Archiv für Postings mit dem Tag ‘usability’

Samstag, 03.01.2004

Usability von Fahrtzielanzeigern

Ja, ernsthaft. Mit dem Umbau des Nürnberger Hauptbahnhofs hat Die Bahn auch neue Fahrtzielanzeiger (FZA) installiert. Generell gefällt mir der neue Look von Bahnhöfen, Schildern und Zügen ja gut, aber die neuen Anzeigen sind IMHO eine Verschlechterung gegenüber den bisherigen.

Die neuen FZA

Oben ein neuer FZA in Nürnberg. Suchbild: Welche Zuggattung fährt hier nach Frankfurt?
Unten ein alter Fahrtzielanzeiger in Erlangen.


Die alten FZA

Das Gehäuse der neuen Anzeiger ist größer. Den Platz nutzt man für die Unterbringung zweitrangiger Informationen: Ankunftszeit, Zugnummer und ein DB-Logo darf auch nicht fehlen. Dadurch hat es die Bahn »geschafft«, die wesentlichen Daten kleiner zu schrumpfen: Abfahrtszeit, Ziel und Zugart.
Davon abgesehen ist helle Schrift auf dunklem Grund immer schlechter zu lesen als schwarze Schrift auf weißem Grund. Wenigstens ist die weiße Schrift etwas fetter ausgefallen. Außerdem gibt es wesentlich mehr senkrechte Achsen beim neuen FZA (ich zähle acht gegenüber drei beim alten Anzeiger); nicht gut. Horizontal sieht es kaum besser aus.

Was bei der neuen Anzeige besser ist, ist der deutlichere Unterschied in den Schriftgrößen von Zwischenhalten (»Fürth, Neustadt/A«) und Endbahnhof (»Frankfurt«). Die Angabe von Würzburg in dieser Größe hätte man sich allerdings schenken können. Bei der alten Anzeige (das untere Bild) hätte der Unterschied deutlicher ausfallen können. Ob der Fahrtverlauf von links nach rechts (Fürth bis Frankfurt) oder von oben nach unten (Forchheim bis Sonneberg) dargestellt wird, ist denke ich egal: beides entspricht üblichen Konventionen.
Ebenfalls besser beim neuen FZA im oberen Bild ist die Zahl »1« der Gleisangabe.

Wo ich schon mal in der Gegend war, habe ich mir auch die FZA in den U-Bahnhöfen angesehen:

Neuer FZA in der U-Bahn Fürth

Oben ein neuer FZA im U-Bahnhof »Fürth Hauptbahnhof«, unten in der Station »Rathaus«.

Alter FZA in der U-Bahn

Hier – im oberen Bild – ist es mit den Schriftgrößen nicht ganz so schlimm, aber drei Punkte kann ich doch kritisieren: Die Schrift ist durch die Matrix-Anzeige schlechter lesbar als der gedruckte Font auf den Fallblättern (und durch die große Laufweite fällt bei den Zwischenhalten eine Station raus).
Zweites auch hier wieder der Kontrast: Schwarz auf weiß ist besser als gelb auf schwarz.
Drittens ist die U-Bahn-Linie nicht in ihrer Farbe unterlegt (U1 blau, U2 rot, künftige U3 evtl gelb), sondern wird durch die Matrix-Anzeige auch nur in gelb angezeigt.

Was mir bei der neuen Anzeige gar nicht gefällt ist, dass alles um die Aufmerksamkeit des Fahrgastes ringt, da alles sehr ähnlich ist: Die Schrift der Zwischenhalte müsste zwecks Unterscheidung zum Endbahnhof kleiner sein bzw. die Endhaltestelle müsste größer oder fetter hervorgehoben werden.
Die U-Bahnlinie »U1« drängt sich auch noch mit rein (und steht zu nah an der Gleis-Angabe). Wäre sie blau, wie im unteren Bild, gäbe es das Problem nicht, da sie klar zum Rest der Anzeige abgegrenzt wäre.

