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Samstag, 15. Dezember 2001 --- Resignation?
Das Webstandards-Project erklärt
seine Aufgabe für beendet.
Einspruch! Mit der Browser-Umsetzung von CSS-3 und weiteren Standards steht
uns das gleiche Theater wieder ins Haus. Außerdem hat Netscape 4 immer
noch eine Verbreitung von 15 bis 20 Prozent und noch immer sind CSS-Layouts
statt Tabellen-Layouts die Ausnahme denn die Regel. Webdesign-Kunden fordern
nach wie vor »muss auch auf Netscape 4 gut aussehen.« Warum eigentlich
hält man immer noch an diesem Müll fest? Surfer einerseits, Kunden
als weiteres und Web-Designer ebenso? Ist irgendwo in Stein gemeiselt, dass
man Netscape 4 noch unterstützen muss? Hat heute noch jemand Mitleid
mit Netscape 3? Nein, es wird -- zum Glück -- fleißig auf CSS zur
Schriftformatierung statt auf das <font>-Tag gesetzt. Ich würde
sagen, im Laufe des Jahres 2000 haben die meisten großen Sites auf CSS
umgestellt (nur für die Schriftformatierung, CSS1), das sind vier Jahre
nach dem Erscheinen von Netscape 3. Die - in der Technik unveränderte
- Version 4 ist seit Juni '97 auf dem Markt. Vier Jahre dazu, dann wären
wir bei Sommer diesen Jahres. Es ist jetzt Jahresende und Netscape 4 ist immer
noch das Maß der Dinge, wenn es um die technische Umsetzung von Web-Designs
geht.
Jakob Nielsen hat im April 1999 geschrieben: »Stuck with old Browsers
until 2003.« Das befürchte ich auch.
Interessant in diesem Zusammenhang ist Silly
Dog's Netscape Version Guide. Er hat hier alle major releases (die dutzenden
»Hundertstel-Releases« der 4.7er Serie natürlich nicht) von
Netscape aufgelistet, von Netscape 1.0 bis Netscape 6.2. Dazu Infos, welche
neuen Features die jeweilige Version brachte, die system requirements und
ein je Screenshot.
Eine kurze Zusammenfassung der Erscheinungsdaten:
| Netscape 1.0 | 15.12.1994 |
| Netscape Navigator 2.0 | März 1996 |
| Netscape Navigator 3.0 | August 1996 |
| Netscape Communicator 4.0 | Juni 1997 |
| Netscape Communicator 4.5 | Juni 1998 |
| Netscape Communicator 4.6 | Mai 1999 |
| Netscape Communicator 4.7 | September 1999 |
| Netscape 6 | November 2000 |
| Netscape 6.1 | August 2001 |
| Netscape 6.2 | November 2001 |
In der heutigen »Wetten dass...?«-Sendung trat Robbie Williams mit einem Stück aus seinem neuen Album »Swing when you're winning« (Remakes von Swing-Klassikern) auf und gab noch eine Zugabe. Nach »Wetten dass...?« kam noch die Sportschau und dann das Williams-Konzert in der Royal Albert Hall in London, eine Stunde. Genial! Gleich mal nach der CD bei Amazon sehen, und vielleicht gibt's ja auch eine DVD...
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Freitag, 14. Dezember 2001 --- Das
Tal der Ahnungslosen
Nicht nur KPMG
beweist diese Woche wenig Ahnung vom Internet, auch
der Otto-Versand
lässt es an Gespür mangeln. Der Otto-Versand hat es auf Leute abgesehen, die
in ihrem Domain-Namen ebenfalls den Namen »Otto« führen. Pech
für Jörg Otto, dass er genauso heißt wie der rabiate Versand, denn für die
Unterhaltung der Domain ottonet.de kassierte er von eben diesem eine Abmahnung.
Ab sofort bestelle ich nichts mehr bei Otto. Habe ich zwar noch nie, wird
aber auch nicht mehr passieren.
Langsam muss ich mir eine Liste der Unternehmen machen, mit denen ich wenigstens
fünf Jahre lang nichts mehr zu tun haben will... Kabel
New Media, KPMG,
Otto,
Obi...
