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Sonntag, 19. Mai 2002 --- Kino-Koordination
Die Marschroute für die nächsten Tage: Heute Abend mit meinen Eltern gegen fünf zum Italiener nach Forchheim essen gehen. Später am Abend Mac-TV, ansonsten zu Hause bleiben (Weblog schreiben, Dreier-Folge von »Farscape«). Pfingstmontag, 23 Uhr, »Spy Game« in der Originalfassung. Am Dienstag in die Stadt, Arztbesuch. Bei der Gelegenheit noch für Episode II in der Originalfassung reservieren, läuft im Cinestar um 16:00, 19:30 und 22:45. Wir gehen am Mittwoch in die Spätvorstellung. Bis Mittwoch ist auch noch »Blade II« geplant (Dienstag oder Montag vor »Spy Game« oder ab Donnerstag). Darüber hinaus stehen noch folgende Filme auf meiner Liste:

Am 23. Mai läuft »Crime is King« an, ein »Ocean's Eleven«-Deja vu mit Kevin Costner.

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Am Dienstag werde ich meine Einkäufe erledigen: Zwei neue, schwarze Ledergürtel (3 bis 3,5 cm breit), eine Flasche Highland Park, eine neue Nagelschere. Ja, vielleicht auch Klamotten kaufen, wenn ich in der Laune bin. Neue T-Shirts und Polo-Hemden (XXL statt XL), eine helle Stoff-Weste, eine neue Handballen-Auflage, einen Sonnenhut, eine leichte Sommerjacke (in der schweren Herbstjacke schwitzt man zu schnell, ist im Prinzip nur Plastik, an dem der Regen gut abperlt, aber ich brauche eine Stoffjacke, wenn nur ein Hemd zu wenig, und die Herbstjacke zu viel des Guten ist).

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Zurück aus Forchheim. Für mich gab es Tris di Pasti, sehr lecker (sieben Euro).
Am Hinweg bei einer Tanke in Forchheim noch den Spiegel mitgenommen.
Am Rückweg noch ein Abstecher in Erlangen: mein Vater hob Geld ab und ich bin schnell ins Kino, um Plätze für morgen (»Spy Game«, OF) und Mittwoch (»Episode II«, OF) zu reservieren. Für beide Vorstellungen noch sehr gute Plätze bekommen. Morgen nur Klaus und ich, Mittwoch wird was größeres, mit weiteren drei (oder mehr) Mann aus Klaus' Umfeld (die mir aber nicht unbekannt sind). Für Star Wars erstmal nur fünf Plätze reserviert und Klaus per Mail die Reservierungsnummer gegeben, damit er gegebenenfalls noch die Reservierung erweitern lassen kann, sofern möglich. Star Wars läuft im Cinestar täglich in sechs Kinos (davon eines, Kino 10 wenn ich nicht irre, für die OF). »Spy Game« war AFAIK Kino 5. Beim Weg zum Kino fiel mir auf, woran ich gar nicht gedacht hatte: am Pfingstdienstag haben sämtliche Geschäfte, Banken (auch wir) usw. in ganz Erlangen traditionell nur bis mittags geöffnet. Glaube nicht, dass mein Arzt dann nachmittags zugegen sein wird und am Nachmittag einkaufen zu wollen, macht dann auch keinen Sinn. Naja, dann Arzt eine Woche später (hoffentlich hat er keinen Urlaub...) und einkaufen am Mittwoch.

»US-Präsident George W. Bush wird nachgesagt, vor dem 11. September habe er die Taliban für eine bayerische Blaskapelle gehalten. Nun hat sich der Präsident der mächtigsten Nation der Welt dank seiner umfassenden Bildung wieder einmal kräftig in die Nesseln gesetzt.« [Der Spiegel]

Ich verstehe den Wirbel um die Benes-Dekrete nicht. Oder besser gesagt, ich habe kein Verständnis dafür.
Die Benes-Dekrete, benannt nach dem tschechischen Nachkriegspräsidenten Edvard Benes, waren die Grundlage für die Vertreibung von drei Millionen Sudetendeutschen aus Böhmen und Mähren nach dem Zweiten Weltkrieg. Beide Seiten, Sudetendeutsche und Tschechen (oder besser: Tschechien) bestehen auf Maximalforderungen. Die Sudetendeutschen fordern, die Benes-Dekrete aufzuheben und die Enteignung rückgängig zu machen. Tschechien lehnt dies ab, die Benes-Dekrete seien die Rechtsgrundlage der Republik. Aus einem Spiegel-Artikel aus der Ausgabe 15/2002:

»Da braucht dann nur das Schlüsselwort "Benes-Dekret" zu fallen, und diesseits wie jenseits der böhmischen Wälder treten die bekannten Nebelwerfer auf den Plan.
 
