»Es ist ein Ammenmärchen, dass Internet-Benutzer/innen komplexe, anspruchsvolle, umfangreiche Dinge nicht wollen oder keine Zeit dafür haben. Es muss nur so gut sein, daß es sich lohnt, Zeit und Mühe zu investieren.«
Dr. Thomas Wirth im KriT-Interview

 

-- Donnerstag, 18. November 1999 --

Wie sich User im Web verhalten
In der aktuellen Ausgabe des KriT-Journal steht ein Interview mit Dr. Thomas Wirth, ein Mann, der sich ausgiebig mit dem Thema Ergonomie im Web beschäftigt.
Das Interview ist sehr lesenswert.

»Ich weiß noch, wie schockiert ich beim Absenden meiner ersten E-Mails war: 'Die antworten nicht? Ja, sind die denn total übergeschnappt...??' Da gibt es nun eine Technologie, die die menschliche Kommunikation in einem Maß revolutioniert, dass sich die Erfindung des Buchdrucks wie ein lauwarmer Sturm im Wasserglas ausnimmt - und was geschieht? Sie rülpsen ihre sterbenslangweiligen 'multimedialen' und höchst 'interaktiven' Botschaften ins Web - und antworten nicht, wenn man sie anmailt.«

Dr. Thomas Wirth betreibt die Site Wissenschaftliches Kommunikationsdesign: www.kommdesign.de

Heteronomie des Geistes
In den Radio-Nachrichten des Bayerischen Rundfunks von heute um 15 Uhr stand in einer Meldung über Papst Johannes Paul II., er hätte seine Entscheidung über die katholischen Schwangerenberatungsstellen in Deutschland bestätigt. Bei einem Besuch deutscher Bischöfe im Vatikan erinnerte der Papst seine Gäste »an ihre Verantwortung für die christliche Lehre und Disziplin.« In der Meldung hieß es weiter:

Manche Katholiken maßten sich das Recht an, in Angelegenheit des Glaubens selbst zu entscheiden, welche Lehren sie annehmen wollen. Glaubenslehren, so stellte der Papst klar, können nicht Gegenstand individueller Einschätzungen sein. [..]
Vielerorts wollen katholische Laien nach einem erwarteten Ausstieg der Bischöfe die Schwangeren-Konfliktberatung fortsetzen.

Ich war zwar evangelisch, aber ich weiß, warum ich aus der Kirche ausgetreten bin: Warum sollte ich andere für mich denken lassen?
>> Nachrichten vom 18.11.99, 15 Uhr
>> Aktuelle Radio-Nachrichten des BR

Lobbyismus in der Videobranche
Die Site DVDinside.de schreibt in den News von heute: Rainer Ordegel, neuer stellvertretender IVD-Bundesvorsitzender (IVD: Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland), hätte Zweifel an der Durchsetzungskraft der DVD angemeldet. »Die DVD wird nicht die Bedeutung erlangen, wie viele glauben. Die DVD wird kein Massenmarkt.«
Das sieht aber anders aus, wenn ich in den MediaMarkt vor der Haustür gehe.

Bleibt zu wünschen, dass bei deutschen DVDs die durchschnittliche Qualität verbessert wird, Warner (abgesehen von den runtergeschnittenen Fassungen) und BMG können hier beispielsweise lobend erwähnt werden, VCL/MAWA und Eurovideo nicht. Bei letztgenannten muss man sich mit einer deutschen Fassung (kein Originalton zusätzlich mit optionalen deutschen oder englischen Untertiteln) und keinen bis wenigen Extras bescheiden.

Berlin
Heute lief im Fernsehen (Kabel1) eine Reportage über die Bauarbeiten am Potsdamer Platz in Berlin, Europas größter Baustelle. Man mag es kaum glauben, dass es im Privatfernsehen auch Reportagen ohne nackte Haut gibt.:-)
Am Potsdamer Platz wurde im Oktober 98 die DaimlerChrystler-City eröffnet; DaimlerChristler hat 70.000 der 130.000 Quadratmeter des Potsdamer Platzes bebaut, 19 Gebäude, zehn Straßen, ein zentraler Platz und alles mit unterirdischen Tunnels für die Logistik verbunden. 2001 wird das die Europa-Zentrale von Sony, das Sony Center fertiggestellt, im Jahr 2003 wird die Neubebauung des Potsdamer Platzes fertiggestellt sein, wenn die Park-Arkaden eröffnen.
Das Neue Berlin, mit dem Regierungsviertel im Spree-Bogen oder dem Potsdamer Platz wird 2005 »fertig« sein, wenn der Lehrter Bahnhof gebaut wurde.
Berlin hat aber auch sonst so viele Sehenswürdigkeiten, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Hot Tip: Mit der Buslinie 100 der Berliner Verkehrsbetriebe vom Bahnhof Zoo bis zur Endhaltestelle im Osten der Stadt fahren. Oder, noch besser, die Linie zu Fuß ablaufen.

Berlin zeichnet sich noch durch einiges mehr aus als Baustellen, vielleicht schreibe ich ja mal einen Artikel darüber.

Nachtrag zum Tagebucheintrag vom 4. November 1999
An diesem Tag habe ich ein Stück aus dem Spiegel-Artikel ŠSperrt das Desy zu!ä (Spiegel 44/1999) zitiert. Am Dienstag dieser Woche (16.11.) hat, wie im Tagebuch geschrieben, eine Freundin von mir angerufen. Wir haben uns auch über den DESY-Artikel unterhalten (sie ist Physik-Studentin). Hier noch zwei Links, die sie mir empfohlen hat und die ich so weiterreichen will:
>> Stellungnahme des DESY-Direktoriums
>> Der Bourbakische Internetkrieg

Javascript funktioniert nicht
Die neue Fondsgesellschaft der HypoVereinsbank, Activest, ist heute gestartet.
Leider verlässt man sich bei der Navigation komplett auf den Einsatz von Javascript und DynamicHTML. Damit allein schließt man schon eine Menge Benutzer aus, das Problem bei Activest ist aber, dass selbst bei eingeschaltetem Javascript in Navigator 4.6 und aktiviertem ActiveScripting in IE5 nichts passiert, nachdem die Pop-Up-Fenster (wie ich die Dinger hasse...) aufgegangen sind.

my two cents ist nicht verantwortlich für die Inhalte anderer Web-Sites.