Gut, Kabel ist eh am
Ende.
Und ungut, dass eine Bekannte bei KPMG
arbeitet.
Das Wort des Jahres ist »Der 11. September«, gefolgt von »Luderliga«.
Mehrere Mitbegründer der DDR-Bürgerbewegung fürchten
um die Demokratie in Deutschland.
Sie warnen davor, mit dem Anti-Terror-Paket von Innenminister Otto Schily
»dehnbare Gummistricke« zu drehen, die Ähnlichkeiten mit den Gummiparagraphen
des politischen Strafrechts der ehemaligen DDR haben. Es sei außerdem fatal,
Polizeikapazitäten zusammenzustreichen und die Geheimdienste aufzublasen.
Kritisiert wurde auch das Abstimmungsverhalten
im Bundestag; »früher hätte man sich über das erzwungene Abstimmverhalten
von Volkskammerabgeordneten amüsiert«.
Ich tendiere dazu, mich der Meinung der Damen und Herren Mitbegründer anzuschließen.
Man sollte in Zeiten wie diesen nicht alles unkommentiert lassen und auch
mal zu seiner Meinung stehen, auch wenn es unpopulär ist. Ja-Sager und Abnicker
brauchen wir nicht.
Schlimmer geht es in den USA zu. Dort werden Akademiker mit kritischer Meinung auf eine Liste für »vaterlandslose Gesellen« gesetzt, der Nationalismus im Fernsehen scheint auch keine Grenzen zu kennen und vor allem Fox-TV scheint zum Sprachrohr der Brot-und-Spiele-Fraktion zu werden.
+++
Heute beginnen die ersten Euro-Länder mit der Ausgabe von öffentlichen Münz-Starter-Kits (Firmen können ja schon seit dem 1. September im Rahmen des Sub-Frontloadings Münzen und Scheine bekommen). In Deutschland gibt es ab Montag, 17.12.2001, Starter-Kits bei den Banken. In den Nachrichten werden lange Schlangen vor den Banken in den Nachbarländern gezeigt. Wir machen uns auf das Schlimmste gefasst, am Montag geht's los. Jeder nur ein Päckchen, und nur für Kunden.
+++
Am Abend war ich noch mit Martin und zwei weiteren Bank-Kollegen in »Harry Potter«. Keiner von uns hat das Buch gelesen und der Film war, denke ich, eine recht gute Zusammenfassung. Der Film hat mich gefesselt, seit langem kam bei einem Kinofilm mal wieder das Gefühl auf: das würde am liebsten ich erleben. Wenn die Bücher nur halb so fesselnd sind wie der Film, sollte ich mir die vielleicht doch noch geben.
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Donnerstag, 13. Dezember 2001 ---
Der Weg hinaus führt hindurch
Noch dutzende zu schreibende Bögen und Aushilfe ist nicht in Sicht. Da muss
ich durch.
In der Playlist:
Nine Inch Nails: »The
Way out is through«
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Mittwoch, 12. Dezember 2001 ---
Stuffed Vine Leaves
Holger verschickt seit ein paar Tagen ab und an automatische Replys auf E-Mails,
die er bekommt. Nett dabei ist, dass er ein kleines mp3 mit einem Rickie-Satz
aus der Wochenshow anfügt: »Ich hab' hier voll den Endstress ey,
und Du kommst mir mit so 'ner Scheiße...« Nicht so gut, wenn
die automatic reply auf eine Mail verschickt wird, in der es um einen neuen
Auftrag geht. :-)
Heute habe ich mir beim Türken nicht weit von der Bank in dessen Laden eine Dose mit Reis gefüllter Weinblätter gekauft, 3 Mark 50. Sehr lecker! Enthält zehn kleine Röllchen.
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Dienstag, 11. Dezember 2001 ---
Der Mann mit dem irren Blick
Ich erzähle ein wenig darüber, wie sich die bevorstehende Euro-Bargeldeinführung
(und damit das Ende der Mark) im öffentlichen Leben bemerkbar macht. In der
Bank bin ich immer noch mit dieser WpHG-Geschichte beschäftigt (heute bis
18 Uhr) und erwische mich alle zwei Stunden dabei, wie ich mit leerem Blick
stumm und stoisch diese Bögen ausfülle.