"Die diskriminierenden Dekrete gehören sofort annulliert!", ruft die Sudetendeutsche Landsmannschaft und wähnt theatralisch die gesamte Wertegemeinschaft der EU auf der Kippe. Die Tschechen dagegen verhalten sich mehrheitlich umgekehrt dramatisch. Sie fürchten um die Rechtsgrundlage ihrer Republik und sehen gar die europäische Nachkriegsordnung zerbröseln.
 
Dabei ließe sich der elende Streit ebenso lösen, wie es Deutschland - in Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches - mit dem Münchner Abkommen getan hat: Dieser Vertrag wurde 1973 einvernehmlich mit Prag für "nichtig" erklärt; allerdings nicht rückwirkend von Anbeginn, damit Rechtsakte wie Eheschließungen, Adoptionen oder Einbürgerungen gültig blieben.
 
Nach diesem Verfahren würden auch die Benes-Dekrete Bestandteil der tschechischen Ordnung bleiben, wären aber keine lebenden Rechtsquellen mehr - und die nervenden Diskussionen hätten ein Ende.«

Auch wenn der Vergleich Rollstuhl fährt, aber es erinnert mich ein wenig an die israelische Siedlungspolitik. In den besetzten Gebieten wurden durch den Bau von Siedlungen (wird immer noch gebaut oder gibt es aktuell einen Siedlungsstopp?) Fakten geschaffen, vollendete Tatsachen. Die Israelis können sich jetzt gar nicht mehr aus den besetzten Gebieten zurückziehen, ohne ihre eigenen Landsleute zu enteignen und zu »vertreiben«, wenn man so will. Und die Siedler betrachten die besiedelten Gebiete wohl als ihr Land. Freilich könnte man meinen, dass man die Leute einfach dort wohnen lässt und sie friedlich mit ihren Nachbarn zusammen leben, aber daran glaube ich nicht wirklich.

Wie hat man eigentlich die Frage von Enteignungen nach der Wiedervereinigung gelöst? Ich weiß es nicht, damals war ich zwölf und hatte andere Dinge im Kopf.
Wie auch immer, in allen drei Fällen wird es keine einfache Antwort auf eine komplizierte Frage geben, aber es bleibt festzuhalten, dass man mit Starrköpfigkeit nicht weiterkommt. Insofern mein spontanes Unverständnis, wenn ich (verkürzt) das hier im tagesschau-Newsletter vom Samstag lese:

»Bundesinnenminister Schily hat die Tschechische Republik aufgefordert, die umstrittenen Benes-Dekrete zur Vertreibung der Sudetendeutschen aufzuheben. Zum Einlenken rief Schily aber auch die Vertriebenen selbst auf, was auf deren Jahrestreffen für Missstimmung sorgte.«

Ich würde ja den Link zur Meldung angeben, wenn auf der tagesschau-Website jetzt nicht ein anderer Text stünde (die Ereignisse vom Sonntag betreffend).

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Stefan Freimark bei der Wahlentscheidung zwischen allen Stühlen
Es wird echt nicht einfach mit der Wahl im September. Welche Partei war das nochmal, die in ihr Wahlprogramm geschrieben hat, sie will künftig im Gesundheitswesen nur noch eine Grundversorgung? Sicher, alles wird teurer, die Leute werden immer älter, und, wie Harald Schmidt sagt, »am teuersten ist ein Patient auf seinen letzten Metern.« Ohne jetzt eine konkrete Definition gelesen zu haben, was »Grundversorgung« bedeuten soll, bin ich spontan wenig begeistern davon. Erstens, weil es den Gedanken der Solidargemeinschaft aufweicht. Der Sinn ist doch, vereinfacht gesagt, dass alle mit ihren Beiträgen für die Versorgung des Einzelnen einstehen. Zweitens, weil es mich selbst betrifft. Oder besser gesagt, jemand aus der Familie. Nehmen wir mal an, die Behandlung eines Krebspatienten fällt nicht mehr in die Grundversorgung (und diese Befürchtung habe ich, schließlich geht es um Geld und Krebsbehandlung kostet hunderttausende Euro je Patient). Jemand, der eine entsprechende Behandlung nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt bekommt und nicht so reich ist, kann sich dann gleich einsargen lassen. Und ich erlaube mir hier etwas Pessimismus, schließlich ist es schon seit 1.1.2001 so, dass alle, die nach dem 1.1.1961 geboren wurden und nun berufsunfähig werden, wenig bis kein Geld vom Staat bekommen. Wem das nicht ausreicht, darf sich dann beim Sozialamt in die Reihe stellen (Details bei jeder Bank oder Versicherung, bitte BU-Versicherung abschließen Leute, ist wichtig).