Fazit: Die Fallblatt-Anzeiger sind m.E. für die Fahrgäste der U-Bahn besser geeignet als die Matrix-Anzeige. Ich weiß nicht, weswegen sich die VAG für die Matrix in den neuen Fürther U-Bahnhöfen »Rathaus« und »Stadthalle« entschieden hat, evtl sind sie wartungsärmer.
Bleibt abzuwarten, ob die im Bau befindlichen U1-Bahnhöfe »Klinikum«, »Hardhöhe« und »Kieselbühl« ebenfalls die Matrix-Anzeigen spendiert bekommen oder doch wieder die Fallblätter. Dito die künftigen Bahnhöf der U3

Erschienen am Samstag, 03.01.2004 @ 16:59 | Kommentare deaktiviert
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Sonntag, 08.02.2004

Geänderte Perma-Links im Heise-Ticker

Vor ein paar Tagen hat der Heise-Newsticker das Format seiner Links zu den einzelnen Nachrichtentexten geändert:

Alt: heise.de/newsticker/data/jk-15.12.03-000/
Neu: heise.de/newsticker/meldung/42933

Ich kenne die Hintergründe nicht, aber ich finde, dass die neuen Links aus Usability-Sicht schlechter sind als die bisherigen (die zumindest weiterhin funktionieren). Die neue Schreibweise ist zwar kürzer, die bisherige hatte jedoch den großen Vorteil, dass man eine Meldung in einen zeitlichen Kontext einordnen konnte: Das Datum der Nachricht war Teil der URL.
Wenn ich jetzt einen Heise-Link sehe, mit der Trivial-Information »Meldung Nummer 42.933« in der URL, kann ich nur raten, wie alt die Nachricht hinter dem Link ist.

Für diejenigen die nicht wissen, was »Heise« ist: Im Heise-Zeitschriften-Verlag, Hannover, erscheint unter anderem die c’t, »magazin für computer technik«. Gemeinhin als »Bibel« für alle in der IT-Branche Beschäftigten anerkannt. Der Heise-Newsticker auf der Startseite des Heise-Verlags ist der Branchendienst schlechthin mit Nachrichten aus der IT-Welt.
Insofern hat es schon eine gewisse Bedeutung, wie URLs auf dessen Nachrichtenseiten aussehen. Wie die URLs bei Computer-BILD, PC-Welt oder der CHIP gestaltet sind, ist hingegen egal.   :-)

Erschienen am Sonntag, 08.02.2004 @ 22:20 | Kommentare deaktiviert
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Mittwoch, 16.06.2004

Usability von Fahrtzielanzeigern – Nachtrag

Im Januar hatte ich schon mal über die neuen Fahrtzielanzeiger der Bahn geschrieben, die IMHO sehr schlecht gestaltet sind. Zu sehen gibt’s die im Nürnberger Hauptbahnhof oder auch in Frankfurt-Flughafen-Fernbahnhof.

Am Montag habe ich einen Abstecher nach Berlin gemacht – ich werde noch berichten. Am Ostbahnhof sind ebenfalls die neuen Anzeiger installiert. Vor der Rückfahrt nach Erlangen gegen 18:30 zeigte sie »meinen« ICE an. Fünf Minuten vor der planmäßigen Abfahrt wechselte die Anzeige:

Falls es jemand nicht lesen kann, da steht:

»Bitte Ansage beachten«

Diese Anzeige ist für’n Eimer.

Erschienen am Mittwoch, 16.06.2004 @ 20:29 | Kommentare deaktiviert
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Sonntag, 12.10.2008

Live vom BarCamp München: Usability & User Experience

Florian Bailey über Kernpunkte, häufige Fehler, FAQ

»Betriebsblindheit fängt nach 3 Tagen an, nach 2 Monaten ist sie komplett.«

Erwartungen des Users erfüllen
Wenn ich etwas verspreche geht der Nutzer davon aus, dass er diesen Inhalt findet oder diese Aufgabe erfüllen kann. Und er hat Erwartungen, wie das Web funktioniert: Suchfunktion rechts oben (nicht oben in der Mitte, nicht mit »Finden« bezeichnen, nicht an der Stelle die Newsletter-Anmeldung), Back-Button, falscher Kontext. Frage aus dem Publikum: F-shaped pattern? Antwort: »Es kommt auf das Design an, es gibt kein Patentrezept. Aber prinzipiell liest man in einer Navigationszeile am Anfang und am Ende, weil man dazwischen lesen müsste. Man kann mit dem F-shaped pattern auch spielen.« Wo meine User herkommen sagt mir auch viel darüber welche Interface-Patterns sie gewohnt sind. »Ich muss mir bewusst sein was der Standard ist, bevor ich ihn ändere.« Thema Trennschärfe: »Support, Hilfe, Kontakt: Was soll der Nutzer da anklicken?«