Die Euro-Bargeldeinführung macht sich zum Beispiel dadurch bemerkbar, dass
jetzt in allen Bussen der OVF (Omnibusverkehr Franken) und des VGN (Verkehrsverbund
Großraum Nürnberg) Plakate hängen, die erklären, wie lange mit DM bezahlte
Fahrkarten gültig sind. Im Innenraum klebt an ein oder zwei Fensterscheiben
ein neuer Aufkleber, der über's Schwarzfahren aufklärt (künftig nicht mehr
60 Mark, sondern 30 Euro). Neben den Einstiegstüren oder in den Fenstern der
Türen kleben runde Aufkleber mit der Aufschrift »Im Bus kann ab 1.1.2002
nur noch mit Euro bezahlt werden!«. Der VGN gibt auch eine mehrseitige
Broschüre mit Hinweisen zur Umstellung (wo kann man mit welchem Geld welche
Fahrkarten kaufen) heraus, die auch alle neuen Euro-Preise enthält. Darin
heißt es zum Beispiel, dass bis Jahresende circa ein Drittel der Bargeld-Automaten
auf Euro umgestellt und bis zum Jahresende außer Betrieb genommen wird. An
größeren Stationen mit mehreren Automaten wird es mindestens einen geben,
der ab 1. Januar Euro akzeptiert. Die Bahn
verfährt genauso. Sehr häufig liest man in Broschüren (auch von Tankstellen
oder Kaufhäusern) den Hinweis, dass man doch bitte mit Karte (Kreditkarte,
ec-Karte, GeldKarte) bezahlen soll, um lange Warteschlangen zu vermeiden.
Die bargeldlosen Automaten des VGN (nur GeldKarte) und der Bahn (ec-, Kredit-
und GeldKarte) sind freilich jederzeit fit, egal für welche Währung (ob DM
oder Euro).
Bahnfahren wird etwas teurer
wegen der Euro-Umstellung, da die Preise wegen der Automaten durch 20 Cent
teilbar sein, und deswegen die Preise aufgerundet werden müssen. Würde die
Bahn abrunden, entstünden zu hohe Verluste. Die Umrechnungsgewinne will die
Bahn aber einer gemeinnützigen Organisation spenden. Feiner Zug.
[Zwei Euro in die Wortspielkasse...]
Nicht verstehen kann ich, warum man Gutscheine bei der Bahn nach wie vor nur in DM bekommt und nicht in Euro. Bei Amazon kann man Euro-Gutscheine erhalten.
In den großen U-Bahnstationen (Plärrer und Hauptbahnhof) laufen auf den Videowänden
ab und an kurze Euro-Tipps (»Es gibt acht Münzen«).
D2-Vodafone hat neuerdings Flyer und Plakate (und auch entsprechende Fernsehwerbung)
mit einem neuen Tarif: 5 € Grundgebühr und 5 € Mindestumsatz. Drunter
(bzw. zwei Werbespots später) werden aber noch Vertrags-Handys für eine Mark
oder 149 Mark angeboten.
Premiere wirbt mit 90 Euro Ersparnis, wenn man bis Mitte Januar Kunde wird
und Citroen bietet seine Autos mit »bis zu 4.000 Euro Preisvorteil«.
Es mehren sich Berichte, wonach die Währungsumstellung zu Preiserhöhungen führt; einige Verbraucherschutzverbände laufen gegen Einzelhandelsverbände Sturm. »17 Prozent Preiserhöhung!« Das klingt erstmal nach viel, aber im Lichte betrachtet relativiert sich das wieder (wie einer unser Vorstände mal auf einer Betriebsversammlung meinte: »Nichts ist so relativ wie Prozentzahlen.«). Wenn man mit kleinen Zahlen arbeitet, wirken sich absolut gesehen kleine Änderungen natürlich relativ groß aus. Wenn ich den Preis für ein Produkt von 69 Pfennig auf 79 Pfennig erhöhe, kostet das sage und schreibe zehn Pfennig mehr (das macht doch wirklich niemanden arm?), relativ gesehen aber satte 14 Prozent Preiserhöhung. Es ist ja keineswegs so, dass durchgehend alle Produkte um 10, 15 oder meinetwegen 20 Prozent teurer werden, das sind ja nur Ausreißer, die in absoluten Zahlen Kleckerles-Beträge sind. Das Statistische Bundesamt hat eine durchschnittliche Erhöhung um 0,5 Prozenz festgestellt.