Ich würde gerne eine Partei wählen, die sich die dringend notwendigen Strukturreformen zur Aufgabe macht, die von diversen Studien angemahnt wurden. Aber wer wählt eine Partei, die nicht blühende Landschaften in ihr Wahlprogramm schreibt, sondern die Wahrheit? Niemand, um meinen früheren Klassenleiter, Herrn Merkel, zu zitieren, den ich sehr schätze, weil er uns nicht nur Mathematik, Physik und Informatik lehrte, sondern auch was für's Leben.
Ich weiß, dass das zwei Wünsche sind, die sich ausschließen: teure Gesundheitsversorgung und Strukturreformen. Nein, ich habe kein Rezept, Frau Schmidt, Frau Fischer und Herr Seehofer sind auch schon daran gescheitert.
Im Übrigen: Las ich nicht mal etwas davon, man wolle die Legislaturperioden von vier auf fünf Jahre verlängern? Ich halte das sinnvoll, denn ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass drei Jahre regiert und ein Jahr Wahlkampf gemacht wird, wenn ich's mal etwas platt ausdrücken darf.

Bei der »Zeit« gibt es einen Artikel dazu (aus Ausgabe 16/2002). Beim Lesen fällt mir als erstes auf: die SPD fordere höhere Anforderungen an die Ärzteschaft. Was soll das heißen? Ich kenne aus meinem Bekanntenkreis jemanden, der Medizin studiert. Er »freut« sich auf sein Vorbereitungsjahr, in dem er nichts verdient, Vollzeit arbeitet und die Putzfrau die am Abend sauber macht wenigstens noch 325 Euro bekommt. Als AIPler (Arzt im Praktikum) bekommt er ein bisschen was, hat aber die volle Verantwortung und von einer 40-Stunden-Woche kann er nur träumen.

»"Wir müssen den Menschen klipp und klar sagen, dass das heutige Angebot an Leistungen im bisherigen System nicht zu finanzieren ist", sagt Ulf Fink, der Sozialexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.«

Das ist richtig. An welchem Ende sparen, beim Krebspatienten oder soll der Mensch mit grippalem Infekt sein Medikament lieber voll selbst zahlen?

Ein Blick in die Wahlprogramme der fünf im Bundestag vertretenen Parteien:

PDS Grüne SPD FDP CDU/CSU
[Eingescannte und als riesige Grafikdatei abgelegte Wahlprogramme lese ich nicht. Anfänger.] Ein zukunftsorientiertes Gesundheitswesen garantiert eine hoch stehende medizinische und gesundheitliche Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von Einkommen, sozialer Stellung und Wohnort. Der Zugang zu gesundheitsrelevanten Leistungen nach dem heutigen Sachleistungsprinzip muss allen in Deutschland lebenden Menschen offen stehen. Mit den Grünen ist eine Aufteilung in Grund- und Zusatzleistungen nicht zu machen. Umfassender Versicherungsschutz für alle, ein vom Einkommen unabhängiger Leistungsanspruch, die strikte Orientierung am medizinisch Notwendigen, Versorgung ohne Wartelisten.
Diese Vorzüge werden wir erhalten. Deshalb lehnen wir die Aufteilung der Leistungen in Grund- und Wahlleistungen ab.
[...]
Aus Gründen der Beitragsgerechtigkeit und der demografisch bedingten Veränderungen ist es nötig, den Kreis der gesetzlich Versicherten zu verbreitern. Deshalb wird die Versicherungspflichtgrenze für neue Mitglieder der GKV angepasst.
Die Tarifgestaltung in der GKV muss deshalb flexibler werden. Die FDP will die Zwangsbeiträge auf Kernleistungen beschränken und Wahlmöglichkeiten und Gestaltungsspielräume für individuelles Handeln eröffnen.
[...]
Zum Wettbewerb gehört auch, dass sich möglichst viele Menschen entscheiden können, ob sie in der GKV oder in der PKV [gestzlich/privat] versichert sein wollen. Eine Anhebung der Versicherungspflichtgrenze ist deshalb strikt abzulehnen.
Was medizinisch notwendig ist, muss auch tatsächlich geleistet werden.
[...]
Die Versicherten sollen künftig eine größere Wahlfreiheit über den Umfang ihres Versicherungsschutzes erhalten. Sie sollen künftig selbst entscheiden können, ob sie den bisherigen Versorgungsumfang beibehalten, zusätzliche Leistungen erhalten oder bei gleichzeitiger Beitragsermäßigung Leistungen abwählen oder einen Selbstbehalt übernehmen wollen.