Keine falschen Erwartungen wecken
Falscher Kontext, nicht deskriptiver Text: häufig sind Texte einfach zu lang: »alte Regel sagt 50% wegstreichen, meiner Erfahrung nach sind es 80%.« Häufige Annahme von Unternehmen: der Kunde kann was mit internen Begriffen oder Marketing-Wordings anfangen. » [...] Das Problem: Mit jedem weiteren Element schwindet die Aufmerksamkeitsschwelle. Mit jedem Element mehr muss der Nutzer seine Kernelemente suchen, die er braucht. Ist einer der Erfolgsfaktoren von vielen Web-2.0-Websites, dass sie es so simpel machen.« Beispiel Apple: Sie haben ein Produkt, das sie gerade featuren möchten. Wenn man weitere Elemente hinzufügt, geht der Fokus verloren. Bottom-Up-Prozess: Die Homepage als letztes gestalten.

Frage aus dem Publikum: Redundanz?
»Kommt drauf an – wenn die Nutzung so ist, kann man Begriffe doppeln. Man darf es aber auch nicht übertreiben.«

Flow nicht durchbrechen
»Spiegel-online hat keinen Flow, bei einer Social-Anwendung ist das anders. Ein Spiel ist ein schönes Beispiel. Wenn der Nutzer etwas gemacht hat, was tun wir?« Beispiel: Profilfoto hochladen bei StudiVZ, Xing, etc. – wenn der Nutzer mit dem Dateibrowser ein Foto ausgewählt hat, passiert nichts. Die 13-jährige die sich bei SchülerVZ anmeldet weiß nicht, dass sie noch auf den Button ‘Hochladen’ klicken muss. Kann technischer besser gelöst werden (siehe Google Mail). Feedback auf eine Interaktion geben!

Web = Text
»Gute Texte sind eine gute Website. Eine Website kann hässlich sein und erfolgreich existieren, wenn sie gute Texte hat. Beispiel: Craigslist. Hat nur ein grafisches Element: ein Favicon.« Zusammenstreichen, die kürzestmögliche Information, hohe Informationsdichte. »Keine toten Texte ohne Aussage und Inhalte. Ein schlechter Text ist bösartig gegenüber dem User: Man setzt ihm einen Brei vor und er soll sich herauspicken was für ihn relevant ist.« Leute anrufen und abfragen, was sie z.B. unter »Check-in« verstehen; Buttonlabels abfragen.

Frage aus dem Publikum: Multivarianten-Tests
Bei Google gibt es in den Webmaster-Tools ein kostenloses Programm für MVT. Arbeitet mit CSS-Polls (?), wobei verschiedene Varianten per CSS angezeigt bzw. versteckt werden. Google übernimmt komfortabel die Auswertung.

Frage aus dem Publikum: Umfragen?
An ausgewählten Interaktionspunkten nachfragen. Beispiel: Warum möchtest Du Deinen Account löschen?

Frage aus dem Publikum: Usability-Tests?
Testen ist nicht aufwändig. Mit Silverback kann man das auch remote machen. Beispiel für Guerilla-Testing: Mit einem Notebook ins Café gehen und Leute fragen, ob sie bei einem Test mitmachen wollen (Kaffee ausgeben!). Offenen Test machen: Bei Social-Applications nicht die Aufgaben vorgeben, sondern sich anschauen was die Leute an der Website nutzen. Oder 3-Sekunden-Test: Die Homepage für 3 Sekunden zeigen, dann das Notebook zuklappen und fragen: »Worum geht es auf der Seite?« Ist zwar nicht wissenschaftlich, aber mit 5-7 Leuten findet man die gröbsten Fehler.

Erschienen am Sonntag, 12.10.2008 @ 16:01 | 5 Kommentare
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