Für alle, die sich den Euro-Wechselkurs zur D-Mark (1 € = 1,95583
DM) nicht merken können, hilft Spiegel-online mit einer Eselsbrücke
aus: »auf das Komma folgen die Zahlen neun, zehn und elf - die
neun als Ziffer, die beiden Fünfer ergeben die Zehn, und die Elf ergibt sich
aus den letzten Stellen des Kurswertes acht und drei. Eins, Komma, neun, zehn,
elf.«
Naja, ich finde es einfacher, sich die richtige Zahl (1,95583) zu merken statt
die Eselsbrücke wieder aufzulösen oder gar falsch als 1,91011 zu interpretieren
(oder fast richtig als 1,95574).
Übrigens gibt es den Kurs 1 DM = 0,5112919 € nicht offiziell: der offizielle
Kurs ist nur 1 € = 1,95583 DM und sonst nichts. Um von D-Mark auf Euro
zu kommen dividiert man den DM-Betrag durch 1,95583 und um von Euro zu Mark
zu kommen, multipliziert man den Euro-Betrag mit dem selben Kurs.
Nach
der 1-DM-Goldmünze
vom vergangenen Sommer wird es im nächsten Jahr wieder zwei
Goldmünzen von der Bundesregierung geben: eine zu 100 Euro (eine halbe
Unze Feingold) und eine zu 200 Euro (eine Unze). Die Motive auf Vorder- und
Rückseite sind identisch; die Münzen unterscheiden sich in Größe (Durchmesser
der 100 Euro-Münze: 28 mm; 200 Euro: 32,5 mm), Gewicht (eine halbe Unze, also
15,5 Gramm bei der Münze zu 100 Euro und eine Unze, also 31,1 Gramm bei der
200 Euro-Münze), Auflage (100 €: 500.000 Stück; 200 €: 100.000)
und natürlich im Preis (100 € zwischen 180 und 195 €, 200 €
zwischen 340 und 375 €). Verkaufstag ist der Europa-Tag am 9. Mai 2002.
Die DM-Goldmünze hatte eine Auflage von einer Million und war der Renner.
Aber ich denke nicht, dass die Nachfrage nach den Euro-Goldmünzen genauso
groß wird, denn die erste und einzige D-Mark-Goldmünze war etwas besonderes
und sah genauso aus wie ein Markstück (außer der umlaufenden Prägung auf der
Rückseite, nämlich »Deutsche Bundesbank« statt »Bundesrepublik
Deutschland«). Das ideale Erinnerungsstück an die Mark-Epoche (ich habe
keine, 250 Mark waren mir zu teuer). Dem Gold-Euro fehlt diese, hmm, »psychologische
Aufladung«, und er sieht noch nicht mal so aus wie ein 1-Euro-Stück.
+++
Christian
ist sauer wegen der Sorten-Gebühren der deutschen Banken.
Als Bankkaufmann sage ich Dir, dass diese Gebühren durchaus ihre Berechtigung
haben (ob sie kostendeckend sind oder ob da noch Gewinn dabei ist, oder ob
es, wie die EU-Kommission
vermutet, Preisabsprachen gegeben hat, weiß ich nicht, mir geht's jetzt um's
Prinzip).
Zum Einen ist das Geld, das in Sorten (Schillinge, Lire...) in der Bankfiliale
liegt, totes Kapital, das heißt, es wirft keine Zinsen ab. Genau so, wie wenn
jemand unter'm Kopfkissen Geldscheine hat, an denen nagt auch die Inflation.