Ach ja, im Spiegel der letzten Woche war ein schöner Artikel zu Stoibers Wahlziel »3x 40« (Staatsquote, Spitzensteuersatz und Sozialversicherungs-Beiträge unter 40%). Fazit: »Finanzierung noch offen.«

Ach, weil ich gerade Parteien-Websites abklappere, derzeit steht bei gruene.de das hier ganz oben auf der Startseite:

„Die FDP wird so lange eine antisemitische Partei sein, bis Herr Möllemann zurückgetreten ist“, sagte der französische grüne EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit.

Da macht sich's Herr Cohn-Bendit jetzt aber schon etwas einfach, auf Grund der Aussagen eines Einzelnen (ob das als anti-semitisch durchgeht, sei mal dahingestellt) die anderen 65.000 Partei-Mitglieder (laut Westerwelle) über einen Kamm zu scheren.

Zurück zum eigentlichen Thema, was wählen?
Einem Monitor-Bericht zur FDP kann ich mich jedenfalls nicht vollumfänglich anschließen. Sicher, der Abbau des Kündigungsschutzes führt dazu, dass Beschäftigte schneller gefeuert werden können. Aber er führt auch dazu, dass schneller wieder Leute eingestellt werden. Quelle habe ich jetzt leider nicht mehr parat. War's der Spiegel?

Davon ab wird es dem Wähler nicht leicht gemacht, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Allein das Wahlprogramm der FDP umfasst als PDF-Datei 89 Seiten, das der Grünen 64. Und dass man sie sinnvollerweise nicht wie leichte Bettlektüre liest, ist auch klar.

Musik aus der Peugeot-Werbung (307): Télépopmusik - »Breathe«.

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Samstag, 18. Mai 2002 --- Lust for Life
Die Überschriften meiner Tageseinträge haben bekanntlich oft etwas mit dem Erlebten des Tages zu tun. Heute passt die Überschrift aus zwei Gründen: Ich habe gleichnamigen Film gesehen und zweitens passt sie in einer gewissen selbstironischen Weise zu meiner derzeitigen, schlechten Stimmung. Zunächst zum Film.

Ich nahm den Bus um 20:44 ab Vach Nord und fuhr bis Rathaus (die Linie 173, bei der Eisenbahnbrücke bei Unterfarnbach wird mal wieder gebaut). In Fürth noch einen Döner, dann mit der U1 bis Plärrer und mit der U2 bis Rathenauplatz. Am Metropolis war ich vor Jahren mal, aber dank Stadtplandienst und kurzem Fußweg (halber Kilometer) habe ich es schnell gefunden, einfach die Sulzbacher Straße runter (auch noch nie gesehen: da wurde eine Straßenbahn abgeschleppt). Der Film begann um 22:10. Ein mexikanischer Film, wie schon vor ein paar Tagen erwähnt; im Verleih von Fox. Um Mitternacht war ich aus dem Kino wieder draußen.

