»Über mich kann fast jeder fast alles wissen.«
Wolfgang Gerber im Newsgroup-Beitrag <80210l$3pb$7@newsread.f.de.uu.net>

 

-- Sonntag, 7. November 1999 --

Die Digitalisierung der Gesellschaft erleichtert das Leben -- und bedroht die Privatsphäre
Das war der Name der Titelgeschichte des Spiegel 27/1999 und es ergibt sich ab und an die Gelegenheit, dass ich auf diesen Artikel hinweisen muss, weil jemand eine Meinung vertritt wie (oben auf dieser Seite) Wolfgang. Ich respektiere seine Meinung, aber ich bin jemand, der nicht unbedingt an das Gute im Menschen glaubt, und so etwas nehme ich zum Anlass, auf den fortschreitenden Verlust der Privatsphäre hinzuweisen.

Schily will kleinen Waffenschein
dpa meldet heute, dass Bundesinnenminister Schily (SPD) erwägt, bei der anstehenden Novelle des Waffengesetzes auch einen »kleinen Waffenschein« für Schreckschusspistolen sowie Hieb- und Stichwaffen einzuführen. Erfreulich. Sieht man über den Teich in die USA, dort geht man in eine ganz andere Richtung. Nach dem Amoklauf von Littleton im April 1999, als zwei Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren an ihrer high school zwölf Mitschüler, einen Lehrer und anschließend sich selbst erschossen, gab es allerhand (für uns Mitteleuropäer) kuriose Maßnahmen und Vorschläge: An manchen Schulen wurden schwarze Trenchoats verboten, manche Leute schlugen vor, Lehrer sollten versteckte Waffen tragen damit sie sich verteidigen können, Präsident Clinton appelierte an die Filmindustrie in Hollywood, weniger Gewaltdarstellungen in den Kinos zu zeigen. Das Repräsentantenhaus verabschiedete ein Gesetz, das vorschreibt, in den Schulen die Zehn Gebote aufzuhängen. Auf die Idee, Jugendlichen den Zugang zu Waffen zu erschweren ist man zwar auch gekommen, aber die Erfolge gegen die mächtige Waffenlobby waren bescheiden.
Die Columbine High-School ist jetzt vollständig videoüberwacht.
Ein ausführlicher Artikel zu dieser Thematik folgt, der nächste Amoklauf kommt bestimmt.
dpa weiter: »Schily machte unter anderem die Gewaltdarstellungen in den Medien für die ansteigende Gewaltbereitschaft verantwortlich. Eine Zensur komme allerdings nicht in Frage.« Naja, nicht wirklich, Filmfans wissen das und fluchen auf die Bundesprüfstelle.

Typisch deutsch
In einer Vorabmedlung zur Ausgabe 45/1999 des Spiegel heißt es zur Meldung, dass deutsche Soldaten im Kosovo gratis telefonieren können:
»Die Ministerialbürokratie versuchte zunächst, die neue Idee und das förmliche Angebot der Telekom abzublocken: 'Sponsoring' sei beim Militär 'nicht üblich', zudem habe der 'Haushaltsgesetzgeber' die Aktion im Wehretat 'nicht veranschlagt'. Gegen 'massiven Widerstand' (Scharping) der Beamten ließ der Minister die Anlage Ende September installieren - und die Soldaten ermuntern, bei jedem Gespräch für mildtätige Zwecke zu spenden. Seither kamen dank der Telefonier-Sucht der Truppe gut 50.000 Mark zusammen.«
Ist das Neid oder hält sich da ein Bürokrat zu genau an die Vorschriften?

Gassner's Law
»Jemand, der gewisse Grundsätze und Prinzipien als 'typisch deutsch!' bezeichnet, hat automatisch verloren. 'Typisch deutsch' kommt nur von Argumentationslosen. Sie haben nichts mehr zu sagen.«

Die Usenet-Laws     www.snafu.de/~dbrueg/laws.html
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