Zum Weiteren gibt es seit der Euro-Einführung am 1. Januar 1999 feste Wechselkurse
für elf Länder (Griechenland ist später dazugekommen). Das heißt, dass die
Bank ihre Kosten nicht mehr über unterschiedliche An- und Verkaufskurse wieder
»reinholen« kann, da ja immer mit dem gleichen Kurs gerechnet
wird. Es gab also auch schon vor 1999 eine Gebühr, nur war sie quasi versteckt.
Zum Nächsten kostet die Verwaltung der Sorten (zählt Ihr mal Schillinge und
Lire...) ein irres Geld (Arbeitszeit für Nachzählen, Disposition, Bestellung,
Ablieferung), außerdem müssen Sorten, wie alle Bargeldbestände in der Bank,
versichert werden und per Kurier in die Filiale geschickt oder aus der Filiale
abtransportiert werden. Das Abliefern eines Wertbriefs kostet (bei uns) die
Filiale rund 30 Mark, egal ob darin fünf irische Pfund sind die abgeliefert
werden oder 100.000 Schilling.
+++
Sehr schön die Beschreibung eines kleinen Dorfes im Forum von muenzen.net:
+++
Bei Google liegen jetzt alle Usenet-Posting
seit dem Jahr 1981 vor. Als das Usenet-Archiv vor ein paar Monaten von Deja
zu Google kam, war ich ja skeptisch, aber ich muss sagen, das Google-Interface
ist wesentlich besser. Und jetzt auch noch 700 Millionen Nachrichten seit
1981... [siehe diese Heise-Meldung
und die Google-Pressemitteilung]
Google hat die Archive durchwühlt und eine Timeline gebildet, wann die ersten
Postings zu wichtigen Themen (Compact Disc, AIDS, World Wide Web...) das erste
Mal im Usenet aufkamen, natürlich gleich mit einem Link zum entsprechenden
Thread.
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Montag, 10. Dezember 2001 --- Keyboard
Junkie
Heute startet die WpHG-Bereinigungsaktion
richtig durch. Für ein halbes Dutzend Filialen habe ich im Schnitt je ca.
50 Bögen zu schreiben, damit so ein Bogen da ist, auch wenn der Kunde nicht
auf das Anschreiben (Bogen fehlt, muss nachgeholt werden, sonst können keine
Wertpapier-Käufe mehr durchgeführt werden) reagiert. Wahnsinnig spannende
Aufgabe (ernsthaft, nach zwei Stunden hat man den Backoffice-Blick drauf und
ist weich im Hirn, und ich bin damit die ganze Woche beschäftigt!).
Ich habe Word 97 mit dem WpHG-Formular geöffnet. Für alle Bögen habe ich als
laufende Nummer die 1 eingetragen, meinen Namen und auf der zweiten Seite
ein Satz in dem sinngemäß steht, dass der Kunde auf das Anschreiben nicht
reagiert hat und der Bogen auf der Basis der vorliegenden Daten ausgefüllt
wurde. Ergänzt werden muss jedes Mal die Depotnummer, der Name, ggf. der zweite
Kontoinhaber, das Gesamtvermögen (Passiv-Produkte und Wertpapiere im Depot)
und die Gesamtverbindlichkeiten im Haus (im Obligo ersichtliche Kredite, Giro-Überziehungen
und Baufinanzierungen), das monatliche Einkommen, die Höhe des Dispos auf
dem Girokonto, eines von drei Ankreuzfeldern (unter 5.000 € Vermögen,
zwischen 5.000 und 25.000 € und über 25.000 €) und nochmal eines
von drei Ankreuzfeldern (je nach im Depot lagernden Wertpapieren die Risikoeinstufung
in konservativ, risikobewusst oder spekulativ). Erschwerend kommt hinzu, dass
einige Zahlen nur in D-Mark angezeigt werden (Dispo, Gesamtwert des Depots,
Habensalden der Passiv-Produkte) und daher noch in Euro umgerechnet werden
müssen. Was heißt erschwerend, es hemmt halt den Arbeitsfluss.