Durchaus sehenswert, wobei die Erzählstimme aus dem Off teilweise etwas genervt hat (die Stimmen/Geräusche des Films wurden in den Hintergrund geblendet und jedesmal meinte man erst, mit dem Ton würde was nicht stimmen, dann fing der Mann aus dem Off zu erzählen an; vielleicht wäre das im Original besser gewesen, aber ich spreche kein Spanisch) und die etwas wackelige Kamera. Es geht um einen Road-Trip von zwei jungen Männern (um die 18) und einer etwas älteren Frau (relativ, um die 30) an einen Strand, die Himmelsbucht. Und es geht um viel Sex. Insgesamt eine etwas eigenartige Mischung aus einem Road-Trip-Film (<loriot>Ach?</loriot>) und »Magnolia« (Erzähler aus dem Off: »Zwei Jahre später würde er...«). Fazit: Nett, aber keine Bildungslücke, wenn man diesen Film auslässt. Bei Spiegel gibt's noch ein Interview mit dem Regisseur.
Die engen Klappsitz-Reihen im Metropolis nervten extrem, nach einer halben Stunde wusste ich nicht mehr, wie ich mich hinsetzen sollte.

Am Rückweg noch bei einer Tankstelle einkaufen. Die Aral hatte weder brauchbare Chips noch Erdnüsse, aber dafür die Esso 50 Meter weiter. Aus alter Gewohnheit habe ich den neuen Spiegel nicht gekauft, weil ich noch im Hinterkopf hatte, dass er Montag erscheinen würde (wegen Pfingsten aber schon seit heute erhältlich). Am Rückweg (zehn nach zwölf in die U2 bis Hbf, Abstecher bei Burger King, um 00:44 mit der letzten U1 bis Rathaus, aber vor allem ab 01:27 im Nightliner N17 bis Vach) noch ein paar Gedanken zu Dingen, die mich momentan etwas nerven. Und hier kommen wir zum zweiten Punkt. Zeit für meine »Rainy Day«-Playlist (zumal es zu regnen begann).

Cut.

Ich habe schon ein Stück geschrieben, es aber wieder gelöscht. Einmal, weil ich es nicht so wieder aufschreiben konnte, wie ich es zuerst dachte, und das wäre wichtig gewesen. Zweimal, weil es sich in einem Tagebuch sicher sehr gut machen würde, aber nicht in einem Weblog. Sagen wir einfach, ich war auf der Heimfahrt wegen ein paar grundsätzlicher Dinge schlecht gelaunt.

Am Rückweg gesehen: eine Uralt-U-Bahn (30 Jahre alter Pegnitzpfeil), die mit Videokameras nachgerüstet wurde. Stand auch auf Aufklebern an der Tür: »Video-Überwachung!« Hat mich an eine Meldung bei Heise neulich erinnert, wonach Airbus in seine Flugzeuge in die Leselampen Infrarot-Kameras einbauen will. Im Forum fragte jemand, wo denn die 50 Beamten säßen, die die 400 Passagiere beobachten. Nicht ganz verkehrt. Jemand antwortete, die Piloten sollen das bei sich im Cockpit sehen können. Ich bin zwar kein Pilot, aber ich behaupte mal, dass Piloten ein Flugzeug zu fliegen haben und nicht den Passagieren beim Knacken zusehen sollen. Nein, das dient nur zu zwei Zwecken: Abschreckung und ggf. Verfolgung, aber mit Prävention hat das nichts zu tun.

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Freitag, 17. Mai 2002 --- Letzter Tag vor dem Urlaub

»Wir leben in einem Zeitalter der Beschleunigung. Wie auch immer die Zauberformel für unternehmerischen Erfolg vor einigen Jahren gelautet haben mag - sie funktioniert nicht mehr. Heute muss immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit bewältigt werden. Weniger Menschen arbeiten mehr, sie arbeiten schneller und sie arbeiten auf engerem Raum, mit weniger Unterstützung, kleineren Spielräumen und höheren Qualitätsanforderungen als je zuvor. Der durchschnittliche Manager oder Wissensarbeiter steht heute so unter Druck, dass er einfach keinen freien Moment mehr kennt. Er hat keine Zeit zu planen, er hat pausenlos zu tun. Er hat keine Zeit, zu analysieren, kreativ zu sein, zu lernen, nachzudenken, zu meditieren oder schlicht zu Mittag zu essen.
Vor kaum einem Jahrzehnt war der Arbeitsplatz durch "Bürostunden" gekennzeichnet, den Plausch am Kaffeeautomaten, ausgedehnte Geschäftsessen, frühe Schließzeiten im Sommer und die Firmen-Volleyballmannschaft. Heute sind solche Freiheiten so undenkbar geworden wie der Milchmann und die Tankstelle mit vollem Service.
Das allgegenwärtige Gib-Gas-Mantra hat Unternehmen geholfen, in Fahrt zu kommen. Ohne jeden Zweifel erbringen sie ihre Leistungen heute schneller und billiger als früher. Doch es gibt da noch eine andere Seite...

