selbst nicht zu sehen sind. [...] Warum ist Homeshopping live? Weil’s billiger ist. Die filmen mit 4 Kameras, damit sie andere Bilder reinschneiden können.«

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Soweit die Session. Ich habe noch einen Link: Informationsarchitektur für Audio, war ein sehr interessanter Vortrag von Jens Jacobsen auf der IA-Konferenz 2007. Er ist auch als Artikel bei Boxes and Arrows erschienen.

Nachtrag (13.10.08)
Michael hat in seinem Blog auch einige Tipps zum Podcasten gepostet.

Erschienen am Sonntag, 12.10.2008 @ 15:02 | 1 Kommentar
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