Pro Bogen habe ich etwa fünf Minuten gebraucht, im Laufe der Zeit konnte
ich den Aufwand auch auf drei Minuten runterdrücken. Um einigermaßen einen
Arbeitsfluss in die Sache zu bekommen, habe ich zunächst das Obligo (Übersicht
aller Konten eines Kunden) aufgerufen und nachgesehen, ob ein Girokonto im
Haus ist. Wenn nicht, kann ich mir die Angaben zu Dispo und Gehaltseingang
nämlich schonmal schenken.
Zur Kontrolle (man muss ja wissen, wie viele noch fehlen) wird in einer Excel-Tabelle
(aus der habe ich auch die Depotnummern, zu denen dieser Bogen noch fehlt)
an entsprechender Stelle ein 1er gelöscht.
Etwas nervig war, dass ich die Depotkonten in einem anderen Programm abfragen
musste. ALT-Tabulator für den Programmwechsel war daher eine der meistgenutzten
Tastenkombinationen. Was ich früher immer als Nachteil angesehen hatte, mir
aber jetzt zum Vorteil wurde war, dass die alten Programme nicht per Maus
gesteuert werden können, sondern nur per Tastatur. Ein Depot wird beispielsweise
mit »ogpd-bk« abgefragt.
Doch, das wusste ich wirklich zu schätzen, die Tastatur-Bedienung. Die Maus
habe ich nur selten gebraucht (Umsätze abfragen z.B., wegen des Gehaltseingangs).
Dadurch flogen mit der Zeit meine Finger automatisch über die Tastatur, weil
die Reihenfolge der Tastendrücke immer die gleiche war.
Nine-to-Five-Job: Um 08:45 gekommen, Mittagspause von 13 bis 14 Uhr und abends
gegen 17 Uhr gegangen.
Ich will Euch mit der Eintönigkeit dieser Aufgabe nicht weiter langweilen
in dieser Woche...
Nach der Arbeit war ich noch im NEFkom-Shop in der Nähe des Plärrer, um bei NEFkom meinen Telefonanschluss zu beantragen und gleichzeitig den bei der Telekom abzumelden (bzw. ihn zu NEFkom übertragen zu lassen). Fünf Wochen könnte es wohl dauern. Gut, wenigstens weiß ich, dass es bei NEFkom so lange dauert, die sagen mir das gleich; bei Arcor hat man in vier Wochen ja noch nicht mal auf meinen Auftrag und drei Wochen nach Auftragserteilung nicht auf meine Anfrage reagiert.
Abends noch ferngesehen (Akte X, Die Kumpel, Simpsons, Malcolm in the middle, Seinfeld), dann ab ins Bett.
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Samstag, 08. Dezember 2001 --- »Why
don't you code for Netscape?«
Bei A List Apart ist am Freitag ein sehr schöner Artikel erschienen: »Why
don't you code for Netscape?«
Die Kernfrage:
»Als Web-Designer ist es für mich wichtig, dass meine Sites nicht nur
in beiden [IE5 und NN4] Browsern gut aussehen, sondern dass alle Leser das
selbe Design und die gleichen Formatierungen sehen. Bitte erklärt die Logik,
nur für einen Browser [IE5+] zu gestalten.«
Die Antwort von ALA (gaaanz kurz gefasst):
Wir gestalten nicht nur für einen Browser, sondern für alle Browser, die Standards
korrekt interpretieren können. Wichtig ist nicht die Abwärts-Kompatibilität
zu Browsern wie IE4 und NN4, sondern die Aufwärts-Kompatibilität zu aktuellen
Browsern (IE5/6, NN6, Opera5) und allen, die noch kommen mögen (neue Versionen
von IE, NN und Opera, Browser in Handhelds, Settop-Boxen, Braille-Readern...).
Ding, Holger: Sicher ist auch IE4 ein Problem, aber der Grund, weswegen bevorzugt auf NN4 herumgehackt wird ist, dass NN4 von mehr Surfern verwendet wird als IE4. Wer hat denn noch jungfräuliche Installationen von Windows 98 und NT4?