Angenommen, einem Unternehmen stehen grundlegende Veränderungen bevor. Die notwendigen Veränderungen erschöpfen sich nicht darin, das Gleiche wie bisher noch schneller zu erledigen, sondern zielen darauf ab, einen Richtungswechsel vorzunehmen und völlig neue Wege einzuschlagen. Nun sind Veränderungen immer herausfordernd und schwierig, in hochbeschleunigen Unternehmen aber ist ein Richtungswechsel praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Genau die Verbesserungen, die dazu geführt haben, dass das Gib-Gas-Unternehmen schneller und billiger als früher arbeitet, unterminieren seine Fähigkeit, andere Veränderungen vorzunehmen.
Ein Unternehmen, das die Geschwindigkeit erhöhen, aber die Richtung nicht ändern kann, ist wie ein Auto, das sich beschleunigen, aber nicht lenken lässt. Auf kurze Sicht kommt es in die Richtung, in die es zufällig fährt, gut voran. Auf lange Sicht betrachtet endet es wie viele andere als Schrotthaufen im Straßengraben.
[...]
Vielleicht haben Sie sich in einem früheren Leben, als das Wort Freizeit noch eine Bedeutung für Sie hatte, gelegentlich mit dem im Folgenden abgebildeten Spiel beschäftigt. Bei diesem Spiel geht es darum, die mit Zahlen beschrifteten Quadrate nacheinander so in das leere Feld zu schieben, dass am Schluss eine perfekte Ordnung entsteht.



Die Aufgabe, die Quadrate in die richtige Reihenfolge zu bringen, ist - wie Sie sich vermutlich erinnern - alles andere als einfach. Schon in der traditionellen Form des Spiels bereitet sie Kofpzerbrechen. Aber nun stellen Sie sich erst einmal folgende veränderte - soll ich dreist behaupten, verbesserte? - Form des Spiels vor:



Statt acht Quadraten und einem leeren Feld haben wir jetzt ein Spiel mit neun Quadraten und keinem leeren Feld. Diese Anordnung weist eine um 11,1 Prozent höhere Effizienz auf, weil das überflüssige leere Feld eliminiert wurde, und die Spielfläche eine Auslastung zu 100 Prozent aufweist. (Während Sie diese Zeilen lesen, ist man in Ihrer Firma womöglich gerade dabei, die gleiche Logik auf die Verteilung der Büros und Schreibtische anzuwenden.) Die Effizienz wurde verbessert, aber um einen hohen Preis: Ohne das leere Feld gibt es keine Möglichkeit mehr, die Quadrate zu bewegen. Die Anordnung der Quadrate mag in ihrer neuen Form optimal sein. Sollte die Zeit jedoch etwas anderes erweisen, gibt es keine Möglichkeit mehr, eine Veränderung vorzunehmen.«

Tom DeMarco: »Spielräume«

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Donnerstag, 16. Mai 2002 --- »Selbstironisch, freundlich, zynisch.«
Da ich gestern Abend ja nichts mehr gegessen hatte, traf es sich gut, dass wir heute von der Filiale aus gemeinsam zum Frühstücken in ein nahes Cafe gingen. Die Bank spendierte den Filialen pro Nase ein Frühstück für bis zu 20 Euro, als kleines Dankeschön für die längeren Öffnungszeiten während der Umstellung.

Den Tag über gab es sehr gute Umsätze: insgesamt 110.000 Euro Kreditumsatz (sechs Stück), wovon ich drei Verträge beisteuern konnte (zweimal 10.000, einmal 20.000 €) plus ein neues Girokonto.

Sehr warmes Wetter, bereits während des Frühstücks konnte man getrost im kurzärmeligen Hemd draußen sitzen. Morgen soll's noch wärmer werden, bis zu 29 Grad, am Wochenende wieder etwas kühler um 20 Grad.

Die Links von heute:
Counterstrike wird nicht indiziert (Heise, Spiegel). Und bei den Macguardians gibt's eine Einschätzung zum Xserve.

Am Abend noch Monitor gesehen, dann zum Griechen, anschließend Berlin-Mitte, Harald Schmidt (»Selbstironisch, freundlich, zynisch.«) und »Becker«.