+++
Ist das zu fassen? Eines der weltgrößten Wirtschaftsprüfer- und Consulting-Unternehmen,
die KPMG, hat keine Ahnung vom Internet.
Da schicken die Damen und Herren Consulter doch tatsächlich jemandem einen
Mail, er habe unerlaubterweise auf die Homepage der KPMG
gelinkt und für eine Linksetzung sei eine gegenseitige Übereinkunft erforderlich.
Ist das zu glauben? Ohne Links gäbe es das Web gar nicht! Die Hintergründe
hat Peter Riedlberger in einem sehr schönen Telepolis-Artikel zusammengefasst:
»KPMG
weiß nicht, wie das Internet funktioniert«
Merken: Mit KPMG werde ich keine Geschäfte
anbahnen.
Und ab sofort wir immer, wenn von KPMG
die Rede ist, auf den Telepolis-Artikel »KPMG
weiß nicht, wie das Internet funktioniert« gelinkt.
Solche Link-Policies wie die von KPMG sind genauso bescheuert wie manche ellenlange Disclaimer, die einige Leute unter ihre E-Mails kleben. Manche Kollegen in der Bank benutzen immer noch diesen Hinweis unter jeder ihrer Mails, egal ob sie im Haus oder in die Welt verschickt werden:
Wichtiger Hinweis: Diese Information ist für den Gebrauch durch die Person oder die Firma/Organisation bestimmt, die in der Empfängeradresse benannt sind. Wenn Sie nicht der angegebene Empfänger sind, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Weitergabe, Kopieren, Verteilung oder Nutzung des Inhalts dieser Email-Übertragung unzulässig ist. Falls Sie diese Email irrtümlich erhalten haben, benachrichtigen Sie den Absender bitte unverzüglich telefonisch oder durch eine Email.
Wie wir noch aus dem AWL-Unterricht der Berufsschule wissen, heißt
unverzüglich »ohne schuldhaftes Zögern«.
Durch nichts sonst kann man seine Medien-Inkompetenz derart unter Beweis stellen,
wie durch die Verwendung dieser Zeilen unterhalb der eh schon viel zu langen
Signatur (neun Zeilen ohne dieses Pamphlet, 17 mit), die darüber hinaus selbstverständlich
nicht durch -- (minus-minus-leer) abgetrennt ist und die nahtlos in ein TOFU
(Text oben, Fullquote unten) übergeht. Wer solche E-Mails in die Welt
bläst, schreit geradezu »Ich habe keine Ahnung, wie man dieses Medium
benutzt«, und weiß es noch nicht mal.
So eine E-Mail zu verschicken ist ungefähr so, wie einen Geschäftsbrief handschriftlich
auf kariertem Papier zu verfassen, ohne Absenderadresse.
Was verleitet einen dazu, einen Satz wie »für die Person bestimmt,
die in der Empfängeradresse benannt ist« unter eine E-Mail zu
schreiben? Eigentlich drückt man damit doch aus: ich bin zu blöd mein E-Mail-Programm
zu bedienen und habe Angst, dass ich versehentlich jemand anderem diese E-Mail
schreibe.
Dass eventuell, möglicherweise, jemand anders die Mail liest, weil sie unverschlüsselt
(Sensible Informationen verschickt man nur verschlüsselt!) gesendet wurde
oder der Empfänger sein Anmelde-Passwort per Post-it am Monitor befestigt
hat, ist nicht primär mein Problem. Und jemand, der solch einen Disclaimer
unter eine Mail setzt, rechnet aber nicht ernsthaft mit einem Rückruf des
unbefugten Lesers, oder?
Wenn man Angst hat, dass ein Unbefugter eine E-Mail liest, sollte man besser
überhaupt keine E-Mails verschicken.
Wie es richtig geht, habe ich auf einer separaten Seite zusammengefasst: Kleiner E-Mail-Knigge.
*kopfschüttel* Das ist fast genauso gut wie diese Coca Cola-Bevormundung.
+++
Nachtrag zum 26. November: Der Spiegel weiß Neues über CIA-Verhörmethoden zu berichten.
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Hier geht's zu den früheren Einträgen: 01.12.2001 bis 07.12.2001