Schmidt: »Die FDP hat Ärger, habe ich jetzt grade in den Nachrichten noch gehört.«
Andrack: »Oh ja.«
Schmidt: »Ja, und zwar, ein Mitbürger, der, ich glaube, in Syrien geboren wurde, wollte in die FDP eintreten, war schon bei den Grünen. Und es gibt jetzt irgendwie bösen Ärger wegen anti-semitischer Tendenzen. Sehr heikles Thema. Viele FDP-Mitglieder haben schon gesagt, "Wenn er kommt, treten wir aus", jetzt, wo es gerade so gut läuft! Und ich glaube, die FDP wird das alles geregelt kriegen, oder, weiß man da Näheres, über diesen...?«
Andrack: »Ich glaube, er ist schon in der Partei...«
Schmidt: »Er ist schon in der Partei.«
Andrack: »In der Nordrhein-Westphälischen, und jetzt sagt man aber, vielleicht dann doch besser nicht.«
Schmidt: »Ja muss man ihn ausschließen?«
Andrack: »Könnte man ja.«
Schmidt: »Das ist aber sehr heikel.«
Andrack: »Warum?«
Schmidt: »Hat er was Konkretes gesagt, weswegen man ihn ausschließen müsste?«
Andrack: »Ja, er hat schon was sehr Eindeutiges gegen "zionistische Umtriebe" und sowas gesagt.«
Schmidt: »Ach so. Also das heißt, das wäre bei genauerer Prüfung auch für die FDP-Spitze dann schon ein Grund, wo man sagen könnte, man hätte vielleicht, aber... Weiß Möllemann davon bescheid?«
Andrack: »Ja natürlich, er ist doch irgendwie in der...«
Schmidt: »Deutsch-Arabischen Liga, bitte?«
Andrack: »In der NRW-FDP.«
Schmidt: »Und in der Deutsch-Arabischen Gesellschaft.«
Andrack: »Ja, selbstverständlich.«
Schmidt: »Er stellt Kontakte her. Sehr kompliziertes Thema. Bin ich froh, dass das nicht mein Thema ist. Man weiß ja heutzutage nicht mehr, was man sagen darf, was man nicht sagen darf, was man wo sagen darf, was man leise sagen darf, was man denken darf, was man in Anführungszeichen sagen darf, und vor allen Dingen, wo man sagen darf: "Da bin ich missverstanden worden."
"Ich bedaure das, ich nehme es inhaltlich zurück, aber bedaure die Form, in der ich es gesagt habe."
"Ich finde die Form übertrieben, stehe aber voll zum Inhalt."
"Ich halte den Inhalt für fragwürdig, bin aber der Meinung, dass man über Form reden können muss."
"Ich habe formal vielleicht zu falschen Mitteln gegriffen, würde aber inhaltlich das Gleiche wieder tun." Alles das muss man parat haben, um nicht sozusagen permanent verhaftet zu werden.«

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Mittwoch, 15. Mai 2002 --- Endspurt
Heute gibt es nichts besonderes zu berichten. Bis halb sieben in der Bank geblieben, um halb acht eingeschlafen, um zwei wieder aufgewacht, aber gleich wieder weitergeschlafen.

Die nächsten zehn Tage ist Kai wieder in Paris und entzieht mir meine tägliche Portion Hundefutter. Schöne Zeit in Frankreich!

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Dienstag, 14. Mai 2002 --- Designed to serve
Ich fasse mich kurz.

Bus um 06:52.

In der Filiale nichts besonders. Am Abend blieb ich nocht etwas länger, wie gestern ausgeführt. In Erlangen vor der Heimfahrt mit dem Taxi noch einen Döner bei Avrasya (inzwischen nicht mehr 2,20 Euro, auf die der Preis seit Jahresanfang von 5 Mark gesenkt wurde, sondern neuerdings 3 Euro). Um halb elf war ich zu Hause.

Apple stellte heute erwartungsgemäß sein neues Server-Modell vor, »Xserve« (Heise, MacCentral). Viel kann ich dazu nicht sagen, da ich kein Server-Experte bin, aber das, was Steve Jobs und Phil Schiller während der Präsentation erzählten, klang durchaus konkurrenzfähig. Der nicht unberechtigte Vorwurf, dass Power Macs nicht stapelbar sind, ist jetzt aus der Welt geschafft, der Xserve passt ist ein Standard-19-Zoll-Rack und ist eine Höheneinheit hoch.
Wie immer sehr gut die Live-Berichterstattung von MacCentral (von unten nach oben lesen).

Harald Schmidt, »Becker«. Anschließend noch die Tasche für Mitwoch bis Freitag gepackt.

So langsam mache ich im Kopf mal eine To-Do-Liste für den Urlaub: Ein Dutzend Leute treffen, neue Klamotten für den Sommer kaufen (T-Shirts, Sonnenhut, leichte Jacke, Weste), Steuererklärung machen, an two cents weiterschreiben, an diversen Websites weiterarbeiten...

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Montag, 13. Mai 2002 --- Entdecke die Möglichkeiten
Erste Erfahrungen mit dem neuen Online-Ticket. Die Nacht über habe ich mich schon geärgert, weil ich es zunächst nicht ausdrucken konnte (bei Klick auf den entsprechenden Button auf der Website kam es nur zu einer 404-Fehlermeldung des Servers und ich hatte schon befürchtet, ich müsste am nächsten Morgen mit der Hotline telefonieren, um es stornieren zu lassen). Nach dem Aufwachen klappte es dann aber doch noch für mein erstes Online-Ticket.
Im Zug Irritationen: die Zub wollte erst meine Kreditkarte, um das Ticket zu verifizieren, aber ich gab ihr freundlich den Tipp, im Internet hätte ich gelesen, dass es nur mit der Bahncard klappt (was richtig ist).

Am Abend erreichte ich knapp den ICE um 17:17 nach Hause. Tagsüber war volles Programm. Ich hatte keine Zeit, Dinge zu erledigen oder dem Kollegen von der Zeitarbeit was zu zeigen.
*argl*, ich bin ein Held. Den ganzen Tag trug ich die BahnCard in der Hemdtasche durch die Gegend, weil ich sie am Abend ja noch brauchen würde. Dummerweise in unmittelbarer Nähe zu einem per Magneten gehaltenen Namensschild. Von den Dingern war ich noch nie begeistert, es geht nichts über Namensschilder zum Klipsen. Tja, Magnetstreifen der Karte gelöscht. Nicht soooo dramatisch, da sie eh nur noch bis 13.6. gilt und ich dann eine neue Bahncard bekommen werde. Festgestellt habe ich es, da ich bei der Rückfahrt im Zug die Fahrkarte nachlösen und für das Vielfahrer-Programm der Bahn sammeln wollte (ich glaube nicht, dass ich die 1.000 Euro Umsatz in sechs Monaten schaffe, aber man kann's ja probieren).

Vom Samstag stand noch mein Fahrrad am Bahnhof in Erlangen. Ich fuhr zu Adana, um mir noch einen Iskender zu genehmigen und gegen acht Uhr nach Hause. Sehr angenehm, sonnig, warm, windstill, im Wiesengrund der Duft von frisch geschnittenem Gras (allerdings führte der Weg erst an einem nicht weniger frisch gedüngtem Feld vorbei). Würde ich ja glatt öfter machen, aber normalerweise habe ich ja Koffer oder Trolly dabei, das ist auf dem Fahrrad nicht so praktikabel.

Bei Spiegel-online hat's einen interessanen Bericht zum Euro in den französischen Übersee-Departments.

Bei Thinksecret gibt es massig Screenshots zum neuen Finder aus Jaguar.
Sehr interessant ein Bild der Account-Settings aus den System Preferences: Man kann einzelnen Usern einfach per Mausklick die Ausführung von bestimmten Programmen verbieten oder andere Dinge festlegen (vereinfachten Finder benutzen, ob der Benutzer Icons vom Desktop löschen darf, ob er Zugang zu allen System-Einstellungen hat, ob er Drucker benutzen und CDs/DVDs brennen darf).

Morgen werden bekanntlich neue Server von Apple vorgestellt, die rack-mounted sein werden. Mac-TV wird ab 17 Uhr für ca. drei Stunden live auf Sendung sein, aber ich fahre erst gegen halb neun mit dem Zug nach Hause...

Dass ich diese Woche ein paar Mal heim fahren muss, ist andererseits nicht verkehrt, weil mir der Grieche in Augsburg inzwischen ehrlich gesagt schon zum Hals raushängt und mit Alternativen sieht's in der Innenstadt nicht so gut aus (keine besonders guten Italiener, alternativ noch zwei sündhaft teure Steak-Häuser). Außerdem ist es meine letzte Woche vor dem Urlaub, da geht das schon.

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